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Kulmbach, die große Bierstadt
Bayerns am Rande des Fichtelgebirges
So, nun rollen wir wieder dahin durch die schöne
Landschaft Oberfrankens im herrlichen Freistaat Bayern. Bad
Berneck und Trebgast liegen hinter uns und das nächste
Ziel ist die Stadt Kulmbach. Habe ich noch von früher vom Bier
her in Erinnerung, EKU-Pils glaub' ich, war mal ne Zeitlang bei mir
in. Das EKU-Bier soll übrigens früher mal das
stärkste Bier der Welt gewesen, kein Wunder, daß die Oberfranken
alle so kernig sind.
Für Neueinsteiger in meinem Wagen oder virtuellem Reiseführer
eine kurze Einleitung. Sie sind beim Muenchen Flughafentransfer von
Jörg W. Lohfink, det bin ick - ein Berliner und Preiss'
in Bavaria gelandet. Ich fahre aber nicht nur Gäste vom
Flughafen München in die Stadt oder die Berge, sondern mache auch
gerne kleine Tagesfahrten durch die herrliche bayerische Landschaft.
Heute können Sie mit mir die 6. Station von einer zweitägigen
Oberpfalz- und Oberfranken-Reise erleben, die Stadt Kulmbach. Die gesamte
Tour zeigt Ihnen von der Oberpfalz die Städte Nabburg,
Weiden, Tirschenreuth,
Waldsassen
mit Großkonnreuth und Griesbach sowie Marktredwitz, die aber
nur ganz kurz. Dann übernachten wir in Bischofsgrün, haben
heute morgen Bad Berneck und den Ort Trebgast besucht und sind nun
in der Anfahrt auf Kulmbach.

Das hier ist die Straße aus dem Fichtelgebirge kommend in Richtung
der Stadt, eine Augenweide immer wieder rechts und links. Ab und an
mal ein kleiner Ort, aber keine Verschandelung der Landschaft durch
große Industriebauten. Und auch der Verkehr hält sich in
Grenzen, nur die Brummis manchmal nicht an den weißen Strich
in der Mitte :-)

Nun muß ich gestehen, diese Ecke von Oberfranken war selbst für
mich neu und so war ich ziemlich überrascht, auf dem Berg links
dieses Schloß zu sehen. Verflixt und zugenäht,
nirgends eine Haltemöglichkeit, um das in Ruhe näher anzuschauen.
Doch nach dem plötzlich auftauchenden Ortsschild Stadt Kulmbach
war ne kleine Seitenstraße. Also angehalten und mit Teleobjektiv
das Dingens näher angeschaut.

Na, das sieht mir mehr nach einer Festung aus und so war es dann auch.
Das hübsche Ensemble heißt Plassenburg
und steht schon seit rund 700 Jährchen dort. Ich habe dann später
in meinen alten Unterlagen daheim einen sehr interessanten Artikel
gefunden und mache Ihnen eine kleine Extra-Seite darüber, dauert
aber 'n bisken, ja?
Warten ist schon vorbei, hier können Sie "ruff uff de Burg"
!

Also rin in die Stadt, mein lieber Mann, da war ja ganz schön
was los verkehrsmassig. An zwei schönen Anblicken mußte
ich vorbei, aber dann das erste Foto aus der Stadt. So richtig schön
verspielte alte Architektur, das gefällt mir. Mal sehen, wie's
weiter drinnen aussieht.
Weiter drinnen war der Verkehr und auch die Menge der Fußgänger
immer wuider, so daß ich erst mal ein bisserl rumkurven
mußte, um einen Parkplatz zu finden. In der oberen Stadt,
so heißt auch die Straße, war dann einer, 2 Stunden zulässig.

Schon in der Mitte der Stadt waren mir viele Fahnen aufgefallen, ulkigerweise
aber fast alle nur mit solchen Mustern.

Man kann's auch übertreiben mit der Werbung, war mein erster Gedanke.
Später erfuhr ich dann, daß ich genau zur Bierwoche,
einem der größten Kulmbacher Events, meinen
Antrittsbesuch in diesem schönen Städtchen von Oberfranken
gemacht hatte. Die Stadt hat zwar nur so rund 30 000 Einwohner, aber
dafür jede Menge Touristen. Die lassen sich dann auch von Fremdenführern
die Stadt zeigen und die Kulmbacher müssen anscheinend einen großen
Mangel an Ortskundigen haben, der erste und auch nachher der zweite
Fremdenführer war ein Berliner.
Vielleicht nehmen die Kulmbacher aber auch die nur, weil sie selber
mit dem Verzehr vom guten Bier so beschäftigt sind.

Denn wie ich so um die Ecke auf den Rathausplatz komme, fällt
mir auf, obwohl gleich gegenüber der Ratskeller ist, stehen doch
vorm Rathaus auch schon ein paar Riesenfässer.

Eventuelle ins Rathaus führende Direktleitung sind unheimlich
gut versteckt, hab ich keine auf Anhieb sehen können. Vielleicht
soll es auch nur Dekoration sein, die vier namhaften Brauereien sind
wunderschön dargestellt (gehören jetzt übrigens auch
der Schörghuber-Gruppe in München, wie mir ein Kulmbacher
heimlich steckte). Also nix mehr mit Eigenständigkeit. Nachfolgend
die vier Fäßlein in Großaufnahme
Sie müssen aber auf die Bilder klicken, damit sie groß werden,
sonst wird die Seite zu lang im Aufbau.
   
Kulmbach muß wohl früher nur vom Bier gelebt haben, selbst
oben an dem Haus rechts neben dem Rathaus die Fürbitte nach janz
oben.

Nun habe ich als Fahrer ja das Problem, ich darf kein Bier trinken
(wenn ich fahre), obwohl ich einige kenne, die da sagen wenn
der Mensch jut fahren soll, braucht er etwas Alllol. Spaß
beiseite, die Brüder werden gottseidank immer öfter
aus dem Verkehr gezogen. Da sind mir Obst und Gemüse viel lieber,

die auf dem gerade stattfindenden Markt in Hülle und Fülle
angeboten wurden. Eigentlich wollte ich ja zum Prinzregenten-Brunnen

aber dafür mußte ich mich durch die Marktstände drücken.
Und da lachte mich die Ware derart an, daß ich einfach gezwungen
war, Ihnen die gute Ware aus Oberfranken zu zeigen.

Tja, und wenn man dann solch hübsche und auch
nette Marktfrau sieht, da könnte mann
schon sein Herz verlieren.

Doch erstens kann nicht jeder so'ne nette Kleine kriegen, dann bleibt
nur noch übrig, sich einen Ersatz für das verlorene Herz
zu kaufen, deswegen heißen die Kirschen auch fränkische
Herzkirschen.

Und dann noch eine kleine Abkühlung am Brunnen und weiter, zwar
nicht so elegant wie der kleine Engel auf seinem gehörnten Reittier,
nein, wir müssen auf Schusters Rappen unsere Stadterkundung fortsetzen.

Wir könnten natürlich auch dem Hans von Kulmbach
sein Fahrrad mopsen, er steht ja eh' nur grad so rum.

Was, Sie kennen Hans von Kulmbach nicht? Kunst- und Kulturbanause !!!
Das ist der berühmteste Sohn der Stadt Kulmbach, war beim Albrecht
Dürer in der Schule und hat auch viel Kunst geschaffen. Fragen
Sie mal bei der Stadt an, wo seine Kunstwerke überall zu sehen
sind. Die Stadt gibt sich nämlich viel Mühe, den Besuchern
zu helfen, sei es durch eine gute Webseite oder direkt am Eingang zur
Langgasse ein metallenes Stadtmodell.

Man hat sogar auch an Besucher gedacht, denen das Augenlicht abhanden
gekommen ist, die Beschreibung des wirklich gut gemachten Stadtmodelles
gibt es auch in Blindenschrift zum Abtasten.
Langgasse, das ist wirklich eine lange Gasse und vergleichbar mit der
Getreidegasse in Salzburg, links und rechts lauter Euronen-Fallen.

Und wer dann noch ein paar Cent übrig hat, den verlockt dann vielleicht
ein älterer Herr zum Ausgeben. Ein echter Drehorgelmann
wie haben wir als Kinder in Berlin uns gefreut, wenn so einer über
die Höfe und Strassen zog! Und hier in Kulmbach hamse noch eenen!
Klasse !

'n jutet Herz hatta ooch, die Knete is nich für mir,
hat er gesagt, det is alles für die Lebenshilfe. War
doch klar, daß ich für Foto und die herrliche Jugenderinnerung
was in den Topf gepackt hab. Für 75 Jährchen ist der gute
Mann übrigens noch topfit, war ich bis zum Wittelsbacher Brunnen

auch noch. Aber trotz der vielen Brunnen in Kulmbach, es wurde immer
heißer und der Passanten immer mehra, also bin ich dann mal hinter
die Häuser gegangen, nicht bloß auf der allgemeinen
Touristenstrecke. Daß die Kulmbacher keine Wasserprobleme und
daher soviel Brünnlein wie den hier

haben liegt daran, daß sich bei der Stadt der rote
und der weiße Main zur Ehe entschlossen haben, und
dort den allgemein bekannten Main bilden. Wie heißt
das alte Trinklied? Warum ist es am Main so schön.....
- weil er von Kulmbach die Fröhlichkeit mit bekommen hat.
Halt, halt, nicht motzen, ich weiß, das Trinklied geht a bisserl
anders, aber das nenn ich eben dichterische Freiheit.

Dann trifft mich bald ein Schlägle, wußte gar
nicht, daß ich schon in Kulmbach ein Geschäft hab. Jörg's
Backstübla aber das war leider nur ein Wunschtraum, hab
mein Brötchen drin bezahlen müssen, die haben mich nicht
als Chef erkannt.

Doch so mancher Kulmbacher muß wohl schon ein gutes Geschäft
gemacht haben, etliche Häuser sind a bisserl größer
geraten als andere. Hat bestimmt schon früher manchen Neider gegeben,
deswegen mußte Kulmbach trutzige Stadtmauern haben.

Aber die halfen leider auch nicht immer, 1430 kamen die Hussiten und
haben die ganze Stadt einschließlich Kirchen niedergebrannt.
Die Herrschaften müssen übrigens einen seltenen Humor gehabt
haben, in alten Berichten steht, sie haben die Mönche und
Nonnen entweder auf das Eis des Flusses geführt und dann mit Wasser
übergossen oder sie aufs Feuer gelegt Ob das hinterher zum
Auftauen war? Grausame Zeiten damals. Doch ein wenig ist von den alten
Gebräuchen übrig geblieben, die Kulmbacher legen auch gern
was aufs Feuer, speziell auf dafür hergestellte Roste. Nee, keine
Angst, keine Touristen, nur Würschtle, die sind dann aber lecker
!!
Doch vor der Speis' gibt's erst mal Schweiß, also bin ich recht
oben in der Oberen Stadt zuerst mal zur Kirche Unsere liebe Frau
getigert. Außenansicht zeig ich Ihnen nachher. Diese Kirche haben
die Kulmbacher in zwei Jahren hingestellt ich sag ja, die Oberpfälzer
und die Oberfranken, die können schaffe, da sollten sich die Münchner
Bauarbeiter mal ein Beispiel nehmen.

So bietet sich den Eintretenden dieses Gotteshaus. Und ich hör
die Frage schon - unsere liebe Frau ist doch katholisch, wo ist
der Barock? Antwort: Ham wa nich mehr, krieg' wa ooch nich
mehr rein, denn diese Kirche wurde zwischen 1892 bis 1894 erbaut,
da war Barock schon längst out.

Doch der Altar selber ist ein herrliches Kunstwerk, ob das nun noch
aus der Barockzeit stammt, dürfen Sie mich aber nicht fragen.
Als ins Auge fallender Schmuck des Hauses fielen mir dann aber noch
die zwei Statuen am Ausgang unter der Orgel auf.

Nun bin ich nicht katholisch gebildet, daher weiß ich nun nicht,
welche Heiligen den Ausgang behüten. Doch es fiel mir auf, daß
der linke ein Buch in der Hand

der rechts stehende aber die Hand am Schwert hat.

Ein bischen ketzerisch denkend könnte man meinen, wer nicht genug
in den Klingelbeutel gibt, wird aufgeschrieben und wer gar nichts gibt......
Ich geb jetzt aber wieder mein Bestes und marschier für Sie quer
durch die obere Stadt. Das nachfolgende Bild, aufgenommen vom Platz
vor der Kirche Unsere liebe Frau, zeigt Ihnen die älteste
Kirche von Kulmbach, St. Petri. Abgebrannt 1430 und dann wieder neu
aufgebaut.

Je näher man kommt und auch je höher, ich rate zu gutem Schuhwerk
und leichter Kleidung im Sommer, desto größer wird die Kirche.
Wenn man dann davor steht, kommt man sich wie ein Zwerg vor.

Auch St. Petri ist relativ schlicht gehalten und üppiger Barockschmuck
fehlt eigentlich. Vielleicht, weil es außer für den Bau
damals nicht mehr soviel Geld gab für Inneneinrichtung, oder,
weil erst die Hussiten alles mitnahmen und dann rund 100 Jahre später
die Soldaten des Bundesstandes, die Kulmbach auch plünderten.
Bundesstand? Das war die Vereinigung der Bistümer Bamberg und
Würzburg mit der Stadt Nürnberg, alle drei gegen einen
eigentlich unfair. Aber dieser eine war um 1540 rum der Markgraf Alcibiades
(kenn ich irgendwoher aus dem Lateinunterricht, aber war 'n andrer),
der sich in den Kopf gesetzt hatte, ganz Franken beherrschen zu wollen.
Da hatten dann die Bischöfe der beiden Bistümer und die Nürnberger
was gegen. Und wer hat's ausbaden dürfen? Die Kulmbacher, verloren
wieder alles was sie hatten und sogar die Burg ging noch in Flammen
auf 1550 am Konradi-Tag.

Nachdem dem Alcibiades der Zahn gezogen worden war, bauten
die Kulmbacher Stadt und Kirche wieder auf. Und der größte
Schmuck ist meiner Meinung nach das geschnitzte Altarbild.

Leider mußte ich ein bisserl sparen mit den Bildern, daher nur
noch ein anderer Ausschnitt, auch eine wunderbare detaillierte Schnitzerei.

Ich hatte noch versucht ein paar andere Aufnahmen zu machen, aber der
Fußmarsch durch die Stadt schlug sich anscheinend auf meine Hände
über das nachfolgende Wandbild war noch scharf,

drei andere konnte ich selbst mit der Bildbearbeitung daheim nicht
mehr retten. Wußte gar nicht, daß ich so zittrig bin.
Seltsamerweise ist dann noch das Wappenbild oben am Altar scharf gewesen,
vielleicht haben die dort verewigten Herren einen gewissen Wert auf
ihre Darstellung gelegt.

na, mein Lieber, und nu? fragte mich dann der kleine Herr
mit seinem Blick und ich fragte dann die nette Mesnerin, wie weit es
noch bis zur Plassenburg wäre.

ach, nicht weit, den Berg hier hoch, so 10 Minuten war
die Antwort. Nun sind ja bekanntlich die Frauen härter im Nehmen
und vielleicht auch mit einem Moped oder Auto sowieso. Ich war aber
zu Fuß und so dauerte dann der Aufstieg gute 25 Minuten.

Aber die Aussichten waren herrlich, hier das versprochene Bild von
unsere liebe Frau. Beim Suchen mit dem Zoom fiel mir dann
ein Stück Stadtmauer auf, das ich sicherlich beim Gang durch die
Stadt nie gefunden hätte, hier mit Tele aufgenommen

Dann der Blick auf den Traum aller Bierfreunde nur eines dieser
Fäßchen daheim .....

Und dann war es geschafft, ich übrigens auch. Das Tor zur Plassenburg
öffnete sich und die paar Meterchen wollte ich nun doch noch machen.

Hier ein Blick auf das Christiansportal, die schiere Größe
des Mauerwerks haut einen fast um. Ich möcht nicht wissen, wieviele
Jahre Tag für Tag die armen Kerle früher Steine schleppen
und mauern mußten.

So, liebe Besucher, Mitfahrer und Bayernfreunde, das war ein Besuch
in der schönen kleinen (großen) Kreisstadt Kulmbach in Oberfranken.
Von der Plassenburg aus noch ein letzter Blick

und dann geht's wieder runter in die Stadt und zum Parkplatz. Aber
ich will ganz ehrlich sein, runter geloffen bin ich nicht
mehr. Zum Glück kam grad der städtische Bus, der alle halbe
Stunde rauffährt wenn ick det eher jewußt hätte
und der nahm mich dann mit. War auch nicht teuer. Doch den Busfahrer
hab ich bewundert. Sie haben ja oben das Eingangstor gesehen
da ist der Bus lässig durch nur rechts und links hätte
vielleicht grad noch ne dünne Tageszeitung gepaßt. Mein
Kompliment an den Busfahrer.
Ihnen übrigens auch für's tapfere Mitmarschieren. Sie können
jetzt auch wie ich eine gute Brotzeit machen, vielleicht auch ein kleines
Nickerchen und dann geht's weiter nach Bayreuth,
liegt ja gleich um die Ecke.
Ich hoffe, es hat Ihnen wieder ein bisserl Freude und Appetit gemacht,
Kulmbach freut sich bestimmt auf Ihren persönlichen Besuch
ich auch, grins!
Ach ja, zum Überbrücken der Wartezeit hier noch schnell eine
Sage aus Kulmbach, die Geschichte vom leidigen
Schuster aus Kulmbach. Ist aber auch auf einer speziellen
Seite in meiner Sagen-Abteilung, also bitte auf den Link klicken.
Bis dahin alles Gute, vielen Dank für Ihr Mitfahren
heute und bis bald mit lieben Grüßen
Ihr preissischer Reiseführer in Bayern
Ihr Jörg W. Lohfink
Muenchen Flughafentransfer
©® Jörg W. Lohfink |