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Neuötting die eigenständige Schwester
von Altötting
Und wieder mal ein freundliches Hallo zu den Stammgästen und
ein herzliches Grüß Gott zu den neuen Besuchern
meiner Webseite. Wer mir noch nicht kennt, ich bin ein
Berliner in Bayern, bring Leute um die Ecke (mit meinem Wagen vom Flughafen
zum gewünschten Ziel oder vom Hotel von A nach B) und stelle so
nebenbei schöne Plätzchen in Bayern vor. Genauso, wie ich
sie selber gesehen habe.

Heute fahre ich mit Ihnen nach Neuötting, liegt gleich um die
Ecke bei Altötting.
Wer da auch noch nicht war, entweder auf meiner Webseite mal anschauen
oder bei einer Fahrt vom Flughafen München nach Passau
ein bisserl Zeit einplanen. Und wenn wir genügend Zeit haben,
dann hupfen wir gleich weiter in unser heutiges Ziel.
Oft genug bin ich selber schon dran vorbeigefahren, obwohl ein Hinweisschild
auch auf eine historische Altstadt aufmerksam machte. Richtig neugierig
wurde ich jedoch beim Erstellen meiner Webseite von Burghausen
und den Held der Stadt, den Kaminfegermeister Cura.
Dieser hatte nämlich zu Zeiten österreichischer Besetzung
Neuötting überfallen, doch das können Sie
auf der Burghausener Seite selber lesen.
Nun erstmal kurz die grobe Fahrtrichtung für die Interessierten
unter Ihnen: vom Flughafen München fahr ich am liebsten über
Landshut, dann Richtung Altötting
und dort dann in Richtung Wasserburg.
Die Ausfahrt nach Neuötting kommt einige hundert Meter nach der
Abzweigung nach Altötting.

Die Stadt liegt irgendwie ein bisserl versteckt hinter vielen Bäumen,
obwohl sie auf einem Berg liegt. Beim Vorbeifahren auf der Bundesstraße
sieht man eigentlich kaum etwas. Aber wenn man dann einfährt,
dann sieht man sehr schnell das Burghauser Tor und gleich links davor
gibt es schon schöne Parkmöglichkeiten.
Wer mir jetzt nicht glaubt, daß Neuötting auf einem Berg
liegt, der braucht nur das nachfolgende Bild genau anzuschauen.

Da geht es ganz schön steil runter in Richtung Inn, der übrigens
für die Stadt früher durch den Salzhandel und die Inn-Schiffahrt
eine sprudelnde Einnahmequelle bot. Und damals, im Mittelalter, gab
es auch schon die Landstraße von Salzburg
über Traunstein, Altenmarkt,
Wasserburg nach Landshut
und München. So war ganz früher Ötting schon ein Handelsknotenpunkt.
Vom Inn die Händler von den Schiffen luden ihre Waren ab und die
fahrenden Händler transportierten sie dann weiter, da war die
Stadt ein Wirtschaftszentrum.
Doch so um 900 rum bekamen die Öttinger Besuch von den Ungarn,
die waren damals noch ein bisserl wuider als heute die
Hooligans. Nach deren Besuch war von Ötting nicht
mehr viel übrig als rauchende Trümmer. Also bauten die Überlebenden
die Stadt wieder auf und zwar diesmal an zwei Stellen, die eine kennen
Sie schon als Altötting und die neue, diesmal befestigte Siedlung
hieß dann Neuötting.
Nun aber rin ins Städtchen, hinten
können Sie schon die knapp 500 Jahre alte Stadtkirche St. Nikolaus
sehen.

So knapp 100 m weiter rechts ist dann in einem kleinen Gässlein
eine kleine Kirche zu sehen, bin ich natürlich hin. Aber mit reingehen
war nichts, ist geschlossen und sieht auch ein bisserl verwaist
aus. Gibt anscheinend nicht genügend Protestanten in der Stadt,
denn das ist die evanglische Christuskirche seit 1931. Sie sollten
aber trotzdem meinen Fehlgang nachmachen, denn das kleine
Stückerl Haus links daneben ist nämlich der sogenannte Pfennigturm.
Weiß ich aber erst heute, sonst hätte ich Ihnen das gute
Stück besser fotografiert.

Neuötting hatte nämlich zwei Jahrhunderte ein Münzrecht
und dort war die Prägestätte. Wenn Sie also im Mittelalter
beim Bäcker ein Brot haben wollten, dann hätte der Ihnen
vielleicht gesagt ham'se zwei Öttinger? So hießen
die dort geprägten Pfennige.

Bedingt durch den Sonnenlichteinfall bin ich wieder über die
Ludwigstraße rüber, das ist die Hauptstraße durch
die Altstadt vom Burghauser bis zum Landhuter Tor, sehen Sie übrigen
nachher, und hab in die Frauengasse geschossen (nix Falsches
jetzt denken, ja ?) mit der Kamera. Hier können Sie nämlich,
wie auch auf dem oberen und einem anderen Bild nachher, gut sehen,
wie die Häuser in sich abgestützt wurden früher beim
Bauen.

Auffallend ist in Neuötting schon mal der sogenannte Inn-Bau-Stil,
liebevolle Fassaden und in verschiedenen Farben.

Auch die Regenwasserableitung ist schon gänzlich anders als
im Oberbayerischen oder sonstwo in Deutschland. Diese Art der Wasserführung
ist mir schon in Passau zum ersten Mal aufgefallen, habe ich Ihnen
dort übrigens auch schon bildlich festgehalten.

Doch wieder zurück auf die Seite, wo ich gerade mit Ihnen lang
schlendere. Hier sehen Sie das Rathaus, hat übrigens einen sechsgeschossigen
Turm, wie ich aus der Webseite
der Stadt Neuötting entnommen habe. Merken Sie sich
mal das rote Haus daneben, da gehen wir nachher mal rein.

Hier ein Blick ins Metzger-Gaßl, auch hier sehen Sie, wie
tief es bergab geht in Neuötting. Diese Gasse muß meiner
Ansicht nach mal Schauplatz eines Mordes gewesen sein, denn

wenn das Schild sagt, es hieß früher Neue Gasse, links
und rechts keine Tür, düster vielleicht hat da mal
jemand jemanden gemetzgert. Aber wie gesagt, ist nur ne
Vermutung von mir ganz persönlich.

Fast die gesamte linke Straßenseite der Ludwigstraße
hat diese wunderschönen Arkaden, wenn's regnet, laufen bestimmt
alle Neuöttinger nur links (Mann, muß das dann ein Gedrängel
sein :-). Hier waren früher sicherlich die ganzen Handelsgeschäfte
und die Waren waren dann ausgestellt, die die Inn-Schiffer mitgebracht
hatten.

Wenn man mit offenen Augen durch die Stadt schlendert, dann kann
man auch so manches andere Schöne sehen, so wie hier eine wunderschöne
Außenmalerei. In Oberammergau nennt man das Lüftlmalerei.

Geradeaus sehen Sie jetzt das Landhuter Tor, ist ziemlich im Dunkeln
und führt den alten Stadtberg hinunter. Gleich links
ist der Eingang in die Stadtkirche St. Nikolaus und da gehen wir jetzt
natürlich auch kurz rein.

Das Hauptschiff der dreischiffigen Kirche ist allein
durch die Höhe und die Schlankheit beeindruckend.
Dann sind die vielen bunten Kirchenfenster ein Genuß für
Liebhaber dieser Kunst. Nachfolgend mal drei Schnappschüsse



Bei den Bildern vom Altar muß ich gestehen, da hab ich, wahrscheinlich
vor Hunger, zu sehr gezittert, alle unscharf. Das Spitzerl
ist grad noch gut gelungen.

Dann mal rechts ins Seitenschiff, da fragte mich eine wunderschöne
Statuette hast Du Töne? und zeigte mir, wie man solche
fabrizieren kann.

Da mußte ich natürlich erst mal schauen, wo die Musike
installiert ist. Hier sehen Sie die Orgel, die machtvoll erscheint
und künstlerisch, aber nicht zu sehr barockisiert, aussieht.

Aber auch die Liebhaber von Barock sollen nicht zu kurz kommen.
Hier noch ein Bild auf den Altar im rechten Seitenschiff.

Und dann knurrte mir der Magen, und wie ! Also winkte ich dem fröhlichen
Engel noch mal zu und dann nix wie raus in den Sonnenschein und schauen,
wo es was zum Beißen gab.

Erinnern Sie sich noch weiter oben? Das rote Haus neben dem Rathaus?

Da zog es mich unwiderstehlich hin. Hatte ich doch schon beim Vorbeigehen
einen Blick auf die dort angebotenen Leckereien geworfen.

Und schon war ich drin, in einem Wiener Kaffeehaus!

Hier ist die nette Bedienung schon am Fertigmachen meiner Portion.

Jetzt fragen sich sicherlich einige, was kriegt der für
die Werbung? Nix ! Ich muß Ihnen sagen, mir hat es dort
erstmal unheimlich gut gefallen. Dann waren die Kuchen wirklich gut
und auch preiswert !!! Und der Besitzer, Herr Bonauer, nahm sich die
Zeit und erzählte mir ein bisserl über die Stadt. Zum Beispiel
das mit dem Namen nach dem verheerenden Brand ganz früher.

Ein anderer Grund für den kleinen Bericht über
diese Konditorei liegt im Bild über diesem Text und im nachfolgenden
Bild.

Das Haus, in dem diese Konditorei im Stil eines Wiener Kaffehauses
besteht, ist ein wunderbares Beispiel für die alten Bürgerhäuser.
Einige von ihnen haben nämlich innen kleine Höfe, hier beim
Bonauer wie ein Wintergarten ausgebaut und dann noch eine
Terasse außen an der ehemaligen Stadtmauer.
Aber nachdem ich dann gesättigt und getränkt
war (mit Kaffee), machte ich mich auf den Rückweg zum Wagen. Dabei
bin ich nochmal in die Frauengasse

denn der Brunnen gefiel mir richtig und der Ausblick durch das kleine
Seitentor war auch schön. Da war dann noch so ein Seitengässlein
und urplötzlich stand ich vor einem ehemaligen Kloster. Dieses
liegt gleich neben dem Burghauser Tor und hat auch noch eine kleine
Klosterkirche, die Sie einfach mal besuchen sollten.

Einfach und schlicht, aber dennoch sehr schön. Die Altarbilder
sind auch sehr eindrucksvoll.

Und beim Hinausgehen fiel mir noch eine Jesus-Statue auf, die mich
echt ergriffen hat. Zumal sie auch noch in einer Nische verborgen ist.

Manche Dinge sieht man einfach nur, wenn man ein bisserl herum schaut
und nicht nur kurz durch die Eingangstür. Und mit der Vergrößerung
der Kamera bekommt man dann noch einen fröhlichen Abschiedsgruß
mit.

Der kleine Kerl hat bestimmt auch grad so staubige Schuhe, wie meine
nach dem Rundgang in Neuötting waren, geputzt, schauen Sie mal
seine recht Hand an. Aber er winkte scheinbar und das mache ich jetzt
symbolisch auch mit einem Augenzwinkern Neuötting ist ein
schönes besuchenswertes Städtlein. Und besuchen Sie
auch mal die Webseite der
Stadt - Sie werden staunen, was es da alles gibt oder gab.
Nur ein kleiner Hinweis: von 1906 - 1930 hatte das Städtlein "das
Bockerl". Das war eine Dampfstraßenbahn, die bis nach Altötting
fuhr. Mich tät ja interessieren, hieß das Bähnle
so, weil man wie auf'm Bock saß oder weil die des öfteren
"bockte"?
Bleibt nur eines, fahren Sie selber mal hin oder mit mir, ich würde
mich freuen.
Nachtrag vom September 2009: der Marktplatz von
Neuötting ist nun fertig und strahlt in neuem Glanz, nachfolgend
einige neue Bilder

nun ein Blick in die andere Richtung

und noch eines, wo man sieht mit welcher Liebe die
Bürger ihr Städtlein hergerichtet haben

Wenn Ihnen dieser kleine Bericht wieder Freude am Lesen gebracht
hat und Sie sowieso gern lesen, dann besuchen Sie doch mal meine beiden
Internetantiquariate (auch links oben im Wegweiser). Habe viele schöne
alte Bücher dort im Angebot. Muß ja noch von was anderem
leben, kann ja nicht immer nur Leute um die Ecke bringen.
Mit fröhlichen Grüßen
Ihr preissischer Reiseführer in Bayern
Jörg W. Lohfink
©® Text und Bilder J.W.Lohfink |