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Frau Glück und Herr Geld
Frau Glück und Herr Geld waren so verliebt in einander,
daß nach kurzer Zeit die beiden einfach heirateten.
Herr Geld war von Figur her klein und dick, sein Kopf sah
aus wie ein peruanischer Goldbatzen, sein Bäuchlein schimmerte wie mexikanisches
Silber und die kleinen runden Beine schimmerten wie Kupfer.
Seine Frau dagegen hatte ein eitles Gehabe, war aufgeblasen
und eigensinnig, aufgedonnert und vollerSchmuck, aber dafür so blind wie
ein Maulwurf.

Kaum waren die Flitterwochen vorüber, da gab es schon
Streit zwischen den Jungvermählten. Sie wollte immer befehlen, doch der
Mann wollte sich natürlich nicht unterbuttern lassen. Weil sie nun beide
stur und eitel waren und keiner nachgeben konnte und wollte, einigten sie sich
letztendlich auf einen Test. Wer von beiden mehr erreichen würde, der
solle die Oberhand bekommen.
Sie sah einen armen Mann unter einem Olivenbaum sitzen und
zeigte ihn ihrem Mann. "Schau, wie der arme Kerl dort traurig hockt. Wollen
wir schauen, wer ihm das Leben besser machen kann, du oder ich"?
Der arme Mann hatte nie Glück gehabt bisher und Geld
hatte er auch nie gesehen. Daher staunte er nicht schlecht, als er die beiden
vornehmen Herrschaften vor sich sah.
Herr Geld grüßte und der Mann grüßte
höflich zurück. "Sag, kennst du mich denn nicht"?
Der arme Mann entgegnete "nein, Ihr Edler, ich habe
Euch noch nie gesehen".
"Was", fragte Herr Geld, "Du kennst mich
überhaupt nicht? Nennst Du denn gar nichts Dein eigen?"
"Oh, doch", sagte der Arme, " ich habe sechs
Kinder, fast so nackt wie nach der Geburt und mit hungrigen Mägen, die
jedem Wolf gleich wären, aber als Einkommen kenne ich nur das, was ich
mit der Hand für den Mund erarbeiten kann, wenn ich schon mal eine Arbeit
finde".
"So, warum findest Du denn keine Arbeit" fragte
Herr Geld.
"Nun," erwiderte der Mann, "weil mich das
Glück noch nie gefunden hat. Ich kann machen was ich will, alles hat kein
gutes Ende. Seit meiner Heirat ist mein Weg wie die Wüste, trocken und
leer."
"Gut, dann werde ich Dir helfen" antwortete Herr
Geld, nahm großzügig eine kleine Münze aus seiner Tasche und
reichte sie dem armen Mann. Dieser dachte, es wäre ein Traum. Aber dennoch
rannte er ganz schnell zum Bäcker und wollte Brot kaufen. Doch, o weh,
als er bezahlen wollte, mußte er sehen, ein Loch war in seiner Tasche
und durch dieses war die Münze entfallen. Er suchte und suchte, doch alles
vergeblich.
Frau Glück lachte von Herzen und Herr Geld mußte
nochmal zu seinem Geldbeutel greifen. Diesmal gab er dem Armen ein Goldstück
und dieser wußte nicht ein noch aus vor Freude. Er ging sofort los, um
für seine Frau und die Kinder Kleider zu kaufen. Aber beim Bezahlen sagte
der Händler auf einmal zu ihm: "he, das ist ja falsches Gold. Du
willst mich betrügen, ich bring Dich vor Gericht!"
Der arme Kerl schämte sich fast zu Tode und rannte
davon. Als er Herrn Geld dann erzählte, was geschehen war, rannen ihm
die Tränen nur so aus den Augen.
Frau Glück lachte schadenfroh und Herr Geld war arg
wütend. "Höre, Du bist ein Unglückskind, aber ich werde
Dir helfen oder meine Macht ist nichts wert." Mit diesen Worten gab er
ihm einen Beutel voller Goldstücke.
Der Arme dankte von Herzen und ging heim, trunken vor Freude.
Dabei bemerkte er die ihm folgenden Räuber erst, als es zu spät war.
Sie nahmen ihm alles ab, auch die armseligen Kleider, die er trug und ließen
ihn nackt liegen.

Frau Glück rieb sich hämisch die Hände und
sagte zu ihrem Mann "so, mein Lieber, nun wollen wir mal sehen, ob ich
das nicht besser kann wie du".
Gesagt, getan, sie ging zu dem am Boden liegenden armen
Kerl und pustete ihn nur leicht an. Da sah er, daß neben seiner einen
Hand die verlorene Münze vom ersten Male lag.
"Wenigstens ein kleiner Lichtblick" sagte der
Arme, "nun kann ich den Kindern doch noch Brot kaufen". Auf dem Weg
zum Bäcker kam er an dem Kleiderladen vorbei. Als ihn der Händler
sah, rief er ihn herein, bat den Armen um Verzeihung und sagte "ich habe
Dir Unrecht getan. Die Prüfung der Goldmünze hat ergeben, sie ist
echt und gutes Gold. Für mein Verhalten möchte ich Dir als Gegenleistung
schenken, was Du brauchst".
Der arme Mann strahlte voller Glück und oh Wunder,
als er über den Marktplatz ging, begegneten ihm die Landpolizisten. Diese
hatten in ihrer Mitte die Räuber und brachten sie grad zum Richter. Und
dieser war ein guter und gerechter Richter. Er befahl, dem Armen alles zurück
zu geben, was die Räuber geraubt hatten und keinen Abzug daran vorzunehmen.
Doch das Glück des Armen blieb weiter bestehen. Denn
er wollte mit dem Geld eine Erzmine anfangen, damit weiterhin auch Verdienst
da sei. Kaum hatte er gegraben, fand er nach drei Metern eine Kupferader, dann
eine Silberader und zu guter Letzt sogar noch eine Goldader. Und so wurde aus
dem armen Mann erst ein wohlhabender, den man Don nannte, später sogar
Euer Gnaden oder Excellenz.
Frau Glück jedoch hat seitdem die Oberhand in der Ehe,
ist noch arroganter wie vorher und ihr Wohlwollen verteilt sie, wie ein Blinder
seine Hiebe.
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Das Bild ist von Ingeborg Haun, von mir aus dem Buch vom
Schneider Vlg abfotografiert.
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