|
Furth im Wald - wo man in Bayern noch Drachen
"killen" tut
*
Heute moechte ich Sie mal in den Osten von Bayern entfuehren, nach Furth
im Wald, wo es noch einen Drachen gibt. Sie haben einen daheim oder in der
Verwandtschaft? Entweder Sie "killern" (kitzeln) ihn oder bringen
ihn nach Furth im Wald. Aber ich glaube, so schlimm wie der in Furth kann Ihrer
nicht sein .
Jedes Jahr muß ein tapferer Mann im August dort sein Leben riskieren
um eine Koenigstochter zu retten. Ja, die gibts auch noch in Furth im Wald.
Was fuer huebsche Toechter die Further haben zeigt das Bild vom Drachenstich
1999.

Und jetzt wollen Sie bestimmt wissen, wo dieser Ort mit solchen Raritaeten
liegt - keine Bange, ich verrate es Ihnen gleich.
Eigentlich sagt der Name ja schon vieles aus. Furth, ehemals eine Furt,
spaeter eine Bruecke ueber den Fluß Chamb, liegt im Bayrischen
Wald, war es einst und ist heute wieder die Grenzstadt zwischen
Deutschland und der Tschechischen Republik.

Nach Prag sind es ca 170 Kilometer, nach Muenchen ca 200 km. Sie koennen
Furth im Wald durch taegliche Euro-City- und Interregio-Verbindungen der Bahn
erreichen oder Sie fahren mit mir in diese Stadt mit den vielseitigen Gesichtern
und Angeboten.
Schon die beiden letzten Worte machen deutlich, daß fuer Furth
im Wald ein Tagesausflug zu kurz ist. Um die Schoenheiten der Landschaft des
Hohen Bogen Winkels, die Nahtstelle zwischen Bayrischem und Boehmerwald, zu
entdecken muß man ein paar Tage Zeit mitbringen. Am besten im Spaetsommer,
zwischen dem 05. und 21. August, wenn der Drache kommt. Heuer wurde er wieder
erlegt, aber naechstes Jahr "aufersteht" er wieder. Was hat es nun
mit diesem Fabeltier aus alten Zeit auf sich?
Seit uralten Zeiten ist ein Drache im Volksmund "ein gar schroeckliches
Wesen" . Ob damals oder heute, endlose Soldatenkolonnen werden oft immer
noch als "Heerwurm" bezeichnet. Besonders in Furth im Wald waren
viele "Heerwuermer" in den vergangenen Jahrhunderten zu beobachten,
war dieser Ort doch schon seit rund tausend Jahren eine Grenzbastion gen Osten.

Manche Geschichtsforscher meinen sogar schon zu Zeiten der "ollen
Roemer", denn es gibt viele Anzeichen dafuer, daß das schon 150
nach Christus in der Karte "Germania Magna" des Ptolemaeus erwaehnte
Brodentia (Siedlung an einer Furt) mit unserem Ort identisch ist.
Doch zurueck zum Drachen, die Religionskriege zwischen
1400 und 1500 (Hussiten-Kriege) sowie die Pest dezimierten die Bevoelkerung
sehr stark und der einstmals bluehende Handel kam zum Erliegen, da jedermann
die "verseuchte" Stadt mied. Um wieder Menschen anzulocken und dadurch
die Wirtschaft anzukurbeln kamen die "Waldler" auf die Idee, die
damals noch weit verbreitete Lindwurmsage in einem Volksschauspiel darzustellen.
Dies gelang auch bestens - historisch und amuesant bis heute.

In einem Bericht von 1907 heißt es woertlich "der Ritter
wendet sein schweres Streitroß gegen den Drachen und stoeßt demselben
die Lanze tief in den Rachen, wobei er die in demselben verborgene, mit Rinderblut
gefuellte Blase treffen muß.
....Wie tausendstimmiges Hohngelaechter einen Fehlstich des Ritters
begleitet, so ist es fuer die Zuschauer die hoechste Lust, wenn der Drache,
unter dieselben rennend, ihnen die Kopfbedeckungen herabreißt. In frommem
Aberglauben tauchten frueher Boehminnen ihre Tuecher in das rinnende Drachenblut,
um ein sympathetisches Wundermittel zu besitzen. Die hoechste Lustbarkeit mag
jener Drachenstich entfesselt haben, als ein Schneiderlein sich in den Drachen
begab, um demselben mehr possierliche Beweglichkeit zu verleihen. Der Lanzenstoß
des Ritters traf - wohl kaum versehentlich - den Drachen seitwaerts in die
Weichen und in heller Angst um sein gefaehrdetes teures Leben fuhr Meister
Zwirn zum groeßten Gaudium der Zuschauer aus dem Hinterteil des Drachen
hinaus und bediente wutentbrannt den Rittter mit schmaehenden scheltenden Worten".
Soviel zum aeltesten deutschen Volksschauspiel in Furth im Wald. Wer
die Natur auch liebt, der kommt rund um diese nette Stadt voll auf seine Kosten.
Naturfreunde, große und kleine, finden viele Moeglichkeiten der Erholung
und Entdeckung.

Am Steinbruchsee gibt es z.B. ein Wildgehege, Fischzucht kann besichtigt
werden oder ein Wald- und Tiermuseum. Eine Besonderheit ist ebenfalls eine
Unterwasser-Beobachtungsstation, wo man zu jeder Jahreszeit den Lebensraum
unserere heimischen Fischarten beobachten kann, jedoch nicht als Aquarium sondern
in Natura. Und so unverfaelscht wie die Natur ist auch noch die Freundlichkeit
und Offenheit der Menschen im Bayrischen Wald. Wo kann man noch solch eine
ehrliche Aussage finden wie auf einem der Prospekte aus der Gegend:"Ganzjaehrig
geoeffnet von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Keine Toiletten auf dem Gelaende,
bieseln Sie bitte vorher".

Hier ist der Mensch noch Mensch und dazu gehoert auch gutes Essen. Die
heimische Kueche wird in Furth im Wald genauso liebevoll gepflegt wie die Stadt
und Gastfreundschaft. Brauchtum und Erinnerung an alte Zeiten sind hier ebenfalls
daheim.
Wenn Sie die Vergroeßerung des Bildes anschauen (einfach
anklicken), dann sehen Sie im Tor ein ganz kleines Bild, die Geschichte und
eine Vergroeßerung finden Sie dann weiter unten bei den Sagen - der kopflose Schimmel.
Die Naehe zur Tschechischen Republik mit ihren weltbekannten boehmischen
Spezialitaeten zeigt sich jedoch auch schon auf den Further Speisekarten. Und
neben dem guten bayrischen Bier kann der Genießer auch das echte Budweiser
oder Pils bekommen, sind es doch zu den Ursprungsorten dieser Braukunst nur
wenige Kilometer. Es ist schoen, daß seit 1990 die Grenze zwischen Moldau
und Donau wieder offen ist, denn so ist auch die reiche Tradition und Kultur
unserer oestlichen Nachbarn wieder zugaenglich.
Bevor ich nun zum nachfolgenden Geschichtenteil komme, noch ein paar
Worte an die Sportbegeisterten unter Ihnen. In und um Furth im Wald herum gibt
es zahlreiche Moeglichkeiten des "Sportelns". Neben herrlichen Wanderwegen
koennen die Tennisfreunde "matchen" oder die Golfer finden eine vorzuegliche
18-Loch-Golf-Anlage. Angler finden reiche Beute, das Glueck auf dem Ruecken
der Pferde wird angeboten, im Sommer (nicht nur) Schwimmen in Naturweihern
und im Winter auf denselben Eisstockschießen. Herz, was willst du mehr
- auf nach Furth im Wald.
Jetzt zwei Geschichten aus der reichhaltigen Sagenwelt
des Bayrischen Waldes. 1347 wurde Eckher von Egg auf Befehl seines Vaters,
des Vicedoms von Straubing, wegen
"Feigheit vor dem Feind" zum Tode verurteilt und enthauptet. Im Volksmund
wurde dies so ueberliefert:
Die Eckher von Egg
Im Jahre 1347 waltete Peter Eckher von Eck als Vicedom
von Straubing. Als der raenkevolle, dem Bayerlande feindselig gesinnte Koenig
Karl von Boehmen mit einem starken Heere im bayrischen Walde einfiel und daselbst
unsaegliche Greuel veruebte, da entsandte Peter seinen eigenen Sohn an der
Spitze einer starken Heeresschar, um die boehmischen Eindringlinge blutig zurueckzuweisen.
Mit stolzer Freude nahm der Sohn den Auftrag entgegen,
er gluehte vor Verlangen, den Ruhm seines Geschlechtes im Kampfe fuer seinen
Fuersten und sein Vaterland auch fuer seine Person zu betaetigen. Er hatte
nicht gedacht, welche Herzenswunde dieser Zug seiner von ihm geliebten Gattin
zufuegen mußte. Er hatte sie naemlich aus vornehmen boehmischem Geschlecht
gekuert und sie wußte, daß beim Heere der Boehmen sich ihr Bruder
befand.
Vergebens war ihr Flehen, den Gemahl vom Zuge abzuhalten, aber ihre
Traenen und Bitten listeten ihm das Versprechen ab, daß er sein Schwert
niemals gegen ihren Bruder erheben werde.

Bei Furth im Wald stießen die Heerhaufen der Bayern
und Boehmen aneinander. Mit wilder Tapferkeit warfen sich die Bayern den raeuberischen
Fremdlingen entgegen, der junge Eckher kaempfte wie ein Loewe an der Spitze
seiner Schar. Da aber, in dem Getuemmel des Kampfes, fuegte es der unselige
Zufall, daß ihm sein Schwager entgegen rannte. Als der Eckher auf dem
Schilde das Wappen der Familie seiner Gemahlin gewahrte, trat eine seltsame
Wandlung in ihm ein: der toericht Verblendete hoerte nicht mehr das Getuemmel
des Kampfes, sondern nur das Schluchzen seiner Gattin. Es war, als wenn ein
boeser Daemon in die Zuegel seines Pferdes griffe und dasselbe rueckwaerts
wende. Die Hand, die schon das Schwert zum Streiche gegen den Gegner gezogen
hatte, sank nieder, und der Feige wandte sich zur Flucht.
Als die Nachricht der klaeglichen Niederlage - die anderen
bayrischen Kaempfer hatten nach dem Rueckzug ihres Anfuehrers ebenfalls die
Flucht ergriffen - und des seltsamen Umstandes, der sie hervorgerufen hatte,
nach Straubing kam, da raste der alte Eckher empor wie ein gereizter Loewe.
Sofort erteilte er Befehl, daß man seinen Sohn in Ketten geschlagen zu
ihm bringe. Auf offenem Markte saß er zu Gericht und befahl ihn vorzufuehren.
Nach kurzem Anhoeren der Zeugen faellte er das blutige Urteil, daß das
Haupt des jungen Eckher noch zur selben Stunde durch das Henkersbeil fallen
solle.
Vergebens bat der Sohn um Gnade, vergebens flehte er, man
moege ihm gestatten, den Tod auf der Wahlstatt zu suchen, seinen Fehler in
erneutem Kampfe gegen die Feinde zu suehnen, nur von der Schmach des Beiles
moege man ihn befreien. Der Vater aber blieb unerbittlich, befahl dem Henker
seine Pflicht zu tun und sein grausamer Befehl wurde vollzogen - am St. Colomanstag
1347 rollte das Haupt des jungen Eckher, vom Henker getroffen, in den Sand.
In frueheren Zeiten erzaehlte manch Further
Buerger, vielleicht nach einem Heimgang in dunkler Nacht mit ein paar guten
Bierchen zuviel im Magen, daß ihm ein kopfloser Schimmel begegnet sei.
Und das kam so:
Der kopflose Schimmel
Ein boehmischer Raubritter, der viele Further und andere
drangsaliert und um ihren Besitz gebracht hatte, wurde einst mit vereinten
Kraeften ueberwaeltigt und nach Furth im Wald zu Gericht gebracht. Er wurde
verurteilt, bis an sein Lebensende im unterirdischen Verlies der Festung Furth
im Laermenturm zu bleiben und zwar ohne Wasser und Brot. Gerade, als ihn die
Schergen in das Gefaengnis werfen wollten, gelang es ihm sich loszureißen
und sich blitzschnell auf seinen im Schloßhof grasenden Schimmel zu werfen.
Dieser raste sofort mit ihm los in Richtung Tor.

Doch der Torwart ließ geistesgegenwaertig das Fallgitter herniedersausen,
welches dem treuen Tier den Kopf abschlug. Der Raubritter mußte sein
Urteil im Verlies verbueßen und starb dort den Hungertod.
Lange Jahre danach sah man noch auf dem kopflosen Schimmel eine Rittergestalt
reiten, durch fromme Gebete wurde die Seele des Ritters dann erloest, nur noch
der Schimmel erschien ab und an um Mitternacht weiterhin.
Es gaebe noch so viel mehr ueber diese kleine "alte" und doch
jung gebliebene Stadt in Bayern zu erzaehlen, aber Erleben ist besser. Wie,
wann und wo Sie ein Plaetzchen fuer ein paar Tage dort finden sagt Ihnen gern
die Tourist Information
der Stadt. Natuerlich, weltoffen wie schon oben erwaehnt, hat die Stadt
in Furth am Wald auch eigene Homepages.
Fuer Buerger von Furth im Wald, die sich noch fuer Heimatkunde
interessieren, habe ich noch ein kleines Schmankerl. Ihre Stadtverwaltung hat
mir eine sehr schoene Geschichtschronik in Kurzfassung mitgeschickt, die ich
Ihnen in etwas ausfuehrlicherer Form aus alter Zeit gern wiedergeben moechte
- Furth im Wald von H.Steinberger aus dem Jahr 1907.
Selbstverstaendlich duerfen auch "Nicht-Buerger"
von Furth im Wald sich diese Chronik anschauen.
Und ganz neu jetzt: eine weitere Seite über Furth im
Wald nach einem persönlichen Besuch, entweder die Seite Bayerischer
Wald anklicken oder hier direkt
- die Bayer Wald-Seite lohnt sich aber auch.
©®Jörg W. Lohfink |