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Diese Seite ist fuer alle gedacht, die, ob groß
oder klein, noch Freude an Legenden aus alter Zeit haben. Vieles wurde frueher
von Mund zu Mund ueberliefert und ist daher heute schon fast vergessen. Aber
ich persoenlich finde, wenn man eine Landschaft besucht, dann sollte neben
den landschaftlichen Schoenheiten auch die Erklaerung fuer so manche Ortsnamen,
markante Punkte oder auch nur die versteckten Perlen volkstuemlicher Erzaehlkunst
nicht fehlen.
Bevor alle diese teils geschichtlichen teil phantasievollen
Kostbarkeiten in unserer schnellebigen Zeit ganz untergehen, moechte ich Ihnen
einige noch vorstellen. Manche sind nicht mehr den einzelnen Ortschaften in
unserer Bayern-Reise zuzuordnen, aber sie sind alle aus Bayern.
Wenn ich in einem alten Buch, das bei mir in
die Buecher-Fundgrube kommt, eine nette Legende oder Sage finde, dann erzähle
ich sie mit meinen Worten nach. Viele sind nur kurz und oft auch lieblos gedruckt,
aber dennoch zu schade, um vergessen zu werden.
Ich bitte jedoch um Verständnis, daß
ich Werbung einstreuen muß, denn der Seitenabruf (erfreulicherweise gibt
es viele interessierte Leser) kostet mich Geld und irgendwie muß "
a bisserl was" wieder reinkommen. Zumal ich jetzt auch noch
alte Märchen, die nicht aus Bayern
stammen, wieder in die Erinnerung zurück rufen möchte und kann -
schauen Sie ab und zu mal auf die folgende Seite:
Da es nun durch die Umstellung der Seite auf
Wegweiser links, wie viele gewohnt sind, unheimlich lange Seiten werden, hab
ich nicht alle auf einer, sondern nur noch ein paar jeweils auf einer Seite.
Rotes Feld im Wegweiser heißt: sind auf
dieser Seite - die anderen sind "verlinkt". Also müssen Sie
dann durch den Sagen-Wegweiser "huppen" (springen - also uff den
Link klickern - klar?).
Wer sich übrigens für unterwegs Sagen
als MP3 laden möchte, damit die Fahrzeit schneller vergeht, hier ein Link
auf eine Webseite mit Allgäuer Sagen: www.locopodia.de - sind etliche dabei,
die ich auch noch nicht gekannt habe.
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In vielen Geschichten der Oberpfalz spielt das "Doppelgesicht"
eine Rolle, so auch in dieser Geschichte:
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Der Mesner von Thannstein
In Thannstein waltete im letzten Jahrhundert lange Zeit seines
frommen, stillen Amtes ein alter Mesner. Mit der Puenktlichkeit einer Uhr erschien
er jeden Tag zu seinem Dienste, der damit begann, daß er morgens um 4
Uhr den englischen Gruß zu laeuten hatte.
Es war an einem Herbstmorgen, als noch fast das Dunkel der
Nacht diese Stunde umhuellte, da ihn die Gewohnheit des Dienstes und die Zeiger
der Uhr mahnten, daß sein Amt beginne. Rasch war er angekleidet, sprang
durch die frostige Morgenluft ueber den Kirchhof hinueber zum Turme, oeffnete
dessen knarrendes Schloß und wollte eben den Strick der Glocke ergreifen,
um sie zum Gebete zu ruehren, als er ploetzlich zurueckfuhr vor Schrecken,
fast wie Lots Weib zur Saeule gewandelt.
Seinen Augen bot sich ein Bild, welches dem unerschrockensten
Manne den Schlag des Herzens gehemmt haette. Er selbst, wie er leibte und lebte,
stand am Glockenseile, er hatte sein zweites Ich erblickt; die raetselhafte
Gestalt blieb sprachlos und ohne Bewegung.
Weniger Zeit, als hier die Erzaehlung beansprucht, vermochte
der Mesner auf das grause Bild zu blicken, gestraeubten Haares, totenblassen
Antlitzes floh er von dannen; diesen Morgen wurde in Thannstein nicht gelaeutet.
Eisiger Fieberfrost schuettelte die Glieder des Mannes, sein Gehirn war fast
dem Wahnsinn nahe ueber das Entsetzliche, was er gesehen hatte.
Die sorgende Hausfrau brachte ihn zu Bette, und ihrem gutmuetigen
Zuspruch gelang es, bis gegen Nachmittag seinen Schrecken zu zerstreuen, ihm
ueberhaupt den Glauben an die Erscheinung auszureden, die am Ende nicht als
ein uebertriebenes Gebilde seiner Schlaftrunkenheit und Furchtsamkeit gewesen
sei.
Die maechtigste Bundesgenossin des Trostes ist es, daß
der Mensch den guten Versprechungen und Behauptungen tausendmal eher Gehoer
schenkt, als einer Aeusserung der Besorgnis, und als es gegen Abend ging, war
unser mesner wieder guter Dinge und schalt sich selbst einen furchtsamen Hasen.
Trotz der spaeten Herbstzeit hatten sich im Laufe des Nachmittags
die finsteren Wolken eines Gewitters geballt, das nun draeuend heraufzog. Der
ferne Donner rueckte immer naeher und erinnerte den pflichtgetreuen Mann, daß
es seine Pflicht sei, den Wettersegen zu laeuten. Hastigen Schrittes eilte
er zum Kirchturme hinueber, diesmal fand sich in der Glockenkammer kein zweites
Bild.
Rasch greift er nach dem Seile, um zum Gebete zu laeute, doch
in dem Augenblicke, da der erste Glockenschlag ertoent, zuckt aus der Wolke
ein Blitzstrahl hernieder, dringt in das Dach der Kirche, schlaegt in die Glocke
und springt von da auf den ungluecklichen Mesner herab, der entseelt zu Boden
sinkt. So hatte das Raetsel des Doppelgesichts vom Morgen schon am Abend seine
Loesung gefunden.
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Aus der Bayreuther Gegend habe ich die Geschichte von den "Holzfrala".
Mit diesem Namen wurden gute Waldgeister bezeichnet, die den Menschen oft halfen.
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Die Holzfrala
Einst trug eine Magd ihre Habe in das Haus ihres zukuenftigen
Mannes; da dieser Besitz hatte, waehrend sie arm war, legte sie in die Lade,
die ihre Sachen enthielt, viele Steine, so daß es aussah, als ob sie
eine große Menge Eigentum zu schleppen habe.
Unterwegs begegnete ihr ein Holzfrala in Gestalt einen alten
Weibleins. Dieses fragte die Magd, was sie denn so Schweres trage. Die Magd
gestand ihr aufrichtig ihr Leid und daß es nur Steine waeren. Da sagte
das Weiblein:"Da du mir ehrlich die Wahrheit gesagt hast, sollen dir die
Steine in Thaler verwandelt werden". Und wirklich fand sie, im Haus ihres
Braeutigam angekommen, anstatt der Steine lauter harte Taler.
Weil die Holzfrala den Menschen Gutes tun, verfolgt sie der
wilde Jaeger und toetet sie, wo er sie trifft. Deshalb schlugen frueher die
Holzfaeller, waehrend der Baum stuerzte, auf den Stock drei Kreuze; denn konnten
die Weiblein auf der Flucht vor dem wilden Jaeger einen so gezeichneten Stock
erreichen und sich darauf setzen, so vermochte ihr Verfolger ihnen nichts mehr
anzuhaben. Da jetzt die Holzhauer keine Kreuze mehr auf die Stoecke schlagen,
haben die Holzfrala keine Zuflucht mehr und sind jetzt ganz verschwunden. Das
letzte soll der wilde Jaegerbei Mengersreuth gefangen haben.
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Das Wüten der Pest im Mittelalter wurde durch viele
Geschichten festgehalten, in Landshut
halten zwei Straßennamen diese Erinnerung wach:
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Die Gras- und die Rosengasse
Als im Jahre 1349 Gevatter Tod nach Bayern kam und mit seiner Hand nach
den kleinen und großen, armen und reichen Menschen griff, da gab es viele
Orte, die nachher tot und leer waren.
Auch Landshut erreichte der Pestatem und die Menschen starben wie die
Fliegen. Es waren bald kaum mehr Totengräber da und so mußten in
vielen Häusern und Straßen die Toten liegen bleiben, wo sie der
Todeskuss erreicht hatte.
Aber bald wurde der Geruch aus diesen Straßen so unerträglich,
daß man als letztes Mittel in der Not diese Gassen einfach zu mauerte.
Viele Jahre später, die Pest war schon lang vorbei und man hoffte,
sie würde nie mehr wieder kommen, öffnete man die zugemauerten Gassen
wieder. Und da war die eine voller Gras und in der anderen wuchsen Rosen. Und
als stilles Gedenken an die Toten und die unseligen Tage beschloß man,
die eine "Grasgasse" und die andere "Rosengasse" zu nennen.
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Eine lustige Geschichte wird von der Kaltenhausener Kapelle
im Fichtelgebirge erzählt:
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Wolf und Ziege in der Kirche
Früher gab es den Ort Kaltenhausen noch nicht an der Bamberger Straße,
die durch das Fichtelgebirge führt. Aber es gab in dem dort noch urwüchsigen
Wald eine Kkleine Kapelle. Und wie früher üblich, war auch eine Wirtschaft
daneben, damit sich die Kirchgänger hinterher stärken konnten.
Eines Tages war ein Metzger auf der Durchreise, der grad eine Ziege gekauft
hatte. Das Wirtshaus kam ihm grade recht, mit der Religion hatte er es nicht
so arg. Also setzte er sich ins Wirtshaus und damit ihm das Tier nicht weglief
band er die Ziege an die Kapellentür, die nach außen offen stand.
Nun, wie gesagt, damals war die Gegend noch dicht bewaldet, ergab es
sich, daß ein hungriger Wolf vorbei kam und ein gutes Mittagessen witterte.
Er sprang aus dem dichten Gebüsch, die Ziege vor Angst in die Kapelle
und rums, die Tür war hinter beiden zugeschlagen.
Beiden Geschöpfen war es nicht ganz geheuer in der dunklen Kapelle
und so taten sie sich beide nichts. Man sagt ja auch, vor dem Antlitz des Herrn
gibt es keinen Streit. Und als der Wolf lautstark zu heulen anfing, war es
sein zweiter Fehler. Denn nun kam der Metzger und fackelt nicht lange, der
Wolf mußte dran glauben. Aber die Ziege später auch, denn das war
ja nun mal so geplant gewesen.
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Auf ganz alten Bildern gab es ein Münchner Hofgebäude
mit einem Turm auf dessen Spitze ein steinerner Affe zu sehen war. Und wie
der Affe auf den Münchner Turm kam, das war so:
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Der Münchner Turmaffe
Früher gab es an vielen Höfen Hofnarren zur Belustigung
und einer der bayrischen Herzöge hatte zusätzlich einen Hofaffen.
Dieses Tier war sehr zutraulich, tat keinem was Böses und durfte frei
herumlaufen.
So war der Affe auch oft im Kinderzimmer und sah, wie die
Amme den kleinen Kronprinzen aus der Wiege und ihre Arme nahm, um es zu schaukeln.
Eines Tages versuchte es das Tier selbst, nahm den kleinen
Prinzen aus der Wiege und rannte mit ihm hin und her. In diesem Augenblick
kam die Amme dazu und schrie entsetzt um Hilfe. Dadurch erschreckte sich der
Affe und rannte mit dem kleinen Prinzen im Arm durch das ganze Haus, verfolgt
von den Bediensteten, die das Kind retten wollten. In höchster Not schlüpfte
das Tier durch ein Loch im Dach beim Eckturm und brachte sich auf der Spitze
desselben in Sicherheit.
Nun war guter Rat teuer, denn das Leben des herzoglichen Kindes
stand jetzt in höchster Gefahr. Doch nach einer Weile beruhigte sich der
Affe und brachte den kleinen Prinzen ganz von selbst wieder in seine Wiege
zurück. Danach wurde das Tier jedoch vom Hof entfernt, doch als Denkmal
wurde er in Stein auf diesen Eckturm gesetzt.
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Aus dem Fichtelgebirge kommt eine Sage, die noch den alten
Hexenglauben widerspiegelt:
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Der Wolfstein
Ein Schäfer, der in einem Tal im Fichtelgebirge seine
Herde hatte, verlor immer wieder ein Lamm. Er konnte suchen solange er wollte,
des öfteren war eines spurlos verschwunden. So begann er jeden Tag persönlich
Wache zu halten und siehe da, eines Tages sah er einen großen Wolf aus
dem Dickicht schleichen und ein Lamm holen. Mit seinem großen Knüppel
griff er den Bösewicht an, doch dieser entkam mit der Beute.
Der Hirte holte einen Jäger und zusammen legten sie sich
auf die Lauer. Und als der Wolf tatsächlich wieder kam, schoß der
Jäger sofort. Aber, obwohl der Jäger zielsicher traf, entfloh der
Wolf und sie fanden die Kugeln, als ob sie von einem Felsen abgeprallt wären.
Der Jäger, wohl unterrichtet in alten Künsten, vermutete
eine Zauberei und lud sein Gewehr den nächsten Tag mit Kugeln, die er
aus Holundermark gemacht hatte. Diese sollten Zauberei aufdecken können.
Und richtig, als der Wolf wieder kam, der Jäger schoß und wie immer
sicher traf, da heulte der böse Geselle auf und floh sofort ohne Beute.
Der Schäfer begegnete am nächsten Morgen seiner
alten Nachbarin, mit der er schon lange in Streit lebte. Diese hinkte an jenem
Morgen. Als der Schäfer freundlich fragte, was sie denn hätte, brummte
diese nur, es ginge ihn nichts an und humpelte schnell weiter. Da kam ihm ein
Verdacht und er zeigte sie als Hexe an. Sie wurde nämlich schon lange
des Bösen verdächtigt, viele Leute wollten sie des öfteren auf
den Hexentanzplätzen gesehen haben.
Man nahm die Alte fest, verhörte sie, und, als sie trotz
Schlägen mit geweihtem Holz nichts gestand, steckte sie dann erst mal
in den Kerker. Doch am nächsten Morgen war sie verschwunden.
Einige Tage später, der Schäfer war wieder mit seiner
Herde im Tal, kam der Wolf wieder. Doch diesmal holte er sich kein Lamm, er
griff sofort den Schäfer an. Dieser kämpfte zwar tapfer, aber langsam
erlahmte seine Kraft gegen die Wut des Bösewichts. Doch zufällig
kam gerade der Jäger dazu und eingedenk des Erlebten mit den Kugeln griff
er nach seinem geweihten Dolch und stach damit zu. Kaum hatte die Klinge die
Haut des Wolfes durchbohrt und das erste Blut rann heraus, da verwandelte er
sich und die böse Alte lag zu Füßen der beiden Männer.
Man begrub sie dann so tief wie möglich in der Erde und
legte einen großen Kreuzstein auf die Stelle, der seitdem "Wolfstein"
genannt wurde.
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