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Das Halbhähnchen und der böse König
aus

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Es waren einmal zwei alte Frauen, die hatten nur ein kleines
Hähnchen. Eines Tages sprach die erste Frau:
"Was sollen wir heute nur essen? Milch haben wir keine,
Mehl haben wir keines, wir haben nur das Hähnchen. Wir wollen uns eine
Suppe kochen!"
"Nein, ich will nicht", sagte die zweite Frau.
"Es soll lieber im Hof herumlaufen."
"Ich will aber!" sagte die erste Frau.
"Und ich will nicht!" sagte die zweite Frau.
"Nun, dann werde ich mir die Suppe aus meiner Hälfte
kochen", sagte die erste Frau.
"Gut, koch sie dir, aber die andere Hälfte mußt
du im Hof herumlaufen lassen", sagte die zweite Frau.
Und so kochte sich die erste Frau aus ihrer Hälfte
des Hähnchens eine Suppe, und die andere Hälfte ließ sie im
Hof herumlaufen.
Das Halbhähnchen lief im Hof herum, flatterte mit einem
Flügel, scharrte mit einem Beinchen und pickte mit dem halben Schnabel
Körner. Und wie es so herumlief, wie es so herumscharrte, wie es so pickte,
fand es, stellt Euch vor, auf dem Misthaufen einen Beutel, und dieser Beutel
war voll Goldstücke.
Das Halbhähnchen war überglücklich:
"Kikeriki, Kikeriki,
einen Beutel Goldstücke fand ich hie!
Auf dem Misthaufen scharrt ich ihn aus,
bring ihn der guten Frau im Haus!"
Und es lief zu der Alten in der Stube, um ihr den Beutel
mit den Goldstücken zu geben. Doch in diesem Augenblick fuhr kein Geringerer
als der Herr König in seiner goldenden Kutsche vorüber. Als er das
Halbhähnchen sah, wie es im Schnabel diesen großen Beute trug, wunderte
er sich gar sehr und ließ die Pferde anhalten.
"Diener, was trägt der Hahn da in seinem Schnabel?"
"Einen Beutel voll Goldstücke, Herr König."
"So bringt ihn mir!"
Die Diener fingen das Halbhähnchen, nahmen ihm den
Beutel fort, gaben ihn dem Herrn König und trieben die Pferde mit den
Peitschen an. Das wollte dem lieben Halbhähnchen gar nicht gefallen:
"Kikeriki, Kikeriki,
einen Beutel Goldstücke fand ich hie
die gute Frau sollt ihn bekommen,
der Herr König hat ihn mir weggenommen.
Ich gehe ins Schloß und hol ihn mir wieder!"
Und es machte sich auf den Weg in das königliche Schloß.
Es ging und ging und ging, bis es den Fuchs traf.
"Wohin gehst du, Halbhähnchen?
"Den Beutel mit Goldstücken holen, den mir der
König weggenommen hat!"
"Nun, so will ich mit dir gehen."
"Gut, komm!"
Und sie gingen zum königlichen Schloß. Sie gingen
und gingen und gingen, doch nach einer Weile konnte der Fuchs nicht mehr weiter:
"Halbhähnchen, ich kann nicht mehr weiter!"
"So schlüpf unter meinen Flügel."
Der Fuchs schlüpfte unter den Flügel des Halbhähnchens
und das liebe Halbhähnchen ging tapfer weiter. Es ging und ging und ging,
bis es den Wolf traf.
"Wohin gehst du, Halbhähnchen?
"Den Beutel mit Goldstücken holen, den mir der
König weggenommen hat!"
"Nun, so will ich mit dir gehen."
"Gut, komm!"
Und sie gingen zum königlichen Schloß. Sie gingen
und gingen und gingen, doch nach einer Weile konnte der Wolf nicht mehr weiter:
"Halbhähnchen, ich kann nicht mehr weiter!"
"So schlüpf unter meinen Flügel."
Der Wolf schlüpfte unter den Flügel des Halbhähnchens
und das liebe Halbhähnchen ging tapfer weiter. Es ging und ging und ging,
bis es einem Wespenschwarm begegnete.
"Wohin gehst du, Halbhähnchen?
"Den Beutel mit Goldstücken holen, den mir der
König weggenommen hat!"
"Nun, so wollen wir mit dir gehen."
"Gut, komm!"
Und sie gingen zum königlichen Schloß. Sie gingen
und gingen und gingen, doch nach einer Weile konnten die Wespen nicht mehr
weiter:
"Halbhähnchen, wir können nicht mehr weiter!"
"So schlüpft unter meinen Flügel."
Die Wespen schlüpften unter den Flügel des Halbhähnchens
und das liebe Halbhähnchen ging tapfer weiter. Es ging und ging und ging,
bis es zu einem Fluß gelangte.
"Wohin gehst du, Halbhähnchen?
"Den Beutel mit Goldstücken holen, den mir der
König weggenommen hat!"
"Nun, so will ich mit dir gehen."
"Gut, komm!"
Und sie gingen zum königlichen Schloß. Sie gingen
und gingen und gingen, doch nach einer Weile konnte der Fluß wirklich
nicht mehr weiter: "Halbhähnchen, ich kann nicht mehr weiter!"
"So schlüpf unter meinen Flügel."
Der Fluß schlüpfte unter den Flügel des
Halbhähnchens und das liebe Halbhähnchen ging tapfer weiter. Es ging
und ging und ging, bis es zum königlichen Schloß gelangte:
"Guten Tag, König, kikeriki!
Ich will meine Goldstücke! Wo sind sie?"
"Morgen sollst du sie haben! Diener, schafft das Halbhähnchen
in den Hühnerstall zu den Hühnern!"
Der König glaubte, die Hühner würde das Halbhähnchen
über Nacht zu Tode hacken. Und wirklich, kaum wurde es dunkel, begannen
die Hühner des Königs zu hacken, sie hackten und hackten, fast hatten
sie Halbhähnchen zu Tode gehackt. Als Halbhähnchen merkte, daß
es schlimm stand, rief es laut:
"Fuchs, komm, hilf mir in der Not,
denn sonst hacken sie mich tot!"
Und da sprang der Fuchs unterm Flügel von Halbhähnchen
hervor, verspeiste die Hälfte der königlichen Hühner, biß
die restlichen tot und machte sich aus dem Staube. Als am Morgen der Herr König
den Hühnerstall öffnete, fiel er vor Schreck fast um. Alle seine
Hühner waren hin! Und Halbhähnchen rief:
"Guten Tag, König, kikeriki!
Ich will meine Goldstücke! Wo sind sie?"
"Morgen sollst du sie bekommen! Diener, schafft das
Halbhähnchen in den Schafstall zu den Schafböcken!"
Der König glaubte, die Widder würden das Halbhähnchen
über Nacht zu Tode trampeln. Und wirklich, kaum war es dunkel geworden,
begannen die Schafe des Königs zu trampeln, und sie trampelten und trampelten,
fast hätten sie Halbhähnchen zu Tode getrampelt.
Als Halbhähnchen merkte, daß es schlimm stand,
rief es laut:
"Wolf, komm, hilf mir in der Not,
denn sonst trampeln sie mich tot!"
Und da sprang der Wolf unterm Flügel von Halbhähnchen
hervor, verspeiste die Hälfte der königlichen Schafe, biß die
restlichen tot und machte sich aus dem Staube. Als am Morgen der Herr König
den Schafstall öffnete, fiel er vor Schreck fast um. Alle seine Schafe
waren hin! Und Halbhähnchen rief:
"Guten Tag, König, kikeriki!
Ich will meine Goldstücke! Wo sind sie?"
"Morgen sollst du sie bekommen! Diener, schafft das
Halbhähnchen in meinen Thronsaal!"
Der König glaubte, er würde Halbhähnchen
in der Nacht selbst umbringen können. Und wirklich, kaum war es dunkel
geworden, schlummerte Halbhähnchen ein, es schlummerte süß,
wie man nur im Thronsaal eines Schlosses schlummern kann, und da erhob sich
der König und setzte sich auf Halbhähnchen, fast hätte er es
zerdrückt.
Als Halbhähnchen merkte, daß es schlimm stand,
rief es laut:
"Wespen, helft mir in der Not,
denn sonst drückt er mich noch tot!"
Und da flogen die Wespen unter Halbhähnchens Flügel
hervor und schlüpften dem König unters Hemd und stachen und zwickten
ihen, daß er jammernd unters Bett kroche und Halbhähnchen ungeschoren
ließ. Erst dann machten sich die Wespen aus dem Staube.
Als der König am Morgen erwachte, war er angeschwollen
wie ein Faß. Und Halbhähnchen rief:
"Guten Tag, König, kikeriki!
Ich will meine Goldstücke! Wo sind sie?"
"Morgen früh sollst du sie haben! Weib, steck
das Halbhähnchen über Nacht in den Herd!"
Der König glaubte, man würde am Morgen im Herd
Feuer machen, und dann würde Halbhähnchen gebraten werden. Und wirklich,
kaum dämmerte der Morgen, gingen die Mägde daran, im Ofen Feuer zu
machen und fast hätten sie Halbhähnchen gebraten.
Als Halbhähnchen merkte, daß es schlimm stand,
rief es laut:
"Fluß, komm, hilf mir in der Not,
denn sonst schmort man mich noch tot!"
Und da lief der Fluß unter Halbhähnchens Flügel
empor und machte sich breiter und breiter, zuerst im Ofen, dann in der Küche,
und schließlich im ganzen Schloß. Der Herr König mußte
zuerst auf den Thron steigen, dann auf den Schrank und schließlich auf
das Dach. Und Halbhähnchen lief hinter ihm her und ständig rief es:
"Guten Tag, König, kikeriki!
Ich will meine Goldstücke! Wo sind sie?
gib den Beutel mir,
sonst ertrinkst du hier!"
Der böse Herr König sah, daß er gegen Halbhähnchen
nichts ausrichten konnte. Er zog den Beutel mit den Goldstücken aus der
Tasche und warf ihn Halbhähnchen zu: "Da hast du ihn!"
Nun erst ging der Fluß zurück und lief seiner
Wege. Und das liebe Halbhähnchen packte den Beutel mit den Goldstücken
und eilte heim, um ihn der alten Frau zu bringen, zum Lohn, weil sie es hatte
im Hof herumlaufen lassen. Und wenn es nicht gestorben ist, so läuft es
noch heute im Hof herum und scharrt auch noch heute auf dem Misthaufen und
ruft:
"Kikeriki, Kikeriki,
einen Beutel Goldstücke fand ich heut früh.
Der Herr König hatte ihn mir weggenommen,
aber er hat seinen Teil bekommen!"
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