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Ja hallo, wen haben wir denn da? Schon wieder so a neugieriger
Preiss', der wo was wissen will über Bayern?
Steigen Sie ruhig ein, ich bring Sie schon um die
Ecke, ganz schmerzlos und bequem, heute mal wieder nach Niederbayern.
Unser Reiseziel ist die Stadt Dingolfing, wo das deutsche Wirtschaftswunder
nach dem zweiten Weltkrieg los ging jaaa, nix Ruhrgebiet, Bayern brachte
die Deutschen in Schwung!
Aber bevor wir richtig starten, sollten die, die mir noch nich kennen,
erst mal kurz wissen, wo sie grad gelandet sind. Also, ick bin keen Bayer
sondern ein Berliner, der seit rund 33 Jahren hier lebt . Seit knapp 10 Jahren
hab' ich mich auf Transferdienste vom und zum Münchner Flughafen Franz-Josef-Strauss
und auf Ausflugsfahrten spezialisiert. Dabei fiel mir auf, daß es in
Bayern so viel Interessantes und Schönes zu entdecken gibt und daran sollen
Sie auch teilhaben, selbst wenn Sie nicht mit mir fahren können oder wollen.
Heute fahre ich Sie nach Dingolfing, eine kleine
hübsche Stadt im Herzen von Niederbayern, rund 70 km vom Flughafen Franz-Josef-Strauss
entfernt. Wer zum Beispiel nach Passau
zu einer DonauKreuzfahrt will, nimmt vom Münchner Flughafen gleich die
Autobahn A 92, die über Deggendorf nach Passau
führt.

Wir sind jetzt grade an Landshut vorbei
und wie Sie sehen können, et jeht abwärts, na ja, wir
fahren ja auch nach Niederbayern. Ganz vorn im Bild ist nicht die Vernebelungsanlage
der bayerischen CSU zu sehen, sondern das ist das Atomkraftwerk in Ohu bei
Landshut an der Isar (Ohu ist der Ort - nix ein bayrisches "aha"),
hier im Vorbeifahren mal ein bisserl größer.

Tja und kurz danach kommt dann dieses Hinweisschild an der Autobahn:

Und das reizte mich schon des öfteren, denn selbst bei langsamen Fahren
konnte ich bisher nie diese Brücke sehen und jetzt wollte ich es mal wissen.
Im allgemeinen alles flach links und rechts und dann so'ne große Brücke,
also abgebogen und bei Dingolfing Nord runter von der Autobahn.

Links und rechts sind dann riesige Fabrikanlagen, die Firma BMW hat hier eines
ihrer größten Werke mit rund 22.000 Beschäftigten, dann geht's
über die Isar

und durch ein Gewerbegebiet

Tja, und immer noch sieht alles recht flach aus und die oben erwähnte
Brücke, müßte doch ein Riesenbau sein, immer noch nicht zu
sehen. Aber dafür, und das muß ich echt lobend erwähnen, eine
sehr sehr gute Parkplatz-Beschilderung für Besucher der Stadt Dingolfing.
Ich hab mir dann den Parkplatz an der Stadthalle ausgesucht, da es dort auch
Zentrum hieß. Der Platz liegt an der Zirkuswiese,
ist übrigens gebührenfrei auch was Seltenes in Bayern ! -
und dahinter das große Bad Caprima, aber baden gehen
wollen wir ja heute nicht.

Farblich bedingt dachte ich dann erst mal an einen Eisenwarenhändler gleich
neben dem Parkplatz, aber genauer betrachtet entpuppte sich der scheinbare
Altmetallhaufen als modernes Kunstwerk. So kann man sich täuschen (grins).
So, und nun auf ins Zentrum. Zwischen Kindergarten St. Johann und der Stadthalle
geht's dann in die Stadtmitte. Aber halt, dat dicke Pferd wollen
wir uns mal näher anschauen.

Ein hübscher Brunnen und mit interessanter Detailgestaltung, ich möcht
bloß wissen, was die kleenen Männekens da hoch
ackern - ob das eine Allegorie für Pferdestärken darstellen
soll?

Na, die Überlegungen können Sie bei einem eigenen Besuch mal anstellen.
Ich marschiere jetzt mal weiter, wurde echt ein anderthalbstündiger
Fußmarsch durch die Stadt und doch bin ich sicher, ich hab nur wenige
Schmuckstücke gesehen. Zum ersten, der großen spätgotischen
Kirche St. Johannes Baptist, waren es nur ein paar Minuten.

Und dann kommt schon wieder ein Beispiel der niederbayerischen Schlitzohrigkeit,
haben die doch hinter der großen Kirche noch ne kleine gleich daneben
versteckt. Sieht man aber erst, wenn man um St. Johannes rumgeht, um den Eingang
zu finden.

Diese kleinere ist die Dreifaltigkeitskirche, auch Erasmi- oder Schusterkirche
genannt (zusammengeschustert sieht sie aber nicht aus). Das Kirchlein
hat noch einen Anbau, Karner oder Seelenkammerl genannt.
Das ist ein anderes Wort für Beinhaus - für die gänzlich
Unwissenden der südlichen Sprache: da liegen keine Beine drin, sondern
Gebeine, sprich Knochen, ganz genau, ein paar bemalte und beschriftete Totenschädel.
Vorn in dem Kirchlein ist eine Mariengrotte, hier zu sehen

Bevor man dann in die St. Johannes Kirche geht, fällt der Blick auf ein
schönes Kruzifix außen

Nun aber kurz mal reinschauen in dieses unheimlich wuchtig erscheinende Kirchenbauwerk.
Von außen kann man gar nicht ahnen, welche Schönheit die Baumeister
im Inneren geschaffen haben. Der Baustil Gotik hat eine faszinierende Wirkung
in punkto Schlankheit und Höhe, schauen Sie sich diese Gewölbe mal
an.

Natürlich wurde später nach der Fertigstellung um 1500 rum feste
barockisiert, aber um 1880 hat man dann wieder regotisiert
- ein Leckerbissen für Fans beider Stilarten. Doch auch die herrlichen
Schnitzarbeiten und Malereien in St. Johannes sind eine wahre Freude, ich habe
Ihnen hier mal eine kurze Bildfolge zusammen gestellt, bei Anklicken werden
alle noch a bisserl größer.

    
    

Auch die wunderschönen Glasfenster benötigen etliche Zeit, wenn man
sich die Darstellungen darauf genauer ansehen will. Doch soviel Zeit habe ich
jetzt nicht, will Ihnen ja noch mehr von Dingolfing zeigen. Draußen,
bevor man den Pfarrplatz betritt, nochmal eine Darstellung aus der Bibel
alle pennen, einer wacht, im Garten Gethsemane die letzte Nacht...

Nochmal schnell einen Blick zum Turm hoch und jetzt weiter. Hier stehen wir
schon auf dem Pfarrplatz mit dem schönen Brunnen des Schäfers,
im Hintergrund die Treppen hoch zu St. Johannes aber lassen Sie sich
nicht täuschen, der Eingang ist dann rechts um die Ecke.

Bevor wir aber um die nächste solche gehen, lassen
Sie Ihre Augen ein bisserl wandern. Oft sind viele hübsche Kleinigkeiten
versteckt und man rennt dran vorbei, weil man einfach nicht rumschaut. Sehen
Sie sich mal dieses hübsche Stuckjuwel an

oder, was ich immer besonders liebevoll finde, eine eingemachte
Maria die Statuette durch Glas vor der Witterung geschützt.

Jetzt aber weiter auf Entdeckungstour durch Dingolfing. Ist übrigens gar
nicht so einfach, denn die Dingolfinger haben vieles unheimlich gut durch Bäume
versteckt. Man sieht zwar ein Turmspitzel

doch gleich den Weg dorthin zu finden war schon ein Problem. Um ganz
ehrlich zu sein, den Storchenturm hab ich nachher gar nicht gefunden, sondern
nur von unten fotografiert. Aber mir war ja die anfangs erwähnte Brücke
wichtig, also frisch gewagt und zwei Dingolfinger Buben gefragt.
Hallo ihr beiden, was gibt's denn hier noch Schönes zu sehen?
- Jo, unser Herzogsschloß und den Stinkerturm.

Der Weg dahin war nicht weit, aber ohne die Hilfe hätte ich das Schloß
schon mal nicht gefunden, lauter Bäume davor. Aber wenn man's mal hat,
dann sieht man schon von unten, das muß es sein. Schon die Malerei über
der Tür zeigt was Hochherrschaftliches an.

Daneben dann der besagte Stinkerturm - die Buben erklärten
mir den Namen so jo, wissen's, do hoabn's damals das Verlies g'habt
und wenn dann Gefangene drin waren, dann hat's halt g'stunk'n, do war koa Klo
drin.

Na ja, wenn man sich den Turm von hinten (und jetzt oben , gibt ne Treppe rauf)
anschaut und nur das eine Tor da sieht, da kann man das schon glauben.

Tja, und mit dem jetzt oben sind wir schon in der Oberstadt,
denn Dingolfing besteht eigentlich aus zwei Städten. Die untere Stadt
war janz früher mal Besitz vom Bischof von Regensburg,
der durch seine Brücke über die Isar den Salzhandel kontrollierte
und dadurch etlichen Mammon scheffelte. Aber dann kam Otto !
Laut Geschichte gab es das Städtchen schon so um 880 n. Chr., in 1251
hatte Herzog Otto II dem Beispiel seines Vaters Ludwig der Kelheimer
(siehe meine Landhut-Seite) folgend
einfach eine neue befestigte Stadt auf einem Bergle darüber gebaut. Der
Bischof von Regensburg mußte dann bal d salzige Tränen weinen, denn
auch diese Einnahmequelle ging ihm flöten, Herzog Otto brauchte
die Kohlen selber. Schon mal um den Bau des Herzogsschlosses zu
finanzieren, das Sie jetzt hier von vorne sehen.

Heute ist das Schloß wunderschön renoviert und beinhaltet ein Museum
mit verschiedensten Bereichen. Ich, neugierig wie ich bin, natürlich rein
und es hat sich wirklich gelohnt. Eine der Damen, Frau Zitzelsberger (ich hoff
bloß, ich hab's richtig verstanden), war unheimlich freundlich und gab
mir für diese Seite und damit auch für Sie sehr interessante Erläuterungen.
Vielleicht erst nochmal zwei andere mögliche sachlichere Erklärungen
für den Namen des Stinkerturms. 1. Im Bayerischen kann das auch von g'stinkerter
Kerl her kommen, damit bezeichnet man faule Hunde und die
hat man früher ja auch ganz gern mal eingesperrt. Oder 2. gibt es im Bayrischen
Dialekt auch anstinken oder wir sagen stänkern
- also wurden im Stinkerturm vielleicht Leute eingesperrt, die andere Bürger
beleidigt hatten.
Tja und dann kam der sprichwörtliche Hammer für mich:
Dingolfing als Wiege des deutschen Wirtschaftswunders nach dem 2. Weltkrieg.
Das war nun wirklich die Sensation, denn auch ich als Nachkriegskind Jahrgang
49 (ist 'n guter Jahrgang wie beim Wein) kenne zwar noch Goggomobile, aber
daß die hier gebaut wurden, das wußte ich nicht.

In der kleinen Modellausstellung sind sogar noch Dienstfahrzeuge zu sehen,
ich schätze mal, damals durften nur kleine Dienstränge
fahren.

Und hier haben Sie ein Bild vom Vorläufer des Goggos, den Roller der Firma
Glas, die schon seit 1904 in Dingolfing existierte und europaweit Sämaschinen
verkaufte.

Wenn man sich den genauer anschaut, ist da nicht eine unheimliche Ähnlichkeit
mit der später so berühmt gewordenen Vespa? Ich glaub ja fast, irgendein
Azurri ist mit dem Glas-Roller heim gefahren und die Mafiosis haben das Ding
dann kopiert und auf italienisch frisiert. Die Deutschen, ganz voller Seligkeit
nach Rudi Schurikkes Italienlied und ähnlichen Schlagern haben dann die
Vespa gekauft anstatt Glas-Rollers. Na ja, was soll's, Hauptsache et
rollt.
Das sagte sich dann auch BMW, übernahm die Firma Glas 1967 und 1973 rollte
der erste BMW in Dingolfing vom Band eines der modernsten Werke Europas (den
Satz hab ich aus der Stadt-Broschüre). Das war aber bestimmt keine Knutschkugel
mehr was, kennen Sie nicht? Fragen Sie mal Ihre Eltern aber vielleicht
sagt Ihnen die Bezeichnung Isetta noch was? Da hätte unsere
Regierung keine Sorgen bezüglich Nachwuchs und so, wenn's die Dinger noch
gäbe da kam man sich wenigstens noch nahe.
Nahe beim Museum sollte dann auch die janz oben von mir erwähnte
und gesuchte Brücke sein, nur 'n paar Schritte. Also denn, bin ick wieder
los jetippelt.

Dieses Tor zur Oberstadt ist genau auf der Brücke, aber von oben kann
die schlecht zeigen.

Daher eine schöne ausgebaute (aber wenn's naß ist, bestimmt rutschbahnartige)
Treppe runter und schon zeigte sich das Bauwerk ganz genau so, wie es auf dem
Autobahnhinweisschild zu sehen ist.

Diese Verbindung von der Oberstadt über den Asenbach nach Süden hin
ist mittlerweile knapp 500 Jahre alt. Die Stadt ist aber ehrlich, 1966 hat
man sich viel Mühe mit einer Restaurierung gemacht. Sonst wär's bestimmt
nicht so schön.

Schön ist es auch, wenn man am Asenbach lang zur Unterstadt zurück
geht. Alte und neue Bauten gehen eine schöne Gemeinschaft ein, gebaut
wird in Dingolfing übrigens fast an allen Ecken. Aber nicht einfach nur
neu, nein, vieles wird wieder hergerichtet und dadurch bleibt der alte Flair
wunderbar erhalten.

Hier ein Blick an das Viertel direkt an der Isar, trägt auch den Namen
Fischerei. Von dort nach rechts kommt man in die Brucker-Straße
- ist doch klar, die Straße führte und führt zur Bruck'n
über die Isar.

Da wo's Wasser gab, waren meist auch die Handwerker vertreten, die vom die
Haut abziehen lebten, sprich Lederhersteller, das Bild zeigt die Lederergasse.

Aber in der Bruckerstraße gibt es noch viel mehr auch architektonisch
Schönes zu sehen

Hier können Sie auch noch die alten Brandschutzfassaden ganz deutlich
sehen, die zwar künstlerisch aufgelockert wurden, aber dennoch dazu dienten,
den Funkenflug von Nachtwächters Laterne früher nicht auf die Strohdächer
gelangen zu lassen.

So, jetzt nach links zum Marienplatz. Ich hätt gar nicht gedacht, daß
es in Niederbayern auch so schöne Lüftl-Malerei gibt,
na ja, Werbung ist alles !

Aber da derf ich jetzt nicht rein, wenn der Mensch guat fahren
soll, derf er koanen Alkohol... Schauen wir uns lieber den Marienplatz
etwas genauer an.

Damit keiner die goldene Maria mitgehen lassen kann, haben die
Dingolfinger die Säule mit ihr einfach in einen Brunnen gestellt, kriegt
jeder Dieb nasse Füsse.

Ich hab jetzt auch schon bald solche, das Wandern zwischen Unter-, Ober- und
wieder Unterstadt ist doch recht schweißtreibend. Daher werde ich mich
jetzt durch das letzte vorhandene Stadttor aus dem Mittelalter, das Wollertor
hier,

davon machen und hin zu meinem Goggomobil. Aircondition
an und dann ganz gemütlich wieder heim. Wenn Sie mal auch einen schönen
Tagesausflug machen wollen, dann würde ich vorschlagen, vormittags die
Stadt Dingolfing und dann am Nachmittag noch nach Straubing,
ist nämlich nur 35 km entfernt. Und von dort dann über's Land Richtung
Moosburg-Freising wieder heim nach
München. Ich hätte nie gedacht, wieviel Schönes es auch im Niederbayerischen
zu sehen gibt, mal sehen, wohin wir das nächste Mal fahren.
Für heute verabschiede ich mich und wünsche einen schönen Tag
oder Abend...
Dingolfing hat übrigens auch eine eigene sehr schöne Webseite, können
Sie gern durch einen Klick besuchen: www.dingolfing.de
Ihr Jörg W. Lohfink
echt preissischer Reiseführer (aus eigenem Vergnügen) und -fahrer
in Bayern.
(alle Bülders sin von mir und bei Anklickern
wern'se jrößer) ©®J.W.Lohfink
©® J.W.Lohfink |