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Hier geht es weiter, Seite 4 im "Märchenbuch" vom Flughafentransfer München - als Gratiszugabe von meinen beiden Internet-Buchgeschäften "Antiquariat Die Buecher-Fundgrube im Internet" und "Buchladen-Jörg"

Auf einem Flohmarkt habe ich ein Bündel "fliegender Blätter" mitgenommen, das mal ein Geschichtenbuch von W. Matthiessen war, eine Ausgabe von 1931. Daraus die noch vollständig erhaltene Geschichte:

Buksenpukkel

Es lebte einmal ein reicher Gutsherr, der war vor Tau und Tag auf die Jagd geritten, und als es schon auf den Mittag anging, kam er zurück.

Sein erster Weg aber war in die Küche. Dort nahm er sich den Koch vor. "Mann", sagte er, "ich habe Hunger wie ein Bär! Koche mir also eine Erbsensuppe! Zwei Pfund Erbsten tust du hinein, ein halbes Pfund Kartoffeln, drei Pfund Speck und drei Paar Würstchen! Und vergiß nicht die Zwiebeln und die anderen Kräutchen, und mach' eine Einbrenne von Mehl und Speck und geröstetem Weißbrot. Hast du verstanden?"

"Sehr wohl, Herr !" erwiderte der Koch. "Dann gib dich ans Werk! Ich esse keinen Happen bis du fertig bist, denn meinHunger soll noch größer werden!" So sprach er, und dann begab er sich daran, seine Gewehre auseinander zu nehmen und zu putzen.

Und der Koch setzte die Erbsen aufs Feuer, tat den Speck hinein und gab sich ans Kartoffelschälen. Dann holte er die Kräutchen aus dem Garten, schnitt sie in die Suppe und deckte im Jagdzimmer schon den Tisch. Inzwischen wurden die Erbsen gar, und er machte die Einbrenne. Die verrührte er gut, probierte, und siehe, die Suppe war so herrlich geworden, daß sie einen Toten lebendig gemacht hätte.

Und gerade wollte der Koch sie in die Suppenschüssel füllen, da rumpelt es hinter dem Herd, wo der große Haufen Scheitholz lag, und schon stand ein kleines Kerlchen vor dem Koch und sagte: "Ach, Herr Oberküchenmeister, der liebliche Geruch von Eurer Suppe ist bis in meine Wohnung hinab zu schmecken! Und mir ist so flau im Magen, daß Gott erbarm!. Laßt mich doch wenigstens einmal probieren!"

"Ach", rief der Koch, "schon so oft haben die alten Diener hier im Schlosse von einem Hausgeist erzählt, der unter dem Herde wohnen sollte, und Buksenpukkel tät er heißen. Aber so lang ich auch schon hier bin, nie hab ich ihn gesehen -" "Ja", sagte das Männchen, "das bin Ich, der Kobold Buksenpukkel! Und bitte, bitte, laßt mich einmal schmecken!".

Nun, der Koch hatte ein gutes Herz und er dachte: "Ach was, die Augen des Herrn waren gewiß wieder größer als sein Magen. Er wird schon nicht die ganze Suppe essen." Und er reichte dem Kleinen einen große vollen Schöpflöffel hin. "Verbrenn dir aber den Mund nicht, Kobold Buksenpukkel!" warnte er noch - schwubb, da war der Löffel auch schon leer, das Männchen war fort, und wie der Koch nun einschöpfen wollte - ja, da ist auch ein Tropfen mehr in dem Kessel gewesen.

"Herrgott", dachte der arme Mann, "was soll ich nun tun? Der Herr hat jetzt Hunger wie ein ganzes Rudel Wölfe, und er wird mich wahrhaftig zerreißen!" Aber was blieb ihm übrig? Er mußte hinauf gehen in das Eßzimmer. Ja, da saß der Herr schon und hatte den Löffel in der Hand.

"Denkt Euch nur," jammerte der Koch, "fort die Suppe, kein Tropfen mehr im Kessel!". Und er erzählte, wie das zugegangen war.

"Na," sagte der Herr, "da ist nichts zu machen! von dem Hausgeist hat mir übrigens meine Urahne schon erzählt, aber er soll gar nicht so schlimm sein. Hast du vielleicht die Suppe selber gefressen, he?" Aber als der Koch sich hoch und heilig verschwor, da glaubte ihm der Herr endlich.

Und er sagte:"Jetzt kannst du natürlich keine neue Erbsensuppe mehr kochen, denn ehe die gar ist, bin ich längst verhungert! Aber in dem Fischkasten ist ja noch der dreizehnpfündige Hecht, den ich gestern gefangen habe, - den sollst du mir kochen, und die Kartoffeln und die Butter dazu sind ja auch schnell fertig!".

Der Koch verbeugte sich: "In dreiviertel Stunden habt Ihr den Hecht auf dem Tisch!" sagte er. "Schön", erwiderte der Herr, "und wenn der kobold noch einmal kommen sollte, dann klopfst du ihm mit dem Löffel auf die Finger!"

Der Koch aber rannte schon hinaus und gab sich ans Werk. Schnell waren die Kartoffeln fertig, die Butter zerlassen, der Hecht gar gekocht. Und gerade, als der Koch ihn säuberlich zerlegt und mit Zitronenscheiben und Petersilie garniert hatte, da plötzlich stand das Kerlchen wieder vor ihm.

"Guter Mann", sagte es, "Euer Hecht sieht so herrlich aus, wollt Ihr mir nicht ein ganz kleines Stückchen geben?"

"Ich denke nicht daran!" rief der Koch, "mit der Erbsensuppe habe ich schon genug Scherereien gehabt wegen dir! Den Löffel soll ich dir auf die Finger hauen, hat der Herr gesagt!"

"Nein, tu das nicht", bat der Kobold, "ich will dir auch helfen, wenn einmal in Not bist. Mein Weib ist krank, und ich habe große Sorge um sie. Ein Stückchen Hecht, mein ich, würde ihr sicher gut tun!"

"Na", sagte der Koch, "dann will ich es noch einmal probieren!" Und er dachte, der Kleine würde diesmal gewiss nicht wieder so unverschämt sein wie vorhin. Er füllte also in das Schüsselchen, das der Kobold mitgebracht hatte, ein wenig von dem Fisch, drei Kartoffeln und ein bißchen Butter dazu. Aber der Zwerg hatte noch nicht danke gesagt, schwubb, da war er weg und der ganze angerichtete Fisch, die Kartoffeln und alle Butter mit ihm.

Der arme Koch wußte nicht, was er tun sollte. Einen Fisch kochen - das ging nicht, der Fischkasten war leer. Er mußte also wieder hinauf und dem Herrn alles erzählen. Böse schaute der ihn an. "Das soll ich dir glauben?" knurrte er, "aber wenn ich dich jetzt durchprügle, damit hab ich noch lang kein Essen! Geh nun und backe mir eine Kalbskeule von fünfzehn Pfund, die hat ein zartes Fleisch und braucht nicht lange zu braten. Aber spute dich! Es geht schon auf den Nachmittag an. Und passiert dir dieselbe Geschichte noch einmal, dann fliegst du! Verstanden? Kommt aber der Buksenpukkel wieder, dann schlägst du ihn mit dem Stocheisen tot!"

Der Koch lief, setzte die Kalbskeule auf und schälte zum dritten Mal Kartoffeln. Dann machte er aus Schalotten, Zwiebeln, feinen Pilzen, Essig, Thymian, Petersilie, Lorbeer und Dahne eine herrliche Tunke. Die goß er eben über das knusprig gebratene Fleisch - siehe, da stand der Kobold schon wieder da.

"Fort da", rief der Koch, "mein Herr hat gesagt, ich soll dich totschlagen!"

"Ach, tu es nicht, tu es nicht!" quäkte der Kleine, "wer weiß, ob du nicht auch einmal ans Hungern kommst! Und dann helfe ich dir, wenn ich es kann. Jetzt ist meine kranke Frau gestorben und ich weiß nicht, was den kleinen Unterirdischen allen, die zum Begräbnis gekommen sind, vorsetzen soll. Dazu ist mein Kind krank, und nur zartes Kalbfleisch kann es vertragen!"

Da ward dem Koch wieder weich ums Herz, und er schnitt ein Stückchen von dem Braten herunter, tat einen Löffel Tunke darüber und ein paar Kartoffeln dazu. Aber kaum hatte der Zwerg sein Schüsselchen wieder in der Hand, da war er fort, und mit ihm die ganze Kalbskeule, Kartoffeln und Tunke.

"Jetzt ist es aus mit mir" dachte der Koch und trostlos ging er hinauf zu dem Herrn. "Nun hat er mir zum dritten Male alles gestohlen!" klagte er. Da packte ihn der Herr an der Brust, schüttelte ihn hin und her wie einen Staublappen und schrie: "Hinaus mit dir, du Kerl! Und laß dich ja nicht mehr blicken! Morgen früh packst du dein Bündel und trollst dich!" Damit warf er den Koch zur Tür hinaus und rief den Kammerdiener herbei.

"Du spielst jetzt den Koch", befahl er, "bis ich einen neuen habe. Und mach dich gleich in die Küche und backe mir aus fünfundzwanzig Eiern und drei Pfund Schinken Rührei mit Schinken. Wenn aber der Kobold kommt, von dem der Koch erzählt hat, dann schlägst du ihn tot mit dem ersten besten Ding, das du zur Hand hast!"

"Schon gut", lachte der Kammerdiener, "habt keine Sorge, ich will ihn schon treffen". Damit ging er in die Küche, und als er eben die fertigen Rühreier aus der Pfanne in die Schüssel getan hatte, da sah er auch schon wieder das Männchen am Herde stehen. Und gleich schrie er es an: "Also Rührei willst du jetzt? Na warte!" und er gab ihm eins mit dem Stocheisen vor den Kopf, daß es wie ein Wollknäuel unter den Ofen rollte. Dann trug er stolz das Speisebrett mit den leckeren Eiern zu dem Herrn hinauf.

"Du bist doch wenigstens ein Kerl!" sagte der, als er gehört hatte, was diesmal in der Küche geschehen war. Dann ließ er sich sein Essen schmecken.

Kaum war am anderen Tage die Sonne aufgegangen, da kam der alte Koch aus seiner Dachkammer herab. Seine Siebensachen hatte er in ein Taschentuch geknüpft, und er wollte noch einmal in seine Küche, um sich eine Tasse Kaffee zu wärmen. Und grad hatte er Feuer gemacht auf dem Herd, da stand auf einmal der kleine Buksenpukkel mit dick verbundenem Kopfe vor ihm und sagte: " Du hast mir geholfen, jetzt helfe ich dir! Komm mit!"

Und er zeigte unter den Herd - wirklich, da war eine enge Treppe, die führte in die Tiefe. Da hinunter schritt jetzt der Zwerg, und der Koch ihm nach. Und bald kamen sie in große, schöne Zimmer und allerlei seltsame Sachen waren darin. In der letzten Kammer endlich waren Bretterfächer an den Wänden, und darauf lagen und standen eine Unmenge Büchsen und Gläschen, Tütchen und Schachteln. Der Kobold suchte dazwischen herum, und schließlich nahm er ein Kästchen herunter.

"Da", sagte er, "das wird wohl das Rechte sein für dich! Wenn du also etwas nötig hast, dann klopf auf das Kästchen und sag deinen Wunsch. Dann klopfst du ein zweites, dann ein drittes Mal und das Ding wird im Kästchen sein!" Der Koch bedankte sich vielmals. Aber der Kleine sagte: "Schon gut, schon gut! Du hast mir geholfen, und ich helfe dir!" Dann führte er ihn wieder in die Küche. Als aber der Koch sich umschaute, da war der Kobold verschwunden und auch die Treppe.

Nur der Kammerdiener stand in der Tür und fragte: Wo kommst du dann her?"

"O", sagte der Koch, "ich war nur bei dem Buksenpukkel drunten, der hat mir eine Belohnung gegeben - " und er zeigte ihm das Kästchen. "Sind da Zigarren drin?" lachte der Diener. "Nein", erwiderte der Koch, "aber wenn ich mir etwas wünschen will, dann brauche ich nur auf das Kästchen zu klopfen, und ich hab es! Und jetzt wünsche ich mir zuerst einen Beutel mit Reisegeld!" Sprach's und klopfte auf das Kästchen, klopfte nochmal und noch ein drittes Mal. Dann machte er den Deckel auf. Was fand er? Einen großen Geldbeutel, und der war bis oben hin voll Goldstücke. Da lachte er über das ganze Gesicht, schob den Beutel in die Tasche und ging strahlend vor Freude seiner Wege.

Der Kammerdiener aber ist bald vor Neid vergangen. "Na warte", dachte er, "ich werde ihm heute so ein feines Essen kochen, daß er den Schlag von gestern gerne vergißt und mir obendrei auch noch so ein Kästchen gibt! Denn Erbsensuppe, das soll schon was sein? Jeder Köhler ißt sie!" Und weil zudem der Herr heute nicht daheim war, gab er sich ans Kochen.

Ach, bald stand der ganze Herd voll Kessel und Pfannen. Aber weil der Diener nicht viel vom Kochen verstand und nur zur Not Kartoffeln sieden und Eier backen konnte, ward es ein wunderlicher Mischmasch von Gerichten, die er da zusammen braute. Da sott er Forellen und braute eine Tunke von Pilzen und Meerrettich dazu, den Salat machte er schon eine Stunde vor dem Essen fertig und damit er recht gut schmecken sollte, tat er Maggi dazu.

Als Vorspeise wollte er die leckeren Chesterkracher machen, aber statt in Butter briet er die Brotpaketchen in Oel, zu der Pistaziensuppe vergaß er Thymian und Schnittlauch, zum Trüffelfasan die Gänseleberfüllung und dann briet er auf dem Herde, was im Backofen gebacken werden mußte. Was über ein Holzfeuer gehörte, tat er auf Kohlenfeuer, was dünsten mußte, kochte er - ach, ihr hättet den Kopf geschüttelt, wenn ihr das gesehen hättet. Aber endlich wurde er doch fertig und er stellte eine Schüssel neben der andern auf den Tisch.

"So", dachte er, "jetzt wird der Kobold kommen!" Aber nein, unter dem Ofen blieb alles still. Da wurde der Mann ungeduldig und rief: "Lieber, verehrter Herr Buksenpukkel, es ist angerichtet!"

Da rappelte es hinter dem Holz, und der Kleine stand da. "Was willst du?" sagte er und rümpfte die Nase, "riechen tut's hier wie in einem Kramladen!"

"Aber du sollst doch zum Essen kommen!" rief der Diener, "sieh, wie fein ich den Tisch gedeckt habe!"

"Ach", meinte der Kobold, "schon wieder essen? Ich habe von dem Koch noch Essen zu Hause in Hülle und Fülle".

"Nun, dann probiere doch wenigstens einmal" bat der Diener. Der Kleine nahm sich ein Schüsselchen, pickte mit einem Gäbelchen hinein, schmeckte und zog ein Mäulchen.

"Ich will dir mal was sagen", lachte er dann, "wenn du noch einmal versuchst, junge Erbsen zu kochen, dann vergiß nicht Salbei und Rosmarin! Aber du hast es gut gemeint, und darum wirll ich dir auch ein Andenken geben!" Und er nahm ihn mit unter den Herd in sein Haus und richtig, er ging wieder in die Stube, wo auf den Bretterfächern die Flaschen und Schachteln standen. Dort stieg er auf einen Stuhl, und aus dem obersten Fach holte er einen schmalen aber sehr langen Kasten, gab ihn dem Diener und sagte: "Halte ihn in Ehren! Und du nur einmal auf den Deckel klopfst, dann kommt etwas heraus, was dir gerade sehr notwendig ist!"

Da freute sich der Diener, und ohne Dankeschön zu sagen, ging er wieder hinauf. "So", dachte er, " nun will ich gleich einmal das Kästchen versuchen! Denn gewiß brauche ich am notwendigsten einen Beutel mit Goldstücken." Damit klopfte er, und was kam aus dem Kasten? Wie der Blitz fuhr ein dicker gelber Rohrstock heraus, der verprügelte den bösen Mann, daß ihm Hören und Sehen verging. Erst als er ihn windelweich gehauen hatte, verschwand er samt der Schachtel.

Den Kobold unter dem Herd aber hat seidem keiner mehr gesehen.

Ich aber habe mit meinem Freund, dem Maler, neulich noch den guten Koch besucht, und da hat er uns sein Kästchen gezeigt. Und ich durfte mir auch etwas wünschen. "Ein Märchenbuch" habe ich gesagt. Da hat der Koch einmal geklopft, zweimal und noch einmal - und schon hat in der Schachte das Märchenbuch gelegen, fein auf Pergament geschrieben. Und nun, Kinder, sollt ihr es haben!

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