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Bayreuth, die einzigste Stadt mit einem
reiselustigen Geist
Jesses na, werden jetzt die Bayern sagen, jetza spinnt
da wiada, da Preiss. Viele von Ihnen kennen ja sicherlich den
Weingeist (der den Vatter in das Bein beißt) oder den Heiligen
Geist, aber von wandernden Geistern haben Sie noch nichts gehört.
Det wird sich ändern, ick bin nich umsonst neujierig wie
Nachbars Lumpi, wenn es um Bayern und seine Geschichte geht.
In Bayreuth hatten sie nämlich die weiße Frau,
vor der hat sogar Napoleon Angst gehabt. Zur Zeit muß sie aber
wieder verreist sein, vielleicht macht sie grad Urlaub auf der Plassenburg in Kulmbach,
doch darüber nachher mehr.
Jetzt erst mal für die Neueinsteiger eine kurze Vorstellung meinerseits:
mein Name ist Jörg Lohfink, bin gebürtiger Berliner und nerve
seit 1973 meine bayrischen Mitbürger. Beruflich bring ich manchen
um die Ecke, denn ich bin stunden- oder tageweise
käuflich mit meinem Mietwagen. Meistens vom Flughafen Franz-Josef-Strauß
in München aus, aber auf Wunsch fahr ich jeden wohin er will
ist nur ne Frage des Geldes.
Und da es viele gibt, die unser schönes Bayern
nur durchrasen auf dem Weg zu den südlichen Gefilden, stelle ich
die vielen kleinen, oft auch versteckten Juwelen aus Geschichte und
Landschaft hier mit Bild und meinem Senf dazu vor. Heute
sind Sie auf der Seite der Stadt Bayreuth in Oberfranken, Abschluß
einer zweitägigen Ausflugsfahrt meinerseits durch die Oberpfalz
und Oberfranken. Beginn dieser Reise war Nabburg,
dann über Tirschenreuth
und Weiden nach Waldsassen,
über Marktredwitz und Bischofsgrün im Fichtelgebirge nach
Bad Berneck und Kulmbach.
So, nun aber rein in die Stadt, die alljährlich von Motz
und Protz wegen der Musike besucht wird. Wir sind
aber nur Hinz und Kunzund auf den ollen Wagner
(in Bayern übrigens mundsprachlich ein Radhersteller) gar nicht
scharf. O mei, hoffentlich hört das nicht unser Kini Ludwig
II. janz oben. Der war übrigens auch ein Fan von Bayreuth,
nicht nur von Richard Wagner. Dem Kini haben nämlich
die Sandsteine hier aus der Gegend so gut gefallen, daß das Eingangstor
von Neuschwanstein aus Bayreuther
Sandsteinen gebaut werden mußte.

Hier können Sie schon mal 'n paar von den Steinchen
sehen, das war mein erster Blick in Bayreuth. In einer der Seitenstraßen
fand ich einen freien Parkplatz und dann gings los an einem herrlichen
sonnigen Samstagnachmittag in die Stadt. Gleich eine wichtige Anmerkung:
die Stadt Bayreuth will zwar für jeden Parkplatz einen Obulus,
aber, wenn Sie die Parkzeit nicht ausgeschöpft haben und noch
woanders hinmüssen, dann gilt dieser Parkschein auch an dem nächsten
Platz. Find ich knorke, wie wir Berliner zu sagen pflegten.

Rechts um die Ecke rum schöne alte Gebäude, grozügige
Straßen, aber so gut wie keine Leute zu sehen. Das gleiche links
auf meinem Weg in die Stadtmitte. Samstagnachmittag, herrlichstes Wetter,
wo sind die Bayreuther?

In der Stadtkirche konnten sie nicht sein, da wurde grade innen renoviert.
Kann ich Ihnen also nur von außen zeigen, die Stadtkirche Heilig
Dreifaltigkeit.

Tja, und dann lief mir doch ein Schauer über den Rücken,
die Bayreuther ham's gefressen, nur Schreie hörte
ich noch keine.

Anscheinend gab's hier nicht nur Richard Wagner, sondern auch einen
Doktor Frankenstein, der die Gentechnologie heimlich zu Experimenten
mit der Urzeit mißbraucht steht doch an der nächsten
Ecke noch so'n Vieh!

Also jetzt bitte keine Angst bekommen, die Oberfranken sind tapfere
Menschen und haben diese Biester alle gefangen und in einem Museum
ausgestellt. Die Ihnen gezeigten sind nur die Aushänge-Figuren,
damit die Leute auch mitkriegen, welches Museum in Bayreuth vorhanden
ist. Apropos Museen, Bayreuth hat nach meinen Informationen über
14 Stücker, also für fast jeden Interessierten ist was dabei.

Oben auf dem Saurierbild sehen Sie rechts schon so ein schönes
buntes Häuschen, hier ist die andere Ecke davon. Das ist das alte
Stadtschloß mit dem Schloßkirchturm im Hof. Und für
die Königstreuen ist natürlich auch ein kleines Andenken
auf dem Schloßplatz, König Maximilian I.

Dann bin ich ums Schloß rumgetigert und siehe da,
Bayreuth sieht ja auch ganz modern aus.

Und damit auch jeder hören kann, was die Uhr geschlagen
hat, haben die Bayreuther gleich ein von außen gut sichtbares
Glockenspiel mit dazu anmontiert.

Zwischen hier und dem modernen Blick von vorhin muß früher
mal die Stadtmauer verlaufen sein, man sieht dort noch in die Häuser
eingebundene Reste. Ach ja, Reste... - da wollte jemand bauen und was
kommt beim Fundament ausgraben raus? Irgendwelche uralten Artefakte!
Da werden jetzt erst mal die Archäologen ihr Pfännlein
braten und gucken, was das ist. Die ollen Römer können
es eigentlich nicht gewesen sein, so weit waren die doch nicht im Osten
damals oder?

Aber nun weiter auf Entdeckungstour in Bayreuth. Vom großen Platz
führt eine breite Straße hinauf ins Zentrum, rechts ein
Brunnen und lauschige Parkbänke.

Die Einfassung des Brunnens ähnelt fast ein bisserl der Form der
Pferdetränke in Salzburg
vor dem Festspielhaus, ob da der Architekt a bisserl abgekupftert hat?

Kommt man sich fast wie im Süden vor, irgendwie italienisches
Flair, nicht wahr? Na ja, früher wurde gern von Italien genommen
was ging, ob es nun Architekten oder Kunststücke waren. Kunst
in Stücken gab's und gibt's auch gleich gegenüber von den
Parkbänken, das ist nämlich die Markgräfliche Oper.

'n bißken irritierend dann der Name vom daneben liegenden Hotel
Anker! Na vielleicht haben da der Fliegende Holländer
und Lohengrin mit seinem Schwan mal Anker geworfen.

Nun marschieren wir mal ins richtige Stadtleben, vorbei an dem alten
wuchtigen Palais.

Die Fußgängerzone in Bayreuth ist sehr ausgedehnt und bietet
schöne Einkaufsmöglichkeiten

Mir gefiel besonders, daß es sogar noch eine richtige alte Litfass-Säule
gab. Kennen's den noch, den Herrn Litfass? Der erste, der die Straßenwerbung
in Deutschland erfunden und verbreitet hat.

Solche originalen Dinger hatten wir früher auch viele in Berlin.
Wurde zu meiner Jugendzeit gemunkelt, in jeder steckt ein Schutzmann
drin und paßt auf, welchen Blödsinn wir Jungens anstellen.
Bloß rausgekommen ist nie einer.

Aber bei dem Jungen hier, da kam alle paar Minuten was bei
raus. Erst hab ich ein bisserl zugeschaut, wie er auf dem Schieferplättchen
rumgehämmert hat und dann war es plötzlich ein Herzlein von
der Form. Er ist ein Dachdeckerlehrling und hämmert die Schieferplatten
zu Herzen und verschenkte diese für eine Spende zur Renovierung
der Stadtkirche. Diese Schieferplatten sollen übrigens einige
hundert Jahre halten, besser als Ziegel auf den Dächern.
Ich hielt mich dann mal nach rechts, denn da war ein Schild Neues
Schloß - noch eines, ja wo denn?

Dieser freundliche alte Oberfranke konnte mir das zwar nicht sagen,
aber ein Blick hinter ihn und auf das von ihm bewachte Gelände
sagte alles, das muß ein Schloßpark sein.

Schon allein die neckischen Damen im Teich deuten ja daraufhin,
mit welch Freude die alten Markgrafen und Co sich im Park vergnügten.

Wenn man dann nach recht schaut, sieht man das neue Schloß sofort.
Sollte man gar nicht glauben, daß dieses Bauwerk direkt in der
Stadt liegt.

Nun bin ich ja gewohnt, daß solche Schlösser meistens geschlossen
sind (deswegen heißen sie auch Schloß :-),
aber hier kamen doch einige Leutchen mir entgegen, also bin ich in
entgegen gesetzter Richtung los. Wollte doch mal sehen, ob es da weiter
geht.

Es ging weiter, zwei große Flügeltüren und dann fiel
mein Blick auf einen Pferdearsch, äh, Verzeihung, auf einen Brunnen
vor dem Tore. Ich war schon vor dem Neuen Schloß, hier
ein paar Details von dem Schloßbrunnen.

Also ganz oben natürlich der Chef, ich vermute den
Markgrafen. Nun hatte ich nicht soviel Zeit, die Inschriften zu übersetzen
und mein Latein ist auch sehr sehr eingerostet, doch Stadtkundige werden
Ihnen sicherlich helfen.

Der Bogenschütze ist wahrscheinlich ein Mitglied der französischen
Hilftruppen, sitzt ja auch auf einem der ersten Peugeots.

Unser altgermanischer Siegfried muß anscheinend auch aus Oberfranken
gewesen sein, bevor er sich mit seinem Drachen gestritten und dann
hinterrücks gemeuchelt wurde von Hagen von Tronje, dem Bösen.

Nun noch schnell ein Bild von der richtigen Kavallerie Mann,
müssen die Rösser früher schnell gewesen sein, hat doch
der arme Kerl seine Stiefel verloren.
Wenn man so durch Bayreuth tigert, dann verliert man bei
der Entdeckungstour auch jede Menge Schweiß und dann melden sich
die üblichen Begleiter, Hunger und Durst. Also wieder rin in die
Altstadt.

Bei schönem Wetter macht es natürlich im Freien mehr Spaß,
wie in einem der urigen alten Wirtshäuser

doch bevor ich mich dort setzen konnte, fiel mir ein Schaufenster auf,
an dem geschrieben stand: Wir füllen Sie .. Likör und
Spirituosen.. ab....

Ha, also nix wie hin aber dann mußte ich feststellen,
meine Brille brauchte mal wieder eine Gläserreinigung.

Im Innenraum des Ladens zwar jede Menge Fäßchen und Fläschchen,
aber leider hieß es richtig, wir füllen für Sie
ab... - also nix war's wie gedacht. Hatte ja nichts mit zum Abfüllen
außer mir selber.

Diese reizende junge Dame, schon abgefüllt wie man
sieht, zeigte mir dann die richtige Stelle durch ihren Blick.

Und dann schlug das Herz eines in Oberbayern wohnenden Preiss'n höher,
Erdinger Weißbier ! Da kann man mal sehen, wie großzügig
die Oberfranken sind. Lassen sogar die Oberbayern (hier) leben. Na
ja, nachdem mittlerweile auch ein Franke den Freistaat Bayern anführt,
da ist es ganz gut, wenn es hier auch eine oberbayerische Raststätte
gibt.

Nachdem ja nun Bayreuth eine Festspielstadt ist, brauchen die Künstler
natürlich auch ein Häuschen, hier haben Sie es. Auf dem Weg
zu meinem Wagen konnte ich ein Bild davon machen. Tja, damit hatte
ich anscheinend alles in Bayreuth gesehen, was man als Tourist auf
die Schnelle, also in einer Stunde Fußmarsch, entdecken kann.
Ein Taxi-Kollege, den ich fragte, ob ich was Wichtiges vergessen hätte,
meinte dann nur, na ja, da wär noch das Festspielhaus selber
und die Eremitage.
Das Festspielhaus hab ich mir (und Ihnen) geschenkt, aber die Eremitage,
also auf deutsch Einsiedelei reizte mich dann doch. Also
los, immer den Hinweisschildern nach. Nach ein paar Kilometern dann
ein riesiger Parkplatz und der Eingang zu einem Park.

Also, det mit die Einsiedelei stimmt schon, schau'n Sie
mal, wie lang dieser Weg war und ist. Bin ich alles für Sie marschiert,
also bitte, beim nächsten Bierchen an mich denken, ja?

Dann, endlich, das erste Häuschen! Im nachhinein,
durch Literatur etwas schlauer gemacht, muß ich Ihnen sagen,
das war eigentlich das letzte Bauwerk in diesem Lustpark der hohen
Herrschaften von früher. Zuerst war nämlich nur der Park
da, im Stil eines Englischen Gartens gehalten, dann wurde das Alte
Schloß

gebaut, dann noch ein Neues Schloß (hab ich aber
nicht mehr aufgenommen) und dann erst das oben erwähnte erste
Bauwerk. Es ist wie ein Tempel geformt, mit vielen Glasflußsteinen
besetzt

und hat eine vergoldete Quadriga auf der Kuppel

Davor ist ein großer Teich mit Skulpturen angelegt in
der Eremitage ist übrigens ein gutes Cafe eingerichtet -

so daß der fußmüde, hungrige und durstige Besucher
sich ausruhen und die Schönheit der Gegend genießen kann.
Und wenn dann die Uhrzeit noch richtig ist, um 16 Uhr nämlich,
werden die Teichfiguren fast lebendig.

Aus der Nähe sieht es natürlich noch viel besser aus.

Nachdem ich nun den gesamten Nachmittag in und um Bayreuth herrlichste
Sonne genießen durfte, marschierte ich den Weg zurück von
der Eremitage zum Parkplatz durch einen der Laubengänge. Ich hatte
die stille Hoffnung, die weiße Frau vielleicht zu
sehen, aber für so Niedergeborene wie mich kam sie nicht. Zum
Abschluß jetzt noch die Aufklärung, was es mit dieser
Dame auf sich hat.
Die Weiße Frau ist oder war anscheinend das Haus-
und Hofgespenst der Hohenzollern, denn sie erschien in deren Schlössern.
Der Erzeuger der weißen Frau soll angeblich
der Nürnberger Burgraf Albrecht der Schöne gewesen sein.
In den soll sich eine Gräfin von Orlamünde, also eine der
Töchter der Erbinnen der Plassenburg bei Kulmbach, verliebt haben.
Dummerweise hatte die Dame zwei Kinder und weil
der Albrecht gesagt haben soll vier Augen stehen zwischen unserer
Verbindung soll die liebestolle Frau ihre eigenen Kinder umgebracht
haben. Der Burggraf hatte zwar mit den vier Augen die seiner Eltern
gemeint, die eine solche Verbindung nicht gestattet hätten, aber
bevor er das ihr erklären konnte, waren die Kinder schon gemeuchelt.
Und zur Strafe soll nun die Gräfin zum Geist geworden sein.
Ab und zu haben dann andere diese Geschichte zu Dummheiten benutzt,
siehe auch die Geschichte der Plassenburg, aber seltsamerweise sind
Begegnungen mit der Weißen Frau aus dem Bayreuther
Schloß, dem Berliner Stadtschloß und auch dem Rudolstädter
Schloß gemeldet worden. Und immer danach starb ein Hohenzoller.
Dieser Geist muß also sehr reisefreudig gewesen sein und soll
dann auch die Franzosen, die um 1800 rum Bayern beherrschten, sehr
gepiesackt haben.
So wird berichtet, ein französischer General
wäre bei einer Übernachtung im Bayreuther Schloß um
Mitternacht schreiend aufgefunden worden, eine weiße Frau
hätte ihn erwürgen wollen. Ein paar Tage später fiel
er dann auf dem Schlachtfeld. Und sogar Napoleon wollte bei seiner
Übernachtung in Bayreuth vor seinem Rußlandfeldzug nicht
in den Zimmern schlafen, wo man die Frau ab und an sichtete, und soll
am Morgen danach unausgeschlafen und giftig abgereist sein.
So, meine lieben Freunde und Besucher, damit ich wieder ausgeschlafen
bin, schließe ich für heute meine Bayreuth-Seite und hoffe,
sie hat Ihnen wieder ein wenig gefallen. Es gibt noch viele andere
kleine und große Sachen in Bayreuth und drum herum zu entdecken,
fahren Sie doch einfach mal hin (vielleicht mit mir?).
Die Stadtverwaltung von Bayreuth hat auch eine schöne eigene Seite,
finden Sie hier.
Mich finden Sie wie gewohnt unter Muenchen-Flughafentransfer oder Mietwagen
Lohfink.
PS. Ein kleiner Tip noch für die Franken: wann's a eheliches Problem
haben tut's, dann besucht mal das Allgäu...
In Aitrach steht a böser Gaul
der steht beim Schratzelhofer Paul.
Vor vierzehn Tag scho hat er g'schlag'n
da ham's na' d' Magd zum Doktor trag'n.
Und jetzt derwischt der Sakradi
glei d' Bäuerin. Und de is hi.
Die andern, wie die des erfahrn
die kommen glei in ganzen Scharen
und sag'n zum Schratzelhofer Paul:
Geh, leih mir auf a Woch Dein' Gaul.
Hat ein gewisser Willi Simader ber-/ged-ichtet, habe ich mit diesem
Vermerk handschriftlich in einem Buch in meinem Antiquariat gefunden.
Ich wünsch Ihnen alles Gute, vielen Dank für Ihr Mitfahren
heute und bis bald mit lieben Grüßen
Ihr preissischer Reiseführer in Bayern
Ihr Jörg W. Lohfink
Muenchen Flughafentransfer
©® Jörg W. Lohfink |