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Ein freundliches Hallo für Sie, liebe Besucher meines
Reiseführers.
Wie bitte, da muß was falsch sein an der Überschrift?
Nein, nein, alles richtig, aber die Betonung liegt auf erste !
Lassen Sie sich überraschen !
Wenn Sie vielleicht zum ersten Mal bei mir einsteigen
sollten, dann kurz eine kleine Einführung.Mein Name ist Jörg Lohfink
und ich bin zwar nicht käuflich, aber Sie können mich mieten.
Nicht für frohe Stunden, meine Damen, ich bin wunderbar verheiratet, also
keine Hoffnung mehr.
Das Mieten bezieht sich auf mich und meinen
Wagen, ein rollendes Wohnzimmer Marke Renault Master, ausreichend
für vier Generationen, Oma und Opa, Vater und Mutter sowie zwei Kinder
sowie Onkel und Tante können natürlich auch große sein.
Und das Gepäck für eine Reise bekommen wir auch unter, ohne daß
jeder dem andern schon halb auf dem Schoß hockt.
Also mit mir passen noch acht Personen rein für einen Tagesausflug durch
unsere herrliche bayerische Landschaft oder für eine Fahrt vom oder zum
Flughafen. Denn Flughafentransfer ist die zweite hauptsächliche Beschäftigung
von mir neben Tagesausflügen. Hier gleich eine Anmerkung für Landshuter:
da ich selber eine Anfahrt von rund 60 km bis zum Flughafen habe, muß
ich leider für eine Fahrt von oder nach Landshut 100,- Euro verlangen.
Da gibt's dann in Landshut selber Kollegen, die günstiger sind
soviel aus Fairnißgründen.
Doch nun zurück zum Titel oben. Schon oft haben mich
Gäste, die vom Flughafen Franz-Josef-Strauß nach Passau
auf eine Kreuzfahrt wollten, gefragt, was können wir uns auf dem Weg noch
Schönes anschauen? Tja, und da hab ich ihnen halt Bayerns erste Hauptstadt
vorgeschlagen - Landshut. Dann kam sofort: aber das ist doch München!
Wie gesagt, das Wort erste überhören viele gern. Und
jetzt machen wir uns auf den Weg, los geht's.
Vom Flughafen fahren wir in Richtung Erding, biegen dann bei der Abzweigung
nach Freising links ab und benutzen
ein bisserl die Autobahn in Richtung Deggendorf Regensburg
Passau. Nach etwa 35 km kommt dann die Ausfahrt Moosburg, die gleichzeitig
auch wunderbar nach Landshut und zur Stadtmitte führt. Schon ein paar
Kilometer vor der Stadt sehen wir dann die zwei Wahrzeichen von Landshut, links
den Turm der St. Martins Kirche und rechts oben auf dem Berg die Burg Trausnitz,
fast auf gleicher Höhe mit dem Turm.

Tja, und dann kommt ein bisserl Schlitzohrigkeit der Niederbayern, denn Landshut
gehört schon dazu. Man fahre immer schön der Beschilderung Altstadt
nach und ehe man sich's versieht, ist man fast schon wieder an der gleichen
Stelle. Denn die Landshuter haben eine schöne Ringstraße gebaut,
ich glaub, die Münchner haben später mit ihrem Mittleren- und Altstadt-Ring
das einfach abgekupfert. Aber neugierig, wie wir Preiss'n
- i bin oaner halt sind, bin ich gleich nach beim Ludwigswehr abgebogen.
Von dort aus haben wir nämlich schon einen herrlichen Blick über
die Isar.

Und dann geht's weiter direkt in die Altstadt. Was heißt eigentlich alt?
Soo alt ist Landshut nämlich nicht. Urkundlich wird die Stadt erstmals
um 1150 erwähnt und zwar noch a bisserl anders. Damals nannte das Freisinger
Hochstift die Stelle Landeshuet.

Die Straße damals führte auch schon an der Stelle
vorbei, wo die Burg Trausnitz später gebaut wurde und heute noch steht,
aber um 1150 gab es dort nur eine Art hölzerne Wachhütte. Straßenraub
war damals schon Mode, heut machen's die in Berlin mittels Maut und Radar,
und so richtete das Hochstift dort einen Wachtposten ein, natürlich gegen
die nicht-staatliche Konkurrenz.
Rund 50 Jährchen später, also um 1203 n.Chr., gab's dann Zoff in
Sachen Salz und Salzzölle. Zu der Zeit kassierte nämlich der Bischof
von Regensburg die Kirche
scheute den Mammon nicht, siehe auch die Geschichte von Berchtesgaden
- feste Zoll für Salztransporte und wollte partout nix abgeben. Herzog
Ludwig der Kelheimer Kelheim
ist übrigens auch eine Reise wert hatte dann die Faxen dicke und
ließ einfach die dem Bischof gehörende Brücke bei Altheim zerstören.
Und 1204 ließ er dann seine eigene bauen, zwischen Heilig-Geist und Seligenthal
wir sind vorhin grad über die Isar an der gleichen Stelle gefahren.

Ich will ja nun nix behaupten, aber es wirft sich doch die Frage auf, wer dann
1231 Herzog Ludwig in Kelheim auch noch ausgerechnet auf der Donaubrücke
erdolchen ließ? Der Täter wurde nie gefaßt und wenn man so
an eventuelle Rachegelüste aus Regensburg denkt....?
Na ja, Schwamm drüber und nun hinein in die erste Hauptstadt
von Bayern, denn Otto II., der Sohn
des abgemurksten Herzog Ludwig, verlegte die Herzogsresidenz nach
Landshut und so wurde die Stadt Bayerns Hauptstadt. So wurde die Altstadt,
in der wir jetzt hier gerade angelangt sind, ausgebaut und auch der Bau der
Burg Trausnitz wurde begonnen.

Doch schon 20 Jahre später war es vorbei mit der Hauptstadt-Herrlichkeit.
Als Otto nämlich das Zeitliche segnete, hatte er zwei Söhne und die
Keilerei ums Erbe begann. Bayern wurde geteilt, Ludwig der Strenge bekam Oberbayern
und die Rheinpfalz, das Unterland, also das heutige Niederbayern bis weit ins
Salzkammergut reichend, bekam Heinrich I. Dieser blieb dann auch 35 Jahre an
der Regierung und Landshut blühte auf zu einer schönen Stadt, die
sogar eigene Gerichtsbarkeit und Rat hatte.

Wir fahren jetzt mal in die Rosengasse, die ihren Namen der Pest verdankt (siehe
meine Sagenabteilung), von dort machen
wir einen kleinen Fußmarsch.

Jetzt sind wir nämlich in der Neustadt, so heißt dieser
Teil des alten Stadtkerns. Vor uns das Gefallenen-Denkmal, links dahinter das
ehemalige Jesuitenkloster. Wie man sieht (det kleene blaue Schildchen gleich
hinterm Denkmal), wurde die Kirchlichkeit von der Obrigkeit verdrängt
grins.

Am Fuß des Hügels, auf der die Burg Trausnitz liegt, wird der Landshuter
Stadtkern von St. Ignatius abgeschlossen, die ehemalige Klosterkirche. Die
Burg Trausnitz sollten Sie sich auch mal anschauen, erst Burg, dann umgebaut
in italienischem Flair, in Renaissancestil wie die Stadtresidenz.

Nur wenige Meter durch die kleinen Gassen, dann stehen wir vor St. Martin,
ein herrliches Werk der Spätgotik, schauen Sie sich das Fronttor an! Die
Kirche war der Stolz der reichen Bürger von Landshut, die dafür den
genialen Baumeister Hans von Burghausen einfliegen, äh, einreiten
ließen. Außen an der Kirche eine Gedenktafel für einen, der
leider von oben runter geflogen ist ja, nicht umsonst sind
heute die Bauvorschriften für Dachdecker so streng.

Der Turm von St. Martin ist 131 Meter hoch und galt als höchster Backsteinbau
der Welt, mit dem Kreuz auf der Spitze natürlich. Und das im Jahr 1480
rum.

Natürlich gehen wir auch rein nach St. Martin. Ist wirklich lohnenswert.
Von aussen betrachtet kommt einem die Kirche gar nicht so hoch vor, aber wenn
Sie dann erst drinnen stehen mein lieber Mann. Also ehrlich, ich möcht
damals nicht Maurer gewesen sein. Der ganze Bau ist nämlich gemauert aus
Backsteinen. Hier ein paar Innenaufnahmen: der Herr mit Bibel ist der Baumeister,
dann der schöne Altar mit herrlicher Ornamentik, ein Blick auf die Orgel
und dann noch auf den Schrein mit den Reliquien vom Heiligen Kastulus.


Vor Fertigstellung der herrlichen Kirche gab's aber erst nochmal gewaltigen
Ärger in Landshut und dabei rollten nach damals üblicher Gewohnheit
auch ein paar Köpfe. 1408 begann der kurz vorher an die Regierung gekommene
junge Herzog Heinrich IV., als noch ein halber Kindskopf, die Burg Trausnitz
immer mehr auszubauen und in die Rechte der Stadt einzugreifen.
Darüber beschwerten sich die Landshuter beim König
Rupprecht. Heinrich war stinkesauer, ließ die Bürger,
die so frech gewesen waren, erst mal ein bisserl einsperren und dann flogen
sie raus, aus der Stadt. Darüber waren dann etliche Zurückgebliebene
sauer, versammelten sich und wollten dem Herzog eins auf Haupt geben.
Doch dazu kam es dann nicht mehr, denn irgendeiner wollte sich einen Judaslohn
verdienen, ging zum Herzog und dann ging's rund in Landhut. Besonders, als
von denen, die beim ersten Sturm der herzoglichen Soldaten noch überlebt
hatten, dann die Köpfe rollten. Und genauso üblich damals, was den
Aufrührern gehört hatte, war nun des Herzogs. Und das war nicht grad
wenig, denn dadurch wurde dann der Beiname der Reiche begründet.
Wie reich Heinrich und sein Sohn Ludwig und dessen Enkel Georg waren, konnte
dann die Adelswelt Europas im Jahr 1475 sehen. Da fand nämlich die Landshuter
Hochzeit statt, Georg und Jadwiga, Prinzessin aus Polen, heirateten und
alles, was Rang und Namen hatte, kam nach Landshut.
Es war das größte Fest im deutschen Spätmittelalter,
dauerte 14 Tage und angefangen vom Kaiser Friedrich III., 26 Reichsfürsten,
hunderter kirchlicher Würdenträger von Bischof bis Abt bis hin zu
vielen andern Adligkeiten waren zu Gast. Wenn man weiß, daß Pferde
nur den janz hohen Tieren vorbehalten waren und davon allein 9000
Stück Pferde verpflegt werden mußten, andererseits
die Reitersleut meist noch Hundertschaften an Fußvolk mitbrachten, dann
wundert einen die herzogliche Abrechnung später nicht mehr.
Anläßlich dieser Hochzeit wurden in Landshut
verbraten: 340 Ochsen,1800 Zentner Rindfleisch, 21 Zentner Schafe,
1400 Kälber, 162 Hirsche, 80 Wildschweine, 900 Ferkel, mehr als 62 000
Hennen, 5060 Gänse, 75 000 Krebse, 212000 Eier. Und gesüffelt wurden
nur an Wein alleine 240 Fässer und 200 Eimer.
Tja, das waren noch Zeiten. Zumal wenn noch dazu kommt, daß eine Woche
lang kein Wirt, kein Bäcker, kein Fischer oder Metzger Geld annehmen durfte,
alles war frei, ob Bürger oder Fremder, ganz gleich, jeder bekam umsonst
zu essen und zu trinken. Der Herzog zahlte alles. Da sollten sich unsere Regierenden
mal ein Beispiel dran nehmen !
Sie können im übrigen diese Hochzeit mal mit erleben, denn alle drei
Jahre wird diese grandiose Feier in den alten Kostümen für drei Tage
in Landshut nachgespielt. Aber Essen und Trinken sind natürlich nicht
umsonst mehr, da ist schon uns Ulla vor denken Sie bloß
an die üblen Folgen übermäßigen Trunkes und der Völlerei.....
Ein Erlebnis ist es jedoch wirklich und eine der größten Attraktionen
in Niederbayern. Am besten Sie schauen auf die Webseite der
Stadt Landshut, wann das Spektakel wieder zu sehen ist. Die Bürger
der Stadt gestalten es so wirklichkeitsgetreu wie möglich, so daß
Sie meinen, eine echte Zeitreise um 500 Jahr zurück gemacht zu haben.
Ein kleiner Vorgeschmack ist diese "Residenz-Band" :-)

Und daß die Landshuter feiern konnten, daß ist auch durch andere
Schriften belegt. Zum Beispiel gab es früher dort Fronleichnamsprozessionen,
die durch ihren Prunk und Ausstattung sogar die Prozessionen von München
übertrafen. Obwohl da ja der Hof residierte und prachtvolle Umzüge
veranstaltete die Landshuter waren besser. Hier zwei alte Stiche aus
dem Jahr 1733.

Es gab darüber auch ein Buch, das schon vor hundert Jahren zu den größten
Raritäten im Buchhandel gehörte und sollte einer von Ihnen das mal
finden....- hier der Titel:
Angeordtneter Grosser Umbgang
Und
Procession / auf das Hohe Fest des Zarten Fronleichnambs
Jesu Christi
In der Chur-Bayerischen Haupt- und Regierungs-Stadt Landshut
Mit denen Handwerchs / Zunfften / Fähnen / Stangen / und Kertzen sambt
Figuren und Persohnen, auch mit Bruderschafften und Clerisey.
Getruckt by Simon Golowitz,
Stadt- und Landschaffts-Buchtruckern.
Und zu finden bey Remigi Schmidt, Buchbündern allda. (1733).
Die Reise nach Landshut mit mir ist jetzt auch wieder an ihrem Ende angelangt,
natürlich könnte ich noch viel mehr erzählen. Aber erstens hab
ich schon fast wieder Fusseln an der Klappe und zweitens sollten
Sie sich ja selbst ein Bild machen und Freude am Spaziergang durch die Stadt
haben.

Ich pack's jetzt wieder, wer noch bleiben will, geht auf
die Webseite der Stadt, die anderen wieder rein in mein fahrendes Wohnzimmer
und ab geht's nach Hause oder weiter nach Passau.
Hat es Ihnen wieder ein bisserl Spaß gemacht, dann kommen Sie entweder
mal mit mit meinem Flughafentransfer München oder springen in einen anderen
bayerischen Ort links im Wegweiser aber obacht, die hab ich auch schon
heimgesucht.
Bis zum nächsten Mal
Ihr Jörg W. Lohfink
echt preissischer Reiseführer (aus eigenem Vergnügen) und -fahrer
in Bayern.
(alle Bülders sin von mir und bei Anklickern
wern'se jrößer) ©®J.W.Lohfink |