Rottenbucher Kirche –

ein Juwel der Augustiner-Chorherren in Oberbayern

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Die "Herren" damals (und auch heit no) hoab'n nach 'n paar Halben "Augustiner" immer fröhlich jesungen -

ob daher der Name "Chorherren" kommt ???

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Hallo miteinander, 'ne ehemals preussische Nachtigal „flötet“ Ihnen jetzt wat über Kunst, Jeschichte und Kirche in „unserm“ schönen Bayern.

Aber ja doch, Sie sind schon auf einer bayerischen Webseite, nur ist die gemacht von einem ehemaligen Berliner namens Jörg Lohfink – det bin icke.

Für Besucher, die das erste Mal und ausgerechnet hier „einsteigen“ gleich eine Warnung: ick bring beruflich Leute „um die Ecke“ - mit meinem Flughafentransfer München und zeige dabei bekannte und auch viele versteckte Juwelen der Geschichte und Baukunst in Bayern.

Diese Seite hier ist eine spezielle für die Liebhaber von Rokoko und Kirchenkunst und soll Ihnen die Schönheiten der ehemaligen Stiftskirche der Augustiner-Chorherren des Klosters Rottenbuch zeigen.

Wo Rottenbuch liegt und wat noch allet drumherum, das können Sie sich auf der Seite Rottenbuch und Hohenpeissenberg anschauen. Da sehen Sie dann die „Jejend“ (neue deutsche Schreibweise, ham wir Berliner schon vor 50 Jährchen jekannt).



Noch mal kurz ne Aussenansicht – so wie heute hat sich das Kloster Rottenbuch früher auch schon präsentiert, bloß ohne geteerte Straße natürlich. Bis zum Jahre 1803, da begann die Säkularisierung in Bayern – ach Sie wissen nicht was das ist?

Janz einfach: Säckel ist die Tasche von Vater Staat, heute vertreten durch einen gewissen Herrn Peer Brückenstein und – larisierung war früher „ man fülle den Säckel des Staates“. Ha, mein Geschichtslehrer wäre stolz auf mir !

Spaß beiseite, 1803 wurden alle Klöster und Kirchen in Bayern enteignet und aufgelöst, wo es nur ging, alles wertvolle „verramscht“ und dabei auch unzählige Kunstschätze und andere historisch wertvolle Dinge verschleudert. Daß mit der Übernahme der durch Napoleon eingeführten Trennung von Kirche und Staat sich speziell in Bayern auch ein wirtschaftliches Desaster anbahnte, stellte sich erst später heraus.



Hier ein Plan der Klosteranlage von damals, bis auf das dick schwarz gezeichnete können wir alles noch heute sehen. Das Kloster Rottenbuch war bis zur Säkularisierung ein Zentrum für Bildung (nicht nur für die Chorherren, sondern auch die ländliche Bevölkerung), einer der größten Arbeitgeber im Raum und auch finanziell so gut gestellt, daß es mithelfen konnte, dem
Kloster Steingaden die Ruin-Erklärung nach dem Bau der Wies-Kirche zu ersparen.



Mit Ausnahme des 75 m hohen freistehenden Turmes, siehe oben, waren die Augustiner-Mönche auch keine „Angeber“ wie so manch andere Kirchenherren, die Stiftskirche hier sieht doch wirklich recht unscheinbar aus oder? Aber nach dem alten Motto „aussen pfui, innen hui“ - lassen Sie sich überraschen.



So präsentiert sich das Innere nach den ersten Schritten durch die zwei gewaltigen alten Holztore des Gotteshauses. Und je näher man sich dem Altar nähert, desto größer wird die Ehrfurcht vor den Künstlern, die dieses Bauwerk geschaffen haben. Der Hauptbaumeister dieses Rokoko-Juwels (sollte ich woanders mal Barock gesagt haben, nicht ärgern oder wundern, ich bring die beiden Kunstformen immer durchnander) war der Wessobrunner Baumeister Joseph Schmuzer.



Er war einer der besten Schüler der in der Kirchenbaukunst bekannten „Wessobrunner Schule“, berühmt durch die herrlichen Stuckarbeiten und die Kunst Marmor zu bearbeiten. Wobei der Marmor, der Ihnen hier (und auch in der Wieskirche bei Steingaden als anderes Beispiel) präsentiert wird, in Wirklichkeit nur deutsche, äh, bayerische Eiche ist.

Ja, ja, die Marmorsäulen und auch andere Altarpodeste sind auch Holz, sehen aber wie Marmor aus. In Wessobrunn wurde nämlich gelehrt, wie man das Holz – muß nicht unbedingt Eiche sein – so bearbeitet, daß es mit mühseliger Schleif- und Malarbeit hinterher wie Stein aussieht. Sie brauchen nur mal dran zu klopfen, der Stein ist dann sehr schnell als Tarnung zu entlarven.



Keine Tarnung, sondern selber gemalt sind jedoch alle Bilder an den Seitenwänden und der Decke und zwar von Matthäus Günther, einer der bedeutendsten Maler des 18. Jahrhunderts in Bayern. Hier das Hauptdeckenbild, dreht sich natürlich um den Heiligen Augustinus und stellt sein Sterben dar.



Man sollte entweder ein Opernglas oder eine Kamera mit Zoom dabei haben, sonst entgehen einem die wunderschönen Details dieser Malerei teilweise. Der Herr rechts auf dem Bild gegenüber vom Sterbebett soll übrigens der Maler selber sein, ein Selbstporträt in einer Kapelle bei Indersdorf trägt die gleichen Züge ( hab ich übrigens dem Kirchenführer entnommen, den Sie sich unbedingt mitnehmen sollten).



So, hier können Sie den Künstler noch mal besser sehen. Achten Sie oben mal auf das Symbol des Heiligen Geistes im Hintergrund der Deckenmalerei. Sie sehen, dort ist anscheinend eine Art Deckenloch. Falls es Sie interessiert, was es mit diesem Loch auf sich hat, dann sollten Sie unbedingt mal die Seite „
Steingaden“ besuchen, dort ist die Geschichte von mir beschrieben.



Nein, das ist nicht eine Filmszene aus „Junge, komm bald wieder“ mit Freddy Quinn – das ist der (damals noch nicht heilige) Augustinus, als er seine Mutter „reinlegt“ und heimlich nach Rom „abdüst“ wo er sich zum Lehrer der Beredsamkeit schulen läßt. Die „Erleuchtung“ von oben kommt erst später, hier:



Aber ich muß ehrlich sein, sicher bin ich mir nicht. Die Fresken an den Seitenwänden zeigen zwar die Geschichte des Heiligen Augustinus, aber erstens bin ich damit nicht „firm“ und zweitens muß ich gestehen, ich hab die Reihenfolge meiner Bilder selber „vermixt“. Daher schlage ich vor, ich bring die anderen Fresken jetzt hintereinander und wer sich auskennt, der weiß dann schon Bescheid. Diese Bilder sind jetzt „gelinkt“ und daher kleiner, also anklickern macht se jrößer - damit die ganze Seite nicht ewig braucht zum Aufbau.




So, das war jetzt das „Freßchen“ für die Bilderliebhaber, nun sollen die auch noch bedient werden, die mehr die Plastiken mögen. Aber immer dran denken „dat Berühren der Fijüren mit die Pfoten is vaboten!“



Meine Aufnahmen machte ich kurz nach Fronleichnam und so hatte ich das Glück, Ihnen die beiden Statuen zeigen zu können, die bei der Prozession anläßlich des Feiertages in Rottenbuch voran getragen werden.



Dieser Herr hier bleibt aber immer stehen, wär auch ein bisserl schwer zum Tragen. Wenn man sich rechts an ihm vorbei „schleicht“, dann steht man im linken Seitenschiff der Stiftskirche und hat einen wunderbaren Blick in eine Seitenkapelle. Von dieser aus geht es im Übrigen in einen Seitenraum (war aber verschlossen) der den Protestanten in Rottenbuch für ihren Gottesdienst zur Verfügung steht.



Wenn ich den Kirchenführer richtig interpretiere, dann stellt dieses Altarbild links im Seitenschiff die drei göttlichen Tugenden dar. Darunter dann ein Schrein mit den Reliquien von zwei Heiligen.



Nee, nee, nicht auf dumme Gedanken jetzt kommen. Die Rottenbucher Augustiner waren zwar auch katholisch, war ja jeder damals, aber mit den spanischen Konquistadoren hatten sie keine Verbindung. Die nachfolgende Vergrößerung zeigt nicht etwa den letzen Mohikaner, sondern entweder den Heiligen Primus oder den Heiligen Felizian



Leider kann ich Ihnen bedingt durch das schützende Glas nicht per Bild zeigen, wie wunderbar die künstlerische Arbeit an der Strahlenkrone des Heiligen gearbeitet worden ist. Wunderschön auch die Bänke für die Chorherren im Altarraum, leider sind die Bilder nicht größer geworden.



Auf der linken Seite auch ein schön bemalter Schrank in die Bank eingearbeitet, doch auch hier konnte ich nicht näher ran.

Die Alarmanlage drohte mir schon durch ein warnendes Pfeifen. Das möchte ich so nebenbei mal erwähnen: speziell im oberbayrischen Raum können Sie alle Schönheiten und Kostbarkeiten sehr nahe betrachten und besuchen, die meisten Kirchen sind offen und kosten auch keinen Eintritt.

Daher ist es aber sehr notwendig, die schönsten Stücke mit Alarmanlagen zu sichern und ich bitte Sie auch, haben Sie ein Auge auf eventuelle Bösewichte. Es wäre schade, wenn wir irgendwann nicht mehr so frei schauen könnten, wie bisher.



Apropos schauen, „da geht's lang“ sagt uns der Kleine hier. Ich könnte und müßte ja noch etliches zeigen, aber dann meinen Sie vielleicht, „nu brauch ich nicht mehr selber hin“. Soo nicht! Von der Kanzel zeige ich Ihnen jetzt nur einen Ausschnitt, genauer sollten Sie sich die schon ansehen, aber persönlich, wann's geht.





„Und ich sage Euch, nicht das goldene Kalb sondern die Milch der Kuh ist das Gold der Armen...“, so interpretiert ein „Heide“ wie ich diese herrliche Arbeit. Natürlich kirchlich gesehen „voll daneben“, aber wie soll ich sonst langsam zum Abschluß und auf den Punkt „Meierhof“ kommen.


Bevor wir das Gotteshaus verlassen, gibt es nämlich noch vier weitere schöne Bilder und dann ham' wa's.



Hier haben Sie ein schönes Modell, wie das Augustiner-Chorherrenstift Rottenbuch früher in natura aus gesehen hat. Der Plan oben von 1803 kann das gar nicht so schön zeigen, wie dieses handgemachte Modell. Rechts seitlich der Meierhof, das war die landwirtschaftliche Einnahmequelle und von der Größe her können Sie sich sicherlich vorstellen, welch einträgliches Unternehmen das Kloster führte.



Bevor wir nun wieder zum Ausgang unter der wunderschönen Orgelempore gehen, die Orgel wurde in den 60er Jahren vollkommen restauriert und hat einen herrlichen Klang, sollten Sie nicht vergessen, links neben dem Ausgang in eine Ecke zu schauen. Da gibt es nämlich einen in der Wand eingelassenen Glaskasten, sieht fast aus wie ein dunkles Aquarium. Ist aber ein kirchliches Videospiel (grins).



Draussen steht dran „Krippe“, 's gibt nen Druckknopf, dann können Sie das Licht für die rechte Seite einschalten. Aber dann hat's da noch 'nen Schlitz für Münzen und gemäß dem dem uralten katholischen Spruch „ wenn das Geld im Kasten klingt....“ heißt es dann in Rottenbuch „ das Jesulein den Segen schwinkt“.

Werfen Sie eine Münze ein, dient dem Erhalt der Anlage und anderen wohltätigen Zwecken, und dann wird das Kirchlein links erleuchtet. Glocken klingen, die Tür öffnet sich und eine süße kleine Figur kommt herausgefahren (kann auch nur ein Englein sein) und gibt den Segen.



Letzteren haben all die Unglückseligen auf jeden Fall bekommen, die hier, knapp 2 Kilometer außerhalb von Rottenbuch auf einem Feld an der Straße nach
Steingaden ruhen. Vielleicht ist Ihnen oben schon beim Studium des Klosterplanes aufgefallen „Pestfriedhof“.

Ich bin schon oft an dem Hinweisschild vorbeigefahren, diesmal habe ich die Abzweigung mal genommen und mir den Platz angeschaut. Und ich kann nur sagen, man hat den armen von der Pest Dahingerafften damals ein schönes Plätzchen ausgesucht, auch auf einer Anhöhe und genauso schön gelegen, wie sie es vielleicht in Rottenbuch vorher selber hatten.


In diesem Sinn darf ich mich verabschieden, wünsche Ihnen viel Freude beim Anschauen der Bilder, keinen Ärger über den manchmal schnoddrigen Text (bin halt so) und falls Sie in Bayern Urlaub machen, viel Sonnenschein und Erholung.

Mit lieben Grüßen

Ihr Preiss' in Bayern – der mit dem neuen "Franzmann"-Van

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Hat's wieder mal Spaß gemacht, ein Stück Bayern kennen zu lernen? Wenn ja, links im Wegweiser gibt's noch „vui mehra“ und ich bin schon dabei „no mehra“ für Sie zu entdecken und zu beschreiben.

Bis zum nächsten Mal mit herzlichen Grüßen

Ihr Jörg W. Lohfink

echt preissischer Reiseführer (aus eigenem Vergnügen) und -fahrer in Bayern.

(alle Bülders sin von mir) ©®J.W.Lohfink

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