Kulmbach und die Plassenburg in Oberfranken

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Die Plassenburg zu Kulmbach -


Eine kleine Webseite aus „preussischer“ Sicht und nach schweißtreibenden Aufstieg.

So, liebe Freunde und Besucher meines Reiseführers – für zufällig auf die Seite Gestoßene: Sie sind auf den Webseiten von Jörg W. Lohfink, Muenchen Flughafentransfer und Mietwagen Lohfink - hier isse nun, meine „Plassenburg-Seite“.



Von
Bad Berneck und Trebgast kommend präsentierte sich das Wahrzeichen der Stadt Kulmbach so. War natürlich ein „Muß“ für mich, „det Janze ooch aus die Nähe anzukieken“. Also bin ich dann von der „oberen Stadt“ aus hoch „jetigert“.



Von St. Petri aus führt eine Straße links den Berg hoch zum Haupteingang. Diese Straße können Sie am besten sich vorstellen, wenn Sie sich das nachfolgende uralte Bild vom furchtbaren Brand der Stadt im Jahr 1553 anschauen.



Während unten in der Stadt alles „zum Teufel ging“, hielten die starken Mauern der Burg mit Schloß noch bis zum Jahr 1554 stand. Hier mal ein alter Plan der Festung vor 1554.



In diesem Jahr mußte sich die Besatzung der Burg den vereinigten Truppen der Bistümer
Bamberg und Würzburg sowie der Nürnberger Burggrafen ergeben, die im Jahr davor schon die Stadt Kulmbach in Schutt und Asche gelegt hatten. Aber warum? Dazu muß ich ein bisserl ausholen in der Geschichte, denn die ist wirklich echt spannend.

Zuerst ein ganz kurzer Überblick mal über die Entstehung, denn mir ist auf der Kulmbachseite ohne vorheriges Quellenstudium der Fehler unterlaufen zu sagen, die Burg gäbe es seid rund 700 Jährchen. Det war falsch, 6 ! Setzen ! Würde uns „Günther“ jetzt sagen.

Urkundlich wird die Burg nämlich schon um 1135 das erst Mal erwähnt und die Besitzer waren mit Kaiser „Rotbart“, äh, Verzeihung, Kaiser Barbarossa verwandt und auch feste bei bei jeder Keilerei, die der sagenumwobene Kaiser damals hatte. Richtig ausgebaut wurde die Anlage dann von denen zu Meranien und
Andechs, zumal auf dem Berg eine eigene nicht versiegende Quelle für den Brunnen existierte. Der letzte Andechser, Otto der Achte, starb dann ohne Nachfolger und hinterließ „det Häuschen“ seinen fünf Schwestern. Eine davon heiratete dann einen Thüringer Grafen von Orlamünde, doch auch in dieser Dynastie wurden die männlichen Nachfolger immer weniger und so erbte dann um 1340 der Burggraf Johann der Zweite von Nürnberg das „Anwesen“. Damit bestieg der erste aus dem Hause Hohenzollern den Kulmbacher Berg als Besitzer.

Nun auf die Schnelle ein paar Namen, die vielleicht doch noch im Geschichtsunterricht hängen geblieben sind. Nach dem oben erwähnten Johann kam als Nachfolger der Hohenzoller Albrecht I. Von dem erbte Friedrich der Fünfte, auch genannt „Der Schöne“, die Burg nebst Städtchen, baute dieses immer besser auf, bekam sogar vom Kaiser das Münzrecht und wurde auch noch zum Reichsfürsten erhoben.

Nach ihm kamen seine beiden Söhne dran, wobei Friedrich der Vierte seinen Bruder, den „dritten Fritze“ überlebte, während dieser Zeit sogar schon Kurfürst der Mark Brandenburg geworden und damit als erster „Preusse“ die Finger auf der Plassenburg hatte. Und nu können Sie gleich sehen, „det wir Preiss'n und Bayern“ immer schon ein Pärchen waren.

Dieser Kurfürst hatte nämlich eine bayerische Herzogstochter, die vom Friedrich von Landshut geheiratet. Und diese liebliche Maid gebar ihm nicht nur nach den wenigen Besuchen, die er so ab und an machte – er mußte ja in Brandenburg auch regieren – insgesamt elf Kinderlein, nein, sie regierte auch an seiner Statt so gut und beliebt bei der Kulmbacher Bevölkerung, daß aus ihrem Namen „Elisabeth“ der Kosename „Schönelse“ gemacht wurde. In dieser Zeit bewährte sich die Plassenburg schon das erste Mal als Schutz für die Bürger der Stadt, denn 1440 kamen die Hussiten über Bayreuth nach Kulmbach und äscherten die Stadt vollkommen ein. Doch der Großteil der Bürger hatte sich auf die Burg retten können.

Einige Erben und Jahrzehnte später gab es dann die erste „pubertäre Revolution“ in Bayern. Friedrich der IV war als Markgraf ein guter, aber auch Prunk und Feste liebender Herrscher. Kulmbach und Umgebung sahen viele Turniere, die Festung wurde weiter ausgebaut, auf den umliegenden Bergen wurden sogenannte „Eilen“ oder Warten eingerichtet, auf denen Wächter im Notfall Flammenzeichen weitergeben sollten.

Die „Flammenzeichen“ in den Gesichtern seiner Söhne wegen der Verschwendung ihres künftigen Erbes sah er aber nicht. Und am 25. Februar 1515, mitten auf einer Faschingsfeier, fielen etliche Masken, wurden Schwerter gezückt und sein eigener Sohn Kasimir setzte den Vater gefangen – zwölf Jahre lang. Erst der Tod seines Sohnes im Kampf gegen die Türken gab ihm die Freiheit wieder, aber dessen Sohn Albrecht ließ den Alten gar nicht mehr zum Herrschen kommen.

Dieser noch minderjährige „Rotzlöffel“ wurde wegen seiner Unerschrockenheit und herrlichen Wuchses von seinen Zeitgenossen mit dem Beinamen „Alcibiades“ versehen. Es wird erzählt, daß während des frohen Festgetümmels nach seinem Einzug in die Plassenburg auf einer abendlichen Feier auf einmal der Geist der „
weißen Frau“ erschien. Alle wichen entsetzt vor dem Gespenst zurück, nur Albrecht schritt tapfer dem Geist entgegen, packten diesen plötzlich körperlich fühlbaren und warf ihn durch ein geöffnetes Fenster hinaus in den Hof. Dort fand man dann tot und zerschmettert einen Hofbeamten.



Wirklich ein hübscher Kerle, gelle?

Doch wie schon auf der Kulmbacher Seite erwähnt, dieser Albrecht „Alcibiades“ war ein machtgieriger Herr und schlug sich in den beginnenden Religionsstreitigkeiten mal auf diese, mal auf jene Seite, da er ganz Franken sich aneignen wollte. Doch das ging halt nicht gut und als ihm Kaiser Karl noch die Gunst entzog schlug die Stunde seiner Gegner. 1553 wurde Kulmbach erst zweimal belagert und dann niedergebrannt. Die Plassenburg, natürlich ohne den hohen Herrn – der hatte sich nämlich nach Bayreuth abgesetzt – hielt zwar tapfer stand, aber nachdem in den trutzigen Mauern nichts mehr zum Beißen zu finden war, mußte die Festung kapitulieren vor Hunger.

Die Bürger durften ihre in die Burg gerettete Habe noch mitnehmen, dann gingen die Sieger ans „Kleinmachen“. Der Brunnen wurde vergiftet und zugeschüttet, die Wälle abgebrochen usw. Aber schon einige Jahre später durften die selben Herrschaft auch laut Fürstenbeschluß zu Wien wieder feste dafür „löhnen“, den Wiederaufbau zu bezahlen weil „sie die Plassenburg, des ganzen Kurhauses Stolz und Kleinod, zertrümmert hätten und dies zu einer Zeit wo der geächtete Markgraf Albrecht schon aus dem Lande getrieben war, also nicht aus Notwehr, sondern aus Übermut und dem Hause Brandenburg zum Spott“.



Und es wurde fleißig gebaut, zu dieser Zeit entstand dann auch der „schöne Hof“, hier ein Bild von 1934.

Ich kann Ihnen nur empfehlen, sich nachher oder bei einem Besuch der Plassenburg vorher die Öffnungszeiten aufzuschreiben. Bei mir war nämlich alles geschlossen und so konnte ich nur von außen einiges ansehen.



Also hinter dem Gebäude links neben dem Christiansportal soll dieser Hof liegen. 2200 Quadratmeter sind von den vier Flügelbauten umfaßt, drei Hofbauten haben diese übereinander laufende Arkaden und die müssen früher mal vergoldet und teilweise farbig ausgeschmückt gewesen sein.



Hinter dem oben gezeigten Portal ist übrigens nicht etwa ein großer Saal oder ähnliches, nur ein Aufgang zur ehemaligen „Christianin“, einer nie wieder dagewesenen und heute auch nicht nur in ganz geringen Bruchstücken zu sehenden Befestigungsanlage im Osten der Burg. Das Portal ist aber immer noch ein Andenken an den Markgrafen Christian, der diese Anlage bauen ließ.



Hier sehen Sie noch ein Stück dieser urgewaltigen Mauern, bin selber dran vorbei marschiert. Mein lieber Mann, müssen die früher geschuftet haben. Im 30jährigen Krieg meinte dann zum Beispiel Wallenstein, er könne die Plassenburg so mir nichts dir nichts einkassieren. Er drohte ganz fürchterlich und erklärte dem damaligen Kommandaten, Wolf Friedrich von Muffel-Ermreuth, er solle die Festung übergeben anderenfalls würde Wallenstein nicht mal das Kind im Mutterleibe schonen. Die "muffelige" Antwort lautete „nur mit Kraut und Loth“ - also mit Pulver und Blei! Das war dem tapferen Wallenstein denn doch kein annehmbares Angebot und er zog eilig von dannen mit seinen Truppen.



Na ja, wenn man sich überlegt, wieviel Soldaten in diesen Teil, ich glaube das war die große Kaserne, reinpassen und wie gut damals die Festung verproviantiert war, wäre schon bitter für die Kaiserlichen geworden. Nur so nebenbei, wenn die Heidelberger immer so stolz auf ihr großes Faß sind, die Kulmbacher hatten früher in der Plassenburg gleich vier von den Riesendingern, gefüllt mit gutem Frankenwein.

Nach den Kriegszeiten kamen natürlich auch wieder bessere und mit diesen auch Leutchen, die wie heute „nur unser Bestes wollen“ - nämlich die „Kohlen“ der anderen. Heute sind es ja richtige „Banden“, die aus wenig viel machen wollen. Damals waren es Einzelgänger, so auch in Kulmbach ein gewisser „von Krohnemann“ aus Livland.

Adelig war er, Alchimist war er und Gold konnte er auch machen – ha. Natürlich mit ein paar kleinen Tricks, die zuerst nicht auffielen, aber dann... - tja dann wurde er als Betrüger entlarvt und als gleichzeitig auch noch ein Einbruch in die Schatzkammer festgestellt wurde, kurzerhand zum „Baumeln“ verurteilt. Der Markgraf war dann aber zwar doch noch gutmütig und schickte aus Bayreuth einen reitenden Boten mit der Begnadigung. Aber entweder hatte der Bote getrödelt und der Henker wollte schneller Feierabend haben, als der Bote eintraf, hing der Livländer schon am Galgen – dumm gelaufen !

Dumm lief es auch 1805 zuerst für die napoleonischen Truppen, 10 000 Mann bayrische Truppen rückten unter französischen Generälen in das zum Königreich Preussen gehörende Kulmbach ein, aber die Plassenburg konnten sie nicht erobern. Die Festung war dann aber ganz allein auf sich gestellt, denn die preussischen Truppen konnten das weit vorgeschobene Bayreuther und Kulmbacher Gebiet nicht schützen. Und als dann die Nachricht von der Niederlage Preussens und der Flucht des Königspaares kam, ergab sich der alte Festungskommandant, um die Bevölkerung der Umgebung und Stadt zu schonen.

Es gäbe noch viel mehr über diesen herrlichen Bau deutscher Geschichte zu erzählen, wurde doch nach den napoleonischen Zeit erst ein Lazarett, dann ein Gefangenenlager und sogar ein Zuchthaus draus gemacht. Erst in den 30er Jahren, leider auch mit Hintergedanken der damaligen Machthaber, wurde die architektonische Schönheit wieder entdeckt und sogar teilweise wieder hergestellt. Doch auch diese dunklen Zeiten sind vorbei gegangen und heute ist die Plassenburg wieder ein besuchenswertes Juwel im Frankenland.



Wer zur rechten Zeit kommt, der kann dann sogar den „Alten Fritz“ besuchen – nee, Zeitreisen sind auch in Kulmbach noch nicht möglich, aber das Zinnfigurenmuseum ist dort in der Plassenburg untergebracht. Hier ein Bild vom Bild im „Das Bayerland von 1934“.

Das zum Abschluß übrigens als Anmerkung: viele der geschichtlichen Daten und auch die schwarz-weißen Bilder habe ich aus dieser alten Zeitungsausgabe. Die Bilder übrigens fotografiert, nicht gescannt, sind also eigene ! Es wird leider viele Menschen in Deutschland geben, denen es aus verschiedensten Gründen verwehrt bleiben wird, die herrliche
Stadt Kulmbach und die Plassenburg besuchen zu können.

Für alle diese "Armen" (im Sinne von bedauernswert!) und die Geschichtsliebhaber habe ich mit Freude diese Seite erstellt. Es gibt im Internet noch einige andere Seiten mit Farbbildern und ähnlichen Beschreibungen, ich habe Ihnen im Anhang die Links noch gelistet, vielleicht ist die eine oder andere für Sie ebenfalls schön.

Hier die offizielle Plassenburg-Seite der Staatlichen Bayerischen Schlösserverwaltung

dann ein weiterer privater Plassenburg-Führer

und last, but not least, die in einem deutschen Burgenführer.


Ich hoffe, Ihnen hat mein „Burg-auftritt“ auch gefallen und vielleicht sehen wir uns demnächst in Bayreuth dann wieder.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr preissischer Reiseführer in Bayern

Ihr Jörg W. Lohfink –

Muenchen Flughafentransfer

©® Jörg W. Lohfink

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