Alte deutsche Maerchen 0004

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Eine liebe Kundin aus Regensburg hat mir ein Märchen geschickt, das ein Zeitgenosse der Brüder Grimm gesammelt hat: Franz Xaver von Schönwerth (der bayrische Grimm)

König Goldhaar

Ein König hatten einen Sohn mit goldenen Haaren und der Knabe wurde deshalb Goldhaar genannt. Eines Tages sah der König auf der Jagd einen riesigen wilden Mann, der ihm als lohnendere Beute erschien als ein Hirsch. Mit Hilfe seines Gefolges, das er mit dem Horn zu Hilfe rief, gelang es dem König, den wilden Riesenmann zu fangen.

Der König lud viele andere gleichgestellte ein, mit ihm den prächtigen Fang zu feiern. Während dessen spielte sein Sohn Goldhaar draußen mit einem Ball. Er warf ihn dem hinter Gittern sitzenden wilden Mann zu, dieser warf den Ball zurück. Aber dann behielt der Mann den Ball und gab ihn erst zurück, nachdem Goldhaar ihm versprochen hatte, ihn zu befreien.

Am Abend, als sein Vater müde und eingeschlafen war, schlich sich Goldhaar ins Schlafzimmer des Vaters. Er nahm den Schlüssel von der Kette, die sein Vater um den Hals trug, befreite den wilden Mann und tat den Schlüssel wieder ganz leise zurück, ohne daß sein Vater, der König, etwas merkte.

Am nächsten Tag begann das große Fest und der König wollte seinen Gästen den wilden Riesenmann vorführen lassen. Aber dieser war verschwunden und der König wurde rasend vor Wut. Er schwor, den Täter mit dem Tode zu bestrafen und wenn es ein eigenes Familienmitglied sei.

Einer hatte Goldhaar beobachtet und verriet ihn beim König. Dieser verstieß seinen Sohn und befahl ihn in der Wildnis hinzurichten. Und als Beweis sollten die Henkersknechte ihm Zunge, Auge und einen Finger mit heim bringen.

Die Knechte aber brachten es nicht übers Herz und suchten nach einem Ausweg. Am Waldrand saß ein armer Hirtenknabe mit einem großen Hund. Den fragten sie, ob ihm die reichen Kleider von Goldhaar gefallen würden. Sie würden ihm gehören, wenn er dafür im Tausch seinen Hund und einen kleinen Finger hergeben würde.

Der arme Hirtenbub überlegte nicht lange, biß sich einen kleinen Finger ab, gab den Knechten den Hund und tauschte mit Goldhaar die Kleider. Die Knechte jedoch töteten den Hund, nahmen Zunge und Auge von dem Tier und zeigten dann dem König daheim die Beweisstücke, daß das Urteil vollstreckt sei.

Goldhaar jedoch verhüllte seine Haare mit einem weißen Tuch und ging weit weit weg, bis er in einem fremden Land einen Gärtner traf. Dieser wollte den Knaben in Lumpen zwar nicht behalten, aber da der Bub sich redlich mühte, gewann er ihn bald lieb.

In diesem Land herrschte ein König, der drei Töchter hatte. Jeden Tag mußte der Gärtner den Töchtern einen Blumenstrauß bringen. Goldhaar band ihm diese Sträuße und brachte sie dann bald selber hin. Und um den Strauß der jüngsten Prinzessin, die die Schönste war, band er immer eines seiner goldenen Haare. Das gefiel dem Mädchen und bald mochte sie auch den Gärtnerknaben.

Dann wurde ausgerufen, daß die ältere Tochter des Königs heiraten und den zum Mann nehmen wolle, dem sie den Blumenstrauß gibt. Es kamen viele Königssöhne und einen erwählte sie und zog mit ihm in dessen Land.

Auch die zweite Königstochter verheiratete sich und so blieb nur noch die jüngste übrig. Als diese nun auch herangewachsen war, wollte der König sie auch auf die übliche Weise verheiraten. Es wurden wieder viele Prinzen eingeladen und die Prinzessin sollte den Blumenstrauß einem davon geben. Der Strauß war aber diesmal ganz mit Goldhaaren gebunden und so ging die Prinzessin durch die Reihen der Bewerber und sagte dann "es ist keiner da".

Der König war überrascht, ließ Ritter und andere Adelige kommen, aber auch von diesen wollte die Prinzessin keinen. Da durften auch die Bürger und Handwerker kommen und die Prinzessin sah sich jeden an. Als sie dann Goldhaar entdeckte, gab sie diesem den Blumenstrauß und heiratete ihn. Fortan durfte sie jedoch nicht mehr im Schloß leben und ihr Vater war ihr gram.

Bildanmerkung am Ende

Bald darauf wurde der König krank und es erging ein Aufruf an alle, daß nur Paradiesäpfel ihn retten könnten. Jeder ging auf die Suche danach, auch Goldhaar. Als er im Wald war, begegnete ihm der wilde Riesenmann. Dieser gab ihm ein Stäbchen und sagte: "ich weiß was du suchst. Hier, schlag mit diesem Stäbchen an den Felsen dort drüben. Dann aber spute dich, sonst bist zu verloren".

Goldhaar nahm das Stäbchen, schlug an den bezeichneten Felsen und dieser öffnete sich. Er sah einen Zaubergarten in hellem Sonnenschein vor sich, die Bäume und Sträucher mit goldenen und silbernen Blättern und Früchten, die aus Edelsteinen bestanden. In der Mitte aber stand der Paradiesäpfelbaum. Goldhaar rannte hin, riß zwei Äpfel ab und dann verlor er fast die Sinne, denn so ein herrlicher Duft kam über ihn. Aber eingedenk der Worte des wilden Riesenmannes beherrschte er sich, wandte sich sofort wieder um und rannte zum Ausgang des Gartens. Gerade noch rechtzeitig, denn hinter ihm schloß sich der Felsen mit einem Schlag.

Unterwegs in einem Wirtshaus stieß Goldhaar zufällig auf seine Schwäger, die ihn aber nicht kannten, da er ja immer das Tuch um den Kopf hatte. Die beiden Königssöhne wollten von ihm die Paradiesäpfel haben und er sagte "warum nicht? Aber nur, wenn ihr euch den Galgen auf den Buckel brennen laßt". Sie waren damit einverstanden, es geschah und Goldhaar ging wieder als einfacher Gärtner heim.

Nicht lange danach wurde der König wieder krank und diesmal sollte ihm nur Schlangenmilch helfen können. Goldhaar ging wieder in den Wald, der wilde Riesenmann öffnete ihm wieder den Weg in den Zaubergarten. Dort bekam der Gärtner von der schönen Schlangenkönigin zwei Tröpflein Schlangenmilch. Auf dem Rückweg geriet er aber wieder an die beiden Männer der Schwestern seiner Frau und wieder wollten diese den Ruhm einheimsen und die Schlangenmilch haben. Unter der Bedingung, daß sie sich zum Galgen noch das Rad auf den Buckel brennen ließen, was auch geschah, gab ihnen Goldhaar die Milch und ging wieder von dannen.

Kaum war der König gesund, brach ein Krieg aus. Alles Volk lief zusammen und wollte den Feind vertreiben. Auch die Schwiegersöhne kamen mit Soldaten zur Hilfe. Goldhaar wollte auch helfen, aber seine Frau hatte Angst um ihn und erlaubte ihm nur, zuzusehen. Im Wald aber traf ihn wieder der wilde Riesenmann, gab ihm Rüstung, Roß und Waffen und so kämpfte Goldhaar mit. Aber die Schlacht war nicht entschieden, es kam zu einem Waffenstillstand.

Nach einer Woche begann der Kampf erneut und wieder kam der Riesenmann, stattete Goldhaar auf das beste aus. Aber er riet ihm, die Schlacht wieder nicht zu entscheiden. Erst als der Krieg zum dritten mal anfing, erlaubte der wilde Riesenmann dem Gärtner, mit aller Kraft zu kämpfen und die Entscheidung zu bringen. Goldhaar hatte nämlich ein unbezwingliches Schwert und so schlug er alle Feinde zu Boden.

Im Eifer des Kampfes war es aber geschehen, daß der König seinen Mitkämpfer versehentlich am Fuße selber verwundet hatte. Nach der gewonnenen Schlacht nahm sich der König das eigene Tuch vom Hals und verband seinen Helfer. Aber er kannte ihn nicht, denn Goldhaar war von Kopf bis Fuß in einer Rüstung verborgen.

Nach geraumer Zeit wollte der König ein Festessen veranstalten und auch diesmal seinen einfachen Schwiegersohn mit einladen. So ging er hinunter in seinen Garten und eben, wie er den Gärtner suchen wollte, sah er ihn hinter einer Hecke. Erstaunt mußte der König sehen, daß sein Gärtner einen wunden Fuß hatte, den er grad mit einem Tuch verband, das der König als sein eigenes erkannte. Er verbarg aber sein Wissen und lud den Gärtner ein mit überredenden Worten.

Goldhaar kam dann auch zu dem Festmahl, aber wie gewohnt in seiner einfachen Kleidung und mit dem Tuch um den Kopf. Sein Platz sollte zwischen den anderen beiden Schwiegersöhnen des Königs sein. Goldhaar lehnte dies aber ab mit den Worten "ich sitze nicht zwischen zweien, die Rad und Galgen auf dem Buckel haben".

Nun mußte er erklären, was er damit meinte und als er dann erzählt hatte, wie die beiden anderen ihm die Hilfen für den König abgenommen hatten, war dieser tödlich ergrimmt. Er wollte die beiden Schwiegersöhne töten lassen, aber Goldhaar bat um ihre Schonung. Doch nun sollte er dem König erklären, wie er zu der Wunde am Fuß und des Königs Halstuch gekommen sei, denn letzteres hätte der König nur einem Ritter gegeben.

Und außerdem verlangte der König jetzt Auskunft, warum Goldhaar immer mit dem Kopftuch rumlaufe. Just in dem Moment traten Boten aus einem anderen Land in den Saal. Der König fragte nach ihrem Begehr und die Abgesandten erzählten ihm folgendes:

"Unser König daheim ist verstorben und wir suchen seinen Sohn, auch Goldhaar genannt. Dieser hat den wilden Mann besiegt und gleichzeitig erlöst, denn er war ein verwunschener Prinz. Dieser Sohn unseres Königs hat den Versuchungen des Zaubergartens und der Schlangenkönigin widerstanden und ist auch nicht der Verführung des Zauberschwertes verfallen, dadurch hat er den wilden Riesenmann erlöst. Und er soll in fernen Landen niedere Dienste tun".

Da mußte Goldhaar nichts mehr erklären, er nahm nur bescheiden sein Kopftuch ab und die langen goldenen Haare fielen über seine Schultern. Und so wurde er König daheim und später in diesem Land auch noch, als er das Erbe seiner Frau, der Prinzessin, antrat.

Bilderklärung: das Bild ist wahrscheinlich aus dem Märchen Dornröschen, war zwischen losen Seiten eines zerfledderten Märchenbuches. Ich nehme an, vom Pestalozzi Vlg, denn der hintere Einbanddeckel war noch vorhanden und trug "P&V" als Stempel. Aber zum Wegwerfen zu schade, daher hier für Sie.

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