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Romantisches Nördlingen - äh, Nördlingen
an der Romantischen Straße, stimmt beides!
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Hallo, da bin ich wieder, Ihr boarischer Preiss und Reiseführer
vom Flughafentransfer München in und durch Bayern. Heute möchte ich
Ihnen ein anderes verstecktes Städte-Juwel in Bayern vorstellen, die Stadt
Nördlingen im Ries.
Selbst in Astronautenkreisen ist diese Stadt bekannt, doch davon ein
wenig später, jetzt sollen Sie erst mal wissen, wo Nördlingen liegt.
Direkt an der Romantischen Straße,
man könnte fast sagen, so in der Mitte. Vom Münchner FlughafenFranz-Josef-Strauß
sind es in etwa 150 Kilometer bis Nördlingen, wobei wir die Autobahn München-Stuttgart
bis Augsburg benutzen und dann weiter über die Bundesstraße B 2
bis Donauwörth fahren. Von dort geht dann die Bundesstraße 25 direkt
nach Nördlingen.
Schon von weitem sieht man das Wahrzeichen der Stadt, den 90 Meter hohen
Daniel, wie der Glockenturm der spätgotischen Hallenkirche
St. Georg genannt wird. Von diesem Turm erschallt übrigens täglich
fünfmal der Türmer-Ruf So, G'sell, so, was soviel wie
Spitzbube bedeutet. Die Erläuterung dieses alten Brauches
wie gewohnt weiter unten als örtliche Sage oder Legende. Dort können
Sie dann auch lesen, was eine Sau-Predigt ist - wer jetzt nämlich
meint, der Pfarrer war ein ganz Wüster, der irrt sich gewaltig.

Doch erstmal zurück zum Städtchen. Ein ganz schnuckeliges übrigens,
von einer Stadtmauer mit 5 Toren, 16 Türmen und 2 Bastionen umgeben. Sogar
der Wehrgang ist noch vollständig erhalten und kann begangen werden. Die
Mauer stammt aus dem 14. Jahrhundert, wurde dann im 16. Und 17. Jahrhundert
verstärkt und ausgebaut. Die Zeiten waren recht rauh damals. 1634 zum
Beispiel wurde Nördlingen von 33 000 Mann des Kaiserlich-Katholischen
Heeres belagert, beschossen und bestürmt. Drei Wochen lang dauerte es,
bis die Stadt eingenommen werden konnte. Zum Glück für uns heute
waren die damaligen Kriege noch nicht ganz so zerstörerisch, sonst würde
uns das Flair dieser mittelalterlichen und jahrhundertelang Freien Reichsstadt
nicht mehr fesseln können. Bayrisch wurde Nördlingen übrigens
erst 1802/1803, da war es dann vorbei mit der Freien Reichsstadt.

Vollkommen unvergänglich für alle Zeiten ist jedoch die Einmaligkeit
der geographischen Lage. Meine Überschrift lautet ja auch (frech wie ich
bin) die Stadt im Krater.
Aber keine Angst jetzt, die Nördlinger leben nicht in einem Vulkan,
aber den Krater gibt es wirklich. Das Ries, wie die Gegend dort heißt,
ist nämlich eine auf der Erde fast einmalige Einschlagstelle eines riesigen
Meteoritens, der vor ca 15 Millionen Jahren dort seine Landung arrangierte.
Ob der vielleicht Schuld am Aussterben der Dinosaurier hatte? Nix genaues weiß
man nicht, sagt man hier, aber eines weiß man ganz gewiß. Diese
Kraterlandschaft mit ihrem Ringwall ist so einzigartig, daß sogar unsere
amerikanischen Freunde ihre Jungs von Apollo 14 und 17 im Jahr 1970 rüberschickten,
um die Mondlandungen zu üben.
Tja, meine lieben Freunde, det is Bayern, Berge
ham wa, Seen ham wa, alte Schlösser
und Burgen ham wa und warum ham wa noch keene Raumfahrt? Weil wir gar
nicht auf den Mond brauchen, wir haben unseren eigenen Krater und praktisch
veranlagt, wie mir Bayern san, wurde er halt gleich mit der Stadt
Nördlingen bebaut. Für die Touristen gibt es ein Kratermuseum mit
mannigfachen Forschungsergebnissen und Unterlagen.
Wer von Ihnen jetzt schon fiebrig drauf gewartet hat, wann die ollen
Römer und Kelten wieder bei mir und in Nördlingen
auftauchen, jetzt ist es soweit. Also, die Jungs aus dem Süden waren natürlich
auch hier, ein römisches Kastell und eine Zivilsiedlung wurden schon ausgebuddelt.
Aber so um 233 der Zeitrechnung haben die wohl das Weite gesucht wegen der
Kältn in dem Gebiet. Die Herren Germanen mit dem e
im Namen waren hier nämlich nicht, dafür gab es andere, die nannten
sich Alamannen. Wer mit Geschichte etwas vertraut ist, weiß aber, mit
denen war auch nicht zu spaßen, sollen ebenfalls ganz schöne Raufbolde
gewesen sein. Hab' ich übrigens ein dolles Buch von: "Thiota die
Alamannenkönigin" - schauen Sie mal in meinen Buchladen-Joerg.

Die späteren und heutigen Nördlinger sind das aber nicht. Im
Gegenteil, Touristen sind gern willkommen. Stadtrundgänge sind gut organisiert,
Gastronomie und Handel bieten für jeden Geschmack vielfältige Auswahl
und auch die Umgebung von Nördlingen selbst ist ideal für Freizeit
und Erholung. Beinahe hätte ich es vergessen, in Nördlingen gibt
es auch ein Eisenbahnmuseum mit etlichen alten Loks, ähnlich wie das in
Rosenheim. Aber keine für daheim, sondern
die echten großen von anno dunnemals. Für Eisenbahnfans ein herrlicher
Ausflug also.
Im dreijährigen Turnus übrigens macht die Stadt Nördlingen
eine Zeitreise zurück ins Mittelalter, in zwei Jahren dürfte es wieder
soweit sein und Sie könnten mitreisen, wenn Sie wollen. Das Historische
Stadtmauerfest der ehemals Freien Reichsstadt
Nördlingen zeigt Ihnen dann von alter Handwerkskunst bis hin zu Ritter-
und Reiterspielen die alte Art zu leben. Ein Erlebnis für jung und alt,
Tausende alter Kostüme, Lustbarkeiten, kulinarische Genüsse nach
alten Rezepten - also wie wär's mit einer Fahrt zur Romantischen
Straße und nach Nördlingen? Lohnt sich auch ohne das große
Fest, denn es ist dort sehr schön.

Für Geschichtsliebhaber ist "gleich um die Ecke" ein anderes
lohnendes Ziel, im "Ausland", jawoll. Für uns Bayern ist alles
außerhalb der Landesgrenzen "Ausland" oder "Preussen",
also schick ich Sie zu denselben. Machen Sie doch mal einen kleinen Ausflug
nach Baden-Württemberg (ins Schwoabe-Ländle, wo de Spätzles-Esser
wohnen). Nicht weit von Nördlingen liegt Ellwangen, auch ein hübsches
kleines Städtchen. Dort gibt es das Alamannen-Museum mit interessanten
Ausstellungen. Alamannen ? Nun, das waren so ähnliche Herrschaften wie
die Kelten bei uns, ein germanischer Volksstamm vom 3. bis 8. Jahrhundert und
recht kämpferisch. Heut sind sie halt verschwunden, aber in Ellwangen
hat man sie "ausgebuddelt". Müssen Sie übrigens auch ein
wenig auf der Webseite des
Alamannen-Museums machen, mit der Maus ein wenig "buddeln" sonst
finden's nix. "Sie müsset wisse, mir Schwoabe gebet nix (freiwillig)".
Ja und nun kommt der ergötzliche
Teil für die Geschichtenliebhaber. Ein Nördlinger hat mir diese Legende
geschickt und jetzt weiß ich, daß die Stadt Nördlingen am
7. Januar 1440 Schwein gehabt hat und weshalb Bier in Bayern schon
seit Jahrhunderten als für viele Sachen nützliches Getränk angesehen
wird. Denn wenn die gute Frau ihrem Mann nicht noch ein Bier geholt hätt,
dann hätt sie nicht die Sau gesehen und die Nördlinger wären
vielleicht zur Sau gemacht worden.
Und noch ein Nachtrag - vor knapp anderthalb Jahren bekam
ich einen netten Brief, in dem mir verraten wurde, wer das Gedicht "verbrochen"
hatte. Verbrochen, weil die Nachfahren des Hauses Wallerstein nicht arg erbaut
waren darüber. Zu meiner Schande muß ich gestehen, erst hatte ich
keine Zeit, dann hab ich den Brief verräumt und erst jetzt komm ich dazu,
den Autor der nachfolgenden "Ballade" zu nennen - es war der ehemalige
Stadtarchivar von Nördlingen, Herr Dr. Gustav Wulz.
Aber jetzt genug meiner Worte, hier der Originaltext:
So, G'sell, so!
Das war Graf Hans von Wallerstein, der leerte manchen
Humpen.
Doch schließlich konnt's nicht anders sein: Kein
mensch wollt ihm mehr pumpen.
Das sprach der Graf: "schockschwerenot, soll ich
vor Durst erschlaffen,
indes den Wein der liebe Gott zum Trinken hat geschaffen.
In Noerdlingen hat man das Geld, das mir in meinem Beutel
fehlt.
Man braucht es nur zu holen. Geraubt ist nicht gestohlen!"
Jedoch die Mauern, die sind hoch und dick und wohlbestückt.
Am Tor, da ist allein das Loch, wo es vielleicht mir
glückt.
Der Torwart ist ein Erzfilou, der läßt um
Geld sich dingen,
sperrt er bei Nacht das Tor nicht zu, so wird es mir
gelingen.
Dann gnad Euch Gott, ihr Bürgerpack, ich greif Euch
tief in Euren Sack,
mit Euern schönen Gulden zahlt Ihr mir meine Schulden.

Blick auf's Reimlinger Tor mit Daniel
Der Graf, der schickt zum Torwart ein den schlausten
der Getreuen:
"Dein Schaden, Torwart, soll's nicht sein, es wird
Dich nicht gereuen.
Lehn' heute Nacht Dein Tor nur an, laß offen es
ein wenig.
Graf Hans, der ist ein nobler Mann, der zahlt Dich wie
ein König".
Der Torwart, der ist gleich dabei, er war stets für
die Lumperei,
und läßt um Geld sich kaufen, das will er
dann versaufen.
Doch nah beim Tor, da haust ein Schwein, von Freiheitsdrang
beseelt,
das sich um das Gefangensein in seinem Herzen quält.
Es findet nachts den Weg zur Gass', zum offenen Tor es
eilt,
woselbst es nun zu seinem Spaß des längeren
verweilt.
Den Rüssel steckt es in den Spalt - das Tor gibt
nach, ihm fehlt der Halt.
Die Sau will vor Ergötzen den Rücken sich dran
wetzen.
Indes holt eines Webers Frau spät abends ihrem Manne
beim Gastgeber zum Goldnen Pfau vom Bier noch eine Kanne.
Da sieht sie in des Mondes Schein am Stadttor voller
Grausen
das Hinterteil von einem Schwein, das andere war schon
draußen.
Erkennt dadurch, das Tor ist auf, schreit "Mordio",
man kommt zu Hauf
mit Spießen und mit Stangen. Der Torwart wird gefangen.
Im Loch, da wird der Bösewicht geklemmt mit Daumenschrauben,
worauf die Wahrheit aus ihm bricht - man kann es schier
nicht glauben
- gesteht Bestechung und Verrat und alle andre Tücke
Er kriegt den Lohn für seine Tat - man haut ihn
in vier Stücke.
Graf Hans steht vorm verschlossenen Tor und kommt sich
überflüssig vor,
gibt seinem Pferd die Sporen. Dies Spiel hat er verloren.
In Nördlingen herrscht froher Mut, die Kirchenglocken
klingen.
Ja, dieses Mal ging es noch gut, man läßt
Te Deum singen.
Es wird ein Jahrtag angestellt mit einer großen
Spende
wobei man eine Predigt hält, man preist das gute
Ende,
man preist die brave Webersfrau, daneben auch die wack're
Sau.
Und beiden noch zu Ehren kann man vom Turme hören:
So, G'sell, so!
Nun wissen Sie auch, was es mit der Sau-Predigt
auf sich hat. Ne gebratene Sau am Spieß wär mir jedoch lieber, was
ist, fahren wir zusammen zum Historischen Stadtmauerfest? Da gibt's bestimmt
welche. Sollte jemand ein paar Tage in Nördlingen Urlaub machen wollen,
hier noch die Internet-Seite der Stadt Nördlingen selbst - www.noerdlingen.de
- .
Ich verlasse Sie jetzt wieder, muß schon wieder los
zum Flughafen, da möchte jemand zur Familie Watzmann gebracht
werden. Ach Sie kennen Herrn Watzmann nicht, na, dann schauen Sie doch mal
rein, wo der Watzmann hockt.
Bis zum nächsten Ausflug mit mir ( und wenn es nur im
Internet sein sollte, dann freu ich mich auch) wünscht Ihnen alles Gute
Ihr Reiseführer Jörg W. Lohfink mit seinem Flughafentransfer
München
Anregungen, Vorschlaege (auch fuer Ihren eigenen
Ort),Termin- Anfragen oder auch Ihre Meinung, wie es Ihnen gefallen hat bitte
an J.W. Lohfink
einige Bilder sind aus dem Touristikprospekt entnommen, aber nachdem
ich jetzt selber die Kamera mithatte, hier noch ein paar Nördlinger Eindrücke.
+ + + + +
altes Fachwerk+Platz am Daniel+St. Georg+Orgel
in St. Georg+Rathausplatz+Löpsinger-Tor


Bei den Kornschrannen
siehe Kommentar unten
Ich hatte noch ganz übersehen, da waren ja noch zwei
Bilder mehr. Das Metzgerschild klingt natürlich ein bisserl komisch, aber
die Wurst- und Fleischwaren sahen echt lecker aus. Dagegen war meine Bezeichnung
für das Tor oben rechts verkehrt, hab es schon korrigiert dank eines Nördlinger
Bürgers, es war nicht das "Reimer" (richtig hätt's übrigens
"Reimlinger" geheißen) sondern das Löpsinger Tor. Und
ganz interessant, vor diesem hat sich die obige Geschichte mit der Sau und
dem gierigen Ritter abgespielt. Noch'n Hinweis, in diesem Tor befindet sich
ein kleines Stadtmuseum, das von einem Deutsch-Kanadier und Wahl-Nördlinger
betreut wird. Herr Aksel Rinck freut sich bestimmt über einen Besuch.
So, nun sind hoffentlich alle Unklarheiten beseitigt - ich hoffe, die Nördlinger
können dem Preiss im 5-Seen-Land verzeihen.
©® J.W.Lohfink |