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Tauberbischofsheim in Baden-Württemberg
- da, wo die "flinken Mädels mit den langen Käsemesserchen"
herkommen
*
Besucher oder Urlauber in Mittelfranken haben eine schwere Wahl vor sich,
fuer welche der vielen reizvollen Stationen der Romantischen Straße (s.
Dinkelsbuehl) in Bayern sie sich entscheiden
sollen.
Heute machen wir einen Ausflug ins "Ausland" und dabei einen
Besuch in der Stadt Tauberbischofsheim.

Dieses Schmuckstueck ist (leider) keine bayrische Stadt, denn sie liegt
im fraenkischen Teil von Baden-Wuerttemberg. Aber als gute Nachbarn besucht
man einander und so darf auch Tauberbischofsheim nicht in meiner Vorstellung
lohnenswerter Reiseziele fehlen.
Eingebettet in die zum Wandern und Erholen einladende Landschaft des
Tauber-Tales hat sich die Stadt den Charme einer laendlichen Idylle erhalten.
In Tauberbischofsheim wurde nicht der Fehler so mancher Stadtvaeter begangen,
dem Verkehr oder Industrie alte Bausubstanz zu opfern. Die erste Fussgaengerzone
von Baden-Wuerttemberg wurde zum Beispiel hier eingerichtet.
Tauberbischofsheim ist eine Stadt im Gruenen, der man beim ersten Anblick
gar nicht ansieht, dass sie eine erhebliche Bedeutung als Schul- und Verwaltungszentrum
der Region hat.

Die Mädchen dort sind gar hübsch, aaaber gefährlich. Manche
haben so gaanz lange "Käsemesserchen" und damit können
die arbeiten, mein lieber Scholli. Wer da keine Gesichtsmaske auf oder eine
Rüstung anhat, der wird schnell zum Sieb. Der Name "Anja Fichtel"
ist ja ein Begriff bei allen, die noch wissen was ein "Paukboden"
ist.
Na, keene Ahnung, wa? Aber Hip-Hop tanzen, det kenn ick! Also denn, für
die Unwissenden (werden bei Günther Jauch oft ziemlich traurig in der
Show wegen zu wenig Knete...) : Paukboden war und ist der "Tanzplatz"
von fechtenden Studenten.
Und Tauberbischofsheim hat sich in Sportlerkreisen im In- und Ausland
einen vorzüglichen Namen gemacht durch das hier ansaessige Bundes- und
Landesleistungszentrum fuer Fechten mit angeschlossenem Teilinternat.
Die Stadt ist jedoch nicht nur auch ein Einkaufszentrum fuer den Tauber-Kreis,
sondern bietet auch zahlreiche Arbeitsplaetze fuer die gesamte Umgebung. Einige
namhafte Industrie-Unternehmen haben sich in Tauberbischofsheim angesiedelt,
so ein weltweiter Branchenfuehrer in der Herstellung stationaerer Holzbearbeitungsmaschinen
und verwandte Industriezweige wie z.B. Spezialmoebelfabriken.

Obwohl Zentrum von Verwaltung, Industrie und Handel ist Tauberbischofsheim
eine Stadt , in der die geschichtlichen Urspruenge, die reizvolle Umgebung
und die moderne Zeit irgendwie zeitlos ineinander gehen.
Besucher, Urlauber und Einwohner, letztere uebrigens seit Jahrhunderten
"Gaeste" gewohnt, haben aber auch viele andere Moeglichkeiten, sich
zu erholen oder zu unterhalten. Festlichkeiten, oft in der Fußgaengerzone
der Altstadt, zahlreiche und vielfaeltige Angebote der heimischen Kueche, Sportstaetten,
Kultur in mannigfacher Art, all das bietet sich dem, der danach sucht.
Gut ausgebaute Radwanderwege (es koennen auch Raeder geliehen werden)
locken zum Erkunden des Gebietes von Tauber und Main, schon im Mittelalter
als Herzstueck des "Heiligen Roemischen Reiches Deutscher Nation"
angesehen.

Tauberbischofsheim und seine "Gaeste" -
ein wenig Geschichte und Unterhaltung
Ob ein Bauer pfluegt oder ein Bauherr baut, immer wird die Erde bewegt
und dabei kommen oft versteckte Zeugen der Vergangenheit ans Licht. Auch in
und um Tauberbischofsheim hat man zahlreiche Funde gemacht, die belegen, dass
die Region des Main-Tauber-Kreises schon weit 3000 Jahre v.Chr. besiedelt war.
Diese praehistorischen Funde koennen im Tauberfraenkischen Landschaftsmuseum
im Kurmainzischem Schloß besichtigt werden.
Aus der Zeit des Mittelalters sind jedoch nicht nur viele
zu Stein gewordenen Erinnerungen geblieben, auch zahlreiche "Gaeste"
der Stadt Tauberbischofsheim haben in Wort und Bild Kunde von ihrem Besuch
hinterlassen. Klangvolle Namen wie Bonifatius, Kaiser Friedrich Barbarossa,
genannt der Rotbart, Erzbischof Albrecht von Mainz, General Tilly, Balthasar
Neumann, der geniale Baumeister, der Bildschnitzer Tilman Riemenschneider oder
der Maler Matthias Gruenewald sind noch heute bekannt. Und von jedem ist das
eine oder andere Stueck in Tauberbischofsheim oder seinen Stadtteilen zu sehen
und erhalten geblieben. Einen Ueberblick, wer und wann hier einkehrte, koennen
Sie der Homepage der Stadt selbst entnehmen.
Ich moechte Ihnen heute noch drei alte Erzaehlungen aus der
Umgebung von Tauberbischofsheim vorstellen, die eng mit der Landschaft verbunden
sind und nicht in Vergessenheit geraten sollten. Im Stadtteil Distelhausen
gibt es die Wolfgangskapelle. Von dieser werden zwei Entstehungsgeschichten
ueberliefert. Eine wird von einem Grabstein "erzahlt", die andere
durch ein Standbild.
Der Grabstein des des Johann Klinger von der Hall
Das ist der Name eines Bauern, dessen Grabstein in der
Aussenmauer der Kapelle eingemauert ist. Dieser Mann soll in der Mitte des
Jahrhunderts seinen Acker an der Tauber gepfluegt haben. Damals ging das noch
per Hand und Pferd und war sehr schwer. Der Bauer hatte auch große Muehe,
da das Pferd lahmte. Einen stoerenden Stein im Feld warf der Bauer achtlos
in die Tauber. Als er am naechsten Tag weiter arbeiten wollte, lag der Stein
wieder da. Der Bauer warf ihn erneut in den Fluß. Wie er jedoch am dritten
Tag den gleichen Stein erneut an der selben Stelle fand, da war ihm das nicht
mehr geheuer. Gerade, als er ihn erneut in die Tauber werfen wollte, ließ
ihn sein Gefuehl den Stein genauer anschauen. Da, so sagt man, entdeckte er,
daß darauf ein kleiner Bildstock gezeichnet war, der den Heiland am Kreuz,
Maria, Johannes und den heiligen Wolfgang erkennen ließen. Der Bauer
sank auf die Knie, betete, bat auch um Genesung fuer sein Pferd und als er
sich erhob, war sein Pferd gesund. Aus Dankbarkeit errichtete er dann auf dem
Acker die Kapelle mit dem Bildstock darin.
Der kopflose Reiter
Die andere Version der Entstehungsgeschichte der Wolfgangskapelle
erzaehlt folgendes: Im 15 Jahrhundert, die Pest wuetete ueberall und hatte
auch schon von Distelhausen die Haelfte der Einwohner dahin gerafft, gelobten
die ueberlebenden dem heiligen Wolfgang eine Kapelle zu stiften, wenn sie verschont
bleiben wuerden. Schon kurz nach dem Geloebnis war die Pest vorbei und die
Anwohner hielten ihr Versprechen. Die Kapelle wurde gebaut und alljaehrlich,
am 31. Oktober, wurde ein Fest zu Ehren des Heiligen mit einer Prozession gefeiert.
Diese Tradition hat sich mit dem Pfingstritt erhalten, denn damals ritt man
zu Pferde zur Prozession. Es gab dann auch einen anderen, von dem man erzaehlt,
er sei wohl nicht zum Beten sondern zum Stehlen zur Kapelle geritten. Dieser
Reiter, vielleicht ein versprengter Soeldner, sei zur Kapelle gekommen, habe
beim Anblick des Standbildes der Mutter Gottes zu laestern begonnen und dann
seinen Saebel gezogen und auf den Hals des Standbildes geschlagen. Da der erste
Hieb nur eine Scharte verursacht hatte, holte er zu einem gewaltigeren Hieb
aus um das Bild zu enthaupten. Aber statt dessen traf er sich selbst und seither
sah man in hellen Mondnaechten einen Reiter auf einem weißen Schimmel
ueber die Tauberwiesen reiten, seinen Kopf in den Haenden tragen.

Ein Blick auf die Tauberbruecke vor der Burg Gamburg,
deren Besitzer einst folgendes im Volksmund hinterliessen:
eine Sage ueber die Eulschirbenmuehle zwischen Gamburg und
Bronnbach, fuer Radwanderer und Autofahrer ein reizvoller Pausenort. Die Muehle,
urkundlich erstmals erwaehnt 1245 als "Ulschirben"-Muehle (vermutlich
jedoch eine Toepferei - "ulla" = Topf), 1595 nachweislich erbaut,
wurde auch mal als Kloster genutzt und der Ursprung der sich um sie rankenden
Sage ist eine sichtbare Hochwassermarke aus dem Erbauungsjahr.
Die schoene Melusine
Man erzaehlt, daß der Ritter von der Gamburg einst
nach der Jagd in der Muehle einkehrte. Dort sah er ein wunderschoenes Maedchen,
von dem der Mueller ihm berichtete, dass es sehr fleissig sei, eigentlich fuer
zwei arbeite und er daher sogar unuebliche Arbeitzeiten akzeptiert, von Donnerstagabend
bis Samstagmorgen hatte Melusine, das war ihr Name, frei. Den Ritter von Gamburg
hatte die "Liebe auf den ersten Blick" gefangen und so stellte er
der jungen Frau nach, obwohl er verheiratet war. Am Abend des Donnerstags wartete
er auf das Maedchen, dies kam auch aus der Muehle, war aber im naechsten Augenblick
verschwunden. Eine Woche spaeter stellte er es geschickter an, schlich ihr
nach, sah wie sie sich am Fluß entkleidete und ins Wasser sprang. Im
Mondlicht konnte er dann sehen, dass Melusine eine Wasserfrau war, denn ab
der Huefte war begann ein schuppiger Fischleib. Zu damaliger Zeit kannte man
noch die Gesetze der Elemtar-Geister und so nahm der verliebte Ritter ihre
Kleider an sich, dadurch war sie ihm verfallen.
Der Ritter baute dann neben der Muehle ein kleines Schloß
und durch die unteren Raeume konnte Melusine zu besagter Zeit immer in die
Tauber zurueck. Waehrend dieser Tage lebte der Ritter mit seiner Ehefrau und
diese war anscheinend sehr tolerant. Der Mueller jedoch, ein einfaeltiger und
vielleicht auch mißguenstiger Mensch, verriet diesen unchristlichen "flotten
Dreier" dem Abt des Klosters Bronnbach. Dieser hatte dafuer natuerlich
auch kein Verstaendnis, gab dem Mueller ein mit geheimnisvollen Zeichen beschriebenes
und geweihtes Blatt und hieß ihn, dieses auf die Kellertreppe zu legen,
bevor Melusine aus dem Wasser komme. Gesagt, getan, Melusine kam aus der Tauber,
man hoerte Jammern und Wehklagen, dann einen schweren Fall ins Wasser. Melusine
war fuer immer verschwunden. Der Ritter starb vor Gram, seine Frau beschloß
ihr Leben in Gebet und Andacht zu beenden und machte aus dem Schloß ein
Kloster. Wenige Tage nach ihrem Tod stieg die Tauber dann aus unerklaerlichen
Gruenden so hoch an, daß vom Kloster Eulschirben nur noch das Dach zu
sehen war. Die Rache der Wasserfrau ?? Die Nonnen des Klosters uebergaben das
Haus dann einem Mueller, der die heute noch zu sehende Muehle einrichtete.
Soweit mein Ausflug nach Tauberbischofsheim,
den Main-Tauber-Kreis in Baden-Wuerttemberg und die Welt der alten Sagen.
Weitere Informationen koennen Sie der Homepage
der Stadt Tauberbischofsheim entnehmen, man ist dort auch gerne bereit
Ihnen Unterlagen zu schicken oder anderweitig behilflich zu sein. Von Mitte
April bis Mitte Oktober finden regelmäßig wieder Stadtführungen
statt.
Wer mehr darüber wissen möchte, die Homepage der
Stadt Tauberbischofsheim anklicken (s.o.). Und die netten Mitarbeiter der Touristinformation
sind auch gern per E-Mail
bereit zu antworten.
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Anregungen, Vorschlaege (auch fuer Ihren eigenen Ort),Termin-
Anfragen oder auch Ihre Meinung, wie es Ihnen gefallen hat bitte an J.W.
Lohfink
Text von J.W. Lohfink, Bildmaterial von der
Stadt Tauberbischofsheim © J.W.Lohfink |