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Rinchnach -
Wohnort des Heiligen Gunther vom Bayerischen Wald
Sie heißen Gunther und wollen Ihr Häuschen besichtigen? Na, wie'n
Heiliger seh'n Sie ja nicht grad aus.
Trotzdem ein herzliches Grüß Gott vom waschechten BBRf
det heißt Berliner Bayern Reiseführer. Für zufällig
beim ersten Mal gleich hier gelandete Besucher eine kleine Vorstellung
meinerseits:
Der Autor und Ihr heutiger Reiseführer heißt Jörg W. Lohfink,
ich firmiere unter Mietwagen Lohfink, denn Sie können mich
für persönliche Fahrten mieten. Die meisten meiner Kunden möchten
vom Flughafen Franz-Josef-Strauss in München ohne Wartezeit gleich zu
ihren Hotels oder Urlaubsorten, daher die Zusatzbezeichnung Flughafentransfer
München.
Und wenn man nicht zeitlich unter Druck steht, dann fahre ich nicht die Autobahnen,
sondern Nebenstrecken, an der viele architektonische und geschichtliche Kleinode
in Bayern versteckt sind.

Und hier haben wir schon so'n verstecktes Juwel, habe ich nur durch Zufall
und dank der Bauwut der Nachkommen der bajuwarischen Räuber gefunden.
Was ich damit meine? Na ganz einfach: janz früher haben die Bayern
laut altem Brockhaus kleines räuberisches Volk am Rande der Alpen
- die Straßen aufgerissen und tiefe Löcher reingemacht. Da fielen
dann die Reisenden rein und konnten schön ausgeraubt werden.
Heute machen sie es immer noch so, angeblich,
damit die Autos besser fahren können hinterher. So fährt man dann
nichts ahnend von Grafenau
über Spiegelau in Richtung Zwiesel
und dann kommt ne Straßensperre und ne Umleitung. Die führt auf
die Bundesstraße nach Regen und da geht dann nix mehr mit schön
gemütlich Dahinrollen, alleferzlang hängt einem ein Brummi am Hintern.
Daher war ich an dem obigen Anblick schnell vorbei, doch einen neugierigen
Preiss'n treibt keiner weiter.

Nächste Abfahrt rechts ab und dann durch die kalte Küche von
hinten wieder rein in den Ort, genauer über eine malerische Brücke.
Hier ein kleiner Vorgeschmack von dem idyllisch gelegenen Dörfchen. So
heißt nicht nur die Ansiedlung sondern auch das Flüßchen
kommt von rinnender Ache.

Und hübsche Häuschen haben die dort, geschickt verbunden
in der heutigen Zeit mit Landwirtschaft und Hotel. Und richtig schön ländlich,
rechts der Misthaufen. Nur Hühner hab ich keine gesehen, wahrscheinlich
alle uffjefressen von die Fremden.

Jetzt eine kleine Warnung für Geschichts-Uninteressierte und Kirchenmuffel:
der mich anziehende Magnet in Rinchnach ist dieser herrliche Bau, die ehemalige
Probsteikirche St. Johannes der Täufer. Über diese und wie sie entstanden
ist, kommen jetzt etliche Bilder und a bisserl Text. Wer also sowas nicht mag,
der kann gleich weiter auf meine Zwiesel-Seite hupfen.
Im Ort waren nämlich auch Hinweis-Schilder Gunther-Spiel und
da wollte ich nun schon wissen, was es damit auf sich hat.

Schauen wir doch erst mal rein in diesen großen herrlichen Bau. Für
ein normales Dorf viel zu groß, die Bezeichnung Probsteikirche
erklärt schon einiges. Für Unwissende (wie mich vorher): eine Probstei
ist eine Chorherren-Gemeinschaft und der Probst war der Chef vom Janzen.
Und jetzt der Gunther ins Spiel, der war nämlich vor rund 1000 Jahren
sowohl der Gründer als auch dann der Vorsteher dieser Probstei.
Gunther wurde 954 als Sohn eines thüringischen Grafen geboren und wurde
am Hofe von Udalrich, Herzog von Böhmen, groß und auch so beliebt,
daß der Herzog ihn sogar zum Taufpaten seines Sohnes Bretislaus wählte.
Also nix gegen die Ossi's !
Aber das Hofleben muß dem jungen Gunther überhaupt nicht gefallen
haben, bei einem Besuch des Niederaltaicher Abtes Gotthard (Niederaltaich
liegt ca 50 km vor Passau
in Richtung München / Abt Gotthard später Bischof von Hildesheim
und heilig gesprochen) im Kloster Hersfeld wurde er dermaßen innerlich
berührt, daß er eine Romfahrt als Pilger machte und alle seine Besitztümer
danach verschenkte.

Jetzt mal kurz eine kleine Pause in der Historie und ein Blick in das wunderschön
bemalte Kirchenschiff nach oben. Mit een paar Minütchen ist
es in diesem Gotteshaus nicht abgetan, zuviele schöne Bilder sind dort
oben zu sehen. Alle werde ich Ihnen nicht zeigen, dafür reichte meine
Zeit nicht, doch einige kommen noch.
Nun wieder zurück zum Gunther. Früher hat man gesagt, er wäre
so gottesfürchtig gewesen, daß ihm selbst die strengen Regeln des
Klosterlebens nicht genügt hätten. Ich würde sagen, er war halt
a bisserl eigen, denn er erbat sich die Erlaubnis, als Einsiedler auf den Ranzinger
Berg bei Lalling ziehen zu dürfen. Aber auch dort blieb er nicht lange,
denn die rundherum ansässige Landbevölkerung ging ihm auf den
Keks - die kam nämlich andauernd und wollte den Einsiedler besuchen.

Hier eine Vergrößerung eines der herrlichen Deckenbilder
sollten Sie selbst mal hinfahren, Sie brauchen unbedingt eine Kamera mit Zoom
oder ein Opernglas.
Weiter zum Gunther, im Jahr 1011 n Chr packte er seine Siebensachen und zog
noch weiter in den damaligen Urwald bis hier an diese Stelle im heutigen Rinchnach.
Nach einer Weile als Einsiedler fanden sich noch mehr Benediktiner und andere
gottesfürchtige Leute, die mit ihm zusammen den Urwald rodeten und eine
Insel Gottes im Urwald schufen. Und damit die Verbindung zum Kloster
Niederaltaich und damit auch die verbundene Versorgung durch Proviant und die
notwendigsten Güter einfacher wurden, hackten Gunther und
seine Leute einen Pfad durch den Wald. Dieser wurde dann später bis nach
Böhmen weiter gebaut und urkundlich von Kaiser Konrad II. Dann Eremitensteig
oder Gunthersteig genannt. Daraus wurde der Goldene Steig
letztendlich.

Gehen wir mal ein wenig weiter nach vorne auf der rechten Seite, der Altarraum
ist vorne durch ein Gitter gesichert. Stammt vielleicht noch aus der Zeit 1742,
als im österreichischen Erbfolgekrieg die Panduren unter dem legendären
Oberst Trenk die Gegend unsicher machten. Rinchnach blieb verschont damals.
Der Gunther jedenfalls genoß damals nicht nur als Zivilisator der unwirtlichen
Gegend einen weithin bekannten Ruf, er war anscheinend doch auch so menschlich
angenehm, daß er von König Stephan nach Ungarn gerufen wurde. Er
sollte diesem dort dank seiner Menschenkenntnis, Umgangsart und sowie Sprachkundigkeit
helfen, dieses heidnische und damals aufrührerische Volk zum christlichen
Glauben zu bekehren und war mehr als erfolgreich. Laut alter Beschreibung stand
ihm der ganze königliche Schatz für seine emsige Arbeit im Weinberge
des Herrn zur Verfügung. Sogar bis nach Mecklenburg zu den wilden
Liutizen wurde er als Missionar geschickt und kam heil und lebendig
wieder zurück (ganz im Gegensatz zu zwei seiner Mitbrüder im Jahr
1050, die wurden von den Liutizen mit Hackebeilchen dann zum
Herrn geschickt).

Größer konnte ich Ihnen das Altarbild leider nicht anbieten, das
Gitter war doch sehr hinderlich (ist aber sehr nützlich denn dat
Berühren der Fijüren mit die Pfoten is vaboten). Allein schon
die schönen alten Chorherren-Bänke mit ihren vergoldeten Schnitzereien
sind ein Gedicht zum Anschauen.

Die nachfolgende Aufnahme wird Ihnen ein bisserl unscharf vorkommen
isse ooch ging leider durch das Gitter einfach nicht besser.

Hopsen wir kurz wieder in die Geschichte: nachdem der Gunther also eine Menge
Leute befriedet hatte, das Kloster schon fertig und in voller Arbeit war, wurde
ihm der Rummel um seine Person wieder zuviel.
Ich glaube, ich weiß jetzt, woher
der Hape Kerkeling seinen Buchtitel her hat: ich bin dann mal weg....
Gunther sprach's, schnürte sein Ränzel und marschierte wieder in
den noch unberührten Teil des urwäldlichen Bayerischen Waldes, genauer
auf die böhmische Seite (also den heutigen Böhmerwald) bis auf einen
hohen Berg bei Gutwasser, der wird heute noch Guntherfelsen genannt.
Und weil die Quelle gleich daneben war, war es gutes Wasser

Ob dieses kleine Bild hier vielleicht den Gunther darstellen soll in Begleitung
seines Patenkindes Bretislaus weiß ich nicht, paßt aber gut als
Überleitung zu der sagenhaften Geschichte seines Ablebens, wie sie in
Böhmen am Herzogshof erzählt wurde.
Ich zitiere jetzt aus Das Bayerland von 1894: Da
nun die letzten Stunden seines Lebens vorhanden waren, geschah es aus göttlicher
allerweisester Vorsorge, damit mit dem Heiligen Gunthero nicht zugleich soviel
herrliche Tugenden und Exempel seines in der Wüsten und Wildnissen durch
ganze 37 Jahre geführten heiligen Wandels möchten absterben und begraben
werden, daß Bretislaus, Herzog in Böheim, um sich in dasigen Wäldern
mit einer hohen Jagd zu erlustigen, in in Prachimer Kreis reisete (Mann, haben
die damals umständlich erzählt)
Als nun der Herzog in diesem Wald anfinge zu jagen, stehet ihm ein ungemein
großer Hirscha auf, welchen er mit seinem einzigen Diener, den er um
sich hatte, so begierig verfolgte, daß er darüber in die äußerste
Wüstenei geriethe, allwo der Hirsch ganz plötzlich stille stund und
den Herzog mit erhobenem Kopfe starr ansah. Indem nun der Herzog diesen Hirschen
nicht ohne Bestürzung betrachtete, hörte er eine Stimme vom Himmel
erschallen folgenden Inhalts: o Bretisle ! An diesem Ort ist ein solcher Schatz
verborgen, welcher dir vor Zeiten lieb gewesen, nun aber, und in's künftige
allen, die ihn andächtig suchen werden, angenehm sein wird.

Zum Ausruhen der Augen schnell mal ein Bild von der Kanzel in Rinchnach und
dann weiter im alten Text:
In einem kleinen, auf einem hohen
Felsen gelegenen Hüttlein traf dann der Herzog einen schönen, alten
grauen betagten Mann, dessen Angesicht glänzete wie eines Engels, und
der sich im vorstellte als Gunterus, der den Herzog aus der Taufe gehoben habe.
Bretislaus habe dann den Gunther gebeten, mit ihm an seinen Hof zu kommen oder
doch wenigstesn so viel von ihm anzunehmen, was zum Unterhalt seines Lebens
nötig wäre.
Gunther aber erwiederte: Es ist nunmehro
an dem, daß meine Seel diesen sterblichen Leib verlassen soll, darum
ist meine einzige Bitt, daß du, wofern du meinem End beywohnen willst,
Morgen früh zeitlich mit dem Bischoffen Severo allhier bey mir erscheinest,
dann um 3 Uhr ist die Stund meiner Abreis aus dieser Welt, was Du derobhalben
Dich anerbothen mir zu thun, solche Gnaden erweise dem Kloster Brzewniav, allwo
meinen Leib, welches mir sonderlich ausbitte, nach dem Tode wollest hinführen
und begraben lassen.
Dieser Bitt zufolge kam der Herzog des andern Tags mit Severo dem Bischoff,
welchen er damals bei sich hatte, zu dem heiligen Gunthero, der Bischoff las
die heilige Meß auf seinem Altärlein, stärkte den liebsten
Alten mit dem hochwürdigen Gut als mit der letzten Wegzehrung. Und als
sein Sterbestündlein herbeynahete, gab er ihm die letzte Olung, wornach
er zu ernannter Stund in Gegenwart aller ihrer seinen Geist in die Händ
des himmlischen Schöpfers aufgabe, im Jahre 1045 den 9. Oktober im 90
Jahre seines Alters.

Dieses Gemälde im Altarraum könnte gut zu der Geschichte passen,
wird aber sicherlich nur eine falsche Annahme von mir sein. Der Gunther wurde
aber wirklich auf Befehl des Herzogs im Kloster Brevnov bei Prag beigesetzt.

Damit aber die Chorherren in Rinchnach und die Gläubigen der Umgebung
doch was Heiliges in der Kirche haben, bekamen sie die Heilige
Barbara, die Sie jetzt hier ruhen sehen können. Schön geschmückt
und anscheinend ganz froh, wie das Lächeln zeigt.

Und mit einem Lächeln werde ich mich gleich von Ihnen verabschieden, zuvor
noch ein Blick auf die wuchtigen Wirtschaftsgebäude der ehemaligen Probstei,
die genau in der Mitte der großen Gesamtanlage die Kirche als Zentrum
hat.

Abschließend noch ein großer Gesamtanblick, links beginnen die
Wirtschaftsgebäude in Ringform, davor das Chorherrenstift und dahinter
die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, die Ihnen hoffentlich genauso
gefällt wie mir.

Wer also mal in den Bayerischen Wald
fährt, ob allein oder mit mir, Rinchnach sollte ein Ausflugsziel sein.
Ich fahre jetzt weiter nach Zwiesel,
kommen Sie noch mit?
*
Bis bald, ob persönlich oder nur hier auf meinem Reiseführer, ganz
liebe Grüße und alles Gute
Ihr Jörg W. Lohfink vom oder als Flughafentransfer München
©® J.W.Lohfink |