Aus Bayerns Sagenschatz 001

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durch die Sagen von Bayern

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Oberpfalz: Der Mesner von Thannstein

Bayreuth: Die Holzfrala

Landshut: Gras- und Rosengasse

Fichtelgebirge: Wolf und Ziege in der Kirche

München: Der Münchner Turmaffe

Fichtelgebirge: Der Wolfstein

Oberpfalz: Der Engel- oder Kinderweiher von Neunaigen

Allgäu: Der Grethler von Schattwald

Landsberg: Jungfer Zuzibeh

Deggendorf: Die Hölle

Weilheim: Die Eselseier

Oberfranken: Das Schloß der Spieler

Bischofsgrün: Der Nußhard

Unterfranken: Die Muehle zu Frammersbach

Unterfranken: Das Gloeckchen der Stromfei

Weilheim: Die Kirchen-Schiebung

Niederbayern: Die Pest in Oelberg

Oberpfalz: Christus und der Schmied aus Königstein

Niederbayern: Das Federlein

Unterfranken: Das Kreuz bei Reußenberg

Mittelfranken: Wie das zweite Obernzenner Schloß entstand

Oberpfalz: Schatz vom Buchet

Oberpfalz: Die stummen Froesche von Pleystein

Oberpfalz: Der Zauberweiher zu Brueckelsdorf

Coburg: Die steinernen Brunnenloewen

Coburg: Der Moench auf dem Moritzturm in Coburg

Südbayern: Schatz in der Roemerschanze

Oberpfalz: Der Berggeist am Rauhen Kulm

Unterfranken: In den Totenmannsaeckern

Regensburg: Die dicke Agnes

Kelheim: Die Nixe von Weltenburg

Berchtesgaden: Karl der Große im Untersberg

Ringlein im Schnee

Wie Alzenau seinen Namen bekam

Berchtesgaden: Der Schneckengangerl

Oberpfalz: Die rollenden Fässer von Schwandorf

Oberpfalz: Die Schweine in der Ölsee

Der Winguffsfänger von Forst

Oberfranken: Die Fußeiche von Birkenfeld

Oberfranken: Das verlorene Kind von Marktschorgast

Der leidige Schuster von Kulmbach

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Anekdote aus dem Fichtelgebirge

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Das ist nun Seite 2 meiner bayerischen Sagen fuer alle Besucher und Freunde unserer Bayern-Reise, aber natürlich auch für alle Bayern selber.

Alte Märchen, die nicht unbedingt aus Bayern stammen müssen, finden Sie auf folgender Seite:

Alte deutsche Maerchen

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Aus der Oberpfalz kommt nun die folgende Sage:

Der Engel- oder Kinderweiher von Neunaigen

Tiefe Schneelast drueckte des Tales Gruende und noch immer wirbelte es durch die Luft, denn bleigraue Wolken schuettelten immer wieder neue Schneeflocken nieder, indes dieEisflaeche des Weihers unter dem heulenden Wintersturm erklirrte. Weg und Faehrte war dicht verschneit oder verkrustet. Da schleppte sich einsam ein Weib ueber den Teich, im Tragkorb auf dem Ruecken ein Kind, das vor Kaelte zitterte.

"Mutter", wimmerte der Kleine zum Herzerbarmen, "Mutter mich friert so schrecklich, ich kann es nicht mehr aushalten; spute dich, sonst muß ich sterben". Ein namenloser Schmerz durchtobte das arme Weib. Aus aus der Mutterliebe grundloser Tiefe holte sie sich immer wieder Kraft. Mehr bittend als befehlend rief sie: "Harre aus lieb Kind!. Nur noch ein Viertelstuendchen harre aus! Sieh, dort ragt ja schon die Huette aus dem Schnee. Siehst du den Kamin und wie der schwarze Rauch aufsteigt?"

Indes war es nur eine Trostluege, denn man konnte durch den Schneesturm nichts unterscheiden. Der Kleine weinte unaufhoerlich fort. Mit unsaeglicher Muehe schuf sie sich duerftige Bahn und Faehrte, sie war der Erschoepfung nahe. Ploetzlich springt hungerwuetig aus des Dammes beeistem Strauchwerk ein Wolf heran und stellte sich dem Weib in den Weg.

"Jesus!" stieß die zu Tode Erschreckte aus. Im Nu war der Tragkorbhingestellt und nun dringt sie mit uebermenschlicher Kraft auf den zottigen Unhold ein. Der Wolf aber fletscht die gierigen Zaehne, und weder des geschwungenen Stockes noch der wuchtigen Hiebe achtend, zerrt er das Weib an Rock und Bein, bis es endlich vor Schreck und Erschoepfung auf das duestere Eisfeld niederstuerzt. Da erfaßt den vierjaehrigen Knaben, der laut aufgeschrieen hatte, ploetzlich ein wundersamer Kampfesmut.

Er windet sich flugs aus dem Korb, rafft den Stock an sich und haut unablaessig voll rascher Kraft auf das Fell des Raubtieres ein, bis es verdutzt und vergraemt mit blutigem Ruecken und aufgeschundenem Nacken sich vom Teiche trollt und wieder nach dem Gestruepp verzieht.

"Mutter", rief der Junge, "der boese Wolf ist fort, ich habe ihm weidlich das Fell gegerbt. Mutter, hoerst du?" Erst allmaehlich gewann die Arme wieder die Kraft sich zu erheben und nun starrte sie bald ihren Knaben an, bald laechelte sie zum ewigen Himmel empor, denn niemand anderes als ein Engel Gottes deuchte ihr jetzt ihr Kind.

Voll unsaeglicher Freude, den Knaben an ihrer Seite, eilte sie nach der heimischen Huette, welche sie auch bald erreichte. In den naechsten Tagen aber erzaehlte sie allem Volke in Stadt und land, wie wunderbar sie durch ihres Kindes Mut und Kraft aus einer schrecklichen Gefahr befreit worden sei.

Seit dieser Zeit ward der Teich von Neunaigen vom Volk mit frommem Eifer immerfort der Kindel- oder Engelweiher genannt.

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Aus dem Allgaeu mit seinen frueher beruechtigten Wildschuetzen kommt folgende Geschichte:

Der Grethler von Schattwald

In Schattwald lebte vor rund 200 Jahren ein Wildschuetze, den man den "Grethler" nannte und der alle Teufelskuenste loshatte. So konnte er sich "verblenden" und sich in einen "Stock" (Baumstumpf) verwandeln, wenn ihm gerade ein Jaeger zu nahe kam.

Einmal kam es sogar vor, daß ein Foerster, als sich wieder in einen Stock verwandelt hatte, sich auf diesen niedersetzte und anfing, sein Brot zu essen. Der verzauberte Grethler hatte damals große Angst, der Foerster moechte etwa das Messer, mit dem er sein Brot schnitt, in den Stock stecken. Das waere dann naemlich in seinen Leib gegangen.

Auch das Bannen verstand er und einen Foerster bannte er einmal mitten auf einem Waldwege, daß dieser keinen Schritt mehr vor- oder rueckwaerts konnte. Der Grethler ging aber ruhig seines Weges weiter und als ihm hernach ein Mann begegnete, ersuchte er diesen, er moege dem Foerster, wenn er ihn treffe, sagen, jetzt koennte er wieder fort. Der Mann tat dem so und sogleich war der Bann aufgehoben und der Foerster konnte wieder weiter.

Natuerlich "stellte" der Grethler am liebsten und oft Wild, das er dann bequem und muehelos erlegte. Selbst die Fische im Wasser wurden von ihm beliebig gebannt und dann gefangen.

Als dann zu Kriegszeiten einmal Kaisersoldaten, die gegen Bregenz zogen, durch das Tannheimer Tal kamen und den Auftrag hatten, alle kraeftigen und schoenen Maenner mitzunehmen, damit man sie beim Militaer einreihen koenne, verwandelte er sich um diesem Schicksal zu entgehen, so oft seiner ein Offizier ansichtig wurde, in einen katzengrauen, alten Mann und blieb dadurch frei.

Fuer gewoehnlich hatte der Grethler ein kleines Saeckchen bei sich. In dem war eine Hummel und diese nannte er nur den "Jordan", in Wahrheit aber war es der Teufel. Zu Hause bewahrte er die Hummel in einem Buechslein auf.

Einmal nahm er sich jedoch vor sich zu bessern und so wollte er mit dem Teufel brechen. Er trug das Saeckchen mit der Hummel zum Fallstrudel und warf es in die Schlucht hinab. Als er aber wieder nach Hause kam, war der "Jordan" schon wieder in der Stube hinter dem Tisch.

Der Grethler blieb verstockt sein ganzes Leben lang, starb aber auch "unversehen" (unerwartet) und unter seinem Kopfkissen fand man dann die Schrift, mit der er sich dem Teufel verschrieben hatte.

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Früher war man bei Ehebruch sehr schnell mit dem Schwert zu Hand, entweder als gehörnter Ehemann oder von seiten der Obrigkeit.

Und manchmal auch von "janz oben", daher kommt die Geschichte vom Mann mit dem Kopf unterm Arm in der Nähe von Landsberg:

Die Jungfer Zuzibeh von Landsberg

Vor langer Zeit gab es in Landsberg einen Ratsherren, der hatte auch eine Brauerei und war ein reicher Mann. Eine seiner Bediensteten war ein hübsches liebes Mädchen, das auch immer lustig aufgelegt war. Der Ratsherr verliebte sich in sie und nannte sie heimlich seine "Jungfer Zuzibeh".

Wenn er jedoch abends heim kam, dann hatte er schon zu Lebzeiten die Hölle auf Erden. Seine Ehefrau war wie eine Tochter des Teufels und drangsalierte ihn wo sie nur konnte.

Als sie spitz bekam, daß ihr Mann ein Techtelmechtel mit dem Dienstmädchen hatte, jagte sie dieses aus dem Haus.

Aber das Mädchen wohnte ganz in der Nähe in dem Örtchen Pitzling und so trafen sich die beiden Verliebten heimlich im Pösinger Holz. Dorthin kam man über eine Brücke, genannt der Kuchensteg.

Es wurde Herbst und eines Abends, es wurde schon sehr kühl, machte sich der Ratsherr schnell auf den Heimweg. Doch er dachte nicht daran, daß die hölzernen Bohlen des Kuchenstegs schon feucht geworden sein könnten, rutschte in der Hast aus und fiel in die Schlucht.

Dort kam er elendig um und da er ein Verbrecher gegen Gottes Gebote war, holte ihn der Teufel. Und zur Mahnung an die Lebenden muß er als Gespenst mit dem Kopf unterm Arm umgehen, denn so wurden damals Ehebrecher gestraft - "Rübe runter"

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Auch bestimmte Ortsnamen beinhalten Sagen, wie zum Beispiel eine Schlucht in der Nähe von Deggendorf, kurz vor dem Bayerischen Wald:

Die Hölle bei Deggendorf

Das ist der Name einer, wir sagen heute "romantischen Schlucht", die man bei einer Wanderung von Maxhofen nach der Rusel finden kann. Und wenn man dann von Einheimischen hört, diese Schlucht nennen sie "Hölle", dann wird man schon neugierig.

Die alten Bauern erzählen dann folgende Geschichte: ein Waldbauer war eines Tages in Deggendorf auf dem Getreidemarkt, auch Schranne geheißen, und hatte gute Geschäfte getätigt. Das war auch der Grund für a paar gute Maß Bier und so ging's erst heim, als die Dämmerung begann.

Urplötzlich blieb sein Pferd stehen und weder Zureden noch Peitsche halfen weiter. Da wurde dem Bauern etwas bang, er zieht sein Messer, hält den Geldbeutel fest und ruft in die Nacht "wer is da?"

Erst hört er nichts, nur ein Echo "..is da", doch plötzlich rumorts im Gebüsch und eine schreckliche Stimme sagt" Mein ist die Nacht, dein ist der Tag!"

Herrjeh, denkt der Bauer, der Gottseibeiuns ist gekommen. Aber im Glauben an göttliche Hilfe sagt er tapfer "San do Jesus, Maria und Joseph aa bei da Nacht groast" (für die Unsprachkundigen "sind doch Jesus, Maria und Joseph auch in der Nacht gereist").

Das war wie eine göttliche Ohrfeige, der Teufel schrie auf und fuhr einen gräßlichen Gestank hinterlassend mit großem Lärm in die Schlucht und gradwegs in die Hölle. Seither hat die Schlucht den Namen und der darin plätschernde Bach wird der Höllbach genannt.

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Daß unsere österreichischen Nachbarn und besonders die Tiroler alleweil die Bayern "tratzten", davon erzählen

Die Eselseier

Es gab einmal einen Landrichter in Weilheim, der wollte gerne einen Esel besitzen. Nun fuhren zwar viele Tiroler Händler mit Eseln durch Weilheim, aber wenn er einen kaufen wollte (Esel !) dann verlangten die Händler soviel, daß er es immer sein ließ. Eines Tages jedoch versuchte er wieder sein Glück bei einem der durchreisenden Tiroler und dieser war auch bereit, ihm ein Tier zu verkaufen. Aber 50 Gulden, nein, das war dem Richter zuviel.

Auf dem Wagen des Händlers lagen große gelbe Kugeln, solche hatte der Landrichter noch nie gesehen. So fragte er den Händler, was er denn da als Ware hätte. Der Tiroler witterte eine große Gaudi und so antwortete er, das seien Eselseier, die sein Grauschimmel in der Nacht gelegt hätte. Der Landrichter dagegen hoffte auf eine billige Möglichkeit, doch noch zu einem Esel zu kommen und fragte nach dem Preis. Für 12 Gulden verkaufte ihm der Tiroler ein "Ei" mit der "Brutanleitung" dasselbe auf den Gogelberg bei Weilheim zu tragen, sich darauf zu setzen, um es warm zu halten und zu warten, bis der Esel schlüpft.

Der Landrichter freute sich über den billigen "Tierkauf", der Tiroler amüsierte sich köstlich, denn die "Eselseier" waren nichts anderes als gelbe Kürbisse.

Der Richter aber tat wie ihm empfohlen, trug das "Ei" auf den Berg und hockte sich drauf. Nach etlicher Zeit war er müde, von der Anstrengung des Brütens lief ihm der Schweiß von der Stirn und der Hintern tat ihm weh. Er versuchte sich ein wenig anders zu setzen, da rollte ihm der Kürbis weg, den Berg hinunter und gradewegs in ein Gebüsch. Daraus schoß ein erschreckter Hase und der Richter schrie "hierher Esel, hierher".

Aber der "Esel" gehorchte nicht und verschwand in den Feldern. Der Landrichter schaute ihm lange nach, bis er merkte, daß der Tiroler ihn genasführt hatte. Doch als der Richter nach Weilheim zurückkam und diesen bestrafen wollte, war er schon lange weiter gefahren.

In Oberfranken gibt es viele schöne Sagen, hier eine mit Illustration von G. Damberger, gefunden in „Das Bayerland 1898“ - eine Sage von Obersteinach

Das Schloß der Spieler

Als die Landleute noch das Recht hatten, abgestorbene Waldbäume für sich zu holen, war eine Bauersfamilie aus Obersteinach am Fuß des Ochsenkopf emsig tätig. Ein zu dieser Familie gehörender Knecht bekam durch die Arbeit heftigen Durst und rief eines der jüngeren Mägde zu sich. „Geh und hole mir etwas Wasser, sonst verdurste ich!“

Das Mädchen nahm ein Trinkgefäß und ging nach einer Quelle suchen, aber sie fand keine und urplötzlich bemerkte sie, daß sie auch den Weg nicht mehr fand, den sie gegangen war. Es begann heftig zu weinen und rief laut alle Namen der Famile, aber keiner schien sie zu hören. Die Sonne verschwand schon langsam, es wurde immer dunkler und immer noch hatte sie keinen Weg aus dem Wald gefunden.

Dann kam die Nacht, am Himmel leuchteten nur noch die Sternlein und das Kind machte sich bereit, im Wald zu schlafen. Doch plötzlich sah sie zwischen den Bäumen Lichter und als sie näher kam, sah sie ein herrlich beleuchtetes Schloß, von dem sie bisher nichts gewußt hatte. Wie froh wurde es dem Mädlein ums Herz, mußte sie doch nun nicht in der dunklen Wildnis übernachten.

Am Schloß angekommen, war es jedoch seltsam, trotz all der Lichter war kein Laut zu hören. Sie klopfte, aber niemand kam zu öffnen. Erneut klopfte sie beherzt an die geschlossene Türe, doch außer dem Echo dahinter war nichts zu hören. Nun schon arg bedrückt versuchte sie es ein drittes Mal, lauter und heftiger als zuvor. Und da, plötzlich hörte sie das Geräusch eines zurückgeschobenen Riegels, öffnete sich das Tor und ein Mann mit einer brennenden Kerze in der Hand stand ihr gegenüber. Auf ihren Gruß hin erwiderte er nichts und führte sie schweigend in einen großen weiten Saal.

Sie setzte sich bescheiden auf ein Bänklein am Kamin. An einer langen Tafel saßen zwölf Männer, die Karten spielten. Aber alle sahen bleich aus und verloren kein Wort beim Spiel. Schweigend legte der Verlierende eine Münze hin und ohne ein Wort wurde dann der Gewinn eingezogen. Da kam dem Mägdlein ein Grausen an, wie es der Sterbliche bei Ahnung von Ungeheuerem oft bekommt.



Mit ängstlichen Blicken betrachtete sie die rätselhaften Gestalten und mit Entsetzen bemerkte sie jetzt, daß die Hände der Spieler eine andere Farbe trugen. Sie sah goldgelbe, silberweiße und auch blutrote Hände. Da rief die Kleine in Todesangst „Assi möchti!“ (hinaus möchte ich). Und schweigend nahm der, der sie eingelassen hatte, die Kerze und ließ sie wieder hinaus aus der grausigen Stätte.

Sie setzte sich unweit des Schlosses nieder und schlief bald ein. Als sie erwachte, vergoldete schon die Morgensonne die Wipfel der Bäume, die Lerche wirbelte ihr Lied und das Schloß war verschwunden. Ein Haufen Schutt und Steine auf der Stelle desselben ließ vermuten, daß wohl ehemals ein Gebäude dort gewesen sein möge. Froh, das Abenteuer glücklich bestanden zu haben, setzte das Mägdlein ihr Suchen nach dem Wege fort und fand ihn dann auch bald wieder.

Eine andere Sage aus dem Fichtelgebirge und zwar aus der Gegend um Bischofsgrün (wie der Ort aussieht finden Sie unter meiner Waldsassen-Seite) wurde von Adolf Häußling überliefert und von O. Degenhard illustriert, auch im „Das Bayerland 1898“ gefunden

Der Nußhard

Mehr als irgendwo spielt in den Sagen des Fichtelgebirges die Mär von verschwundenen Schätzen, von verborgenem Gold usw eine wichtige Rolle. Auch in der Sage vom Nußhard, einem Klippenberg bei Bischofsgrün, erscheint gleich zu Beginn das blinkende Gold.

Einst weidete dort ein Hirte friedlich seine Herde, als er unerwartet am Fuße des Felsens eine Jungfrau bemerkte, die er früher nie gesehen, obwohl er doch jede Person, groß oder klein, jung oder alt in der ganzen Umgebung herum kannte. Die Jungfrau war von überaus anmutigem Äußeren und beschäftigte sich, Flachsknoten in der Sonne auszubreiten. Gerne hätte der Hirte das Wort an sie gerichtet, aber eine Schüchternheit gestattete ihm nicht, die Fremde anzusprechen.


Er blieb bescheiden in der Entfernung stehen, und erst als sie sich langsamen Schrittes entfernt hatte, trat er näher, die Knoten zu besehen, welche sie ausgebreitet hatte. Zu seinem Erstaunen fand er unter denselben ein Goldstück. Einige Erzähler der Sage behaupten, daß hier die Schüchternheit des Hirten wich und er das Goldstück in seine Tasche schob. Und das wiederholte sich mehrere Tage, ja sogar Wochen. Schweigend gingen die Beiden aneinander vorüber.

Endlich faßte der Hirte doch den Mut und er sprach die Jungfrau an. Er vernahm gar sonderbare Botschaft aus ihrem Munde. Sie erzählte ihm, daß sie ein verzaubertes Prinzeßlein sei und meinte, daß er wohl dazu bestimmt wäre, den auf ihr lastenden Bann zu brechen. In Bälde wäre der hohe Festttag des Apostelfürsten Petrus. An diesem Tage solle er wiederkommen.

Er solle sich dann aber als mutiger furchtloser Bursche erweisen, denn sie würde an diesem Tag in der Gestalt eines häßlichen Weibes erscheinen. Allerdings würde ihm etwas zugemutet, was jungen Burschen nicht lieb sei, nämlich ein altes Weib dreimal auf die Stirn zu küssen. Wenn er dies thun würde, wäre sie erlöst und würde ihm reichliche Belohnung spenden. Rasch gab der Bursche seine Zusage und versprach gewiß sein Erscheinen. Tag und Nacht beschäftigte ihn kein anderer Gedanke mehr als das Wagwerk der Erlösung.



Aber als der Morgen des berühmten Tages angebrochen war, da war es auch mit der Entschlossenheit des Burschen dahin. Er trieb seine Herde in eine andere Richtung und blieb dem Nußhard ferne. Nach mehreren Tagen suchte er die frühere Stelle wieder auf und richtig sah er die Jungfrau wieder. Mit vorwurfsvollem Tone frug sie ihn, warum er sein Versprechen nicht gehalten, warum er nicht gekommen sein? Für lange, lange Zeit, ja, für ungezählte Jahre sei der Augenblick der Erlösung wieder vorüber. Es sei zu seinem und zu ihrem Unglücke gewesen, daß er sein Wort nicht gehalten habe. Nachdem die Jungfrau dies gesprochen – verschwand sie. Vergebens erschien der Hirte zu öfteren Malen an der Stätte, spähte hinter jeden Baum, hinter jeden Felsen – die Jungfrau erschien nicht wieder.

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