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Wo kamen die meisten Könige in Europa
her?
Aus Coburg, natürlich eine Stadt in Bayern
!
Tach'chen allerseits, sin Se wieda mal oder det erste Mal in Bayern?
Kriejn Se keenen Schreck, et jibt jenug Bayern hier, aber bei mir sin Se jetzt
richtig bei eenem waschechten Preiss'n jelandet.
Wer mir noch nicht kennt, dem sei gesagt, seit 1973 lebe ich als gebuertiger
Berliner hier im Bayrischen, bin mietbar (aber nicht kaeuflich)
als Flughafentransfer Muenchen oder fuer Fahrten ins weiß-blaue
Land und auch sonst ueberall hin. Und als ich berufsbedingt anfing, mich ueber
Bayern, die dortigen Staedte und Doerfer etwas mehr zu informieren, Mann, da
jingen mir die Oogen uff.
Ich glaube, selbst viele Bayern wissen gar nicht, welche Juwelen der
Weltgeschichte im Land am Rande der Alpen versteckt sind. Mittels meinem virtuellen
Reisefuehrer bringe ich Sie heute nach Coburg in Nordbayern.

Dieser Stadt verdanken die Englaender die glorreiche viktorianische
Zeit und Musikliebhaber in aller Welt die unvergessenen Walzer von Johann
Strauss. Det jloobn Se nich? - na, dann steigen Sie mal ein, lehnen
sich im Sessel zurueck und waehrend wir losfahren, beweis ich Ihnen das alles.
Die meisten meiner Gaeste kommen am Muenchner Flughafen Franz-Josef-Strauss
(schad, daß wir den nicht mehr haben) an und dann geht's auf die Autobahn.
Die A 92 Passau - Muenchen fuehrt uns vom Flughafen
bis zum Kreuz Neufahrn, dann nehmen wir die A 9 Muenchen - Nuernberg
und am Nuernberger Kreuz wechseln wir auf die A 73 nach Bamberg.
Von Bamberg bis Coburg ist es dann nur noch einen Katzensprung
(solche Katzen gibt's aber nur in Bayern oder Texas) auf der Bundesstraße
4, so schlappe 50 Kilometerchen. Insgesamt betraegt die Strecke ca 275 km von
Muenchen aus gerechnet.

Schon von weitem ist die Stadt an ihrem Wahrzeichen, der Fraenkischen
Krone, wie die Veste Coburg genannt wird, erkennbar.
Wenn nun irgend ein Deutschlehrer die Schreibweise "Veste"
beanstandet, so seien ihm zwei Sachen gesagt. Erstens, nach der neuen Rechtschreibreform
is ja nu so gut wie alles moeglich, aber und damit zweitens, die Coburger waren
und sind ein besonderes Voelkchen mit viel Sinn fuer das Echte, Gute und Schoene,
daher hat man dort auch die urspruengliche Schreibform beibehalten.
Diese maechtige Befestigungsanlage sollten sich
jetzt alle Englaender ganz genau ansehen, sofern sie auf diese deutsche Seite
stoßen. Verdanken sie doch diesem Adelssitz einen ihrer besten Regenten.
Noch heute erinnert man sich in Großbritannien an Prinz Albert, den Gemahl
der Koenigin Viktoria, nach der ein ganzes Jahrhundert benannt wurde. Und der
war ein Coburger!
Sie sollten wissen, daß die Herzoege von Sachsen-Coburg
und Gotha im Gegensatz zu anderen Adelsfamilien nicht mit Intrigen, Blut und
Traenen ihre Position hielten und ausbauten, sondern durch Heirat und Liebe
(war zwar nicht immer auf den ersten Blick, aber ....).
Die beste eingefaedelte Hochzeit war die zwischen Queen Victoria
und Prinz Albert 1840, wurde uebrigens vom belgischen Koenig Leopold mit langer
Hand vorbereitet, der, wie sollte es anders sein, auch ein Coburger war. Ich
taet gern wissen, wo die Coburger damals noch so ihre (Heirats)-Sueppchen
gekoechelt haben.
Auf keinen Fall sollte man die Worte des englischen Premierministers Benjamin
Disraeli vergessen, er sprach anlaeßlich des ueberraschenden Todes von
Prinz Albert im Alter von 42 Jahren die folgenden Worte: Dieser deutsche
Prinz hat England 21 Jahre lang mit einer Weisheit und Energie regiert, wie
sie keiner unserer Koenige jemals gezeigt hat. Queen Victoria sagte spaeter
bei einem ihrer vielen Besuche in Alberts Geburts- und Heimatstadt: Waere
ich nicht, was ich bin, haette ich hier mein wirkliches Zuhause. Kann
eine Koenigin Schoeneres ueber eine Stadt sagen?

Ich schaetze, Sie werden sich hier auch wohlfuehlen. Jetzt sind wir naemlich
gerade in Coburg eingefahren und was Sie jetzt vor sich sehen ist das Schloß
Ehrenburg. Interessanter Name, nicht wahr?
Alten Berichten zufolge soll er seit der Errichtung des Schlosses im
Jahre 1547 als Stadtresidenz der Coburger Herzoege entstanden sein, denn der
Bau wurde ohne Fron- (Zwangs-) Dienste von den Untertanen gebaut. Das Schloß
sollten Sie unbedingt besichtigen spaeter.
Es wurde von Giovanni Bonalino als interessantestes Beispiel der Renaissancebaukunst
noerdlich der Alpen entworfen und gebaut, nach einem Brand um 1690 dann im
Barockstil umgestaltet und nun kommt der Clou: So wie Sie es jetzt sehen, haben
wir Berliner die Finger mang jehabt wie wir sagen. Denn im 19.
Jahrhundert wurde die Außenfassade im neugotischen Stil nach Entwuerfen
des Berliner Architekten Karl Friedrich Schinkel gestaltet.
Innen koennen Sie noch viele Schoenheiten des Barock sehen, herrliche
Stukkaturen sowie die Bauweise im Riesensaal und der Hofkirche, kostbare Moebel
im franzoesischen Style Empire und nicht zu vergessen, eines der
ersten Wasserklosetts in ganz Europa. In Mahagoni, versteht sich, edle Verkleidung
fuer edle Popos. Ob da unser Koenig Ludwig, der Maerchenkoenig,
ein wenig abgekupfert hat, als er Schloß
Linderhof bei Garmisch und Hohenschwangau
bei Fuessen auch mit Wasserklosetts ( oder heißt
das jetzt richtig -klosetten?) ausstatten ließ?
Ach lassen wir das. Vor lauter Reden haette ich mich nun beinahe verfahren.
Unser Ziel liegt ja in der Naehe des Marktplatzes.
Ah, da ist er ja. Der Herr da in der Mitte ist Prinz Albert, nee, nicht
der rechts am Sonnenschirm, der andere da auf dem Sockel. Ein neueres Kunstwerk
zwischen allen Epochen.


Apropos Kunst, Sie sehen hier am Marktplatz von Gotik bis spaeter Renaissance
eigentlich alle Stilarten, da links drueben das Muenzmeisterhaus ist eines
der aeltesten Fachwerkhaeuser in Coburg und ganz Deutschland, 14. Jahrhundert
und noch im Privatbesitz. Moecht nicht wissen, was da fuer Restaurierungskosten
drin stecken.
Und wenn wir schon beim Thema Kunst sind, Sie werden viel Zeit brauchen,
um Coburgs Schatzkammern zu erforschen. In der Veste finden Sie viele schoene
Kunstwerke, die Coburger Herzoege waren Sammler par excellence. Gemaelde altdeutscher
Meister der Duerer- und Cranachzeit, venezianische Glaeser, bemalte Emailglaeser,
Pokale, Sammlungen von Keramik und Zinn, Porzellan, historische Waffen und
Prunkwagen, alles vorhanden und anzuschauen. Auch eine der bedeutendsten Graphiksammlungen
der Welt, das Coburger Kupferstichkabinett mit rund 300.000 Druckgrafiken und
5.000 Zeichnungen ist dort daheim.
So, da ist das Restaurant, wo ich heute mal essen moechte. Hier soll
es einen guten Braten mit Coburger Kloeßen geben, eine Spezialmischung
aus fraenkischer und thueringischer Kueche. Eigentlich waere es ja ganz gleich,
wo man in Coburg zum Essen geht. Die kochen hier alle gut, ob internationale
oder heimische Gerichte, man muß immer aufpassen, daß man nicht
zu viel des Guten erwischt (Sie wissen schon, Zweimann-Zelte als Hosen sind
verdammt teuer).
Den Coburgern ist uebrigens fuer das Wohl der Gaeste nichts zu teuer,
die verzieren sogar Lebkuchen mit echtem Blattgold, deswegen sind die Coburger
Goldschmaetzchen auch weltbekannt geworden.
Nach dem Essen koennen Sie waehlen, Stadtfuehrung, Veste besichtigen
oder auch nur einfach die Altstadt erkunden. Viele huebsche Fotomotive, Shopping
selbstverstaendlich in allen Variationen oder einfach nur Bummeln, Coburg bietet
fuer jeden etwas. Natuerlich auch fuer Sportler, sofern Sie ein paar Tage hier
gerne mal urlauben moechten. Schwimmen, Reiten, Angeln, Golf spielen, Segelfliegen,
Fahrradfahren, Skaten, Tennis, im Winter Langlauf - was das Herz begehrt, alles
moeglich.
Das war schon frueher so. Die Coburger hatten immer
ein Herz fuer andere. Martin Luther fand fuer ein halbes Jahr hier Zuflucht,
als ihm seine Gegner an den Hals oder sonstigen Koerperteil wollten. Und auch
der unsterblich gewordene Koenig, der in Coburg sich als Staatsbuerger anmeldete
kommt jetzt zum Vorschein: Wußten Sie, daß der Walzerkoenig Johann
Strauss ein Coburger war, bis an sein Lebensende ? Die Wiener beißen
sich heut noch in den Allerwertesten, wenn man das anspricht, lange Zeit wollten
sie ihm nicht mal ein Denkmal setzen.
Und wer war an allem schuld? Wie immer, die Frauen - aeh ich meinte,
die Liebe. 1885 hatte sich der Walzerkoenig in eine Witwe namens Adele Strauß
verliebt, die er als Hofkapellmeister in Coburg kennengelernt hatte. Er lebte
schon seit laengerem von seiner angetrauten und untreuen Frau, der Schauspielerin
Angelika Dittrich getrennt und wollte sich nun scheiden lassen. Doch Wien war
damals sehr sehr katholisch und da gab es halt keine Scheidung.
Herzog Ernst II im protestantischen Coburg sah das nicht so kleinlich.
Wenn Johann Strauss Coburger Untertan waere, dann ließe sich das schon
arrangieren. Gesagt getan. Johann Strauss verließ 1886 den oesterreichischen
Staatsverband, stellte den Antrag, Staatsbuerger des Herzogstum Sachsen-Coburg
und Gotha zu werden, leistete im Februar 1887 den Eid auf die Coburger Verfassung
und ward geschieden. Er blieb dann bis zu seinem Tode Coburger, mein lieber
Scholli, hat det die Wiener gewurmt.
Die Veste Coburg, mal ein Blick von "janz weit oben". (hat
mein Freund, das "HB"-Männchen für mich geknipst :-)

Sie sehen, in Coburg war und ist vieles anders, Coburg
gehoert ja auch zu Bayern. Übrigens schon seit 1920 und das sogar freiwillig
durch Volksentscheid. Aber mehr verrate ich jetzt nicht ueber unseren heutigen
Ausflugsort, sonst will nachher keiner mehr zurueck. Machen Sie sich am besten
selber ein Bild dieser huebschen Stadt, wem mein virtueller Ausflug zu kurz
war, dem helfen die netten Damen und Herren vom Tourismus & Congress Service
Coburg gern mit noch mehr Informationen. Veranstaltungen gibt es hier jede
Menge, in Coburg war schon des oefteren der Baer los.
Das war jetzt das Stichwort zu meinem ueblichen Anekdoten- oder Sagenteil.
Im großen Waffensaal der Veste Coburg gibt es naemlich ein vom Hofrat
Heinrich Schneider hergestelltes Freskogemaelde, auf dem eine wunderschoene
Frau einem Baeren Zucker gibt. So manche Coburgerinnen machen das
noch heute - aber jetzt die wahre Hintergrundgeschichte zu diesem Bild:
In frueheren Zeiten wurden auf der Veste Coburg in einem Zwinger zwei
Baeren gehalten. Eines schoenen Tages, die hohen Herrschaften hatten sich gerade
im Bankettsaal zum Essen gesetzt, da oeffnete sich die Tuer und die beiden
Meister Petz erschienen als ungeladene Gaeste. Sie hatten ihr Gefaengnis durch
eine Unachtsamkeit der Waerter verlassen koennen und waren den guten Dueften
nachgegangen, die ihnen den Weg ins Paradies wiesen. Der Schrecken der anderen
Tischgaeste war groß. Nur eine der Damen war furchtlos und reichte den
Herren Baeren eine mit Obst und Zuckerwerk gefuellte Schuessel. Diese Gabe,
zumal von einer schoenen Frau gegeben, entzueckte die Baeren derart, daß
sie genußvoll und ruhig das Geschenk verzehrten und der eiligst herbei
gerufene Baerenknecht sie dann wieder fesseln und in den Zwinger zurueckfuehren
konnte.
Ja, ja, die Coburgerinnen! Sie waren anscheinend schon immer
von besonderer Guete, wie die Geschichte der Aebtissin vom Kloster Sonnefeld
zeigt. Ihr Grabstein in der Kirche ist mit einem Bild verziert, wobei der Kuenstler
anscheinend bei den Füßen einen Fehler machte, einer ist deutlich
kuerzer als der andere. Aber der scheinbare Fehler ist keiner, er erzaehlt
dem Eingeweihten naemlich die Geschichte einer Coburgerin mit tief edlem Herzen:
Die vier Burgfraeulein
Der Graf Heinrich VIII. von Henneberg hatte vier Toechter,
die nach dem Tod des Vaters mit ihrer Mutter "Jutta" auf der Veste
Coburg wohnten. Da Jutta ihre Toechter innigst liebte und nicht von ihnen getrennt
werden wollte, wies sie alle Freier, die sich um die vier Jungfrauen bewarben,
zurueck. Nach dem Tod der Mutter kamen jedoch die Bewerber wieder und die aelteste
Tochter Elisabeth wurde die Frau eines Grafen von Wuerttemberg und die zweitaelteste,
die Katharina die Gemahlin des Markgrafen von Meissen.
Der Burggraf Albrecht von Nuernberg bewarb sich nach dem
Befehl seines Vaters um die Hand der juengsten Tochter Anna, die zwar reich,
aber nicht schoen und hinkend war. Als er jedoch bei der Werbung die reizende
Sophie erblickte, da verliebte er sich heftig in diese und Sophie, die schon
fuer ein Kloster bestimmt war, auch in ihn.
Als Anna das Liebesverhaeltnis der beiden erkannt hatte,
beschloss sie in edelmuetiger Weise ihrem Verlobten zu entsagen und die Liebenden
zu vereinen. Am Tag ihrer Hochzeit trat Anna im einfachen, weissen Schleier
und Klostergewand vor die sich heimlich Liebenden. Sich zu ihrer Schwester
Sophie wendend sprach sie: "Nimm ihn hin und sei gluecklich. Denn nicht
du, reizende Schwester, sollst in ein Kloster gehen, sondern mich hat der Himmel
dazu bestimmt." Nachdem Anna die beiden Liebenden in edelster Selbstopferung
vreinigt hatte, schenkte sie den beiden Gluecklichen auch noch ihre saemtlichen
Gueter und trat noch am selben Tag als Nonne in das Kloster Sonnefeld ein,
in welchem sie als Aebtissin starb.
So, nun ist aber endgueltig Schluß mit Erzaehlen. Jetzt
mach ich mich langsam wieder auf den Weg nach Haus (wo das liegt, koennten
Sie hier erfahren). Wer jedoch noch ein wenig in Coburg verweilen moechte,
dem kann ich nur die stadteigene Webseite
empfehlen. Da gibt es nicht nur Ausfluege in die Umgebung von Coburg, sondern
auch die Erklaerung wie der Mohr nach Coburg kam und vieles mehr.
Hier geht's direkt hin, www.coburg-tourist.de
und wenn Sie sofort Informationsmaterial anfordern moechten, klicken Sie hier
und schon haben Sie die e-Mail
Adresse der Stadt Coburg. Uebrigens, zwei weitere Geschichten aus Coburg
finden Sie auf der Seite mit den Sagen aus Bayern, "die
steinernen Brunnenloewen" und "den Moench
vom Moritzturm".
Ich darf mich jetzt verabschieden, bis zum naechsten Mal in Bayern - tschuess
sagt der Preiss, pfueat di die Einheimischen.
Ihr B.B. (nee, nich Brigitte Bardot - sondern Ihr Berliner
Bayer) vom Flughafentransfer Muenchen
Noch mal nach oben?
Anregungen, Vorschlaege (auch fuer Ihren eigenen
Ort),Termin- Anfragen oder auch Ihre Meinung, wie es Ihnen gefallen hat bitte
an J.W. Lohfink
Bilder dankend von der Stadt Coburg - Text
© J.W.Lohfink |