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Das ist nun Seite 3 meiner bayerischen Sagen-Abteilung
fuer alle Besucher und Freunde unserer Bayern-Reise, aber natürlich auch
für alle Bayern selber.
Alte Märchen, die nicht unbedingt
aus Bayern stammen müssen, finden Sie auf folgender Seite:
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dieser Seite - die anderen sind "verlinkt". Also müssen Sie
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Auch in Unterfranken gibt es Erzaehlungen ueber Wildschuetzen
( juristisch exakt heute - Wilddiebe):
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Die Muehle zu Frammersbach
Oberhalb Frammersbach, in dem Tal, welches gegen Lohrhaupten
hinzieht, lag vor langen Jahren eine Kupfermuehle. Der Besitzer, ein reicher
Mann, war Witwer und hatte einen einzigen Sohn, der war wohlgebildet, hoffnungsvoll
und des Vaters groeßte Freude. Er hatte nur den Fehler, daß er
lieber der Jagd nachging als dem vaeterlichen Geschaeft, hierdurch hatte er
dem Vater schon vielen Kummer bereitet.
Abgesehen davon, daß das Geschaeft durch das Jagen des
Sohnes litt, fuerchtete der Vater ein weiteres Unglueck. Die Rienecker Grafen,
die auf dem Partenstein saßen und denen die Jagd gehoerte, waren keine
Herren, welche mit sich spaßen ließen. Des Vaters Mahnungen jedoch
hatten weiter keine Folge, als daß der Sohn nun heimlich trieb, was er
sonst oeffentlich getan hatte.
Einst war der junge Mueller wieder im Forst. Da eilte ein
starker Hirsch an ihm vorueber, ein wohlgezielter Schuß von der erprobten
Armbrust streckte ihn nieder. Gerade als der junge Mueller das Wild ausweiden
wollte, kam ein Reiter herangesprengt. Dieser hatte den Hirsch verfolgt und
stellte den Wildfrevler wegen seiner Verletzung des Jagdrechts mit harten Worten
zur Rede. Der junge Kupfermueller blieb nichts schuldig und in der Hitze des
Streites schlug der Reiter den Schuetzen. Ergrimmt stieß dieser mit Messer,
das er zum Ausweiden gebraucht hatte, nach dem Reiter, der tot vom Pferd sank.
Der Erstochene war aber ein Sohn des Grafen von Rieneck. Als
der Graf die Kunde von dem Geschehenen bekam, ließ er die Muehle umstellen,
den Sohn herausholen und vor der Muehle aufhaengen. Der Vater graemte sich
so, daß er Hab und Gut verließ und nie wieder gesehen wurde. In
der Muehle aber war es nicht mehr geheuer und es mochte niemand darin bleiben
- sie verfiel und lag viele Jahre in Truemmer.
Erst nach langer Zeit erwarb ein Fremder das Land und errichtete
einen Eisenhammer (Hammerwerk/schmiede), der noch besteht. |
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Frueher gab es in Unterfranken viele Wassergeister, davon
erzaehlt die folgende Legende:
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Das Gloeckchen der Stromfei
Als durch die Laender der Christenheit einst der Ruf zur Kreuzfahrt
erschallte, ritt die Bluete der Ritterschaft aller christlichen Nationen gegen
Osten, dem Muselmann das Grab des Heilands wieder zu entreißen.
Auch durch das Burgtor von Klingenberg am Main drang der heilige
Ruf und Klingenbergs Graf nahm auch den Mantel mit dem Kreuz. Vergebens suchte
seine verzweifelte Gattin ihn abzuhalten - Gott will es, war seine Antwort.
Der Herr und die heilige Jungfrau sollten ihre Beschuetzer sein, bis er einst
siegreich heimkehre. Und bevor der Graf den Kreuzzug antrat, gab er seiner
Frau Jutta ein Andenken gar seltener Art, ein silbernes Gloecklein, dem hoechst
wundersame, schier unheimliche Kraefte innewohnen sollten.
Dieses Gloecklein hatte einst eine Nixe, eine Stromfei, seinem
Ahn geschenkt. Jutta sollte dieses Gloeckchen in ihrer Kammer gut verwahren.
Sollte es Gottes Fuegung sein, daß der Graf im fernen Land sterbe, so
wuerde das Gloecklein ihr durch sein Laeuten dies mitteilen. Wenn jedoch seine
Frau ihm untreu werden wuerde in seiner Abwesenheit, auch dann wuerde es laeuten
und er muesse zur selben Stunde sterben. Das waere der Zauber der Stromfei,
den diese auf das silberne Gloecklein gelegt haette.
Es verging ein Jahr, ein zweites, ein drittes, noch immer
wartete Jutta sehnsuchtsvoll auf die Rueckkehr ihres Mannes. Kein Bote kam,
der irgendeine Meldung oder Nachricht brachte, wie es dem Grafen in dem fernen
Land erging. Juttas Herz war voll der Sorge und Trauer, wußte man doch
daheim, daß viele tausend und tausend Ritter ihren Untergang gefunden
hatten. Nur eines gab ihr Trost, das Gloecklein hatte noch nicht gelaeutet.
Ein junger Rittersmann jedoch war in heißer Liebe zu
der verlassenen Schoenen entbrannt und wies mit unglaeubigen Laecheln ihre
Erzaehlung ueber dessen Wunderkraft zurueck. - Das sei eine heimliche List
des Grafen gewesen, um sich durch Angst und Furcht fuer immer Juttas zu versichern.
Der junge Ritter habe auch gewisse, sichere Botschaft, daß auch der Graf
unter den scharfen Saebeln der Sarazenen untergegangen sei. Er sprach so ueberzeugend,
daß Jutta bald nicht mehr an die Zauberkraft des Gloeckleins glaubte.
Um so mehr schenkte sie den verfuehrerischen Worten des jungen
Ritters Glauben, der sie dringend beschwor, ihre Witwentrauer abzulegen und
seine Frau zu werden. Da er so sueß zu flehen verstand gab sie ihm endlich
das Ja-Wort. Doch kaum, als er sie umarmt, den Brautkuß auf ihre Lippen
gedrueckt und dabei den alten Ehering von ihrem Finger gestreift hatte, da
begann das Gloecklein zu laeuten - der Zauber der Stromfei zeigte seine Kraft.
Verzweiflung und Entsetzen erfaßten Jutta, mit einem
entsetzten Aufschrei sank sie zu Boden. Das Gloecklein wimmerte weiter, da
sprang sie zur Tuer hinaus, eilte die Treppe im Turm hinauf und sprang in die
Fluten des Mains. Der junge Ritter, der vergeblich versucht hatte, ihr schreckliches
Vorhaben zu vereiteln, legte sein Standesgewand und Waffen ab und ging zur
Reue in ein strenges Kloster.
Im fernen Morgenland jedoch, so wurde erzaehlt, gruben am
gleichen Tag die Haende treuer Diener das Grab des Grafen von Klingenberg,
der unerwartet nicht durch Feindeshand getroffen ploetzlich vom Tod ereilt
worden war. |
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Auf der Fahrt von München nach Füssen kommen wir
meistens durch das nette Städtlein Weilheim und von dort habe ich die
nachfolgende Geschichte:
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Kirchen-Schiebung
Die Weilheimer gingen früher gern in eine kleine Kirche,
die zwischen zwei hohen und steilen Bergen stand. Doch der Weg war weit und
anstrengend, weil sie erst um einen See und dann um die Berge rumlaufen mußten.
Da kam ihnen der Gedanke, das Kirchlein auf die freie Seite
vor den See zu schieben. Damit sie nun merken würden, wie weit sie schon
geschoben hätten, legte einer seinen Mantel vor das Kirchlein, dann gingen
alle auf die Rückseite und begannen zu schieben.
Nach etlichem Geschiebe unter Gestöhn und Schweiß
ging dann einer mal schauen, wie weit man schon gekommen sei. "Laßt's
gut sein, 's Kirchlein is scho auf dem Mantel drauf" rief er, denn der
Mantel war nicht mehr zu sehen.
Tja, aber, den Mantel hatte ein Dieb genommen und das Kirchlein
steht immer noch auf dem alten Fleck. |
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Von welchem Schrot und Korn die alten Bayern waren, speziell
manche Niederbayern, davon erzählt die Sage
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Die Pest in Oelberg
In dem Gebiet des Büchelsteins, einem Teil des Bayrischen
Waldes, liegt die Ortschaft Oelberg. Dieses kleine Dorf wurde im 30jährigen
Krieg mehrmals von den Schweden überfallen und ausgeplündert. Als
dann nichts mehr zu holen war, wurde s auch noch niedergebrannt.
Die armen Dörfler begannen wieder die Häuser neu
aufzubauen, als ein weiterer Begleiter des Krieges zu Besuch kam, die Pest.
Viele starben, der Rest der Leute flüchtete vor der Krankheit in den nahen
Wald, wo sie sich in einer übrig gebliebenen Scheune versteckten. Aber
der gefürchtete Feind schlich ihnen nach.
Eines Morgens, die Sonne begann gerade hinter den Bergen aufzusteigen,
erwachte von den schlafenden Dorfbewohnern ein 80jähriger und wunderte
sich, daß die anderen noch ruhig und bewegungslos herumlagen. Er wollte
seine Mitschläfer aber nicht stören, legte sich nochmals hin und
schlief weiter.
Als er zum zweiten Mal erwachte, brach bereits das volle Tageslicht
zur Scheine herein. Nun erhob sich der Greis und wollte die trägen Langschläfer
wecken. Aber welch ein Grauen: die Pest war des Nachts hereingeschlichen und
von all den Schläfern war er allein übrig geblieben. Gerade als er
anfing, für die Verstorbenen ein Gebet zu sprechen, trat der Tod in die
Scheune um auch dem alten Mann das Leben zu nehmen.
Doch der Greis fürchtete sich nicht und setzte sich zur
Wehr. Er schlug mit seinem gewaltigen Knotenstock dem Sensenmann an den Schädel,
so daß dieser die Flucht ergriff. Der Tod hatte dann solche Furcht vor
dem Mann, daß er erst auf dessen eigenen Wunsch im seligen Alter von
120 Jahren zurückkam. |
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Eine "christliche" und dennoch auf boarische Art
a bisserl "hinterfotzige" Geschichte ist die vom
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Christus und der Schmied aus Königstein
(aus "Das bayerische Kinderbuch" von 1979)
Christus und Petrus gingen an einer Schmiede vorbei, an der
ein Schild hing mit der Aufschrift "Meister über alle Meister".
Da sagte Petrus, daß es doch keinen größeren Meister als den
Herrn gäbe und er fragte den Schmied, wieso er solchen Spruch über
die Tür gehängt hatte. Der Schmied antwortete kurz und bündig
"weil ich es bin" und um seine Kunst zu zeigen machte er sich sofort
an die Arbeit. Und in kurzer Zeit stand ein schönes, eisernes Gitter rund
um den ganzen Hof.
"Nun", sagte der Herr, "wir sind auch Schmiede,
und wir können auch etwas: wir können aus alten Weibern junge machen".
Das glaubte der Schmied natürlich nicht und brachte sogleich seine alte
Mutter, damit die Aufschneider aus ihr ein junges Mädchen machen sollten.
Das alte, bucklig, zusammengeschrumpelte Weiblein hatte auch nichts dagegen
wieder jung zu werden.
Da blies sie der Herr an und sie war tot. Dann legte er das
tote Weiblein in den Schmiedeofen, häufte viele Kohlen drauf und Petrus
zog den Blasebalg, bis es rotglühend wurde. Dann nahm der Herr es aus
der Glut, legte es auf den Amboß und dann schlugen der Herr und Petrus
mit den größten Hämmern darauf, daß die Fetzen flogen.
Danach kam das Weiblein noch einmal in den Ofen, und dann wurden ihr Kopf,
Leib, Hände und Füße und alles wieder fein ausgeschmiedet.
Am Ende blies ihr der Herr wieder Leben ein und im selben Augenblick stand
eine schöne Jungfrau in der Werkstatt. Anschließend nahmen die beiden
Wanderer einen kleinen Lohn und gingen weiter.
Nun liefen die alten Weiber aus der Nachbarschaft zusammen
und bestaunten die neue Jungfrau und hätten viel Geld gegeben, auch so
schön zu sein. Da witterte der Schmied nun ein Geschäft. "Ich
hab gut aufgepaßt" dachte er bei sich, "was die können,
kann ich schon lange". Und er machte sogleich mit der Nachbarin den Anfang.
Er blies sie an, aber sie blieb lebendig. Nun, dachte er,
wenn ich sie ins Feuer lege, wird sie schon tot werden. So legten sie sie denn
in den Ofen und machten ein großes Feuer. Die Nachbarin aber wurde übel
verbrannt. Danach kam sie auf den Amboß und wurde kräftig verbläut.
Doch schöner wurde sie nicht, sondern zerbrach in viele Teile.
Da bekam es der Schmied mit der Angst und er schickte nach
den Wanderern. Nach langem Zureden gab der Herr dem Schmiedeknecht nach und
kehrte zurück. "Ich will sehen, was ich aus den verdorbenen Trümmern
machen kann", sagte der Herr. Und er legte sie ins Feuer, dann auf den
Amboß und begann zu schmieden. Und als alle Teile zusammengeschweißt
waren, blies ihnen der Herr noch Leben ein. Freilich war nur ein närrischer
Affe draus geworden.
"Anderes", sagte der Herr, "konnte man nicht
mehr daraus machen". |
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Aus Niederbayern, genauer gesagt aus dem Vilstal kommt die
folgende Legende
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Das Federlein
Einst hatte ein Bauer einen unheimlichen Spuk in seinem
Pferdestall. Mal machten die Tiere furchtbaren Krach, wieherten und stampften,
als wenn sie jemand ueber Gebuehr beanspruchte. Dann standen sie mal am Morgen
verkehrt in ihren Boxen oder die Maehnen waren auf einmal ueber Nacht geflochten
worden. Dem Bauern ward es unheimlich.
Er ging zu einem weisen Mann, der in der Nachbarschaft wohnte.
Dieser meinte, da koenne nur eine Hexe ihre Finger im Spiel haben. Er gab ihm
den Rat, wenn er etwas Unrechtes im Stall bemerke, dann solle er es auf der
Stelle ins Feuer werfen.
Am naechsten Morgen ging der Bauer in den Stall und was
fand er? Seinem Rappen war wieder die Maehne geflochten worden. Auf dem Ruecken
des Pferdes aber lag ein kleines weisses Federlein. Der Bauer nahm es und warf
es in den Ofen, wo es mit seltsamem Zischen verbrannte.
Als sich dann die Knechte und Maegde zur Morgenmahlzeit
am Tisch spaeter versammelten, da fehlte eine Magd. Man suchte sich im ganzen
Haus, konnte sie aber nicht finden. Und auch spaeter soll sie nirgendswo mehr
gesehen worden sein. |
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Eine Sage aus Unterfranken, gesammelt von Adolf Häußling
um 1898 und illustriert von Hugo Schnegg erzählt aus der Zeit des Hexen-Wahns
und heißt |
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Das Kreuz bei Reußenberg
Nahe bei Gemünden erhebt sich der Reußenberg mit seiner Burgruine.
Eine halbe Stunde davon entfernt befindet sich der Sodenberg. Zwischen beiden
steht ein altes, ganz verwittertes Steinkreuz, an welches sich eine schaurige
Sage knüpft.
Auf dem Reußenberg war einst eine junge Magd bedienstet, der es scheinbar
unter dem übrigen Gesinde nicht gefiel, denn sie zog es vor, jeden Abend
auf den Sodenberg hinüber zu wandern, wo ihr die Gesellschaft wahrscheinlich
lustiger und fröhlicher deuchte. Wiewohl der Weg kaum ein halbes Stündlein
betrug, war der Maid der Weg doch zu mühsam, und sie schloß mit
dem Bösen ein Bündnis, damit sie rascher hin und her gelange.
Als eines Abends die Spinnstube zu Ende war und das Mädchen heimgehen
wollte, hauste im Freien ein fürchterliches Unwetter. Die Freunde und
Freundinnen suchten mit eindringlichen Worten das Mädchen zu veranlassen,
hier zu bleiben und hier zu übernächtigen und erst am nächsten
Morgen wieder auf den Reußenberg nach Hause zurückzukehren.
Aber das Mägdlein lachte spöttisch, wies alle Einladungen zurück
und sprach: Ich gehe fort und sollte ich auf einem Bock heimreiten.

Bald war sie im Dunkel der Nacht verschwunden und einige
Fürwitzige, welche ihr forschend nachschauten, wollen wirklich gesehen
haben, daß nicht weit von der Burg ein schwarzer Ziegenbock von ansehnlichem
Äußern und mächtigen Hörnern ihrer gewartet und von ihr
als Reitpferd benützt worden sei. In die Burg auf dem Reußenberg
ist sie aber in der Nacht nicht zurückgekehrt.
Als man dort am nächsten Morgen nachforschte, da verriet eine Freundin,
die sie ins Vertrauen zog, daß sie wahrscheinlich wieder heimlicherweise
auf den Sodenberg gegangen sei. Man schickte Kundschaft hinüber, ob sie
dort verblieben sei. Welch ein Entsetzen! Man fand auf dem Weg die Leiche des
Mädchens mit gebrochenem Genick und scheußlich verzerrten Zügen.
Die suchenden Leute von Reußenberg trafen hier mit denen vom Sodenberg
zusammen, die, ebenfalls besorgt, Nachricht über das Heimkommen des Mädchens
hatten einziehen wollen.
Man erzählte die frevelhafte Rede des Mädchens und siehe da, es war
kein Zweifel, der Böse hat sich sein Opfer geholt. Es ließ sich
auch in der Nähe ein starker pestilenzartiger Gestank vermerken. Zur Erinnerung
an dieses grausige Begebnis wurde ein steinernes Kreuz aufgepflanzt, das sich
bis heute erhalten hat.
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Aus Mittelfranken hat 1898 ein Georg Ries die nachfolgende
Sage überliefert: Die Entstehung des zweiten Obernzenner Schlosses
die Illustrationen dazu sind wieder von Hugo Schnegg |
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Wie das zweite Schloß in Oberzenn entstand
Die schönste Zierde des herrlich gelegenen Marktfleckens Obernzenn bilden
die beiden Schlässer, welche den Patronatsherrschaften von Seckendorff-Gutend
und Aberdar gehören. Aber nicht gleich von Anfang sollen diese beiden
Schlösser hier bestanden haben. Nach der Sage gabe es vor langer Zeit
nur ein einziges großes Schloß.
In diesem wohnte einst eine Jungfrau, gar gottesfürchtig und frommen Herzens
und guten Gemüts. Als sie sich eines Abends zur Ruhe begeben hatte, kam
ein freundliches Männchen zu ihr ins Schlafgemach und bat sie flehentlich
auf den Knien, mit ihm zu gehen und einer heiligen Handlung beizuwohnen. Aber
Furcht und Zittern war der Jungfrau angekommen, und sie konnte sich nicht entschließen,
der Aufforderung Folge zu leisten.

In der andern Nacht erschien das Männchen wieder und brachte in dringenderen
Worten seine Bitte vor. Aber wieder vermochte die Jungfrau nicht, ihre Angst
zu überwinden und dem Männchen zu folgen. Als es sich jedoch in der
dritten Nacht wieder einstellte und ihr bei den Heiligen versicherte, daß
ihr nichts geschehen würde und daß sie gewiß ein Gott geweihtes
Werk vollbringe, da betete sie inbrünstig, befahl ihre Seele dem Höchsten
und schickte sich an, mit dem Manne zu gehen.
Ehe sie aber das Schloß verließen, verband er ihr die Augen und
führte sie durchen einen langen, dunklen Gang, der, soviel sie sich nachträglich
erinnern konnte, die Richtung gegen den Schloßberg nahm. Als ihr nach
langer Wanderung die Binde von den Augen genommen wurde, befand sie sich in
einem prächtigen, hellerleuchteten Schlosse. Alles war aufs schönste
geschmückt und schien auf große Festlichkeit hinzudeuten.
Plötzlich öffneten sich die Flügelthüren des Saales. Reicher
Lichtzauber ergoß sich auf die scheu eintretende Jungfrau, der ihr Geleitsmann
in entsprechender Entfernung folgte. Eine andächtige Festversammlung füllte
den Saal. Geweihte Kerzen brannten auf einem Altare. Eine kleine Prinzessin
sollte getauft werden, und der Priester begann eben, seines Amtes zu walten.
Nur die Taufpatin hatte man bis jetzt entbehrt, und darum war die Jungfrau
aus dem Obernzenner Schloß geholt worden. Man legte das Kindlein in ihre
Arme, und bald war der heilige Akt beendet. Ein fröhliches Festmahl beschloß
die Feier.

Nun wollte sich die Jungfrau wieder auf den Heimweg machen. Aber das Männchen,
das sie hergeleitet hatte, brachte sie zuerst in ein großes Gewölbe,
das mit unendlichen Reichtümern gefüllt war. Nimm Dir,
sprach es mit freundlicher Miene, von diesen Schätzen, so viel Du
wilst.

Aber die Jungfrau war bescheiden und sich nur einige Edelsteine
und ein wenig Gold. Da griff das Männchen zu und füllte ihr alle
Taschen und Falten ihres Kleides mit kostbarem Erz und Edelgestein. Mit verbundenen
Augen führte er sie dann den langen, dunklen Gang zurück und brachte
sie ungefährdet in ihr Schlafgemach. Mit dem frohen Gefühle, eine
gute That gethan zu haben, schlief die Jungfrau ein.
Als sie am Morgen erwachte, glaubte sie, geträumt zu haben; als sie aber
die vielen Schätze, beleuchtet vom Strahle der Morgensonne in ihrem Zimmer
erblickte, da schwand der Traum und das Erlebnis der Nacht stand ihr deutlich
vor den Augen. Mit einem Schlage war sie unendlich reich geworden. Von diesem
Gelde soll das zweite Schloß in Obernzenn erbaut worden sein.
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