|
Gars am Inn (und auch d' Au), das ist 'ne echte
Schau
do wearns schaug'n (sagt der Bayer).
Aber ick bin ja keen Bayer, deswegen erstmal ein fröhliches Tach'chen
miteinand! Die, die mir kenn'n, wissen wer ick bin, für Neueinsteiger
kurze Erläuterung.
Mein Name ist Jörg Lohfink, ick bring Leute in Bayern
um die Ecke mit'm Auto - (he, Jungs von der Rentenkasse, macht euch keene
falsche Hoffnung!) - und zwar als käuflicher Junge vom
Münchner Flughafen als Transferdienst oder sonst wie. Käuflich
heißt, Sie könn'n mir mieten, deswegen heißt meine Firma auch
Mietwagen Lohfink.
So und nun gleich zur Überschrift: den Inn kennen ja fast alle, und daß
dieser schöne Fluß auch manchmal garstig sein kann, das wissen am
besten die Passauer. Die haben ihn nämlich manchmal im Wohn- oder Schlafzimmer
nach der Schneeschmelze im Frühjahr.
Aber Gars ist keine Abkürzung davon, sondern
ein kleiner Marktflecken mit (heute) knapp 4000 Einwohner im Landkreis Mühldorf am Inn. Wer von München
nach Passau die B 12 oder von Rosenheim nach Landshut
die B 15 befährt, der sieht vielleicht mal ein kleines Hinweisschild Gars
X km. Und schon isser vorbei.
Tja, und nun komm ich ins Spiel. Ich mache ja nicht nur Transferdienste, sondern
zeig auch gern die vielen und oft versteckten Schönheiten meiner bayerischen
Wahlheimat.
So bin ich vor einiger Zeit von Wasserburg
aus nach Albaching gefahren, von
dort dann über Rechtmehring
und Kirchreith in Richtung Altötting.
Aber nicht Bundesstraße, nee, das Navi gab mir als kürzeste Strecke
so eine klitzekleine Landstraße an.

Und plötzlich nach einer kleinen Kuppe springen mir zwei Türme
ins Auge, was ist das denn? Ja, ziemlich steil unten, der vermeintliche Hügel
hatte ein irres Gefälle, kam ein Ortsschild Markt Gars und
eine große Innbrücke. Rüber mußte ich laut Navi sowieso
und neugierig bin ich auch, also war schon klar, daß hier eine Besichtigung
fällig war.

Obwohl wir Berliner ja bekannt dafür sind, daß wir manchmal mit
der Tür zusammen ins Haus fallen, heute nicht. Das oder die Schmankerl
kommen erst später, das Bild oben zeigt Ihnen erst mal den Markplatz vom
Markt Gars.

Da fiel mir schon mal auf, hier müssen Rittersleut gehaust ham', die Mariensäule
weist drauf hin mit der eingemauerten Gedenktafel. Aber schauen wir mal weiter,
was der Markt Gars so alles bietet. Auf alle Fälle gibt einen Bäcker,

ist ja auch notwendig. Und Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft,
da ist noch ein Gegenspieler.

Dann fiel mir schon auf, die Bürger von Gars hatten zwar zu meiner Besuchszeit
keinen Markt, aber jede Menge Blumen vor, hinter und um die Häuser. Werden
Sie auch gleich zu sehen bekommen, erst mal eine Rose für die Damen unter
Ihnen.

Später fand ich an einer Hauswand einen Wahlspruch, der meiner Ansicht
nach für den Ort Gars prima paßt, obwohl er sicherlich nur für
das Haus gedacht war.

Doch jetzt schon mal ein Vorgeschmack auf das richtige Schmankerl
später, ich war nämlich schon bis zum zweiten Bäcker gelaufen
hier mal seine Visitenkarte:

Und im ersten Schaufenster zeigte er nicht nur die vom Großvater sicherlich
ererbten Werkzeuge seiner Backstube, sondern auch, wie früher der Bäcker
Bescheid gab, wenn das Brot fertig war.

Schau ich mir die Damen auf dem rechten Bild an, überlege, daß dieser
Bäcker seit 1700 mit Teig rummacht, dann frag ich mich doch
ernsthaft, ob die Franzosen vom Stanglbäck in Gars die Idee mit den Baguettes
geklaut haben könnten.

Im nächsten Schaufenster war dann zwar auch Werbung, ist ja klar, aber
gleichzeitig schon mal für uns alle die Erläuterung: aha, das ist
das Kloster Gars. Das Stanggassinger Brot hat den Namen übrigens
nicht durch den Stanglbäck, es ist eine Spezialität zu
Ehren Kaspar Stanggassinger, der im Kloster tätig war und selig gesprochen
wurde. Doch dazu später ein paar Worte.
Falls Sie, was ich nicht ganz glaube, unten im Bild die
Inschrift lesen können, dann geht es Ihnen vielleicht wie mir - Redemptoristenkloster
- ??? Was ist denn das? Auch hierzu später die Erklärung.
Jetzt zeig ich Ihnen noch ein paar andere Ortsbilder von Gars, damit Sie vielleicht
einen Urlaub dort einplanen können.

Vom Ortskern sind es nur ein paar Meter und schon geht's abwärts zum Inn,
im Sommer sicherlich ideal zum Schifferlfahren oder Baden. Blumen gibt's, wie
schon gesagt, fast überall im Ort

ganz gleich um welche Ecke Sie gehen, es steckt nicht nur Ruhe sondern auch
viel Liebe in dem Fleckerl Gars

Mandersleut, die zwengs dem Bier nach Bayern auf Urlaub kommen, brauchen auch
keine Sorge zu haben. Zwar arbeitet diese Brauereifiliale nicht mehr, doch
gutes Bier bekommen Sie in Gars an mehreren Stellen.

Die Grafen von Törring auf Jettenbach waren übrigens früher
mal die Schutzherren von Gars als Nachfolger der Grafen von Megling, deshalb
hatten sie auch 'ne Brauerei hier im Ort.
So, nochmal ein Blick ins Inntal und dann auf zu dem versprochenen Schmankerl.

Während wir dort hin fahren, laufen müssen wir hinterher noch genug,
ein paar Worte zum Ort und zu diesem Kloster. Janz früher müssen
hier auch mal Kelten gehaust haben (die dann wegen der Kält'n in Bayern
ausgewandert sind), denn der Name Gars hatte eine Bedeutung wie
Zaun oder Umfriedung.
So um 760 nach Christus hat dann die Gegend einem Salzburger
Kirchenmann so gut gefallen, daß er den Herzog Tassilo um Genehmigung
bat, hier ein Hüttlein bauen zu dürfen. Natürlich war das nicht
so, daß er sich da einfach 'n Wochenendhäuschen, unsere Neubürger
von drieben nennen so was Datsche, bauen wollte, nein,
er wollte eine Zelle zu Ehren des heiligen Petrus bauen. Na, so
konnte man damals auch Land kriegen :-)

Zwischenzeitlich sind wir schon angelangt, ausgestiegen und durch das Tor hinten
hier lang marschiert. Ist ne ganz schöne Strecke, diese klostereigene
Straße.

Zurück nochmal in die Geschichte. Rund 200 Jahre nach der Landnahme
durch den Salzburger hatte sich die kleine Zelle zu einem Kloster entwickelt.
Sind also noch 'n paar nachgekommen zum kirchlichen Schrebergärtchen damals.
Man hackte dann fleißig Bäumchen um, begann mit Landwirtschaft (na
ja, was zum Beißen brauchten die früher auch) und bald war es ein
blühenden Gemeinwesen hier in den Inn-Wäldern. Beschützt wurde
die Niederlassung durch die Grafen von Megling, die als Schutzvögte von
den bayerischen Herzögen die Gegend betreuten.

Die Grafen von Megling gibt es nicht mehr, aber zum Glück diese herrliche
Kirche. Schon beim Eintritt der erste Blick gibt das Gefühl, hier wurde
mit viel Liebe und Gottesfurcht gebaut. Bis zur Säkularisierung 1803 waren
es die Augustinerchorherren, die diese Anlage betreuten.

Hier auf diesem Wandgemälde bekommen Sie den schönsten Überblick
auf den Markt Gars und das Kloster. Dort, wo die Wolke anfängt, sind wir
vorhin rumgelaufen, jetzt befinden wir uns in der schon damals zweitürmigen
Klosterkirche. Das Türmchen, was Sie hinten noch sehen, war der Turm der
Leutkirche St. Peter. Die wurde nach der Säkularisierung in
Wohnungen umgewandelt und der Turm abgerissen.

Für alle jetzt noch eine Vergrößerung des Altars mit seinem
rund 350 Jahre alten Bild, gemalt vom Hofmaler Pfleger des Herzogs Albrecht
in dessen Auftrag. Die heutigen Generationen können von Glück sagen,
daß diese Kunstwerke nicht wie so viele andere bei der Säkularisierung
verschleudert oder vernichtet worden sind.

Für die unter Ihnen, die gern mehr sehen möchten,
gibt es eine extra Seite mit vielen Details, hier
klicken, die anderen möcht ich nicht mit der Kirchenkunst vergraulen.

Sehr lobend muß ich erwähnen, daß die Redemptoristen sogar
eine Fußbodenheizung jetzt haben einbauen lassen. Als wir nämlich
die Kirche besuchten, war es draußen doch schon a bisserl frisch und
dann sind die Gotteshäuser meist sehr kalt. Aber, und so erzählt
es auch die Geschichte, die Redemptoristen haben ein Herz für die kleinen
Leute.
Der Gründer dieses Ordens war ein gewisser Alfonso
de Liguori in Italien, dem 1730 aufgefallen war, daß auf dem Land in
kleinen Gemeinden keine Seelsorger vorhanden waren. Dem wollte er abhelfen
und sammelte um sich etliche, die auch im Sinne des Wortes Jesu sich um die
Mühseligen und Beladenen kümmern wollten. Zur Seelsorge kam dann
auch die Überlegung, den Armen und Ungebildeten Zugang zum Wissen zu verschaffen
und haben die Redemptoristen auch Schulen eingerichtet. Sowohl für Kinder
als auch für andere Seelsorger, um denen die Arbeit in den Gemeinden zu
erleichtern.

Die beiden Bilder über diesen Zeilen zeigen den Klosterinnenhof, wunderbar
hergerichtet und bepflanzt. Ich habe versucht, Ihnen mit dem letzteren Bild
die drei Kreise zu zeigen, in denen die Pflanzen angeordnet sind. Ein Kreis
Heilkräuter, ein Kreis Küchenkräuter und ein Kreis Zierpflanzen.
Aber auch ansonsten haben die Redemptoristen viel Arbeit, neben der Hochschule
für Seelsorger betreiben sie die uralte und doch heute moderne Klostergärtnerei,
aus der übrigens viele Gemüse und Kräuter für das neu renovierte
Klostercafe kommen.
Dort haben wir dann auch Pause gemacht, sehr schmackhafte und auch preiswerte
Gerichte bekommen und waren dann gestärkt für den nächsten Stop
Au ! Das war jetzt kein Aufschrei, weil mir was auf den Fuß gefallen
ist, nein, der nächste sehenswerte Ort heißt Au. Bei
meinem Besuch in dem Kloster traf ich nämlich den dortigen Küster
oder Messner und dieser gab mir nicht nur für die Detail-Seite Anregungen
und Hilfe, sondern auch den Tip fahren Sie auch nach Au, das dortige
Kloster ist auch ein Schmankerl für die Augen und das Herz.
Wer von Ihnen das noch mit machen möchte, der kann dann die Seite Kloster Au anklicken,
auch dort viele viele schöne Bilder von mir als Nichtprofi gemacht und
a bisserl Geschichte dazu. Übrigens gehört Au auch jetzt
zum Markt Gars, ist ein Teil der Verwaltungsgemeinschaft geworden.
Wie wär's, mal ein paar Tage Ruhe und Besinnlichkeit, viel Wandern, a
bisserl Radfahren und gut Essen? Dann müssen Sie ein wenig abseits der
Bundesstraßen und Autobahnen, Bayern hat viel versteckte herrliche Orte
Gars ist einer davon. Der Markt Gars hat auch eine eigene sehr schöne
Webseite, auf der Sie Unterkünfte finden können. Einfach hier
klicken !
In diesem Sinn darf ich mich verabschieden, wünsche Ihnen viel Freude
beim Anschauen der Bilder, keinen Ärger über den manchmal schnoddrigen
Text (bin halt so) und falls Sie in Bayern Urlaub machen, viel Sonnenschein
und Erholung.
Mit lieben Grüßen
Ihr Preiss' in Bayern der mit dem neuen "Franzmann"-Van
*
Hat's wieder mal Spaß gemacht, ein Stück Bayern kennen zu lernen?
Wenn ja, links im Wegweiser gibt's noch vui mehra und ich bin schon
dabei no mehra für Sie zu entdecken und zu beschreiben.
Bis zum nächsten Mal mit herzlichen Grüßen
Ihr Jörg W. Lohfink
echt preissischer Reiseführer (aus eigenem Vergnügen) und -fahrer
in Bayern.
(alle Bülders sin von mir) ©®J.W.Lohfink |