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Murnau am Staffelsee
Grüß' Sie Gott, alle miteinander ein alter bayerischer
Willkommensgruß, aber heute mal von einem waschechten Berliner
hier in Bayern.
Wer mir noch nich kennt, der kann mir jetze
kennenlernen!. Mein Name ist Jörg Lohfink, mein Beruf ist
Leute um die Ecke bringen - zum Beispiel vom Flughafen
München nach Garmisch-Partenkirchen
wie heute.
Also für die, die eben sofort an Auftragsmörder
für Schwiegermutter gedacht haben sollten, war wohl nüscht,
ich betreib' ' Flughafentransfer und mache Ausflugsfahrten. Aber für
geplagte Schwiegersöhne ein kleiner Tip, buchen Sie doch mal Ferien
im Allgäu, gleich um die Ecke bei Füssen
in Seeg, do hams jeden Mittwoch Drachenfliegen-Training....
Spaß beiseite, eigentlich muß ich heute
nach Garmisch-Partenkirchen mit meinen Gästen, aber da diese viel
Zeit mitgebracht haben und auch was unterwegs sehen wollen, können
Sie mit meinen Gästen und mir mal eine liebe alte Dame
besuchen. Die Überschrift hat Ihnen ja schon verraten, wen wir
besuchen wollen: die Marktgemeinde Murnau, eine knapp 900 Jahre alte
Dame (ja, ja, die Klugschnacker jetzt wieder - d
i e Gemeinde ist weiblich, also isses ne Dame oder?).
Für die, die noch nie in Bayern waren jibt's det? - kurz
die Fahrtbeschreibung. Wer am Flughafen München ankommt, ca 37
km östlich von München, der fährt Richtung Freising,
dann weiter Richtung BAB München-Nürnberg, am Neufahrner Kreuz
abbiegen in Richtung München, in München auf den Mittleren
Ring Richtung Garmisch, dann auf die BAB München-Garmisch-Partenkirchen
und beim Starnberger Kreuz rechts ab nach Starnberg.
Und dann sind wir schon auf der alten Olympiastraße, die durch
Starnberg über Weilheim und Murnau nach Garmisch-Partenkirchen
führt.
Aber ich habe ja versprochen, wir fahren in die Landschaft. Nach einem
kleinen Stopp in Starnberg nehm ich nicht die alte Olympiastraße,
sondern fahre am Starnberger See entlang. Die Orte Bernried
und Seeshaupt sind nämlich auch wunderschöne Haltestellen,
können Sie sich auch virtuell bei mir anschauen nachher. Von Seeshaupt
geht's dann nach Weilheim, wo ich die alte Olympiastraße wieder
packe. Und nun sind es nur noch knappe 25 Kilometer, dann
erreichen wir unsere alte Dame.

Hier schon mal ein Teenagerbild der Marktgemeinde, da war
sie schon rund 400 Jährchen alt. Die frühesten Erwähnungen
von Murnau stammen nämlich aus dem Jahr 1180, das Bild hier von
1556.
Den alten Erzählungen zufolge (ich habe etliches
im Bayerland von 1929 gefunden) muß wohl der erste
Grund für das Entstehen des Ortes eine Imbißstation
anno dunnemals gewesen sein. Denn ze Murnaw wurde des
reychs gut auf die rott nydergelegt und darnach auf die rott wider
aufgebn.
Det heißt auf Neudeutsch: hier wurde für
die von Garmisch nach Weilheim ziehenden Kaufleute, die eine Gesamtstrecke
von knapp 45 km vor sich hatten, eine Würstelbude aufgestellt
zum Rasten. Die Rott war die Handelsstraße damals,
also wurden die Waren auf der Straße niedergelegt und dann wieder
aufgenommen beim Weiterfahren.

Hier ist unsere Dame schon wieder ein bisserl erwachsener
geworden, knapp 150 Jahre später wurde dieses Porträt
von Murnau angefertigt. Auf beiden Bildern sehen Sie übrigens
zwei ganz schöne Kästen von Häusern, das
eine natürlich das Schloß vom Fürschten, das andere
das Haus des Herrn. Die ganz kleenen Häuschen, das waren die von
denen, die die anderen beeden Häuschen bauen und bezahlen mußten.
Na ja, ist ja heute nicht anders.... :_)
Mittlerweile haben wir jetzt schon Murnau erreicht und hier können
Sie sehen, wie Murnaus Hauptstraße aussah und immer noch aussieht.

Wohlgemerkt übrigens, die Schwarz-Weiß-Fotos sind alle von
1929 von mir jetzt abfotografiert. Es ist nämlich wirklich
bemerkenswert, wie die Murnauer übrigens schon früher
sehr auf Tradition achtend

die alten Werte, soweit wie möglich erhalten haben. Sie werden
es nachher bei dem Rundgang mit mir an meinen aktuellen Fotos sehen.
Damit die Schönheit des Ortes erhalten bleibt, hat man in Murnau
die Hauptstraße jetzt übrigens für den Durchgangsverkehr
(in den 80 Jahre mehr Stau denn Fahren) gesperrt und eine gute Umgehung
sowie etliche wirklich ideal gelegene Parkmöglichkeiten geschaffen.
Und da habe ich uns ein Plätzchen gesucht und hier sehen Sie das
jetzige Murnau von hinten

Keine Angst beim nächsten Bild, auch wenn die Architektur modern
erscheint, man hat doch darauf geachtet, daß die neuen Häuser
sich ins Ortsbild einfügen

Nun kommen Sie mit, ein Stündlein Fußmarsch ist angesagt.
Und obwohl wir immer noch hinter dem Zentrum sind (nur 3 Minuten) haben
unsere Augen doch schon ganz schön zu tun

*

*

Unsere ersten Schritte führen uns zum ehemaligen Schloß
von Kaiser Ludwig, den Bayern, der die Marktgemeinde Murnau erst förderte
und dann schnöde verhökerte.

*

Sie sehen, die Murnauer haben den alten Kasten pfleglich
behandelt, sieht eigentlich heute besser aus, wie im Jahr 1929. Das
nachfolgende Bild vom Schloßhof sah 1929 auch nicht anders aus,
nur heute ist er renovierter.

Dort ist übrigens auch das Heimatmuseum untergebracht, ist lohnenswert,
zu besuchen. Mein obiges verhökerte ist nur teilweise
richtig. Das Gebiet, in dem Murnau damals lag mit Maus und Mann,
gehörte dem Bischof von Augsburg. Und Kaiser Ludwig kaufte det
Janze wie et war und was druff wuchs, lebte und stand für
ein erkleckliches Sümmchen und schenkte dann das Neuerworbene
seinem in Ettal gegründeten Kloster.

Das war dann aber leider ein Problem für beide Seiten, die Murnauer
und das Kloster Ettal, Sie können es an den beiden Herren
und deren Gesichtsausdrücken sehen. Falls Sie interessiert, was
da in Jeschichte los war, dann gehen Sie nachher auf diese
Seite die Revolution der
Murnauer im Jahre des Herrn 1609. Da war schon wat
los, können Sie mir glauben.
Aber wir gehen jetzt auch wieder los, nämlich zu einem der schönsten
Geschenke, die Murnau eigentlich durch das Kloster Ettal
erhalten hat, die Pfarrkirche St. Nikolaus.

Je näher wir kommen, desto schöner werden die Ausblicke.

Vom Friedhof kommend haben wir übrigens einen herrlichen Blick
auf die Garmischer Bergwelt

und die umgebenden Hänge.

Anscheinend ist an dem Platz, wo die St. Nikolaus Kirche steht, immer
eitel Sonnenschein, denn den außen in einer Nische angekettteten
Heiland schützt weder eine Glasscheibe noch ein
Rollo.

Ein Blick ins Innere läßt uns die Verspieltheit und Liebe
zum Detail der Künstler im Barock und Rokoko sofort sehen.

Das Altarbild ist das schönste Werk des Lechrainmalers Bader und
das uralte Bild der Mutter Gottes soll früher wundertätig
gewesen sein. Hier noch ein Seitenaltar.

Zu meiner Schande muß ich jetzt gestehen, daß andere Detailbilder
von dieser schönen Kirche nicht möglich waren. Die Batterien
in der Kamera waren alle. Nachher hab ich zwar welche bekommen, aber
dann fehlte die Zeit, um nochmal zurück zu gehen. Müssen
Sie eben selber hinfahren und gucken!

Dieser hübsche Bau ist nicht von irgendwelchen Griechen oder Römern
übrig geblieben, nein, es ist eine eindruckvolle Erinnung an die
Gefallenen der Kriege. Mal ein etwas anderes Kriegerdenkmal als wie
sonst gewohnt.

Jetzt aber auf in die Mitte von Murnau, ins brodelnde Zentrum. Wenn
die Sonne lacht, dann wird aus der einst einfachen Hauptstraße
ein Treffpunkt für Jung und Alt, seit der Verkehrsumführung
ein wunderbarer Platz zum Flanieren, Einkaufen oder auch nur die schöne
Gegend genießen bei einem Kaffee oder einem Bierchen.

So, nun vergleichen Sie mal mit dem Bild von 1929, alle Häuser
gleich, nur heute viel mehr Leben in der Bude. Ein anderer
Vergleich mal schnell, links die Mariensäule vor knapp 80 Jahren,
recht von heute.
*

Nur der Baum von damals hat nicht überlebt, vermutlich war er
dem Verkehr im Wege. Aber heit' könnt'n 's ja wieder ein pflanzen
:-).
So, anfangs hatte ich Ihnen erzählt, daß Kaiser Ludwig der
Bayer zuerst der Oberchef von Murnau war. Wollen Sie den
Herrn mal sehen?

Am Rathaus hat man ihn verewigt, das Haus steht übrigens an der
Stelle, wo ganz früher die erste Würstelbude
- also die Rott-Niederlage oder Rottstation und dann später auch
noch das Kornhaus gestanden haben.
Wie, der Kaiser kommt Ihnen zu mickrig vor? Dem kann ich abhelfen,
hier ging meine Kamera mit frischen Batterien wieder.

Wenn wir schon auf der Seite hier stehen, dann schauen wir hier auch
mal die Hauptstraße hoch.

Sehen Sie das hübsche Türmchen in der Mitte? Das ist das
Mariahilfkirchlein, eine ganz kleine liebevoll eingerichtete Kirche,
war eine Stiftung einer Brauerswitwe im Jahr 1628. Aber für den
Bau hat man damals 27 Jahre gebraucht nee, nicht weil die Maurer
immer das Bier testen mußten. Das Problem waren die Schweden,
die zu der Zeit versuchten, in Deutschland die evangelische Religion
mit Feuer und Schwert zu verbreiten. Der dreißigjährige
Krieg machte auch vor Murnau nicht halt. Und auch nicht die Pest, die
ganz Europa heimsuchte.

Hier ein Bild von einem Pestzug in Murnau. Aber ich wollte Ihnen ja
noch das Mariahilfkirchlein von innen zeigen.

Die Statue ist ein wunderbares Beispiel für die Liebe zum Detail
bei den alten Künstlern.

Und damit auch das Jungvolk unter den
Gläubigen besser überzeugt werden konnte, hat man schon früher
eine Art Videospiel gegen Bares gehabt.

Man werde eine Münze ein und einige Krippenfiguren werden lebendig.
Ach du liebes Lieschen, so spät schon? Jetzt haben Sie ja den
zweiten Teil von der Überschrift, den Staffelsee, ja noch gar
nicht gesehen. Dem wird übrigens eine heilkräftige Wirkung
zugeschrieben und man kann in ihm schon baden, wenn es in anderen bayerischen
Seen nur zu einer Gänshaut reicht. Auf der Insel Wörth im
See soll übrigens mal eine Kirche gestanden haben, die man dann
zum Festland rüber geschoben hat.

Hier jetzt erst mal eine zeitgenössische Darstellung
des Sees von janz früher. Nun könnte ich zwar
noch schnell mit Ihnen hinfahren und vom Ufer ein paar Wasserfotos
machen. Aber det is ooch nich det Wahre. Also nehmen wir
einfach ein Flugzeug und machen eine Luftaufnahme.

Ganz schön groß, der See, wa? So hat er 1929 von der guten
alten Tante Ju aus ausgesehen, das Bild hab ich natürlich
auch aus dem Bayerland abfotografiert, wer kann sich denn heute als
Kleener 'n Privatflieger leisten. Ick nich !
Aber dennoch mach ick jetzt 'n Abflug und zwar weiter nach Garmisch-Partenkirchen.
Sie können ja gern noch ein bisserl weiter hier in Bayern rumstöbern,
links im Wegweiser finden Sie noch viele wunderbare Plätzchen.
Und wer gerne liest, der kann in meinen beiden Bücherläden
durch die Regale schlendern, vielleicht findet er was schon lange Gesuchtes.
Wenn ich nämlich nicht mit Leuten durch Bayern juckel,
dann war mein Hobby alte Bücher grabbeln und wurde
bis heute zum Zweitberuf. Das heißt, stundenlang tippen, sortieren
und in die Regale stellen. Ist alles vorhanden, von Kinderbüchern
über Romane bis zu Geschichte und mehr. Schauen Sie einfach mal
rein in meine Buecher-Fundgrube
oder den Buchladen-Joerg.
Ich würd mich natürlich auch riesig freuen, wenn Sie mal
bei mir an Bord kommen würden da zeig ich Ihnen
dann von Bayern die schönsten Plätzchen, nicht nur die Touristenmagneten
und fallen.
Also denn tschüß, ich muß weiter. Bis zu einem nächsten
Besuch bei mir im preussisch-bayerischen Reiseführer oder an
Bord selber
herzlich Ihr Jörg W. Lohfink
Flughafentransfer München
©® J.W. Lohfink |