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Rechtmehring und Kirchreith
heute mal was anderes Hübsches zum Kennenlernen
Das Jahr 2008 ist gekommen und ich hoffe, Sie kommen auch bald mal nach Bayern.
Falls Sie dann nicht wissen, wohin, denn helf ick Ihnen uff de Sprünge.
Das ist doch kein Bayer werden die Neueinsteiger von Ihnen jetzt
sagen bingo! Ick bin een Balina, seit über 30 Jahren
hier die Einheimischen nervend (weil ich nicht mehr heimwill und auch noch
eines ihrer Mädel geheiratet habe) und im Hauptberuf fahr ich durch die
Lande und zeige sie jedem, der daran seine Freude hat. Meist vom Flughafen
München aus, da biete ich meinen Transferdienst an.
So, etliche namhafte Städte oder Ausflugsorte kennen Sie vielleicht schon,
entweder persönlich oder von meinem Wegweiser links. Heute besuchen wir
mal zwei stille Örtchen - nee, nicht was Sie jetzt vielleicht
denken ich meine damit zwei ganz kleine hübsche Fleckerl, an denen
man oft vorbeifährt und gar nicht weiß, wie hübsch es dort
ist.
Wer zum Beispiel von Rosenheim,
Bad Endorf, Bad
Aibling oder Prien am Chiemsee
nach Wasserburg gefahren ist und
dann in Richtung Landshut weiter will,
der sollte sich ein bisserl Zeit nehmen. Die B 15 hat nämlich rechts und
links kurz nach Wasserburg zwei Stellen, die sich zum Anhalten lohnen.

Fangen wir mit dem hinteren Fleckerl rechts an, auf einer Kuppe
erscheint in der Ferne auf einmal ein kleines Kirchlein mit einem arg spitzen
Turm, gar nicht so mit dem üblichen Zwiebelhütchen oben
drauf. Vielleicht ist hier in früheren Zeiten auch oft der Teufel durchgeflogen
und damit er sich nicht draufsetzen konnte zum Rasten, haben die den Turm so
spitzig gemacht (diese Legende habe ich den bayrischen Sagen entnommen).

Jetzt haben wir das Örtchen fast erreicht und dann, tja dann, ist der
Weg zum Kirchlein so versteckt, daß ich erstmal in Richtung Soyen gefahren
und mich dann von hinten rangetastet habe. Hat sich aber auch gelohnt,
denn diese Aussicht hätte ich von vorn nicht so gut bekommen.

Kommt man dann wie wir so richtig ran, dann fragt man sich doch, hat hier ein
Bauer eine Kirche für sich allein gebaut? Es gibt nämlich nur noch
vier Häuser daneben und das ist das ganze Örtlein.

Sowas hat aber auch einen Vorteil, denn der Mesner wohnt gleich nebenan und
durch Zufall waren auch grad Renovierungsarbeiten angesagt. Daher war das Kirchlein
offen und ich kann Ihnen ein bisserl von innen zeigen.

Hier der schön geschnitzte Altar etwas größer, eine schöne
und ausdruckvolle Arbeit. Wer denkt, daß in so einem kleinen einsamen
Kirchlein sowas Schönes drin ist.

Für Liebhaber der Schnitzkunst hier noch zwei weitere Nahaufnahmen:

Beim Verlassen der Kirche fiel mir dann aber noch ein Bild auf, das mir ein
Rätsel aufgab. Den Uniformen nach könnten die Soldaten Amerikaner
sein und vom Inhalt her auf dem Vormarsch am Ende des 2. WK. Damals waren oft
in Kirchtürmen die Leitstellen der Artillerie und daher auch meist erstes
Angriffsziel im Ort, um die Verteidigung zu schwächen.

Der Maler jedoch zeigt hiermit nicht nur ein Danke für die
Nichtzerstörung, sondern auch, daß das Kirchlein unter besonderem
Schutz gestanden hat. Solche Bilder sagen oft mehr als Worte und ich hab mir
denkt , ich zeig's Ihnen. Aber in Natura wirkt es noch viel besser.
Apropos natura, in dieser gibt es doch einen kürzeren Weg von Kirchreith
zur B 15 zurück, haben die aber so gut getarnt, daß ich ihn erst
hinterher gefunden habe.
Weiter auf der Bundesstraße kam nach kurzer Zeit auf der linken Seite
ein Hinweisschild nach Albaching,
da war'n wir doch schon, doch neugierig wie ich halt bin, bin ich
halt mal kurz in die Richtung gefahren, denn da war auch ein stilles
Örtchen zu sehen :-)

Dieses hübsche kleine Dorf ist urkundlich schon fast 1204 Jahre alt, im
Jahr 803 wird es auf einem Dokument erstmals erwähnt. In Wirklichkeit
ist es wahrscheinlich noch 100 Jahre älter, denn in der Gegend hockten
so einige rum. Bei Ausgrabungen wurden nämlich sogenannte Hockgräber
gefunden nix mit ewiger Ruhe, sondern ewig rumhocken im Loch
und diese Begrägnisart wird auf 700 nach Christus datiert.

Das Haus des Herrn ist übrigens ziemlich wuchtigund hat das gewohnte Zwiebelhäubchen
am Turm. Doch wenn man dran vorbeifährt, dann sieht einem ein janz
Jroßer so aufdringlich im Rückspiegel nach, also angehalten
und den Herrn genauer betrachtet.

Mein lieber Scholli, hat der Junge stramme Waden. Ein sehr eindrucksvolles
Bild, ich war gespannt, wie's dann drinnen aussieht. Also, nächster Kirchenbesuch
- aber, keine Sorge, nur ein Bild jetzt! Für Kirchen- und Kunstliebhaber
habe ich dann noch eine Detail-Seite, entweder hier
klicken oder links im Wegweiser, mit den anderen marschier ich zum
Gasthaus Post, kurze Stärkung dann.

So, sind nur ein paar Meter bis zum Gasthaus Post, links davon, leider nicht
mehr auf dem Bild, ein ganz guter Bäcker übrigens, gibt's sogar Kaffee
und Kuchen als Stehcafe.

Daß mir jetzt aber keiner denkt, das wäre alles, ha ! Konkurrenz
belebt das Geschäft, war schon früher so, und hier jetzt einen Blick
vom Gasthaus zur Post an der Kirche vorbei zum Maibaum. Und gleich daneben
links, das nette kleine Häuschen, das ist der Kirchenwirt.

So klein ist det Häuschen übrigens nicht,
den beiden Türmchen links und rechts nach zu urteilen, war da ein Kirchenarchitekt
früher bestimmt mit am Entwurf beteiligt

Die Tropfen auf der Scheibe bitte ich im Bild zu entschuldigen, der Himmel
fing an zu weinen, als ich mir kurz die Geschichte des Dorfes durchlas auf
dem Parkplatz. Der Name des Ortes beinhaltet ja das Wort Recht(mehring),
vielleicht kommt das daher, weil ganz früher hier ein Galgenberg mit zwei
Galgen stand. Da wird dann so mancher gebaumelt haben.

Vielleicht auch mal einer der Vorfahren oder Vorbesitzer dieses stolzen Bauernhofes,
denn 1596 gab es in der Gegend einen Bauernaufstand. Die Herzöge von Bayern,
die den letzten Grafen aus Haag (liegt so rund 10 km um die Ecke) beerbt
hatten, da er keinen Nachfolger zustande gebracht hatte, waren nämlich
sehr sehr gierig. Müssen die Vorfahren der jetzigen Regierung in Berlin
sein was meinen Sie, warum ich in Bayern bleibe. Auf alle Fälle
preßten die soviel Steuern raus, bis die Bauern sich zusammenrotteten
und gegen die Blutsauger erhoben. Doch gegen erfahrene Kämpfer
hatten sie keine Chance und wurden weiter abkassiert.
Abschließend noch ein paar Worte bezüglich Kassa - wenn
Ihre diesjährige Ferien-Kasse schon steht, vielleicht sollten Sie mal
schauen, ob beim Gasthaus zur Post oder beim Kirchenwirt ein Zimmerchen frei
ist. Interessante Orte wie Mühldorf am Inn, Rosenheim oder Wasserburg
sind nicht weit und Sie könnten sogar mit dem Radl dahinfahren. Und auf
jeden Fall 'ne Schaufel mitnehmen: in der Nähe gibt es nämlich den
Hexenkessel, eine moorige Stelle im Wald, und dort soll der königliche
Schatz von München versunken sein, als er auf der Flucht nach der verlorenen
Schlacht bei Hohenlinden gegen napoleonische Truppen nach Rosenheim in Sicherheit
gebracht werden sollte. Einige Bauern sollen schon gesucht haben, aber Sie
wissen ja, Bauern haben auch noch viel wichtigere Arbeiten und so gut wie keinen
Urlaub, vielleicht haben Sie das Glück. Unser neuer Big Boss
aus Franken würde sich sicherlich über 'n paar Talerchen mehr freuen.
Ich fahr jetzt wieder weiter in Richtung Moosburg und Freising
zum Flughafen, vielleicht treff ich Sie da bald, würd' mich sehr freuen.
Halt, hätte ich doch beinahe vergessen: Rechtmehring hat eine eigene Ortsseite
und würde sich sicherlich auch über einen Besuch dort freuen
www.rechtmehring.de .
In diesem Sinn darf ich mich verabschieden, wünsche Ihnen viel Freude
beim Anschauen der Bilder, keinen Ärger über den manchmal schnoddrigen
Text (bin halt so) und falls Sie in Bayern Urlaub machen, viel Sonnenschein
und Erholung.
Mit lieben Grüßen
Ihr Preiss' in Bayern der mit dem neuen "Franzmann"-Van
*
Hat's wieder mal Spaß gemacht, ein Stück Bayern kennen zu lernen?
Wenn ja, links im Wegweiser gibt's noch vui mehra und ich bin schon
dabei no mehra für Sie zu entdecken und zu beschreiben.
Bis zum nächsten Mal mit herzlichen Grüßen
Ihr Jörg W. Lohfink
echt preissischer Reiseführer (aus eigenem Vergnügen) und -fahrer
in Bayern.
(alle Bülders sin von mir) ©®J.W.Lohfink |