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König Goldhaar
Ein König hatten einen Sohn mit goldenen Haaren und der Knabe wurde
deshalb Goldhaar genannt. Eines Tages sah der König auf der Jagd einen
riesigen wilden Mann, der ihm als lohnendere Beute erschien als ein Hirsch.
Mit Hilfe seines Gefolges, das er mit dem Horn zu Hilfe rief, gelang es dem
König, den wilden Riesenmann zu fangen.
Der König lud viele andere gleichgestellte ein, mit ihm den prächtigen
Fang zu feiern. Während dessen spielte sein Sohn Goldhaar draußen
mit einem Ball. Er warf ihn dem hinter Gittern sitzenden wilden Mann zu, dieser
warf den Ball zurück. Aber dann behielt der Mann den Ball und gab ihn
erst zurück, nachdem Goldhaar ihm versprochen hatte, ihn zu befreien.
Am Abend, als sein Vater müde und eingeschlafen war, schlich sich
Goldhaar ins Schlafzimmer des Vaters. Er nahm den Schlüssel von der Kette,
die sein Vater um den Hals trug, befreite den wilden Mann und tat den Schlüssel
wieder ganz leise zurück, ohne daß sein Vater, der König, etwas
merkte.
Am nächsten Tag begann das große Fest und der König wollte
seinen Gästen den wilden Riesenmann vorführen lassen. Aber dieser
war verschwunden und der König wurde rasend vor Wut. Er schwor, den Täter
mit dem Tode zu bestrafen und wenn es ein eigenes Familienmitglied sei.
Einer hatte Goldhaar beobachtet und verriet ihn beim König. Dieser
verstieß seinen Sohn und befahl ihn in der Wildnis hinzurichten. Und
als Beweis sollten die Henkersknechte ihm Zunge, Auge und einen Finger mit
heim bringen.
Die Knechte aber brachten es nicht übers Herz und suchten nach einem
Ausweg. Am Waldrand saß ein armer Hirtenknabe mit einem großen
Hund. Den fragten sie, ob ihm die reichen Kleider von Goldhaar gefallen würden.
Sie würden ihm gehören, wenn er dafür im Tausch seinen Hund
und einen kleinen Finger hergeben würde.
Der arme Hirtenbub überlegte nicht lange, biß sich einen kleinen
Finger ab, gab den Knechten den Hund und tauschte mit Goldhaar die Kleider.
Die Knechte jedoch töteten den Hund, nahmen Zunge und Auge von dem Tier
und zeigten dann dem König daheim die Beweisstücke, daß das
Urteil vollstreckt sei.
Goldhaar jedoch verhüllte seine Haare mit einem weißen Tuch
und ging weit weit weg, bis er in einem fremden Land einen Gärtner traf.
Dieser wollte den Knaben in Lumpen zwar nicht behalten, aber da der Bub sich
redlich mühte, gewann er ihn bald lieb.
In diesem Land herrschte ein König, der drei Töchter hatte.
Jeden Tag mußte der Gärtner den Töchtern einen Blumenstrauß
bringen. Goldhaar band ihm diese Sträuße und brachte sie dann bald
selber hin. Und um den Strauß der jüngsten Prinzessin, die die Schönste
war, band er immer eines seiner goldenen Haare. Das gefiel dem Mädchen
und bald mochte sie auch den Gärtnerknaben.
Dann wurde ausgerufen, daß die ältere Tochter des Königs
heiraten und den zum Mann nehmen wolle, dem sie den Blumenstrauß gibt.
Es kamen viele Königssöhne und einen erwählte sie und zog mit
ihm in dessen Land.
Auch die zweite Königstochter verheiratete sich und so blieb nur
noch die jüngste übrig. Als diese nun auch herangewachsen war, wollte
der König sie auch auf die übliche Weise verheiraten. Es wurden wieder
viele Prinzen eingeladen und die Prinzessin sollte den Blumenstrauß einem
davon geben. Der Strauß war aber diesmal ganz mit Goldhaaren gebunden
und so ging die Prinzessin durch die Reihen der Bewerber und sagte dann "es
ist keiner da".
Der König war überrascht, ließ Ritter und andere Adelige
kommen, aber auch von diesen wollte die Prinzessin keinen. Da durften auch
die Bürger und Handwerker kommen und die Prinzessin sah sich jeden an.
Als sie dann Goldhaar entdeckte, gab sie diesem den Blumenstrauß und
heiratete ihn. Fortan durfte sie jedoch nicht mehr im Schloß leben und
ihr Vater war ihr gram.

Bildanmerkung am Ende
Bald darauf wurde der König krank und es erging ein Aufruf an alle,
daß nur Paradiesäpfel ihn retten könnten. Jeder ging auf die
Suche danach, auch Goldhaar. Als er im Wald war, begegnete ihm der wilde Riesenmann.
Dieser gab ihm ein Stäbchen und sagte: "ich weiß was du suchst.
Hier, schlag mit diesem Stäbchen an den Felsen dort drüben. Dann
aber spute dich, sonst bist zu verloren".
Goldhaar nahm das Stäbchen, schlug an den bezeichneten Felsen und
dieser öffnete sich. Er sah einen Zaubergarten in hellem Sonnenschein
vor sich, die Bäume und Sträucher mit goldenen und silbernen Blättern
und Früchten, die aus Edelsteinen bestanden. In der Mitte aber stand der
Paradiesäpfelbaum. Goldhaar rannte hin, riß zwei Äpfel ab und
dann verlor er fast die Sinne, denn so ein herrlicher Duft kam über ihn.
Aber eingedenk der Worte des wilden Riesenmannes beherrschte er sich, wandte
sich sofort wieder um und rannte zum Ausgang des Gartens. Gerade noch rechtzeitig,
denn hinter ihm schloß sich der Felsen mit einem Schlag.
Unterwegs in einem Wirtshaus stieß Goldhaar zufällig auf seine
Schwäger, die ihn aber nicht kannten, da er ja immer das Tuch um den Kopf
hatte. Die beiden Königssöhne wollten von ihm die Paradiesäpfel
haben und er sagte "warum nicht? Aber nur, wenn ihr euch den Galgen auf
den Buckel brennen laßt". Sie waren damit einverstanden, es geschah
und Goldhaar ging wieder als einfacher Gärtner heim.
Nicht lange danach wurde der König wieder krank und diesmal sollte
ihm nur Schlangenmilch helfen können. Goldhaar ging wieder in den Wald,
der wilde Riesenmann öffnete ihm wieder den Weg in den Zaubergarten. Dort
bekam der Gärtner von der schönen Schlangenkönigin zwei Tröpflein
Schlangenmilch. Auf dem Rückweg geriet er aber wieder an die beiden Männer
der Schwestern seiner Frau und wieder wollten diese den Ruhm einheimsen und
die Schlangenmilch haben. Unter der Bedingung, daß sie sich zum Galgen
noch das Rad auf den Buckel brennen ließen, was auch geschah, gab ihnen
Goldhaar die Milch und ging wieder von dannen.
Kaum war der König gesund, brach ein Krieg aus. Alles Volk lief
zusammen und wollte den Feind vertreiben. Auch die Schwiegersöhne kamen
mit Soldaten zur Hilfe. Goldhaar wollte auch helfen, aber seine Frau hatte
Angst um ihn und erlaubte ihm nur, zuzusehen. Im Wald aber traf ihn wieder
der wilde Riesenmann, gab ihm Rüstung, Roß und Waffen und so kämpfte
Goldhaar mit. Aber die Schlacht war nicht entschieden, es kam zu einem Waffenstillstand.
Nach einer Woche begann der Kampf erneut und wieder kam der Riesenmann,
stattete Goldhaar auf das beste aus. Aber er riet ihm, die Schlacht wieder
nicht zu entscheiden. Erst als der Krieg zum dritten mal anfing, erlaubte der
wilde Riesenmann dem Gärtner, mit aller Kraft zu kämpfen und die
Entscheidung zu bringen. Goldhaar hatte nämlich ein unbezwingliches Schwert
und so schlug er alle Feinde zu Boden.
Im Eifer des Kampfes war es aber geschehen, daß der König
seinen Mitkämpfer versehentlich am Fuße selber verwundet hatte.
Nach der gewonnenen Schlacht nahm sich der König das eigene Tuch vom Hals
und verband seinen Helfer. Aber er kannte ihn nicht, denn Goldhaar war von
Kopf bis Fuß in einer Rüstung verborgen.
Nach geraumer Zeit wollte der König ein Festessen veranstalten und
auch diesmal seinen einfachen Schwiegersohn mit einladen. So ging er hinunter
in seinen Garten und eben, wie er den Gärtner suchen wollte, sah er ihn
hinter einer Hecke. Erstaunt mußte der König sehen, daß sein
Gärtner einen wunden Fuß hatte, den er grad mit einem Tuch verband,
das der König als sein eigenes erkannte. Er verbarg aber sein Wissen und
lud den Gärtner ein mit überredenden Worten.
Goldhaar kam dann auch zu dem Festmahl, aber wie gewohnt in seiner einfachen
Kleidung und mit dem Tuch um den Kopf. Sein Platz sollte zwischen den anderen
beiden Schwiegersöhnen des Königs sein. Goldhaar lehnte dies aber
ab mit den Worten "ich sitze nicht zwischen zweien, die Rad und Galgen
auf dem Buckel haben".
Nun mußte er erklären, was er damit meinte und als er dann
erzählt hatte, wie die beiden anderen ihm die Hilfen für den König
abgenommen hatten, war dieser tödlich ergrimmt. Er wollte die beiden Schwiegersöhne
töten lassen, aber Goldhaar bat um ihre Schonung. Doch nun sollte er dem
König erklären, wie er zu der Wunde am Fuß und des Königs
Halstuch gekommen sei, denn letzteres hätte der König nur einem Ritter
gegeben.
Und außerdem verlangte der König jetzt Auskunft, warum Goldhaar
immer mit dem Kopftuch rumlaufe. Just in dem Moment traten Boten aus einem
anderen Land in den Saal. Der König fragte nach ihrem Begehr und
die Abgesandten erzählten ihm folgendes:
"Unser König daheim ist verstorben und wir suchen seinen Sohn,
auch Goldhaar genannt. Dieser hat den wilden Mann besiegt und gleichzeitig
erlöst, denn er war ein verwunschener Prinz. Dieser Sohn unseres Königs
hat den Versuchungen des Zaubergartens und der Schlangenkönigin widerstanden
und ist auch nicht der Verführung des Zauberschwertes verfallen, dadurch
hat er den wilden Riesenmann erlöst. Und er soll in fernen Landen niedere
Dienste tun".
Da mußte Goldhaar nichts mehr erklären, er nahm nur bescheiden
sein Kopftuch ab und die langen goldenen Haare fielen über seine Schultern.
Und so wurde er König daheim und später in diesem Land auch noch,
als er das Erbe seiner Frau, der Prinzessin, antrat.
Bilderklärung: das Bild ist wahrscheinlich aus dem Märchen
Dornröschen, war zwischen losen Seiten eines zerfledderten Märchenbuches.
Ich nehme an, vom Pestalozzi Vlg, denn der hintere Einbanddeckel war noch vorhanden
und trug "P&V" als Stempel. Aber zum Wegwerfen zu schade, daher
hier für Sie. |