|
Der lebende Himphamp
Am Ufer des Roten Sees stand auf einer Seite ein großes
schönes Schloß, das einem Ritter und seiner Frau gehörte.
So schön das Schloß war, so häßlich
und liederlich war seine Frau.
Nicht allzu weit entfernt war ein kleines hübsches
Häuschen, das bewohnte ein Schmied mit seiner Frau, ein allerliebst aussehendes
schmuckes Weibchen.
Dem Ritter gefiel die hübsche Schmiedin natürlich
viel viel besser als die eigene Frau und so besuchte er die Schmiede immer
öfter. Und wenn der Schmied dann eifrig arbeitete, scharwenzelte der Ritter
um die Frau, schwatzte mit ihr und brachte ihr immer wieder kleine Geschenke
mit.
Und so war es kein Wunder, daß die Frau des Schmiedes
den schönen Ritter immer mehr mochte an stelle ihres rußgeschwärzten
Mannes. Der Ritter suchte nun einen Grund, den Schmied los zu werden und wenn
man einen sucht, dann findet man ihn auch. Der Schmied war nämlich ein
großer Prahlhans und das wollte der Ritter ausnutzen.
So kam er eines Tages in die Schmiede und sagte: "Deine
Lügereien und Aufschneidereien hab ich jetzt lang genug gehört. Mach
Deine letzte Prahlerei wahr und bau. wie Du gesagt hast, ein schönes Schloß
am Ufer in einer Nacht. Schaffst Du das bis morgen früh nicht, laß
ich Dich aufhängen".
Der Ritter ging, der Schmied war furchtbar erschrocken und
erzählte es sofort seiner Frau. Die hoffte, daß sie ihn nun los
werde und riet ihm, schnell zu flüchten. Gegen Abend schnürte dieser
sein Bündel und marschierte los durch die Heide.
Während er mit trübsinnigen Gedanken vor sich
hinstapfte, erschien auf einmal ein uraltes Mütterchen an seinem Weg.
"Sag, wo gehst Du hin, Schmied, und das noch so spät und so trübselig?"
fragte die Alte.
Der Schmied erzählte ihr von dem verrückten Wunsch
des Ritters und seiner Drohung, die Alte lachte nur und sagte "geh wieder
heim, das mach ich schon. Morgen früh gehst Du zu dem Herrn und zeigst
ihm das Schloß".
Der Schmied glaubte zwar nicht so recht an die Geschichte,
aber er drehte um und ging wieder heim. Früh am nächsten Morgen ging
er zum Ufer und siehe da, ein nagelneues Schloß stand dort. So ging er
zum Ritter, holte diesen aus den Federn, zeigte ihm den neuen Bau und ging
fröhlich wieder heim.
Aber seine Freude währte nicht lange, denn dem Ritter
war eine andere List eingefallen, den Mann los zu werden. Er kam eines Tages
erneut und sagte: "paß auf, Lügenbold, jetzt ist Schluß.
Bis morgen früh bringst Du mir zwei neugeborene Kinder, die Papa und Mama
sagen können. Anderenfalls häng ich Dich zum Mittagsläuten am
höchsten Galgen auf".
Seine Frau riet ihm natürlich wieder zur Flucht und
so stiefelte der Schmied wieder los, den alten Heideweg entlang. Und siehe
da, plötzlich traf er auch wieder das uralte Weiblein. Dieses fragte ihn
" warum läßt Du die Ohren so hängen, Schmied, und schaust
wieder so traurig?"
Der Schmied beichtete ihr, daß durch seine Aufschneidereien
der Ritter wieder eine unsinnige Forderung gestellt habe und die Alte lachte.
"Das ist kein Problem, laß nur meine Sorge sein und halt die Ohren
steif. Morgen früh bin ich vor Deiner Tür und bring Dir die Kindlein
für den Herren!"
Fröhlich ging der Schmied wieder heim und richtig,
am nächsten Morgen, bevor der Hahn krähte, stand das alte Weiblein
vor der Tür mit zwei neugeborenen Kindlein. Der Schmied ging zum Ritter
und dort sagten beide Kinder deutlich Papa und Mama. Wieder war es nichts mit
dem Vertreiben des Schmiedes.
Aber dem Ritter fiel in seiner Wut noch eine Forderung ein
und so stand er wenige Tage später wieder in der Schmiede. "Schmied,
Du hast schon wieder große Töne gespuckt. Wenn Du sie nicht halten
kannst, häng ich Dich morgen auf. Entweder Du bringst mir morgen früh
einen lebendigen Himphamp oder Du bist des Todes!"
Sofort riet ihm seine Frau wieder zur Flucht und zum dritten
Mal machte sich der Schmied auf den Weg, diesmal jedoch auch mit eigenen traurigen
Überlegungen. Denn als wie gehabt das alte Weiblein wieder vor ihm stand
und ihn fragte, da antwortete er: "ich glaub, ich bin meiner Frau lästig
und der Herr will mich los sein. Einen lebendigen Himphamp soll ich beschaffen,
dabei weiß ich nicht mal, was das ist."
Die Alte lachte wieder "das ist das einfachste, der
kommt ganz von allein. Jetzt brauchst zum letzten Mal meine Hilfe und hör
gut zu, mach alles, wie ich es Dir sage. Du gehst jetzt heim, aber schleich
Dich ganz leise hinten rein, denn da stimmt einiges nicht.
Deine Frau ist nicht einsam. Wenn Du hinten an die Treppe
kommst, da steht ein Besen mit einem dicken Stiel. Mit dem Stiel zusammen kletterst
Du auf den Dachboden, denn dort ist grad über dem Schlafzimmer ein Loch
im Boden. Durch das kannst Du alles beobachten und wenn Du etwas siehst, was
Dir nicht gefällt, dann sagst Du "Halt Fest" und dann hält
alles fest wie angegossen."
Der Schmied tat, wie ihn die Alte geheißen. Oben auf
dem Dachboden sah er durch das Loch in der Decke und was mußte er sehen?
Seine Frau lag auf dem Bett und der Ritter stand im Hemd vor dem Bett. Er sagte
grad zu ihr "erst mal muß ich mein Wasser abschlagen, Frau, reich
mir mal den Nachttopf".
Die Schmiedin ergriff den Topf und reichte ihn dem Ritter.
Grad als dieser ihn anfaßte, sagte der Schmied oben auf dem Dach "Halt
Fest" und Frau und Ritter waren am Topf wie angeschmiedet.
Die Frau schrie vor Angst, dadurch wurde der Knecht wach,
kam, sollte den Topf wegnehmen und hing genauso fest, denn der Schmied oben
sagte wieder "Halt Fest". Nun riefen die drei die Magd aus dem Bett,
aber auch diese war dann am Topf wie festgenagelt, denn wieder nutzte der Schmied
oben im Dachboden die magischen Worte.
Und dann ging er ins Schlafzimmer und prügelte sein
Weib und den Ritter, so fest er nur konnte. Die Magd und den Knecht verschonte
er natürlich. Bis zum Morgengrauen verdrosch er die beiden, dann trieb
er sie aus dem Haus und in Richtung Schloß mit seinen Hieben.
Dabei sieht er, daß das Nachthemd seiner Frau hinten
gerissen und der Po zu sehen ist. Darüber schämte sich der Schmied
etwas, riß eine Handvoll Klee von der Wiese, warf sie auf das Loch im
Kleid und sagte wieder "Halt Fest". Geschlossen war die Stelle.
Aber auf dem Weg zum Schloß kommen sie an einer abgegrasten
Wiese vorbei. Eine brünstige Kuh des Herrn dort riecht den frischen Klee,
will ihn schnappen und schon kam "Halt Fest".
Während die Kuh am Hintern der Frau mit läuft
kommt der Stier und besteigt die Kuh. "Halt Fest!" Und so kamen dann
die vier mit Topf und mit Kuh und drauf sitzendem Stier am Schloßtor
an.
Wecken brauchte man keinen mehr, der Lärm war ungeheuer.
Des Schmiedes Weib und der Ritter wimmerten, Magd und Knecht zeterten und Kuh
und Stier brüllten.
Trotz all dem bat die Frau des Ritters auf Knien und händeringend
den Schmied um Gnade für ihren untreuen Mann und der Schmied sagte "Laß
los!".
Sofort war der Stier frei, die Kuh mit dem Klee im Maul
auch, Frau und Ritter auch und der Nachttopf zerbrach in tausend Scherben.
Der Ritter nahm sich das aber so zu Herzen, daß er
in den Roten See sprang und sich ertränkte.
*
nacherzählt von der dtv-Ausgabe "Märchen der
Welt - Mitteleuropa" " - gesammelt v. F. Karlinger
|