|
Rosenheim - nicht dran vorbei-, reinfahren
müssen Sie mal! Denn in Rosenheim in Bayern beginnt die Welt.
*
Welch deutscher Autofahrer kennt nicht die Autobahn Muenchen-Salzburg
und das Inntaldreieck? Wer dort schon mal im Stau gestanden ist, dem fiel vielleicht
auch die Ausfahrt Rosenheim auf. Aber haben Sie Rosenheim schon besucht? Nein,
das ist schade, denn auch diese "uralte" Handelsstadt in Bayern ist
einen Besuch wert. Schon von weitem sieht man diesen Turm, natürlich nicht
so groß wie in meiner Nahaufnahme - die Stadtpfarrkirche St. Nikolaus.

"Uralt" ist an Rosenheim aber nur die wirtschaftliche Bedeutung,
ansonsten ist es ein modernes Zentrum im suedoestlichen Teil Bayerns.
Ein Reisefuehrer um 1860 beschreibt die Stadt Rosenheim folgendermaßen:
" Wer in den Landen der Bayern sich niederzulassen sinnet, der suche auf
Landsberg oder auf Rosenheim zu fallen. Denn er wird fallen in die Silbergrube
dort und in die Schmalzgrube hier". Was mit der Silbergrube gemeint ist,
koennen Sie bei meiner Seite von Landsberg erfahren,
mit der Schmalzgrube umschrieb der damalige Redakteur die Bedeutung Rosenheims
als Handelszentrum.
Denn schon lange, bevor die Roemer in Bayern eindrangen, kreuzten sich
hier die Handelswege des noerdlichen und suedlichen Europas. Der Fernhandel
mit Bernstein hatte hier eine Station, die Straßen von Salzburg
nach Augsburg sowie von Innsbruck
nach Regensburg trafen hier zusammen.
Und Millionen von Autofahrern benutzen noch heute diese uralten Wege,
nur jetzt als Autobahnen "drumherum" ausgebaut. Eigentlich ein Glueck
fuer die Stadt Rosenheim, denn wenn sich der heutige Verkehr durch die Stadt
waelzen wuerde......zum Beispiel durch das alte Mittertor.

Auch der Inn, der bei Rosenheim mit der Mangfall zusammentrifft, hat
frueher viel zur Entstehung der Stadt Rosenheim beigetragen. War dieser Fluß
doch ueber Jahrhunderte eine echte Wasserstraße, auf der nicht nur Gueter
sondern auch Menschen transportiert wurden. Manche Namen alteingesessener Familien
in Rosenheim zeugen noch von der suedlichen Herkunft, die in altbayrischen
Elementen noch erkennbar ist. Als dann nach 1850 die Eisenbahnlinie Muenchen-Wien
gebaut wurde und 1857 der erste Zug in Rosenheim hielt, sagten die Chiemgauer
"In Rosenheim beginnt die Welt".
Die Stadtvaeter von Rosenheim muessen schon immer ganz schoen clever
gewesen sein. 1505 "besorgten" sie sich das Recht des Salzweges,
1700 wurde ein Bad gegruendet, 1808 - 1809 hatten sie es geschafft, daß
die Salzleitung von Reichenhall bis in ihre Stadt weitergebaut wurde und 1810
nahm die koenigliche Saline in Rosenheim ihre geldeinbringende Arbeit auf.Hier
ein Bild von der alten "Salzwasser-Leitung", richtig natürlich
"Sole-Leitung".

Einen historischen Clou landeten die Rosenheimer dann 1878, der bis in
die heutige Zeit so manchen Eisenbahnfan ins Gruebeln bringt. Das Rathaus von
Rosenheim sieht naemlich aus wie ein alter Bahnhof und das ist er auch. Nach
Eroeffung der Bahnlinie dauerte es nur rund 15 Jahre, dann hatte sich der Reiseverkehr
so vervielfacht, daß die Schienenanlagen erweitert und verlegt werden
mußten.

Der Bahnhof , obwohl großzuegig in den vergangenen Jahren ausgebaut,
hatte seine Bestimmung verloren und drohte zu verfallen. Darauf kamen die Stadtraete
auf die Idee, den gesamten Bahnhofskomplex zu kaufen und fuer den "Riesenbetrag"
in Hoehe von 5.787 Mark und 23 Pfennig erhielt die Stadt Rosenheim von der
Koeniglichen Eisenbahnbausection das ganze Areal.
Und dann wurde aus dem Bahnhof das Rathaus, wie man es heute (natuerlich
innen und außen auf den neuesten baulichen Stand gebracht) sehen kann.
Wer weiß, vielleicht haben die Stadtvaeter auch noch einen Schienenstrang
(versteckt) behalten, clever warn's schon immer die Rosenheimer.
Die Stadt Rosenheim hat es auch geschafft, sich einen Namen mit Tagungs-
und Kongreßangeboten zu machen. Das 1997 neu eroeffnete Kultur- und Kongreßzentrum
sowie der weit ueber Bayern hinaus bekannte "Lokschuppen", ein Ausstellungszentrum
in der 1857 gebauten Lokomotivenremise des 1. Rosenheimer Bahnhofs (1985-88
vorbildlich restauriert) haben die Attraktivitaet der Stadt erheblich erhoeht.

Gleichzeitig konnten neue Arbeitsplaetze geschaffen und alte gesichert
werden. Auch Bildung und Kultur kommen in Rosenheim nicht zu kurz. Neben der
Fachhochschule fuer Holztechnik (die vielen angeschlossenen Richtungen moechte
ich mir sparen) und anderen hochrangigen Instituten sei nur erwaehnt, daß
das moderne Klinikum Rosenheim gleichzeitig auch ein Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilian-Universitaet
Muenchen ist. Das kulturelle Angebot umfaßt von der Staedtischen Galerie
ueber das Innschiffahrtsmuseum bis hin zu diversen Theaterangeboten eigentlich
alles fuer den Kulturliebhaber. Wie Sie oben sehen können, sind sogar
"Ur-Amis" in Rosenheim und haben ihr Zelt vor dem Lokschuppen aufgeschlagen.
Im Jahr 2011 ist in dieser bayerischen Stadt eine Ausstellung über Indianer
als Kultur-Höhepunkt.
Und fuer Urlauber? Alles da, was das Herz begehrt. Mal ganz abgesehen
von der zentralen Lage Rosenheims, die es jedem ermoeglicht binnen kuerzester
Zeit in die Berge, nach Salzburg, Innsbruck
oder Italien Kurzausfluege zu machen oder an die (bayrische) See, Verzeihung,
den Chiemsee, zu fahren, Rosenheim selbst
bietet fuer jeden Geschmack etwas.
Im, gottlob nicht hektischen, Stadtgebiet findet der Urlauber Badeseen,
schöne Parks, hier ein Blick in den Riedergarten

diverse Sport-, Reit- und Schießanlagen, Skater, Tennisfreunde,
Squasher, Streetballer, Biker, Segelflieger, Skilanglaeufer und und und - haben
alle alle Moeglichkeiten offen. Typisch "Preiss", so'n Satz.
Ach, beinahe haette ich es vergessen - gesundheitsbewußte Nichtsportler
finden "gleich um die Ecke" zwei der bekanntesten bayrischen Heilbaeder.
Unser "aeltestes" ist Bad Aibling, wo man
sich so richtig mit Genuß im "Dreck" (Moor) waelzen kann, das
"juengste" ist auch nur ein paar Kilometer entfernt, Bad
Endorf, da kann man sich den Schlamm (falls er noch dran ist) mit Thermalwasser
wieder abwaschen.
Wenn Sie also vorhaben sollten, demnaechst in den herrlichen Sueden (von
Deutschland natuerlich) zu verreisen, dann vergessen Sie nicht, die Stadt Rosenheim
mit einzuplanen. Vom Flughafen Franz-Josef-Strauss in Muenchen bringe ich Sie
gerne mit meinem Flughafentransfer hin, Fahrzeit ein wenig mehr als eine Stunde.
Ob fuer einen Tagesbesuch oder laengeren Aufenthalt, Rosenheim kann Ihnen sicherlich
eine ganze Menge bieten. Kleiner "Schnupper-Spaziergang" gefällig?
Na, dann kommen Sie mal kurz mit.

Wir starten hinter dem Lok-Schuppen, denn da konnte ich gut
parken. Dann auf "Schusters Rappen" in Richtung Rathaus.

Das lassen wir dann "links liegen" und schauen erst
mal die evangelische Erlöserkirche an.

Und von hier aus an der Vorderseite des Rathauses, siehe Bild
weiter oben, vorbei, die Königstraße in Richtung Stadtmitte. Nach
ein paar hundert Metern kommt auf einmal Wasser, jede Menge.

Dieser "Stadtbach" taucht später noch öfter
auf, interessant, wie oft er unterirdisch verläuft. Wenn man ein paar
Meter weiter geht und dann noch mal zurück schaut, dann sieht man, das
Wasser kommt direkt unter den Justizbehörden hervor.

Vielleicht hat mal ein "schwerer Junge" einen Fluchtversuch
durch den Keller unternommen, denn links und rechts sind vorsichtshalber Zäune.
Spaß beiseite, im Riedergarten können Kinder spielen und Passanten
von der Königstraße aus müssen auch geschützt werden.

Bevor ich jetzt mit Ihnen zu der so verlockend mit ihrem Turm
winkenden Stadtpfarrkirche gehe, muß ich noch einen kleinen Schwenker
nach rechts machen. Denn da sehe ich nämlich auch ein Kirchlein, das vorher
richtig versteckt war.

Das ist die Spital- oder St. Joseph-Kirche. Ein Abstecher
dort hinein lohnt sich auf jeden Fall.

Wer sakrale und auch alte Bilder mag, wird einiges entdecken.
Sie müssen sich dann schon a bisserl Zeit nehmen zum Anschauen.
Doch nun weiter in Richtung historische Altstadt. Am Ludwigsplatz,
hier im Bild,

liegt das Objekt meiner nächsten Anschau-Begierde, die Stadtpfarrkirche
St. Nikolaus. Aber Vorsicht, nicht mit der Kamera vor den Augen laufen, sonst
"fällt det Kind ins Wasser" - sprich, Sie und ich, wär
mir beinahe passiert.

St. Nikolaus ist nämlich durch einen Wassergraben geschützt
oder dient der Bach zum Wegschwemmen der Sünden später? Sehr hübsch
gestaltet, aber wie gesagt, Augen auf, sonst gibt's nasse Füße.

So, jetzt werfen wir ein, zwei Blicke in dieses schöne
Gotteshaus. Von der Architektur her schon ein Genuß für Liebhaber.
Hier ein Blick auf das Dachgewölbe.

Aber ich darf natürlich nicht vergessen Ihnen den "Hausherrn"
vorzustellen St. Nikolaus.

So, nun aber wieder hinaus und zum Max Joseph. Den treffen
wir zwar nicht persönlich, aber sein Platz ist eigentlich das Herz von
Rosenheim.

Durch das Mittertor, über dem auch das Stadtmuseum zu
finden ist, gehe ich dann langsam wieder zu meinem Wagen zurück. Sie aber
sollten noch weiter bummeln, es gibt noch viel Schönes zu sehen.
Sie könnten sich natürlich links erst mal stärken,
achten Sie aber auf den Kellner! Dem alten Werbeschild am Haus nach könnte
man annehmen, der Name ist gefährlich, wenn die Bedienung ausrutscht.
Dann gibts den Inhalt der Kanne über'n Kopf und man schaut wie der Ochs
darüber.

Des wär dann a "Duschl" im wahrsten Sinne des
Wortes. "Nomen est omen" hieß es bei den alten Lateinern, bei
den Rosenheimern ist es ähnlich. Es gibt vier Theorien über den Namen
"Rosenheim", eine davon besagt, es wären die vielen schönen
Mädchen hier. Es gibt sogar eine "eiserne Rose" in der Stadt,
finden Sie im Mittertor.

Dieses "Bild" besteht aus lauter Nägeln, jeder
bedeutet eine Spende in der Zeit des ersten Weltkrieges. Das war anscheinend
vor knapp 100 Jahren eine patriotische Sitte, der "Fünfknopfturm"
von Kaufbeuren hat auch so ein Nagelbild,
nur mit anderem Motiv.
Achten Sie übrigens auch auf die Arkaden, die Sie zum
Beispiel auch am Ludwigsplatz sehen können.

Das ist eine Eigenheit des "Inn-Stiles" im Bauwesen,
die Sie auch in Mühldorf am Inn
oder Neuötting sehen können.
Die Händler, die früher per Roß oder Schiff durch die Lande
zogen, hatten dadurch die Möglichkeit, ihre Waren auszustellen, ohne Angst
vor Regen haben zu müssen - denken Sie mal an die Salzhändler, grins.
Am 400 Jahre alten Weißgerberhaus,

heute "Aran"-Haus genannt, vorbei führt mich
mein Rückweg zu einem Bau, der durstige Seelen immer glücklich macht.

Große Tanks, große Fenster, so sieht die Spatenbrauerei
in München auch aus. Ha, da gibts Bier und Vesper - hob' i denkt! Pustekuchen,
lassen Sie sich nicht irreführen, das ist das Rosenheimer Heizkraftwerk
der Stadtwerke. So kann man sich irren!
Aber ein Ausflug oder eine Stadtbesichtigung von Rosenheim
ist auf jeden Fall kein Irrtum. Auch zum Einkaufen gibt es wunderbare Möglichkeiten,
der "Aicher Park" ist eine Riesenauswahl von vielen Geschäften.
Jetzt möchte ich Ihnen noch die Rosenheimer
Webseite ans Herz legen, denn wie schon oben erwaehnt, die "Stadtvaeter"
und heute auch "-muetter" waren und sind noch heute clever. Informationsmaterial
oder andere Auskuenfte erhalten Sie gern von den freundlichen Mitarbeitern
der Stadtverwaltung Rosenheim, einfach eine Mail
hinschicken.
nach oben zurück
Anregungen, Vorschlaege (auch fuer Ihren eigenen Ort),Termin-
Anfragen oder auch Ihre Meinung, wie es Ihnen gefallen hat bitte an J.W.
Lohfink
Text und Bilder von J.W. Lohfink © J.W.Lohfink
|