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Ein herzliches Grüß Gott für
Sie und das von einem echten Preiss'n in Bayern. Ach, Sie wollten
die freche Berliner Schnauze mal wieder hören, freut mich, freut mich.
Ich habe ja auch gerne nette Gäste in meinem Wagen,
ob zu einem Tagesausflug oder als Flughafentransfer München. Letztere
Eigenschaft paßt heute aber nicht ganz, denn vom Flughafen München
bis Freising sind es nur rund 9 km und da wäre ich leider zu teuer. Muß
ja selber schon knapp 60 km bis zum Flughafen Franz-Josef-Strauß fahren
und Sprit ist nun mal teuer heutzutage.
Aber, wer vielleicht nach Passau möchte
oder einen Tagesausflug nach Landshut
mit mir macht und noch a bisserl Zeit erübrigen kann, dem würde ich
gern mal Freising zeigen. Liegt ja gleich um die Ecke vom Flughafen
aus. Und ist ein wunderschönes Städtchen, aber das muß man
erst richtig entdecken.
Vor kurzem hatte ich Landshut besucht und dort gelesen,
daß das frühere Chorherrenstift St. Kastulus von Moosburg aus dorthin
verlegt wurde. Also, was lag näher, als über Moosburg nach Freising
zu fahren.
Das Münster in Moosburg wollt ich auch sehen und dann
ging's schon los, reingelegt ham's mich, die Niederbayern.

Von wegen Münster ich hatte mal gelernt, ein
Münster ist eine Kirche mit zwei Türmen. Na ja, kommt man nach Moosburg,
sieht man auch zweie neben einander. Doch wenn man dann direkt davor steht,
Pustekuchen, sind zwei Kirchen, jede einen Turm. Die alte Pfarrkirche St. Johannes
war geschlossen, aber dafür St. Kastulus offen. Hier für Sie zwei
Bilder vom Inneren.

Aber jetzt weiter nach Freising, denn außer zwei Hotels und den Hinweisschildern
Altstadt und Domberg hatte ich eigentlich noch nie
mehr gesehen. Zumal ja Freising auch der Sitz von Weihenstephan
ist mir als Heiden nur als Bier- und wunderbare Käsesorte
bekannt war aber mal ein Kloster und vom Namen her dem heiligen Stephan
gewidmet. Na ja, woher soll ein Preiss' das wissen? Also, dann auf in die Altstadt.
Am besten, dachte ich mir, fängst Du beim Domberg an.

Mit ein bisserl Glück fand ich dann auch einen schönen Parkplatz
am Fuße des Domberges und dann ging's weiter auf Schuster's Rappen
- kennen Sie den Ausdruck noch? Nein, na jut, janz einfach, zu Fuß
latschen, also mit die Pferde vom Schuster. Soweit zum Altertum
in der Sprache. Und schon sind wir wieder auf Zeitreise rückwärts,
nicht nur sprachlich. Ich hatte nämlich vorher mich ein bisserl über
Freising informiert und während ich den Domberg hochmarschierte, rekapitulierte
ich mein Wissen.

Agilofinger Tor
Also der Tor-Turm hier vor mir ist zwar nicht mehr von den ollen Römern,
aber die Jungs sind janz früher auch hier irgendwann mal hoch jetigert.
Man hat nämlich dort oben alte römische Münzen bei Ausgrabungen
gefunden. Wahrscheinlich haben die damals irgendwelche germanische Priester
dort vertrieben, denn sowohl der Domberg als auch der Berg gegenüber,
auf dem Weihenstephan liegt, waren mal germanische heilige Orte.

Apropos heilig, seine Heiligkeit, Papst Benedikt XVI., hat Freising
auch im Jahr 2006 besucht, aber er mußte dann nicht auch laufen wie ich.
Ist schon ne ganz schöne Steigung hier. Und wenn man sich dann vorstellt,
daß bis zur Säkularisierung im Jahr 1803 insgesamt 14 Kirchen und
Kapellen sowie ein Einsiedler sich diesen einen Berg teilen mußten, das
muß ein Gedrängel gewesen sein. Besonders, wenn dann Sonntags zur
Messe geläutet wurde, der Dom hat übrigens das größte
Renaissance-Geläut von Deutschland.
Die Bürger von Freising hatten dann aber die Qual der
Wahl, denn bei Weihenstephan auf dem Berg gab's auch noch sieben Kirchen, in
der Stadt selber auch noch vier mei, was war'n die Freisinger fromm.
Und die Geistlichkeit überlegte, "bau'n mer no oans?" Selbst
heute gibt's immer noch rund 25 Kirchen und Kapellen zusammen im Stadtgebiet
und das dank der Franzosen, aber dazu komm ich a bisserl später.
Wachsam ist man auch in Freising, denn beim ersten Foto hier vom Agilofinger
Turm wurde ich gleich höflich gefragt, ob ich wüßte, wie der
Turm heißt (und warum ich fotografiere). Man hegte den Verdacht, ich
wäre ein Angehöriger der päpstlichen Geheimgarde und mache die
Fotos zum Zwecke der Absicherung. Ham' wir gelacht dann. Der Tor-Turm wird
von der katholischen Studentenverbindung Agilofia "besetzt".
So, dann hatte ich den Domberg geschafft und wollte mir den Dom anschauen.
Ging prima von außen ! Wegen Renovierung geschlossen ! Na klasse.
Wie soll ich Ihnen nun zeigen, wie er innen aussieht? Sie müssen jetzt
halt mit einem rund hundertzwanzig Jahre alten Bild vorlieb nehmen, hab ich
aus Das Bayernland von 1892.

Na, dann waren da aber doch noch ein paar Räumlichkeiten, wo man nicht
grad renovierte, der Kreuzgang und die Krypta. Bin ich natürlich gleich
rein, aber ich kann Ihnen sagen, Mönch möchte ich damals nicht gewesen
sein. Erstens gab's früher kein Kilometergeld und von irgendwelchen Heizungsmöglichkeiten
war auch nix zu sehen. Aber dafür schöne alte Grabsteine, Malereien
und Gewölbe.

Vom Domberg aus, früher hat man am Hang sogar Wein angebaut ich
nehme an, sicherlich nur für den Messwein kann man herrlich weit
ins Land schauen. Sogar München ist zu sehen, der Olympiaturm ist ein
gutes Wahrzeichen.

Den Olympiaturm hatte zwar der französische Dragoneroberst 1805 noch nicht
sehen können, aber die Aussicht vom Domberg und auch der Dom selber faszinierten
ihn so, daß die Freisinger und auch die Bayern eigentlich diesem Mann
ein Denkmal setzen müßten. Ich sagte ja schon, 1803 war das Jahr
der Säkularisierung und das bedeutete, Kirchen zu, Priester und Mönche
raus, alles Verwertbare verscheuern zu Staatsgunsten und dann am
besten noch die Gebäude niederreißen. Auch für den Dom in Freising
war schon eine Abbrucherlaubnis beantragt wegen angeblicher Baufälligkeit.

Und dann kam der Franzmann, sah den Dom und
fand diesen als hervorragenden Platz für eine Kirchenparade anläßlich
des Geburtstags von Napoleon. Und nix war's mehr mit Abreißen
Napoleon sei Dank ! Hierzu noch ein Zitat von König Ludwig I. :
es gibt immer Leute,
die so lange wühlen und nicht eher ruhen wollen, als bis sie alles so
glatt gemacht haben wie ihre eigenen Schädel.
Doch in Freising ham's dös nicht g'schafft.

Die fürstbischöfliche Residenz und Sitz der Erzdiözese heute
ist wie eine kleine Burg innerhalb klösterlicher Mauern und so wirkt der
Domberg fast wie eine Festung, interessanterweise hat es aber um Freising nie
irgendwelche Kämpfe gegeben. Wieviel Kämpfe es jedoch
unter den Geistlichen gegeben hat, davon ist wenig bekannt. Doch kann ich mir
vorstellen, daß bei so vielen Kirchen damals und soviel dazu gehörigen
Klerikern schon allein um die Sonntagskollekte gerungen worden sein muß.
Übrigens war der Domberg für das gemeine Volk nicht zum
Wohnen erlaubt, die mußten alle unten im Städtchen hausen.

Und dahin marschierte ich dann auch. Mit dem Auto wäre es schon wegen
der Enge der kleinen Gassen und den fehlenden Parkplätzen sehr mühselig
geworden. Aber es hatte sich gelohnt, Sie können es an den Bildern sehen.

Zum Abschluß hab ich mir dann noch in der Fischergasse einen, - nee,
keinen Fisch sondern einen schönen Kaffee gegönnt und dann
ging's wieder ab zum Flughafen der nächste Kunde kam bald an.

So, ich hoffe, die Freisinger sind mir nicht bös, wenn ich was vergessen
haben sollte und Ihnen, lieber Besucher, hat der kleine Ausflug wieder ein
wenig Unterhaltung verschafft. Die Stadt
Freising hat übrigens auch eine eigene Webseite, sogar mit
Live-Kameras. Und falls Sie da was von einem Sicker-Schluckbrunnen bei der
Mariensäule lesen sollten dös is nix für stadtbekannte
Säufer, sondern zur Trockenlegung des Rathauskellers gedacht.

Und vergessen Sie nicht, wenn der Papst kommt, dürfte es a weng eng werden
auf dem Domberg, also fahren Sie lieber vorher mal hin.
Bis zum nächsten Mal
Ihr Jörg W. Lohfink
echt preissischer Reiseführer (aus eigenem Vergnügen) und -fahrer
in Bayern.
(alle Bülders sin von mir und bei Anklickern
wern'se jrößer) ©®J.W.Lohfink |