Bad Aibling -

ein Besuch in der Stadtpfarrkirche und bei St. Sebastian

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Bad Aibling - die Stadtpfarrkirche "Mariä Himmelfahrt" und St. Sebastian


Ja „grüß Sie Gott“, Sie waren vorhin nicht in meiner Aiblinger Gruppe oder? Wenn ja, freut's mich – wenn nein, dann eine kleine Erläuterung, wo Sie „eingestiegen“ sind. Sie sind auf einer Spezial-Seite über Bad Aibling, ein kleiner Rundgang durch die Stadtpfarrkirche „Mariä Himmelfahrt“ und „St. Sebastian“.

Mein Name ist Jörg W. Lohfink, meine Firma heißt Mietwagen Lohfink und da ich meistens als Flughafentransfer am Flughafen Franz-Josef-Strauss in München tätig bin, zeige ich meinen Gästen und Bayernliebhaber gern die vielen Kostbarkeiten aus Geschichte und Kunst, die man bei Fahrten auf den Autobahnen meist nicht sieht.




Nun gibt es ja viele, die mit der oder den Kirchen „nicht so viel am Hut haben“, dafür den Ort selber sehen möchten. Eine Ortsbeschreibung von Bad Aibling finden Sie dann hier. Aber für die Liebhaber alter Künste ist diese spezielle Seite gedacht, den Anfang macht „Mariä Himmelfahrt“ hier in Bad Aibling.

Wenn Sie auf dem Bild genau hinschauen, sehen Sie im mittleren Fenster ein sehr großes Kruzifix,
dazu gleich eine sehr interessante Inschrift:




Sollten Sie also selber mal in Bad Aibling sein und vom Markt- bzw. Marienplatz zur Stadtpfarrkirche auf den Hofberg hochkommen, dann nicht gleich rein in die Kirche sondern erst drum herum gehen. Dann können Sie sich das Kruzifix in natura anschauen. Und dann nehmen Sie bitte den hinteren Eingang.



Dort finden Sie, bevor Sie das Kirchenschiff selber betreten, eine sehr eindrucksvolle Statue vom „Heiland in Ketten“. Ihm genau gegenüber ist dann eine kleine Lourdes-Grotte mit der Jungfrau Maria, auch sehr liebevoll gestaltet.



Und nun können Sie ganz hinein gehen, ein wunderschöner sakraler Bau in Barock- und Rokoko-Stil erwartet Sie. Ursprünglich war diese Kirche einmal in gotischem Stil, davon übrig geblieben sind nur der Taufstein und die Madonna mit dem Kind auf dem Hochaltar. Die „Dame“ war übrigens ein bisserl schüchtern, mein von ihr in Vergrößerung gemachtes Bild war rabenschwarz. Bleibt also nur, Sie gehen mal selber hin und schauen sich die ausdrucksstarke Figur „vnser lieben Frauen al Hie ze aybling“ (Kirchenführertext) persönlich an.



Aber das Deckenbild über dem Altar wurde mir wieder „erleuchtet“, diese „Virgo Auxiliatrix“ - Hilfe der Christen, stammt vom Hofmaler Martin Heigl, ebenso das nachfolgende Großbild an der Decke.



Hier wird die Krönung Mariens dargestellt, wenn Sie sich auf eine der Bänke setzen, können Sie dieses Gemälde sehr schön betrachten. Auch über der Orgel ist noch eines, und mehrere kleinere von einem Anton Wunderer gemalt werden Ihnen auch gefallen. Die an den Seiten links und rechts hängenden Kreuzwegbilder sind ebenfalls sehr ausdrucksstark, es lohnt sich, für Mariä Himmelfahrt ein bisserl mehr Zeit mitzubringen.



Und jetzt nehmen wir den Ausgang in Richtung Marienplatz, schauen wir mal wie spät wir's schon haben. Sollte die Turmuhr stehen (der Turm steht immer :-), dann haben die Aiblinger vorsichtshalber noch diese schöne Sonnenuhr.



Vom Hofberg und der Stadtpfarrkirche aus haben wir einen wunderschönen Alpenblick. Und da ragt dieser „spitze“ Turm ins Bild. Das ist St. Sebastian, dort machen wir noch eine kleine Stippvisite.




Hier können Sie St. Sebastian, genauer genommen, den Turm der Kirche noch besser sehen. Das Kirchenschiff versteckt sich hinter dem großen Baum vor der Mariensäule. Das gelbe Haus dahinter ist übrigens das uralte Schloß Prantshausen (siehe Aibling-Seite). Nun aber schnell rüber und rein zum Heiligen Sebastian.



Zuerst war hier um 1560 eine kleine Kapelle, die die Aiblinger Bürger während der Pestzeit errichteten. Dann knapp 70 Jahre später, der 30jährige Krieg und eine erneute Pestepedimie brachten wieder viel Leid in den Ort, spendeten die Bürger grad deswegen nochmals Geld für den Bau einer großen Kirche am Marktplatz. 4000 Gulden brachte man auf, baute eine schöne Kirche und 120 Jahre später war sie wieder „im Eimer“ - die Reste von ihr wurden in Eimern weggebracht, waren nämlich nach dem großen Stadtbrand 1765 nur noch Schutt und Asche übrig.



Schauen wir uns den Hochaltar mal näher an. Die Figur des mit Pfeilen gemarterten St. Sebastian stammt von einem unbekannten Renaissance-Künstler, der sie nach dem Wiederaufbau 1789 schuf. Die beiden „Herren“ links, Bischof Benno von Meissen, und rechts, der Heilige St. Korbinian wurden sogar von einem Aiblinger Künstler mit Namen Jofef Götsch geschaffen.


Auch die Bilder der Seitenaltäre wurden von „Kindern des Marktes Aibling“ gemalt, der Maler Johann Georg Gaill und sein Sohn Franz waren wunderbar begabte Maler. Hier nur der rechte Seitenaltar mit der schmerzhaften Mutter Gottes, darunter das kleinere Bild zeigt einen Bürger aus Aibling, der als Pilger unterwegs war. Es ist Ratholdus von Aibling, er gründete später das Stift St. Georgenberg bei Viecht in Tirol (hab ich dem Kirchenführer entnommen).



Auf diesem schönen Deckenbild über dem Hochaltar sehen Sie übrigens die ursprüngliche Form des Kirchturms von St. Sebastian gleich nach dem Wiederaufbau 1789. Also richtig schön katholisch mit Turm-Hut ! Aber irgendwie hatte wohl St. Sebastian noch nicht alle Sünden abgebüßt, denn 1872 sprang der „rote Hahn“ aus einem Bürgerhaus auf einige benachbarte und dann gleich noch auf den Kirchturm – na, vielleicht wollte er Wetterhahn werden. Dem Turm bekam das schlecht, das „Hütlein“ brannte wieder ab und seit der Zeit gab's dann nur noch den spitzen Hut für den Turm.



Nachdem ich in der kirchlichen Geschichte und deren Darstellung nun nicht so bewandert bin, gab mir das große Deckenbild einiges zu bedenken. Obwohl von ganz oben der Herr zuschaut, wird doch im Hintergrund einer „gemeuchelt“ und vorn an der Tür offensichtlich gelogen „nein, der war nicht hier...“

Aber ich schätze, ich liege mit dieser Deutung genauso falsch wie der kleine norddeutsche Flüchtlingsjunge gleich nach dem Krieg in Bayern. Als der nämlich in der Schule von der damals dort noch unterrichtenden Nonne gefragt wurde „was hüpft von Baum zu Baum und sammelt Nüsse?“ antwortete dieser „eijentlich würde ick sajen, det is'n Eichhörnchen, aber wie ick die Choose hier so langsam kenne, isset sicherlich det liebe Jesulein“.



Da bleibt eigentlich nur übrig, den Bittspruch hier an den heiligen Bruder Konrad – aus Altötting – zu Hilfe zu nehmen. Bitt' für uns!
Das können auch die Schüler im Deutschunterricht gebrauchen, neue deutsche Rechtsschreibung sollen sie lernen und wenn sie dann eventuell ins Altdeutsche verfallen, dann sollte sich der Lehrer nicht wundern, als kleines Abschiedsschmankerl noch dieses Deckenbild:




Den ersten Teil darf heute zum Glück kein Lehrer mehr und bezugnehmend auf den zweiten Teil des Spruches – seien wir froh, daß wir lebendig sind und diese alten Kunstwerke betrachten können.
Wenn es Ihnen gefallen haben sollte, dann besuchen Sie mal Bad Aibling oder einen der vielen anderen schönen Orte in unserem herrlichen Bayernland.

Bis zu einem anderen Mal mit lieben Grüßen

Ihr Jörg W. Lohfink


©® J.W.Lohfink

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