Murnau am Staffelsee - die Revolution der Murnauer

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Die Murnauer Revolution im Jahre 1698

Der Ort Murnau, einst an der von Garmisch nach Augsburg über Weilheim führenden Rottstraße gelegen hatte 1322 von Kaiser Ludwig, dem Bayern, das Marktrecht verliehen bekommen. Sogar einen eigenen Rat und Gerichtsbarkeit durften die Murnauer haben. Das war in damaliger Zeit eine hohe Ehre und machte aus dem Ort was Besonderes.


Aber, eigentlich gehörte der Grund und Boden mit allem darauf lebenden und toten „Inventar“ dem Bischof von Augsburg. Aber der war um 1330 „ a bisserl klamm bei Kasse“ und verkaufte das ganze Areal an den Kaiser im Jahr 1332. Dieser wiederum hatte Murnau gekauft, um seinem neu gegründeten Kloster Ettal ein zusätzliches Einkommen zu verschaffen und verschenkte seine Erwerbung an das Kloster.


Und das wurde dann ein echtes Problem, denn auf der einen Seite war eine stolze Bürgerschaft und auf der anderen Seite stolze Äbte und ein jeder wollte Herr im Haus sein. Das Kloster wurde nie froh mit den Murnauern, denn die machten, was sie wollten. Und die Murnauer waren eigentlich immer unzufrieden mit der Oberherrschaft von Ettal.

Der einzige Pluspunkt war, daß so manche Gefährdung durch die damaligen Ritterfehden an Murnau vorüber ging, denn mit einem Kloster wollten sich die wenigsten anlegen.


Doch wie gesagt, beide Teile waren des öfteren im Streit und zwar bis zur Säkularisation, bei dem das Kloster dann seinen Bestand verlor. Der „Zoff“ zwischen Murnau und dem Kloster ging schon 1694 los, als sich Abt Roman von Ettal als Grund- und Lehensherr der Murnauer bezeichnete.



Da wurden die Murnauer das erste Mal „stinkig“ und verwiesen darauf, daß sie schon 10 Jahre lang ihre eigenen Herren waren, bevor das Kloster den Grund geschenkt bekam.



Man raufte sich dann zusammen und lebte so lala weiter, aber dann kam es ganz dicke. Im Jahre 1697 wurde ein gebürtiger Weilheimer namens Romuald Heimlinger in Ettal zum Abt gewählt und dieser war ein gar gestrenger (und anscheinend auch eingebildeter) Herr. Zuerst kontrollierte er mal die noch seinem Vorgänger geschickten Marktrechnungen der Jahre 1609 – 1694 und hatte daran etliches zu „mosern“. Er kritisierte einige Geschäfte des Gemeinrechners Mattthias Rieger, der ohne Wissen des Gemeindekämmerers „gschaftelt“ hatte. Auch andere Ratsangelegenheiten wurden vom Abt „gerüffelt“, nach Meinung der Murnauer vollkommen zu Unrecht. Aber damit hätte man leben können, man machte ja sowieso eigentlich, was man wollte.

Doch „dem Faß den Boden ausschlug“ war die Tatsache, daß der geistliche Herr verlangte, ihm als Grund- und Lehnsherren nicht nur die Anerkennung auszusprechen, sondern ihm sogar zu „huldigen“ und zwar genau am 27. Januar 1698. Da wurden die Murnauer ausgesprochen „sauer“, denn „gehuldigt“ wurde nach altem Brauch und Sitte nur einem, dem Landesfürsten. Und jetzt schreib ich mal wörtlich aus dem Bayernland ab, so gut könnt ich es gar nicht formulieren:

„Das ging den Murnauern nicht in den Schädel, je mehr sie darüber nachdachten, je mehr sie redeten und dazu Bier tranken, desto halsstarriger und widersetzlicher wurden sie. Schließlich wurde der Beschluß gefaßt, dem Abt eine Antwort zukommen zu lassen, und wer die Volksseele hier kennt, der wird überzeugt sein, daß diese Antwort an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig gelassen hat, aber auch schon gar nichts.



Der Brief ging ab am 15. Januar 1698, und geholfen hat er nichts, denn Ende Januar erschien der Abt selber, wie angekündigt, im Pflegschloß zu Murnau, verlangte Ablegung der Marktrechnungen und – die Huldigung der gesamten Bürgerschaft im Hofe des Schloßes.


Sic volo – sic jubeo !


Jawohl, aber es kam kein Mensch, keine Seele. In einsamer Pracht schaute der hohe geistliche Herr auf den leeren Hof – ob er auch reingefegt war, weiß der Chronist nicht zu vermelden, wohl aber, daß der Zorn des Prälaten über diese Gehorsamsverweigerung seiner Schäflein gewaltig war und ihn veranlaßte, seinem Willen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln Geltung zu verschaffen.“

Also rief er zwei „Schergen“ die den Marktschreiber Johann Reischl verhaften sollten, denn diesen sah der Abt als Hauptschuldigen des Widerstandes an. Der jedoch, gerade auf einer Kindstaufe tätig, hörte davon und versteckte sich geschickt, so daß er nicht gefunden wurde. Aber dieser offensichtliche Übergriff des Abtes brachte die schon kochende Volksseele auf den Siedepunkt und der Gemeinredner Abraham Gropper fachte die Wut der Menge mit wohlgesetzten Worten noch weiter an. Er rief zu offenem Widerstand auf, zur Not sollte man auch die Sturmglocken läuten und Gewalt müsse mit Gewalt beantwortet werden. Die Murnauer Revolution begann und der Abt ahnte, daß es besser sei zu verschwinden. Er „verdrückte“ sich also in Richtung Berge und Kloster und die Murnauer freuten sich über den Sieg durch ihre Beharrlichkeit und Zusammenstehen aller. Wird wohl anschließend viel Bier geflossen sein.

Der Abt aber brütete finstere Rachegedanken aus, schrieb einen bitterbösen Brief mit seiner Sicht der Dinge und über die Aufrührer in Murnau an den Hofrat in München und versuchte zu dem, den Murnauern zu schaden, wo er konnte. So befahl er seinen Ettaler Amtsleuten und Jägern, den Murnauern aufzulauern und siehe da, einen Murnauer konnte er fangen. Dieser war ins Moos gefahren um Streu zu holen und wurde gefesselt ins Gefängnis von Ammergau geworfen.

Da war der Volkszorn in Murnau wieder groß und dann passierte dem Abt folgendes Mißgeschick. Sein Amtmann und drei Jäger mit geladenen Gewehren kamen nach Murnau und machten sich dort in den Wirtshäusern lästig. Da kamen sie den Murnauern grad recht. Beherzte Bürger entwendeten den Jägern die Gewehre und schworen hoch und heilig, sie erst zurück zu geben, wenn der gefangene Mitbürger wieder frei sei. Gleichzeitig zeigten sie nun den Abt beim Hofrat an wegen der ihnen unberechtigt erscheinenden Forderung einer „Huldigung“ und wegen der Gefangennahme des Mitbürgers.

Nun erging der Befehl aus München, daß der Abt den Gefangenen freigeben müsse und die Murnauer dann die Gewehre zurück zu geben hätten. Gleichzeitigwurden aber auch 18 Bürger von Murnau, darunter die vier Bürgermeister und der schon erwähnte Gemeinredner auf den 18. März 1698 vor das Pflegegericht in Weilheim geladen, um dort über die Vorfälle mündlich zu berichten.

Damals zeigte sich schon die auch heute noch übliche Schlitzohrigkeit der bayerischen Regierung, denn das war nämlich nur ein Vorwand. Kaum waren die 19 Murnauer in der Amtsstube erschienen, da wurden sie auch gleich „ins Loch gesteckt“. Und da dieses Verfahren sich in seiner Einfachheit als sehr nützlich erwies, wurde es gleich fortgesetzt, so daß, wie der Chronist berichtet, das Weilheimer Gefängnis rund 70 Tage lang von Murnauern bewohnt wurde.



So, das war die Geschichte von den starrsinnigen und tapferen Murnauern, hervor gegangen aus bayerischem Bauerngeschlechtern, die auch später noch oftmals gegen die Obrigkeit, so diese ihnen nicht passte, „aufmüpften“.

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Ich verabschiede mich von Ihnen bis zum nächsten Geschichtle oder Ort mit einem
herzlichen „Servus“.

Ihr preussischer Reiseführer in Bayern

Jörg W. Lohfink
Flughafentransfer Muenchen

Bilder abfotografiert aus "Das Bayerland, Jahrgang 1929"

©® J.W. Lohfink

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