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Zwiesel, die Stadt am Zwickel
Ja, servus miteinand, da bin ich wieder !

Nee, nee, keine Angst, so schnell bin ich nicht gealtert auf der Herfahrt,
sondern eine alte Zeichnung von einem Hirten aus dem Bayerischen Wald. Die
bisher Mitreisenden wissen, wo wir sind, für zufällig genau hier
eingestiegene neue Gäste eine kleine Erklärung:
Der Autor und Ihr heutiger Reiseführer heißt Jörg W. Lohfink,
ich firmiere unter Mietwagen Lohfink, denn Sie können mich
für persönliche Fahrten mieten. Die meisten meiner Kunden möchten
vom Flughafen Franz-Josef-Strauss in München ohne Wartezeit gleich zu
ihren Hotels oder Urlaubsorten, daher die Zusatzbezeichnung Flughafentransfer
München.
Und wenn man nicht zeitlich unter Druck steht, dann fahre ich nicht die Autobahnen,
sondern Nebenstrecken, an der viele architektonische und geschichtliche Kleinode
in Bayern versteckt sind. Heute mache ich hier Station in Zwiesel im Bayerischen Wald, fünfter Ort
auf einer zweitägigen Erkundungsreise.

Ja, was hat der denn für eine Kamera? Wohl von anno dunnemals? Richtig
diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1891 und ist genau besehen eine Zeichnung
von Ch. Neun in der Ausgabe Das Bayerland von damals. Sie müssen
sich jetzt nur die Kirche in roter Farbe und die anderen Häuschen wie
üblich vorstellen, dann haben Sie genau die Ansicht, wie sich Zwiesel
bei der Anfahrt präsentiert. Bloß 'n bisserl größer jetzt.
Zwiesel am Zwickel - was soll das heißen? Ganz einfach, die
Stadt liegt zwischen dem Kleinen und dem Großen Regen. Ist kein falsches
Deutsch, das zwischen. Klar gibt's dort auch kleenen und großen
Regen von oben, denn müßt' ick unter sagen. Aber die
Regen, die ich meine, sind zwei kleine Flüsse, die bei Zwiesel
sich vereinen und genau in dieser Gabelung, also Zwickel liegt
der Ort.

Das Stadtbild wird dominiert von der Stadtpfarrkirche St. Nikolaus, ist aber
nicht so alt wie der Namensgeber, stammt aus dem Jahr 1896. Natürlich
hatten die Zwieseler schon seit knapp 600 Jahren eine Kirche, aber im Gegensatz
zu einem Landwirt, der sich freut, wenn sein Hühnerhof schön voll
ist, hatten die Zwieseler über Jahrhunderte das Pech, daß sich in
ihren Mauern nur ein Hahn, nämlich der rote Hahn, oft sehen
ließ. Nach den mir vorliegenden Unterlagen muß Zwiesel seit seiner
Gründung mindestens 16 mal abgebrannt sein. Letztmalig dann 1876 und danach
bauten die Bürger die Kirche wenigstens auf einen brandgeschützteren
Fleck.

Wo Feuer, da auch Rauch, wo heißes Wasser, da auch Dampf. Und das ist
die Erklärung für die Hauptüberschrift, in Zwiesel dampft
das Bier. Aber keine Sorge, ist nicht etwa heiß, sondern genauso gekühlt
wie anderswo. Der Name kommt ganz einfach daher, daß bei der Herstellung
dieser Biersorte während der Gärung in offenen Bottichen große
Gasblasen in der Schaumdecke entstanden und wenn die platzten, sah es so aus,
als wenn das Bier dampft.
Dieses sieht aus wie ein Altbier und ist eine obergärige Sorte. Beim Brauen
wird, weil es früher im Bayerischen Wald an Weizen haperte,
Gerste genommen und auch mit dem Haschisch mußte arg gespart werden,
daher nur ganz wenig davon.
Haschisch ??? Tja, wußten Sie nicht, daß Hopfen
zu den Cannabis-Pflanzen gehört? Ha, deswegen ist Bier so gesund. Nur,
wann's zuvui davon intus haben, dann hoabn's a Dampf im Gesicht.

Als Nordlicht brauchen Sie dann aber nicht die Polizei rufen nach
dem Motto mir hat man mein Schiff geklaut, falls Sie mit dem oben
genannten Dampf durch Zwiesel wandern. Dieser Anker ist ein Geschenk
von einem Verein aus Brake, der hier im Urlaub ankerte.
Zwiesel ist auch berühmt als Glasstadt, herrliche Trink- und Schmuckgläser
wurden und werden hier hergestellt. Wenn Sie jedoch in eines derselben zu
tief hineinschauen sollten, dann kann Ihnen schnell ein Bär
aufgebunden werden in Form eines Woipertingers.

Das waren angeblich die Urviecher in Bayern, gibt noch ganz andere ausgestopfte
Exemplare. Wenn Sie also die ausgestorben bayerische Tierwelt anschauen wollen,
dann müssen Sie die Umgehung nehmen und von Süden nach Zwiesel einfahren.
Dort gibt es das Woipertinger Museum, auch die letzten Exemplare, die nach
Amerika auswanderten, sind dort zu sehen.

Dieses Schau-Haus gehört der Firma Hieke, die den Bär wurzt.
Von einem Blutwurz ist ja oft im Radio Werbung ich hab anfangs
immer gedacht, der schwäbische Sprecher kann nicht Blutwurscht sagen
aber Bärwurz fiel mir zuerst im Bayerischen Wald auf. Und
neugierig, wie wir Preiss'n halt sind, ick also rin in den Laden und gefragt.

Also, ick erklär Ihnen jetzt, wie det Janze anfing: früher, als die
Bergbauern im Woid noch alle Wehwehchen ihrer Tiere selber kurieren
mußten, da gab es bei aufgeblähten Bäuchen junger Kühe
nur ein Mittel man nahm eine Nadel oder ein scharfes Messer und stieß
es durch die Rippen, damit das Gas entweichen konnte.
Durch Zufall entdeckten die Bauern dann eine Wurzel, die
denselben Erfolg brachte, wenn man sie den Kühen in den Schlund stopfen
konnte. Damit entfiel die gefährliche Piekserei. Und da diese Wurzel,
wie Sie auf dem Bild oben sehen können, so komische Haare dran hatte,
nannte man sie Bärwurz.
Tja, dann kam einer auf die Idee was meiner Kuh bei verdorbenem Magen
hilft, könnt ja auch mir helfen, kochte sich einen Tee aus der Wurzel
und siehe da, er half. Aber Tee ist ja nun wirklich nix für harte Männer,
also wurde so ein Wurzelchen auch in Schnaps gelegt und war genauso gut (wenn
nicht besser grins). So entstand dann ein heilsamer Trank und durch
doppelte Destillation eine Qualitätsspirituose.
Mehr Informationen finden Sie unter www.baerwurzerei.de
bitte nicht selber daheim versuchen, falls Sie nämlich im Urlaub
in den Bergen so ein Wurzelchen finden sollten. Das könnte die Alpenmutterwurz
sein und dann wär's gefährlich.

Gefährlich waren die Zwieseler in früheren Zeiten für alles
jagdbare Wild in der Umgebung, es wurde mit Armbrust auf Hirsche, Eichkätzchen,
Birkhahne und Hasen Jagd gemacht, die Fischlein in den beiden Flüssen
mußten immer gewähr sein, daß der vor ihnen hängende
Leckerbissen an einer Zwieseler Schnur hing.
Aber dann, so um 1500 rum, kamen die gierigen Grafen von
Degenburg, entrissen den Ort dem Passauer Bischof und drangsalierten die Zwieseler
bis aufs Blut. Keine Jagd mehr, kein Holz zum Feuern aus dem Wald holen, aber
Steuern, Steuern und nochmals Steuern (kommt mir irgendwie bekannt vor, ob
unsere heutigen Öberen eventuell die Enkel sind?).
Der prächtige Bau ist die heutige Forstverwaltung, direkt an der Hauptstraße
gelegen.

Schräg gegenüber das Rathaus, auch von der Straße aus sofort
erreichbar. Unter dieser Maxime gut erreichbar kamen oft unliebsame
Gäste, mal aus Böhmen, mal aus Österreich und schröpften
die Zwieseler so gut es ging. Sogar das Saatgut und Egge und Pflug wurden den
Bauern unter der Hand weggerissen.
Im Lauf der Jahrhunderte gewöhnten sich die Zwieseler
daran, ab und zu vorsichtshalber in den Untergrund zu gehen - dafür
schufen sie viele unterirdische Gänge und Kammern (können besichtigt
werden). Diese schlimmen Zeiten sind nun schon lange Zeit vorbei und so können
Sie sogar freistehende Kunstwerke in Zwiesel finden.

Auch in der in neogotischer Form gebauten Stadtpfarrkirche gibt es viel Künstlerisches
zu sehen, die Bauaurt des Kirchenschiffes ist schon allein ein architektonisches
Kunstwerk.

Hier noch ein Bild vom klappbaren Flügelaltar, in Form und Farbe auch
eine reine Augenweide.

Obwohl diese Kirche relativ sparsam ausgestattet ist vom letzten Brand
blieb nur noch ein Barockaltar übrig, steht übrigens auf der rechten
Seite lohnt es sich doch, die einzelnen Bilder und Darstellungen genauer
anzusehen. Wußten Sie schon, daß selbst in der römischen Armee
Karate trainiert wurde?

Das ist ein Ausschnitt aus einem der Kreuzweg-Bilder, gibt sogar eines mit
Stinkefinger (zeig ich Ihnen vorsichtshalber nicht) - der Künstler
war sehr den heutigen Sitten gegenüber aufgeschlossen.
Apropos aufgeschlossen, die Kirche war es, aber die Geschäfte dann bald
nicht mehr. War ja Samstagmittag und nach 14 Uhr am Nachmittag.

mit einem letzten Blick auf den Stadtplatz (für Sie) verabschiedete ich
mich aus Zwiesel, denn Furth am
Wald war als nächste Station geplant. Bin ich aber auch wieder
aufgehalten worden, auf dem Weg liegt nämlich Neukirchen
bei Heiligen Blut. Wollen Sie mitkommen? Dann los!
Bis zur nächsten Station auf meiner Fahrt durch den Bayerischen Wald grüßt
Sie herzlich
Ihr preissischer Reiseführer Jörg W. Lohfink vom Flughafentransfer
München.
Ende
*
Bis bald, ob persönlich oder nur hier auf meinem Reiseführer, ganz
liebe Grüße und alles Gute
Ihr Jörg W. Lohfink vom oder als Flughafentransfer München
©® J.W.Lohfink |