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Altenmarkt an der Alz ein Besuch
in der Stiftskirche Baumburg
Aber hallo, ich dachte auf der Altenmarktseite, nur Fünf hätten
am Innenleben der Stifts-Kirche Baumburg Interesse? Das sind ja viel
mehra na prima. Für diejenigen, die per Zufall hier gleich
gelandet sind, kurz nochmal ein Bild von der Stiftskirche Baumburg
in Altenmarkt an der Alz.

So, nun zur Einleitung erst einmal meinen herzlichen Dank an den Herrn
Pfarrer wohnt im Flügel gleich hinten auf dem Bild. Wenn
man nämlich die Kirche besucht, steht man innen vor'm Zaun
- sprich Gitter.

Ist auch ganz gut so, denn ohne Aufsicht im Innenraum, da könnt
es schon so manchen Liebhaber wahrscheinlich in den Fingern jucken.
Sie werden es bald sehen. Aber zurück zum Herrn Pfarrer. Es gibt
ein Hinweisschild und auf mein Klingeln und die Bitte, ein paar Fotos
machen zu dürfen, hat er mich sofort (!!!) eingelassen durch einen
Seiteneingang. Und da begann ein herrliches geschichtliches Abenteuer.

Durch so eine wunderschöne alte Tür ging es in den Kreuzgang,
der auch gut gesichert ist.

Das waren noch Schlosser früher, da hat man noch was gesehen für
sein Geld. Und damit Sie sehen, wie ein Schlagwerk für 'ne Standuhr,
äh, Turmuhr, aussieht, hier ein Original:

Natürlich halten selbst so massive große Werke nicht ewig
und müssen ab und an mal repariert werden. Jetzt ein Leckerbissen
für Deutschlehrer und Ordnungsfanatiker, ein echter Reparaturnachweis
von anno dunnemals.

Gleich neben dem schönen alten Uhrstückerl steht dann ein
Modell des früheren Stiftes, vorsichtshalber unter Glas, damit
nicht kleine Buben das zum Spielen nehmen können.

Und jetzt zeig ich Ihnen, was man in Bayern unter einer schönen
Leich' versteht.

Wenn man dann vom Kreuzgang ins Kirchenschiff kommt, jammern schon
die armen Seelen im Fegefeuer.

Aber keine Sorge, da müssen Sie und ich nicht rein, ist nur eine
Vergrößerung vom rechten Seitenaltar.

Gleich danach fällt dem Betrachter ein wunderschöner alter
Gobelin auf, der den Messtisch schmückt.

Rechts und links die wuchtigen Stuhlreihen für die Augustinerchorherren
damals, die übrigens vom Kloster
Rottenbuch hierher kamen.

Und dann der Hauptaltar mit seinem übergroßen Bild.

Auf der linken Seite, beim Eingang zu den Stühlen der Mönche,
fiel mir eine liebevolle Spielerei des Stukkateurs auf.

Können Sie es sehen? Nicht so richtig? Gut, dann hier als Vergrößerung.

Hat der kleine Kerl dem Abt nun den Hut gemopst oder war
der Herr schon des öfteren so vergeßlich, daß das
Engelchen vorsichtshalber einen Ersatzhut dabei hat? Und da das Engelchen
nun auch schon höher saß, ließ ich meine Augen auch
weiter in die Höhe schweifen.

Solange sich der jeweilige Prediger nicht den himmlischen Zorn erregt,
wird das Dach seiner Kanzel von hübschen Damen gehalten.

Noch weiter oben dann die Orgel und ein herrliches Deckenbild, das
man gar nicht gleich in allen Einzelheiten richtig erfassen kann.

Wenn die Orgel spielt, dann singen die himmlischen Heerscharen im Hintergrund
gleich mit.
Und jeder, der dann stören will, wird von der Leibgarde
aus dem Untergeschoß beseitigt

Links der, der bekommt gleich eins auf die Mütze.

Der vorn hat bestimmt irgendwas ins Kreuz bekommen, er sieht so richtig
käsig aus.

Na, bei der liebevollen Umarmung würde mir auch janz
anners werden. Also, liebe Leut', immer brav auf das hören,
was der Pfarrer sagt.

Dann kann man vielleicht sogar die Englein fliegen sehen.

Mit ein bisserl Phantasie geht man dann auf eine Orientreise, die schon
früher nicht ganz ungefährlich war, achten Sie mal auf den
Herrn mit dem Zahnstocher für Preiss'n unten rechts.

Doch mit einem guten Schiff und Gottes Hilfe kommt man schon ans Ziel.

Wer sich dann nicht auskennt, der fragt am besten Schriftgelehrte nach
den Vorschriften des Landes.

Einem Eintritt ins hohe Haus steht dann nichts mehr entgegen.

Soweit mal meine kleine, bisserl eigenwillige Interpretation der seitlichen
Bilder vom großen Deckenbild, hier im Ganzen.

Die Bayern waren übrigens immer scho' drob'n mit dabei, wie hier
die beiden Pagen anhand des Wappens zeigen.

S' könnt natürlich auch sein, daß sie symbolisieren,
wer hier zu Grabe getragen wird.

Aber wenn's da oben wirklich so schön aussieht, dann wäre
es doch wirklich erstrebenswert, nach oben anstatt nach unten zu kommen
oder?

So gab und gibt es für die Gläubigen und die Liebhaber schöner
Malerei unheimlich viel an der Decke der Stiftskirche Baumburg zu sehen.
Und ich kann nur jedem raten, entweder ein Opernglas oder eine Kamera
mit Zoom mitzunehmen, hier noch ein ganz kleines Beispiel weshalb:

Das habe ich erst im Sucher der Kamera entdeckt, halb versteckt durch
den Stuck. Ein wahrlich drei- wenn nicht sogar vierdimensionales Bild.
Die Statue rechts vor der Säule ist nämlich gemalt, dann
der Torbogen, dahinter der Blick auf die Scheune und dann noch in diese
hinein. Das nenne ich Kunst !

Doch bevor ich mir einen steifen Nacken einhandele, zuück auf
den Boden bzw erst mal ins linke Seitenschiff.

Was mich dann doch etwas verwunderte war der zwanglose Umgang mit dem
Tod, sie sehen die lockere Haltung der Hand mit dem Schädel. Daß
früher in den Kirchen auch edle Herren von Adel und Klerus begraben
wurden, also locker gesagt für immer daheim blieben,
davon zeugen oft die in den Wänden oder manchmal auch im Boden
eingelassenen Grabsteine.

Nicht daß mir hier bei diesem einer auf dumme Gedanken kommt
das ist nicht die frohlockende Witwe auf dem Sarg, sondern ein
Engel.

Und hier paßt der Hund auf, daß keiner den Krug klaut,
der zum Wappenträger gehört. Diese Symbolik früher war
doch viel viel schöner als heutzutage die Einheitssteine auf vielen
Friedhöfen.

Welch tiefe Verehrung man auch früher besessen hat, zeigt Ihnen
das obige Bild. Hier liegt ein Heiliger ganz ruhig in einem Glasschrein
und an anderen Stellen sind weitere Reliquienschreine in wunderbarer
Schönheit zu sehen.

Ich kann Ihnen nur sagen, wir müssen dankbar sein, daß die
Stiftskirche Baumburg und ihr Innenschmuck nach der Säkularisierung
nicht auch den Weg alles Irdischen angetreten haben. Hier sind noch
herrliche alte Zeugnisse der Gläubigkeit und der künstlerischen
Verehrung und Arbeit zu bewundern.
Mit zwei Rollenbildern aus dem Kreuzgang möchte ich mich von Ihnen
verabschieden

und nochmal ein ganz herzliches Dankeschön an den Herrn Pfarrer
sagen, der mir (und damit auch Ihnen, die vielleicht nie in den schönen
Chiemgau kommen können) diese schönen Anblicke ermöglicht
hat.

Zur Ortsseite von Altenmarkt
kommen Sie hier auch wieder zurück, zu anderen schönen Orten
in Bayern links oben im Wegweiser.
Ich hoffe, es hat Ihnen Freude gemacht, mit dem Preiss'n wieder mal
ein Stück in die alte bayerische Geschichte gereist zu sein.
Mit herzlichen Grüßen und Winke-Winke

Ihr Jörg W. Lohfink
Flughafentransfer München
(PS. - ick seh' nich so niedlich aus)
Wenn Ihnen dieser kleine Bericht wieder Freude am Lesen gebracht hat
und Sie sowieso gern lesen, dann besuchen Sie doch auch mal meine beiden
Internetantiquariate (auch links oben im Wegweiser). Habe viele schöne
alte Bücher dort im Angebot. Muß ja noch von was anderem
leben, kann ja nicht immer nur Leute um die Ecke bringen.
Mit fröhlichen Grüßen
Ihr preissischer Reiseführer in Bayern
Jörg W. Lohfink
©® Text und Bilder J.W.Lohfink |