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Ein herrlicher Tag heute wieder und Sie können mich gern begleiten
auf der Fahrt vom Flughafen München nach Salzburg. Aber nicht
die bei den meisten übliche Strecke, also Autobahn, sondern ich
fahre mit meinen Gästen lieber übers Land. Da sieht man viel
mehr von Bayern.
Über Landshut, Altötting und/oder Neuötting nach Wasserburg,
von dort in Richtung Traunstein und über Freilassing dann nach
Salzburg. Wasserburg habe
ich schon hinter mir und der Chiemgau rückt immer näher.
Hallo, eine süße Maus in einem Cabrio
auf der Gegenfahrbahn Kennzeichen TS...
Nee, nee, das heißt nicht Tolle Susi
sondern der Landkreis Traunstein ist schon erreicht.

Dies idyllische Flüßchen ist die Alz, wir haben den Ort
Altenmarkt erreicht. Hier werd ich mal kurz stoppen. Wie bitte? Zum
Oma kaufen? Ich bitte Sie, die Zeiten des Menschenhandels
sind vorbei, hier kann man weder Großmütter los werden noch
Großväter kaufen.
Der Name Altenmarkt kommt daher, daß diese
Ortschaft ganz früh das Marktrecht hatte, dann aber Konkurrenz
durch die Stadt Trostberg mit einem neuen Markt bekam und so die Bewohner
früher die Orte einfach unterschieden.

Der Grund meiner Fahrtpause hier in Altenmarkt ist folgender: wenn
ich mit meinem Flughafentransfer unterwegs bin, dann möchte ich
meinen Gästen auch immer wieder schöne und ein bisserl versteckte
bayerische Schmuckstücke zeigen. Und hier in Altenmarkt hatte
ich beim Durchfahren von Wasserburg
kommend immer zwei schöne Kirchtürme gesehen. Im Ort selber
waren sie dann plötzlich verschwunden, auch kein Hinweisschild
zu finden. Aber bei der Rückfahrt von Traunstein kommend, da sah
ich das Objekt meiner Begiere plötzlich erheblich
besser.

Hoppla, dachte ich, da sind sie ja wieder und die Türme und das
Bauwerk wurden immer größer.

Also schön langsam in den Ort, nach einem Hinweisschild gesucht,
aber da war nichts. Urplötzlich war ich schon wieder durch und
an der Kreuzung zur Wasserburger Straße. Da hab ich dann einfach
mal in einem hübschen kleinen Hotel neben der Angermühle
gefragt, wie man zu dem Schmuckstück auf dem Berg hinkommt und
was das überhaupt ist.

Tja, dann war es ganz einfach. Nochmal zurück in den Ort, bei
der Eisdiele rechts und dann den Berg hoch. Gehört, gemacht, hat
sich gelohnt!

Je näher man kommt, desto wuchtiger wird das ganze Bauwerk und
man sieht, es ist eine riesige Klosteranlage. Hier sind wir schon an
der alten Umfassungsmauer vom Stift Baumburg, gut 900 Jahre alt
das Stift, die Mauer vielleicht nicht. Hier gleich mal ein Bild vom
Haupteingang des Klosters.

Normalerweise sind sogar am Berg schöne Besucherparkplätze,
aber da ich zeitlich ein bisserl knapp immer bin, habe ich (nach Rückfrage)
oben neben den alten Wirtschaftsgebäuden des Klosters parken dürfen.

Die früher hier lebenden Augustinerchorherren müssen eine
ganz schöne Wirtschaft gehabt haben, wenn man sich
diese großen landwirtschaftlichen Gebäude anschaut. Und
auch Vieh war anscheinend in großer Menge vorhanden, hier ein
Blick in die alten Stallungen.

Nachdem aber im Zuge der Säkularisierung 1803 sowohl die Mönche
als auch die Kühe stiften gegangen sind, standen die
Gebäude, soweit noch nicht abgerissen lange Jahre leer. Doch wie
Sie auf meinem Bild erkennen können, wird schon eifrig renoviert.
Keine Angst, da kommen keine neuen Rindviecher (außer
solchen wie mir :-) mehr rein sondern seit neuestem ist hier für
Kunstliebhaber eine Galerie. Hier gleich mal eine Skulptur.

Foto J. Nistler / Skulptur W. Messerer
Drei wackere Chiemgauer bieten jetzt nämlich hier jeden Sonntag
von 16 18 Uhr für die Augen (und den Geldbeutel) von Interessierten
Kunst verschiedener Art und dieses Kulturangebot wird auch noch ausgeweitet.
Das Trio Bettina Wagner, Jochen Nistler und Walter Messerer haben im
Chiemgau schon einen Namen und wer sich mehr für Kultur dort interessiert,
der sollte mal deren Webseite auch besuchen finden Sie unter
www.kesslfligga.de.

Foto J. Nistler
Hier sind sind drei zusammen mit der Obermoser Musi, die
die Eröffnung musikalisch verschönt und begleitet hat.
Jetzt aber mal rein ins Kloster (nur zu Besuch,
keine Angst !). Für die alten Lateiner unter Ihnen mal ein Bild
von der Torinschrift.

Durchs Tor hindurch und dann fallen uns gleich zwei Dinge ins Auge,
gradaus die Stiftskirche selber und links, na klar doch, wir san in
Bayern, die Klosterbrauerei.
Funktioniert übrigens immer noch, nur ohne
Mönche, und das Bier können Sie nachher im Bräustüberl
oder draußen vor dem Tor im kleinen heimeligen Biergarten testen.

Drehen wir uns mal kurz nach rechts, dann sehen wir die riesige Fläche,
die das Stift Baumburg umfaßt.

Hinten in den Gebäuden ist ein Erholungsheim
für Englische Fräuleins - keine dummen Gedanken
bitte, das sind nicht junge Engländerinnen, sondern Damen eines
Ordens. Und ein anderer Teil der alten, aber jetzt neu renovierten
Gebäude, dient als Seminarhotel für Ärzte, Chöre
und Orchester.
Ein Modell vom früheren Umfang des Stiftes sehen Sie gleich anschließend,
bevor wir mal einen Blick in die Stiftskirche selber werfen.

So, nun aber rein die gute Stube, äh, in die ehrwürdige
Halle zu Ehren Gottes. Beim Eintritt in dieses herrliche alte Bauwerk
kann man nur staunen, mit wieviel Leidenschaft die Baumeister und Künstler
früher gearbeitet haben.

Und auch, wieviel Kleriker sich früher hier versammelt hatten,
alleine die rechte Sitzreihe der Mönche im Altarraum ist beeindruckend.

Ja, nun weiß ich ja aus Erfahrung, von zehn unter Ihnen allen
sind bestimmt Fünfe, die sagen, det reicht, mehr will ick
nich von die Kirche. Also daher nur noch ein Blick auf's Hinterteil
des schönen Bauwerkes und dann können wir weiterfahren.

Aber die anderen Fünfe sollen nicht traurig sein,
klar doch, daß ich in der Stiftskirche noch etliche andere schöne
Bilder gemacht habe und das übrigens dank der wirklich netten
Behandlung des örtlichen Pfarrers. Doch darüber dann auf
der Detail-Seite Stiftskirche
Baumburg mehr. Also hier den Link merken oder
oben links den im Wegweiser nehmen.
Bevor wir nun weitermachen, noch ein Blick vom Berg mit dem Stift Baumburg
in Richtung Berge.

Was das da unten links ist? Das ist die Burg Stein vom gar schröcklichen
Heinz von Stein.

Ja, das hätte ich ja fast vergessen. Also, Altenmarkt war schon
zu Zeiten der Römer ein Knotenpunkt in den Verkehrswegen, die
7. Legion soll sich hier getummelt haben. Die Jungs suchten
sich ja immer Fleckchen, wo Flüsse zusammen trafen, denn das waren
ja die ersten Verkehrswege früher. Und durch den Zusammenfluß
von Traun und Alz bot sich die Gegend ja richtig an.
Später dann fanden ein paar der etwas höheren
Herrschaften, daß da, wo Sie oben die Burg sehen, ein ideales
Plätzchen wäre, den Verkehr ein bisserl in ihrem Sinne zu
regeln. Denn da war eine gut ausbaubare Höhle, da
kam ein Mäuerchen rum, dann ein Stückerl tiefer und höher
noch ein paar andere Befestigungen und schon saßen die Ritter
sicher im Trockenen.
Wie stabil diese Burg war mußte Kaiser Maximilian
I im Landshuter Erbfolgekrieg erfahren, erobern war nichts, Adam I
von Toerring war ein guter Verteidiger, und mit Aushungern durch Belagerung
klappte es auch nicht. Zurück zum schröcklichen
Heinz von Stein der Herr soll eine Vorliebe für
Mädchen gehabt haben.
Erst rauben, dann vielleicht ein bisserl notzüchtigen
und anschließend gegen Lösegeld den Eltern wiedergeben.
Aber um darüber mehr zu erfahren, sollten Sie in Stein eine Burgführung
mitmachen. Wo es liegt, haben Sie ja jetzt vom Berg mit Stift Baumburg
aus gesehen.
Ja, ja, ich hör schon auf, Sie wollen jetzt an's Bier. Kann ich
ja verstehen, nur darf ich natürlich wieder nicht, muß ja
noch fahren. Während nun der schäumende Gerstensaft gebracht
wird, noch schnell der Hinweis, Altenmarkt
an der Alz hat eine interessante eigene Webseite, einfach
mal anschauen. Übrigens, nach Prien
oder zum Chiemsee ist es nur ein sogenannter "Katzensprung".
Aber in natura ist solch ein Besuch natürlich was viel Feineres.
Fahren Sie doch selber mal hin oder mit mir, ich würde mich freuen.
Wenn Ihnen dieser kleine Bericht wieder Freude am Lesen gebracht hat
und Sie sowieso gern lesen, dann besuchen Sie doch mal meine beiden
Internetantiquariate (auch links oben im Wegweiser). Habe viele schöne
alte Bücher dort im Angebot. Muß ja noch von was anderem
leben, kann ja nicht immer nur Leute um die Ecke bringen.
Mit fröhlichen Grüßen
Ihr preissischer Reiseführer in Bayern
Jörg W. Lohfink
©® Text und Bilder J.W.Lohfink |