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Am einstmals ersten "Eingangstor"
in den Bayerischen
Wald
So, da bin ich wieder mit einem neuen Reisebericht für
Interessierte und meine Gäste, Ihr Münchner Flughafentransfer Jörg
W. Lohfink, der echte Preiss' in Bayern.
Immer, wenn ich vom Flughafen München mit einer Ladung
Kreuzfahrer nach Passau fahre
oder von dort zurückkehre, fällt mir so ca 55 km von der Drei-Flüsse-Stadt
entfernt dieses Kirchlein an der Seite der Autobahn auf.

Und ein Stück dahinter kommt dann ein etwas größeres Exemplar,
auch auf'm Hügel, sieht auch etwas moderner aus, aber schon aus der Weite
ziemlich groß

Doch wie heißt es so schön? Aller guten Dinge sind drei auf
der gegenüberliegenden Autobahnseite sind dann gleich zwei Türme
nebeneinander zu sehen, eine Steigerung der Architektur des Glaubens.

Und da ich heute mal wieder nicht im Zeitdruck war, also die nächste Ausfahrt
genommen und angucken. Der Ort heißt Hengersberg, wahrscheinlich in den
wüsten mittelalterlichen Jahren durch die Hügel ein ideales Plätzchen
für die Henker samt Gehülfen. Sind sicherlich 'n paar Sachsen dort
durchgezogen und haben den Namen verpaßt die sagen ja auch Griminalbolizei.
Ja, ja, typisch Berliner, erst quatschen, dann nachschauen werden so
manche Bayern jetzt stöhnen. Hengersberg kommt nämlich nicht vom
henken oder hängen, sondern von einem der ersten
dortigen Siedler namens Helmger. Das hieß Helmträger
und die korrekte Beschreibung des Ortes war Helmgeres-Berg. Doch den alten
Bayern war det zu lang und so kürzten sie es um 1340 rum schon ab in Hengersberg.

Hengersberg ist laut Urkunden der älteste bayerische Marktplatz, hier
sehen Sie denselben. Ist aber heute ziemlich leer, erstens weil Samstagnachmittag
und zweitens zur Zeit keine Viehmärkte laufen, dafür war der Ort
früher weithin bekannt. Die meisten Rindviecher sind in Berlin und so
ältere Einzelstücke wie mich will ja ooch keener mehr.

Denn folgen Sie mir mal auf dieser Seite hoch in Richtung Wolken und dem wuchtigeren
Kirchenbau von oben, zur Rohrbergkirche St. Michael. Im 12. Jahrhundert soll
dort eine Burg gestanden haben, von der aber nur noch der unter dem Kirchenboden
vorhandene Brunnen zeugt.
Die Grafen von Bogen, die auch Verbindungen ins Böhmische
hatten, setzten hier einen Vogt ein, der den vom Kloster Niederaltaich durchgeführten
Salzhandel wahrscheinlich nicht nur schützte, sondern auch a bisserl
abkassierte. Doch schon im 13. Jahrhundert wurde die Burg durch eine
Kirche ersetzt, die um 1676 aber schon so baufällig war, daß die
Bürger eine neue bauten. Die hielt dann bis 1800 rum, dann war die nächste
Sanierung fällig.

Nach dieser und einer weiteren Renovierung um 1907 steht nun ein wahres Schmuckstück
und Augenfänger auf dem Rohrberg. Und innen ist es auch eine Freude, die
Augen umher schweifen zu lassen.

Der Hochaltar mit dem Kreuzigungsbild (gemalt 1844) und dem Erzengel Michael
darüber ( gemalt 1848) wird von zwei knapp 250 Jahre alten Bischöfen
bewacht, geschnitzt von einem Passauer Künstler.

Die beiden Seitenaltäre, links mit der Maria, rechts St. Margaretha, wurden
nach einem Brand um 1812 neu angeschafft, die früher dort vorhandenen
nebst anderem Inventar als Brennholz versteigert nebst einigen barocken Statuen.
So ein Engelchen konnte man damals für nen Appel und 'n Ei
erwerben, die neuen Altäre dagegen kosteten 72 Gulden laut
dem Kirchenführer.

Dafür sind die Statuen der Maria und der Margaretha noch schön echt
alt, so frühes 17. Jahrhundert, von einem Landshuter Bildhauer namens
Jordan. Noch ein kurzer Blick hinauf zum Deckenbild

und dann geht's wieder weiter. Vom Rohrberg aus hat man einen wunderbaren Ein-
und Weitblick in den Bayerischen Wald, über dem sich manchmal dunkle Wolken
türmen.

Doch wir haben heute Glück, über Hengersberg scheint die Sonne und
so macht der Streifzug durch diese alte Marktgemeinde echt Spaß. Wobei
es manchmal auch echt spaßig werden kann, wenn man einen Ort erkundet.
Ich will Ihnen ja jetzt die Frauenkirche zeigen, nur ist es ein kleines Problem,
wenn man am Marktplatz vor lauter Häuser die Kirche nicht mehr sieht und
dann falsch abbiegt.

Aber hallo, was ist denn das? Das ist aber ein schnuckeliges kleines Kirchlein.
Wollt ich mir auch schnell anschauen, aber Pustekuchen, abgeschlossen. Und
gleich dahinter beginnt eine Unverdorben-Gasse aha, also
nur ganz Brave dürfen dort rein und da es anscheinend nicht so viele davon
gibt, bleibt der Laden dicht.
Ich glaub ja eher, es gibt nicht so viel Lutherische hier im Ort
und wenn doch, dann gehen die nicht so oft in die Kirche das ist nämlich
die protestantische Friedenskirche. Ja, ja, ich bin ja auch als Kind lutherisch
getauft worden und ganz ehrlich, es war immer unheimlich langweilig beim Kirchgang.
Da mag ich doch die katholischen Kirchen viel lieber, da gibt es wenigstens
was zum An- und Rumschauen.

Um zur Frauenkirche zu kommen, ist übrigens gar nicht so einfach. Zu Fuß
gibt es schon Möglichkeiten, aber mit dem Auto? Nach einiger Mühe
hab ich dann ein Sträßlein gefunden, doch wenn der gleich
bei der Kirche wohnende Hausbesitzer nicht so nett gewesen wäre, wär's
mit Parken nix geworden. Sollten Sie also Hengersberg und die Frauenkirche
mal selber besuchen wollen, dann gleich gutes Schuhwerk einpacken.
Das muß übrigens der Erbauer der Frauenkirche, der Abt Gotthard
vom Kloster Niederaltaich auch gehabt haben, der soll nämlich den Berg
erst von den Bäumen befreit und dann die Kirche nebst einer kleinen Burg
gebaut haben. Aber sicherlich nicht allein! Vermutlich mußte ihm alle
ungehorsamen Mönche helfen, denn laut Kirchenführer haben
in der Burg neben der Frauenkirche die leben müssen, denen die strengen,
wieder eingeführten Benediktiner-Regeln im Kloster Niederaltaich nicht
gepaßt haben.

Die Frauenkirche hat ihren Namen zu Ehren Mariä Himmelfahrt
und sieht recht sparsam möbliert aus, aber wunderschön.
Wir Heutigen und auch die Hengersberger können eigentlich nur von Glück
sprechen, daß dieses rund 1000 Jahre altes Gotteshaus noch vorhanden
ist. Nach der Säkularisierung um 1803 wurde es nämlich 1812 versteigert
für 810 Gulden und 5 Kreuzer ein Spottpreis! Vier Hengersberger
Bürger ersteigerten die Kirche und schenkten sie dann der Marktgemeinde
anderswo wurden Kirchen abgerissen und als Baumaterial benutzt.

Hier noch ein Blick zum Ein- oder Ausgang mit der Orgelempore. Es gäbe
noch viel mehr Schönes zu sehen, speziell im Altarraum sind alte Ölgemälde
zu betrachten. Eines davon zeigt die Marktgemeinde mit einem Großbrand,
der dank Maria's Hilfe nicht den gesamten Ort verwüstete.
Doch das sollten Sie sich mal selber anschauen, ich kann ja nicht alle Schmankerl
gleich vorführen. Sehr empfehlenswert ist auch die eigene Webseite von
Hengersberg unter www.hengersberg.de
, sollten Sie sich mal anschauen.
Besonders interessant ist das Schwundgeld von Schwanenkirchen,
heute ein Ortsteil von Hengersberg. Finden Sie unter dem Punkt Wära
- wära net so gierig gewesen, unser Vater Staat, dann... Aber det is anscheinend
heute schon wieder so, unsere Wära(-rung) ist der Teuro
und schwindet auch aus unseren Taschen....

Oha, die Ohe! (det is det Kurvige). Ganz früher lag Hengersberg ja an
der Donau, aber die ham's denen gemopst (umgeleitet) und nun bleibt nur noch
das Flüßchen Ohe, dem ich mit Ihnen jetzt gleich folgen werde bis
nach Niederaltaich.
Nieder mit die alte Eich'n sollen die Mönche einer (unwahren)
Legende nach gesagt und die Axt an eine heidnische Göttereiche gelegt
haben. Aber das ist eine nicht wahrscheinliche Legende, obwohl sie hübsch
klingt und auch von den Worten her passen tät.
Aich ist eine uralte Bezeichung von Wasser
und die ganze Gegend lag tiefer, also war damit eine sumpfige Gegend gemeint.
Hierhin kamen die im Trockenlegen von Sümpfen spezialisierten Benediktiner-Mönche
des Klosters der Insel Reichenau und begannen, im Namen des Herrn das Land
urbar zu machen (und natürlich sich unter den Nagel zu reißen
:-).
Ein ganz fleißiger Holzhacker war übrigens der heilige
Gunther aus diesem Kloster, seine Geschichte ist eng mit Rinchnach
verbunden, finden Sie auf meinen Bayrischer
Wald-Seiten.

Die drei Kilometerchen von Hengersberg bis Niederaltaich haben wir jetzt schon
hinter uns und hier steht schon das begehrte Ziel vieler Radfahrer, Wanderer,
Pilger und sonstigen hungrigen und durstigen Seelen, die Klosterbrauerei mit
einem schönen Biergarten.
Nein, nix da, erst schau'n wir uns noch das Kloster und die Basilika an, dann
wird gemampft.

Von hier nahm die Christianisierung und Besitznahme der früheren Ostmark
(nee, nicht die Mäuse der DDR sondern die östliche Ecke
des Deutschen Reiches unter Karl dem Großen und Kollegen) ihren Anfang.
Die ersten Wege und Verbindungen nach Böhmen und Ungarn wurden von diesem
Ort aus in den einst noch undurchdringlichen Bayerischen Urwald gebahnt.
Welche Größe, auch kulturell und wirtschaftlich, das Kloster einst
hatte und heute in bestimmtem Rahmen wieder erreicht hat, können Sie an
obigem und dem nachfolgenden Bild sehen. Schon die Wuchtigkeit der Anlage spricht
für sich selbst.

Dabei habe ich Ihnen jetzt nur einen kleinen Blick gezeigt, Sie werden überrascht
sein, wenn Sie selber mal hinfahren (alleene oder mit mir :-). Vor rund 200
Jahren, also um 1813 rum, da sah es aber mau hier aus. Die Säkularisierung
und ein Blitzschlag mit anschließendem Brand etlicher Gebäude vernichtete
vieles von der barocken Herrlichkeit der Anlage. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts
besann man sich und dank eines Vermächtnisses eines Religionsprofessors
wurde vieles wieder hergerichtet und die Abtei wurde wieder von Benediktinern
besiedelt. Die endgültige Renovierung, die zur heutigen Schönheit
wieder führte, wurde 1953/54 in Angriff genommen.

Zum Glück hatte die Basilika die Säkularisierung überstanden
und die will bzw. wollte ich Ihnen natürlich auch von innen zeigen. Wollte
- tja, dazu ein paar Sätze später. Jetzt erst mal die noch erwischten
Bilder. Hier ein schöner Blick auf das Deckengemälde und den herrlichen
Hochaltar.

An den gehen wir noch ein bisserl näher ran, denn der zeigt neben dem
oben befindlichen heiligen Michael mit seiner Schubserei des Teufels
in die Hölle noch ein wunderbares Bild aus der christlichen Märtyrergeschichte,
die des Mauritius.

Mauritius ? - das ist doch 'ne Insel kurz vor Indien oder? Ja, vollkommen richtig,
mehr hätte ich auch nicht gewußt. Laut Wikipedia ist es eine Märtyrerlegende,
die angeblich mündlich überliefert worden ist und über die sich
einige Historiker heute noch streiten: Mauritius war der Befehlshaber der thebäischen
Legion, die überwiegend aus Christen bestand. Diese Legion war aus
Ägypten nach Gallien durch Kaiser Maximian verlegt worden und sollte vor
einer Schlacht den römischen Göttern ein Weihegeschenk machen. Die
Soldaten weigerten sich aber, heidnischen Göttern zu huldigen und der
Kaiser soll darüber so sauer geworden sein, daß er die gesamte Legion
einen Kopf kürzer machen ließ.

Den Kopf hat er zwar noch, aber kurz ist er scho, der heilige Sebastian,
der hier vor seinem Bild in einem Glassarg liegt. Das ist einer von mehreren
Seitenaltären, von denen ich gerne noch mehr aufgenommen hätte, wenn
nicht...

diese Tür offen gestanden hätte. Das ist der Eingang zur Sakristei,
wie ich mit einem Blick hinein sehen konnte, übrigens herrliche alte Möbel
drin.
Und in das Kirchenschiff strömten langsam aber sicher
immer mehr, bitte jetzt nicht bös' sein über den despektierlichen
Ausdruck, Haubenlerchen - ich kam mir vor wie im Film Sister
Act, nur Whoopi Goldberg war noch nicht da. Mir schwante Böses
ja, mein Sohn, gleich fängt die Messe an - hatte ich es wieder
mal geschafft. 15.45 Uhr am Samstagnachmittag und ich Heide will
fotografieren.

Blieb mir nur übrig, still und leise durch den Seitengang zum Ausgang
zu schleichen und die anderen Herrlichkeiten der Basilika für einen späteren
Besuch oder für Ihren eigenen Ausflug zu lassen. Soweit ich aus dem Kirchenführer,
den ich im Klosterladen dann erstand, sehen kann, ist übrigens über
dem gezeigten Seitengang genau der gleiche, nur einen Stock höher und
mit so runden Gucklöchern nach unten. Da standen sicherlich
früher die älteren Mönche und haben nach unten geschaut, ob
die Jungen auch brav ihr Brevier lasen :-)

Mit einem Blick auf das wunderschöne große Weihwasserbecken
ich Dussel hab natürlich zuerst an ein altes Taufbecken gedacht
aus echtem Untersberger Marmor habe ich dann meinen Ausflug nach Niederaltaich
beendet. Aber, und das ist eine echte Drohung!, ich fahr noch mal hin und dann
knips ich, was der Kasten hergibt für all diejenigen, die Freude
dran haben und vielleicht nie in diese schöne bayerische Ecke kommen können.
Auch die Gemeinde Niederaltaich hat eine schöne und gut gestaltete Webseite,
finden Sie unter www.niederaltaich.de
lohnt sich auf jeden Fall ein virtueller Besuch. Schöner wäre
es jedoch, wenn Sie Ihren nächsten Urlaub mal im Bayerischen Wald verbringen
würden, über Deggendorf geht's direkt hinein. Sie können natürlich
auch eine Donau-Kreuzfahrt planen, entweder von Passau aus oder von Vilshofen,
das liegt nur knapp 20 km von Niederaltaich entfernt. Und zu allen Orten können
Sie vom Flughafen München aus mit mir hinfahren (ich hol' Sie auch wieder
zurück keine Angst, müssen nicht hierbleiben).
Komm'se nach Bayern, et lohnt sich wirklich, ein herrliches Fleckerl Erde.
Mit herzlichen Grüßen an alle Besucher
Ihr Jörg W. Lohfink vom oder als Flughafentransfer München
©® J.W.Lohfink |