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Zu Besuch im "fraenkischen Vatikan"
- Bamberg in Bayern
Diese Preissen in Bayern, behaupten die doch ganz frech,
der Papst wohnt in Bamberg. Dabei weiß doch jedes Kind, daß der
Sitz der Paepste in Italien in Rom im Vatikan ist.
Vollkommen richtig, aber wir machen heute einen Ausflug
in den "fraenkischen Vatikan", dort wo so mancher Kaiser schon zu
Besuch war, zwei Paepste und wirklich noch heute einer "wohnt". .
Schon mal was von Clemens II. gehoert - ein echterBamberger
Bischof, der 1046 Papst wurde. Dieser Papst war so heimatverbunden, daß
er sich wuenschte, nach seinem Tod, dem man Geruechten zufolge ein bisserl
nachgeholfen hat damals, in seiner Heimatstadt begraben zu werden.Diesgeschah
dann auch ohne große Probleme, man war wohl froh, den "Teutschen"
wieder los zu werden, und so "reiste" Clemens II. zurueck in seine
Heimat und wurde im Bamberger Dom begraben.

Aber bevor ich Sie in die Geschichte entfuehre, erstmal
fuer die in Geometrie, ach nein, Geographie nicht so Bewanderten die Feststellung,
wo wir eigentlich heute sind. Nun, mal wieder im schoenen Frankenland, das
ist die Gegend zwischen Nuernberg,
Bayreuth, Coburg, Schweinfurt und Wuerzburg.
Bamberg ist ein Eisenbahnknotenpunkt mit IC-Halt der Strecke Muenchen -Berlin,
mehrere Bundesstraßen treffen sich dort und das "Bamberger Kreuz"
ist Treffpunkt der Bundesautobahnen A 70 und A 73. Der naechst gelegene Flughafen
ist in Nuernberg.

Da ich jedoch mit meinem Flughafentransfer meist vom Muenchner
Flughafen Franz-Josef-Strauss losfahre, betraegt die einfache Strecke nach
Bamberg ca 230 Kilometer via Nuernberg. Fahrzeit je nach Verkehrslage ca zweieinhalb
Stunden, unterwegs wuerden wir das herrlich Altmuehltal bei Greding durchkreuzen
(siehe Kelheim), Nuernberg lassen wir rechts ! liegen,
ebenso Erlangen und dann sind wir schon da.
In der einzigartigen Domstadt Bamberg, auch das fraenkische
Rom genannt und von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft. Schon bei der
Anfahrt grueßen zahlreiche Kirchtuerme in verschiedensten Baustilen,
Liebhabern von Architektur laeuft bestimmt das Wasser im Munde zusammen, von
Romanik ueber Gotik, Renaissance bis Barock, alles herrlich erhalten und ein
Rausch fuer die Augen.
Sind wir dann erst in der Stadt selbst, dann wird es echt
fraglich, ob ein Tag fuer einen Ausflug reicht. Ich glaube es nicht. So zahlreich
sind die Kunstwerke, die dort von Beruehmtheiten wie Tilman Riemenschneider,
Veit Stoß, Balthasar Neumann und anderen hinterlassen wurden. (Großes Bild - Kuenstlerhaus Concordia / kleines Bild - Treppenaufgang
im Maschalk v. Ostheim'schen Haus)

Bamberg allein ist schon eine Art Kunstwerk, schon von weitem
"sticht" einem der Dom ins Auge. Dieses Gotteshaus duerfte auch das
einzige in ganz Deutschland sein, in dem Vertreter der weltlichen und der kirchlichen
Macht friedlich nebeneinander ruhen. Kaiser Heinrich II. hat hier ebenso seine
"ewige Ruhe" gefunden wie Clemens II. wobei ich eigentlich mehr die
Graeber meine, denn Ruhe bei so vielen Besuchern? Na ich weiß nicht so
recht.

Wenn ich nachher ein wenig in die bewegte Geschichte Bambergs
einsteige, dann spaetestens wird auch dem letzten klar sein, ein Tag ist wirklich
zu wenig fuer diese schoene Stadt. Allein schon die vielen Gassen, Haeuser,
Plaetze und andere schoene An- und Aussichten zu erkunden benoetigt viel Zeit.
(Großes Bild - Boettingerhaus / Kleines Bild - Innenhof
des Boettingerhauses)
Bamberg bietet soviel, daß ein Urlaub dort unbedingt
in die Planung einbezogen werden sollte. Schoene Unterkuenfte sind genuegend
vorhanden, von Hotels bis Ferienwohnungen koennte ich Ihnen allein schon rund
140 gute Adressen nennen. Aber das macht der Tourismus
& Kongreß Service von Bamberg viel besser in schriftlicher Form.
Und ich kann mir sehr gut vorstellen, daß Sie in dieser
Stadt gern ein Zimmer zum Ausruhen moechten, denn es gibt zuviel zu entdecken.
Ob Sie ueber die Fußgaengerzonen schlendern, in ueber 30 Antiquitaetengeschaeften
und Antiquariaten nach Raritaeten suchen oder eine Schiffsfahrt auf der Regnitz
unternehmen, Ihr Magen wird sich bald melden.

Und dann gehts los, die Qual der Wahl. Neun Brauereien wetteifern
darum, Ihnen koestliche Bierspezialitaeten zu praesentieren. ueberall riechts
nach "frankischen Bratwuersten" und anderen Leckereien, Weinstuben
und Cafés verfuehren zum Verweilen und ehe man sich versieht tritt der
gefuerchtete "Schweineeffekt" auf. Was, den kennen Sie nicht, ganz
einfach, "vollgefressen, satt und muede". Dann ab ins Bett, am besten
in einem der historischen Haeuser, vielleicht beim Dom, da koennte es dann
passieren, daß im Traum die Geschichte Bambergs lebendig wird. Jeder
Stein koennte Baende erzaehlen.
Und hier beginnt nun mein Ausflug in
die Historie. Bamberg ist eine sehr "alte Dame" mit bewegter Vergangenheit.
So von 800 bis 1000 n.Chr. war es ein Wohnort wie manch anderer, wichtig jedoch
als Kontrollposten des Handels zwischen Osten und Westen. Daher stand auch
auf dem jetzigen Domberg damals die Burg der Babenberger. 973 wird das "Castrum
Babenberg" von Kaiser Otto II. dem bayrischen Herzog Heinrich geschenkt.
Dieser wird nach dem mittels Gift "in Rom um die Ecke gebrachten"
Kaisers Otto III. der neue Koenig und spaetere Kaiser des deutschen Reiches.
Da er vom roemischen Adel und den von diesem praktizierten "Behandlungsmethoden
des Herrschers" nicht so viel haelt, verlegt er kurzerhand den Reichssitz
nach Bamberg. Sicherlich war die Aehnlichkeit des Stadtgebietes, sieben Huegel
wie Rom, mit ein ausschlaggebender Faktor.
Nun begannen hektische und doch friedliche Zeiten. Die bedeutendsten
Baumeister jener Zeit wurden geholt, Marmor aus Italien, gruener Porphyr, das
Baumaterial der Kaiser, der Dom nach meisterhafter Organisation in nur fuenf
Jahren fertigestellt. Bis zum Jahr 1071 wurden dann auch St. Stephan, das Benediktinerkloster
St. Michael, St. Gandolf und die Saeulenbasilika St. Jakob gebaut. Alle diese
Kirchen bildeten die Endpunkte eines Kreuzes und bis zum 18. Jahrhundert befand
sich im Schnittpunkt der Kreuzlinien eine Saeule, die die Mitte der Welt bezeichnen
sollte.
1020 kam Papst Benedikt VIII nach Bamberg um des Kaisers
Hilfe gegen byzantinische Heere zu suchen (jetzt in 2006 kommt Benedikt
XVI zu Besuch nach Bayern, siehe Altötting).
Selbstverstaendlich half Heinrich II sofort und zog mit
seinen Mannen nach Italien, um den fremden Eindringlingen anstaendig "auf's
Haupt zu schlagen". Vier Jahre spaeter starb er dann leider auf einer
seiner Reisen, nur 52 Jahre alt geworden. Seine "letzte Reise", organisiert
von Bischof Eberhard aus Bamberg, fuehrte ihn dann wieder heim und so ist im
Bamberger Dom auch ein Kaisergrab zu finden. 1052 kam dann noch Papst Leo IX.
nach Bamberg, Kaiser Heinrich V. feierte in dieser Stadt 1109 das Weihnachtsfest
und 1122 sowie 1124 war in den Mauern von Bamberg alles versammelt, was Rang
und Namen hatte.

Der Kaiser hatte jeweils einen "Fuerstentag" dort
einberufen. Auch die spaeteren Kaiser Lothar und Kaiser Konrad versammelten
in Bamberg die jeweiligen Fuersten und Bischoefe in glaenzenden Reichstagen.
(Großes Bild - Ehemalige fuerstbischoefliche Neue Residenz
/ Kleines Bild - Blick vom Rosengarten zu St. Michael)
Wo kirchliche und weltliche Maechte sich treffen, da ist
auch meist neben dem Licht der Schatten des einst so gefuechteten "Gott-Sei-Bei-Uns"
zu finden. Im Jahre 1208 wurde der Kaiser Philipp II. in der Residenz des regierenden
Bischofs Eckbert von Andechs in Bamberg vom Pfalzgrafen
Otto von Wittelsbach ueberfallen und ermordet. Letzterer wurde dann zwar auch
einen Kopf kuerzer gemacht, aber diese Bluttat konnte niemals mehr aus den
Annalen von Bamberg getilgt werden. Die regierenden Bischoefe der Stadt alle
zu erwaehnen moechte ich Ihnen ersparen. Doch Bischof Lambert sollte nicht
vergessen werden. Dieser verfuegte naemlich in seinem Testament, daß
jeweils an seinem Todestag, dem 15. Juli (1399), an die Armen von Bamberg im
Dom guter Wein verteilt werden solle. Die Empfaenger dieser milden Gabe wurden
fortan "Lambertiner" genannt. Laut meinen Unterlagen aus dem Jahre
1907 gab es damals den Brauch noch, heute anscheinend nimmer. Ob da die Brauereien
dagegen waren????
Die Bamberger sahen viele Bischoefe kommen und gehen, manchen
davon lieber gehen als kommen. Auch die Kriege des Mittelalters, ob Bauernaufstand
oder Schweden wie Kaiserliche im 30jaehrigen Krieg ließen die herrliche
Stadt unermeßlichen Blutzoll zahlen. Als dann die Pest auch noch kam,
mußte ein anderer Suendenbock her. Juden und vermeintliche Hexen (siehe
auch Schongau) waren nun schuld. Gerade die Geschichte
mit den Hexen wurde in Bamberg "juristisch entwickelt". Geschrieben
vom Bamberger Johann Freiherr zu Schwarzenberg, ein "Jurist des Hexenwahns".
Ueber 300 Jahre lang wurde im Deutschen Reich die Hexenverfolgung
anhand der "Bamberger Halsgerichtsordnung von 1507", Grundlage und
Vorbild fuer das Reichsstrafgesetzbuch Kaiser Karls V., praktiziert. (Fuer die des Lesen nicht so Kundigen damals gab es sogar bildliche Hinweise
fuer die Bestrafungsmethoden >)

Ja, ja, die damalige Gerichtsbarkeit. In Bamberg war man
sehr erfinderisch in solchen Dingen. ueberliefert ist der Begriff der "Bambergischen
Tortur", das war der dritte Grad zum Erforschen der Schuld. Wollen Sie
mal wissen, wie diese Behandlung ging? Ganz nett: Man nehme einen der Hexerei
Verdaechtigen, ziehe ihn nackt aus und setze ihn auf einen "spanischen
Bock" (uebrigens spaeter vom Militaer verfeinert als "spanischer
Reiter" mit Stacheldrahtumwicklung - bitte nicht mit dem "Bamberger
Reiter" verwechseln, das ist ein steinernes Kunstwerk am Dom).
Weiter in der "Behandlung": Nun wird der Verdaechtige
ausgepeitscht, wobei man "des besseren Wohlbefindens und der Sitzhaltung"
die Daumen und Zehen in Schraubstoecke eingeklemmt hat. Dauer meistens so eine
Viertelstunde. Wenn nun kein Gestaendnis kam, dann standen noch die "Schwefelfeder",
die "Kuehnstoecke" und das "Helmschneiden" auf der Tagesordnung.
Bei der Schwefelfeder wurden Pflaster aus Pech oder Schwefel auf die nackte
Haut geklebt und angezuendet. Kuehnstoecke waren kleine Holzscheite, die man
unter die Fingernaegel trieb und auch anzuendete. Und beim Helmschneiden nahm
man ein Netz mit duennen scharfen Schnueren, setzte es der Person auf den Kopf
und zog es dann schoen langsam zusammen, bis die Kopfhaut zerschnitten war.
Und da beschwere sich heute ein Krimineller ueber die jetzigen Verhoermethoden.

Bamberg und Geschichte, ich koennte noch stundenlang erzaehlen,
aber an Ort und Stelle wird die Vergangenheit viel eher lebendig. Wer wie ich
"olle Kamellen" liebt, der findet in Bamberg ein Dorado der Erzaehlungen
aus alter Zeit. (Großes Bild - oben genannter "Bamberger
Reiter" / Kleines Bild - nochmal der Kaiserdom)
Und alles schoen dokumentiert durch die Haeuser, Palaeste,
Kirchen oder Schriften, z.B. "Bamberg fuer alte und neue Freunde"
von Karin Dengler-Schreiber. Musikliebhaber denken bei Bamberg an die weltberuehmten
Bamberger Symphoniker, Leseratten vielleicht an den Philosophen Hegel, der
dort zehn Monate lebte. Und und und.....Fahren Sie einfach
mal hin nach Bamberg, was dort an Veranstaltungen laeuft finden Sie jetzt anschließend.
Danach folgt noch eine kurze Legende fuer meine Sagenfreunde und wer dann immer
noch nicht weiß, wo der naechste Urlaub gemacht werden soll, tja, dem
kann ich dann auch nicht mehr helfen.
Veranstaltungskalender
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Ein vollstaendiges Programm erhalten Sie vom Tourismus
& Kongreß Service Bamberg gerne zugesandt.
Ich moechte jedoch nicht versaeumen, an dieser Stelle
auf den Veranstaltungskalender
der Stadt Bamberg auf der eigenen Homepage hinzuweisen. So detailliert
und wunderbar aufgebaut habe ich bisher wenige Vorschauen gefunden.
Fuer Buergerschaft und Besucher ein klasse Service - soviel kann ich
leider aus Kostengruenden hier nicht auflisten. |
So, wie versprochen, noch eine kurze Bamberger
Sage, wie "Die Baderstiftung" entstand:
Es lebte einst ein reicher Mann zu Bamberg, der war jaehzornig
und wilden Herzens. Er hatte eine einzige Tochter, die mußte ihn eines
Tages, man weiß nicht wodurch, erzuernt haben. Er stuerzte wuetend auf
sie los und verfolgte sie lang durch die Stadt, bis ins Freie und bis in den
nahen Wald, in welchem die Fluechtige Schutz fand. Aber nun stand das arme
Maedchen allein und verlassen in dem dunklen Forst und wußte nicht, was
sie in ihrem Jammer tun sollte. Traurig ging sie eine Zeitlang auf unbekannten
Wegen immer tiefer und tiefer in den Wald. Bald wußte sie keinen Ausweg
mehr, die Sonne ging schon unter und die Daemmerung brach herein.
In ihrer Angst und Not warf sich das Maedchen auf ihre
Knie und flehte zum himmlischen Vater um Errettung. Danach machte sie sich
neugestaerkt auf den Weg, als ihr auf einmal zwei Handwerksgesellen, ein Baecker
und ein Bader, begegneten, sie auf das freundlichste begrueßten und sie
auf den naechsten Weg nach Bamberg geleiteten.

Matt, wie ein gescheuchtes Reh, gelangte sie spaet am
Abend nach Bamberg. Am anderen Morgen jedoch entsagte sie der Welt, nahm bei
St. Klara den Schleier und blieb bis zu ihrem Tod im Kloster. Der beiden Gesellen
jedoch, die sie aus dem Wald gefuehrt hatten, gedachte sie dankbar durch eine
Stiftung fuer kranke Baecker- und Badergesellen.
Nu is aber Schluß. Ist immer dasselbe mit mir, wenn
mir "wat jut jefaellt, koennt ick stundenlang quatschen". Ja, wir
Berliner, wahrscheinlich moegen wir die und das Bayern so gern, weil beide
auch mit "B" anfangen, genauso wie Bamberg. Wenn Sie jetzt den Link
"anklicken", dann sind Sie schon auf der stadteigenen
Homepage . Ich darf mich verabschieden als Reiseleiter, wuerde mich aber
sehr freuen, Sie einmal persoenlich als Gast in meinem Wagen zu haben.
nach oben zurueck
Anregungen, Vorschlaege (auch fuer Ihren eigenen Ort),Termin-
Anfragen oder auch Ihre Meinung, wie es Ihnen gefallen hat bitte an J.W.
Lohfink
Text von J.W. Lohfink, Bildmaterial von der
Stadt Bamberg © J.W.Lohfink |