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Das ist nun Seite 6 meiner bayerischen Sagen-Abteilung fuer alle Besucher und Freunde unserer Bayern-Reise, aber natürlich auch für alle Bayern selber.

Alte Märchen, die nicht unbedingt aus Bayern stammen müssen, finden Sie auf folgender Seite:

Alte deutsche Maerchen

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Eine Sage aus der Bad Reichenhaller Umgebung habe ich wieder in einer alten Ausgabe des Bayerland gefunden

Karl der Große im Untersberg.

Muß ein ganz schönes Gedrängel dort herrschen, wenn man die Geschichte hört:

Auf der Reismühle bei Gauting, unweit des Starnberger Sees, wurde nach der uralten Sage Karl der Große geboren.

Tausend Jahre nach seinem Tode lebt der Unsterbliche noch in altbayerischer Erde in den unterirdischen Hallen und Gemächern des Salzburger Untersberges, dem Lieblingsaufenthalt neckender Berggeister und gewaltiger Riesengestalten aus der Heldenzeit.

In einer anderen Halle über oder unter dem großen Karl haust im Untersberg ein nicht minder großer Kaiser, der Barbarossa mit seinen Söhnen und einem unermeßlichen Heer, der Dinge zu warten, die da kommen sollen und ihres Schwertes begehren.


Noch waren keine zehn Jahre vergangen, da die Reformation begonnen. Da ging ein andächtiger Bürger von Reichenhall eines Sonntags nach der Frühmesse lustwandeln. Er kam an den Untersberg, sah mit Erstaunen den Berg offen wie durch ein Kapellenthörlein, darüber eine Inschrift mit silbernen Buchstaben in einer Sprache, die kein Sterblicher bishergehört. Ihm entgegen schrift ein eisgrauer, ehrwürdiger Mönch mit einem mächtigen Schlüsselbunde, ganz in ein großes Buch vertieft.

Eine ungeheure Pforte flog klirrend und prasselnd auf. Auf einer schönen Wiese stand eine riesige Kirche mit 200 Altären und mehr als 30 Orgeln.

Zweimal 300 Mönche sangen die Horas. Darauf schlug die große Glocke markerschütternd und doch lieblich an, und aus allen Winkeln kam zahlloses Volk zum Hochamt. Nach dem Gottesdienst bewirtete der Mönch den Reichenhaller Bürger köstlich und führte ihn umher in den Wendungen des Berges.

Da sah er den Barbarossa, der einst in den Papsthändeln Salzburg mit Feuer und Schwert verwüstete, unter betäubendem Kriegslärm, Trommelwirbel und Trompetengeschmetter und wehenden Fahnen – dann wieder in einsamer Majestät den großen Karl mit dem langen Silberbart. Wenn der das zweite Mal um die ganze lange Tafel herumreicht, dann bricht der jüngste Tag an.

Lustwandelnd begegneten sie auch vielen unlängst verstorbenen Bayernfürsten, Herren und Frauen, Salzburger Erzbischöfen, Pröbsten von Berchtesgaden und St. Zeno.

Auf die Frage, was diese hier thäten, gab der Mönch dem Reichenhaller eine solche Maulschelle, daß er glaubte, alle neun Chöre der Engel singen zu hören und dieselbe bis an sein Lebensende nicht vergaß.

Doch dann wurde der Mönch wieder freundlich und schlug ihm uralte mächtige Bücher auf, aus Tierhäuten und Baumrinden. Darin stand vieles von den Strafen der Gottlosen, von Türken und Schweden, vom Greuel der Verwüstung, daß die Wölfe wieder in die Städte dringen und in Salzburg ihre Jungen hinter St. Ruperts Altar legen würden, von zwei großen Schlachtfeldern am Rhein und auf den Welserfeldern bei Salzburg, und wie zuletzt Barbarossa mit den Seinen aus dem Bergesdunkel steigen und den Sieg entscheiden werde.

Dann zeigte der Mönch dem Reichenhaller Bürger die zwölf betretenen Ausgänge aus dem Untersberg in verschiedenen Gegenden. In einer derselben wies er ihm einen dürren Birnbaum, der schon einmal umgehauen worden war, aber aus der Wurzel wieder frisch austrieb. Wenn derselbe wieder umgehauen werde, noch einmal grüne und Früchte trage, werde ein wehrhafter Bayernfürst zu dem Baume treten, seinen Schild daran hängen, allen Neidern und Widersachern obsiegen und Bayern groß machen.

Wann, habe der Barbarossa schon einmal auf Karls Geheiß einem anderen Nachfolger anvertraut. Kaiser Ludwig der Bayer sein einmal in der Osternacht deshalb zu ihm gezogen in die Frauenkirche zu München.

Gütig entließ der Mönch den Reichenhaller auf dem alten Wege. Bei jäher Todesstrafe verbot er ihm, sich umzusehen und bevor 35 Jahre verflossen, etwas von dem Gesehenen oder Gehörten irgendeiner lebenden Seele zu offenbaren.

Ein gewisser J.von Braun hat eine Sage vom Dreisesselberg aufgezeichnet, sie lautet:

Ringlein im Schnee

Dort, wo das Gebiet Österreichs mit den Grenzzeichen des Böhmer- und Bayernlandes zusammentrifft, erhebt sich ein langgestreckter Gebirgskamm mit den einzeln hervorragenden Felspitzen, genannt der Hohenstein, Plöckenstein und Dreisessel.

Hier fand in uralten Zeiten ein Treffen der Herzöge der drei Länder statt, bei dem diese nach langen Fehden und Streit über das Wohl des Landes beraten und allen Streit begraben wollten. Auf dem steilsten Gipfel saßen sie einander auf in den Fels gehauenen Sesseln gegenüber, ihr Gefolge neben sich und daher kommt der Name des Berges, Dreisessel.

In der Rauh- oder Rauchnacht vor Dreikönig kamen sie überein, sich vereint den Feinden aus dem Morgen- und Abendland zu stellen und nicht mehr untereinander Hader zu haben.
Nach dieser Einigung zogen sie froh zurück zu ihren Stadtresidenzen, drei junge Edle aus jedem Gefolge beschlossen jedoch, noch die drei schönsten Burgen, die sie vom Dreisessel aus gesehen hatten, zu besuchen.

Das waren die Burg zu Wolfstein, die von Hauzenberg und die von Riedl. Auf jeder Burg lebte ein wunderschönes Fräulein, ein jede schöner als die andere. Aber diese waren sich auch der Schönheit bewußt und nur ganz edle Herren durften einen minnevollen Blick erwarten.


Die drei jungen Ritter sahen nicht den verborgenen Hochmut und bewarben sich um die Schönen. Und diese, obwohl ihnen die Freier nicht so gefielen – der Böhme war ihnen zu finster und zu groß, der Bayer zu klein und unzierlich, der Österreicher zu dick und ungelenk – sagten nicht nein, aber auch nicht ein klares Ja.

Die Fräulein sagten, jeder wäre als Freier willkommen, wenn er folgende drei Bedingungen erfüllen könne: 1. wenn sie der Minne und dem Wohlgefallen für jedes andere brautfähige Mädchen entsagen, 2. wenn sie innerhalb eines Jahres einen selbst erlegten Adler, Wolf und Bären als Beute vorzeigen könnten und 3. wenn sie in jeder zwölften Nacht um Mitternacht auf dem Dreisessel ohne Zeugen und Begleitung erschienen und mit dem Schwerte in den Sand oder Schnee drei Kreuze zögen mit den Worten

„Minnezeichen !

Eher tot erbleichen

als treulos weichen“.


Junge Herzen schwören alles aus Liebe und so schwer erschienen den drei Edlen auch die Bedingungen nicht. Darauf hin erhielt jeder ein goldenes Ringlein eingefaßt mit einem blauen Saphir, dem schon immer gültigen Zeichen der Unverbrüchlichkeit. In der letzten zwölften Nacht sollten die drei Freier dann, würden sie durch Eid und That des Gelübdes Erfüllung dargethan haben, von der Schlösser ganzem Gefolge unter Musik und Jubelsang von den Bergen abgeholt werden. Und daß ihrer freudig gedacht werde, davon sollten ihnen angezündete Feuerbrände von den Höhen des Schlosses Hauzenberg, des Wolfsteins und der Riedlburg deutliche Verkündung geben.

Also hielten sich die drei jungen Recken getreulich an die Worte, gingen jedem anderen hübschen Mädchen aus dem Weg, zeichneten jede zwölfte Nacht zur gesetzten Stunde getreulich das Sprüchlein in den Boden des Dreisessel und suchten die drei Jagdtrophäen.

Gemeinsam erlegten sie einen Wolf, der größten einer, einen unförmlichen zotteligen Bären und ein Aar mit scharfen Krallen und mächtigen Schwingen fiel auch tödlich getroffen zu Füßen der Jagenden.
Endlich aber war das Stundenglas des letzten Bedingnistages hinabgeronnen un die Nacht vor dem Dreikönigsfeste gekommen.

Gar blank gewaffnet, gar zierlich zu Roß, froh in der Seele und lustiger Gedanken zogen die Rittersmänner, jeder mit einem Häuflein Reisigen, heran von ihren eigenen Burgen, um auf des Dreisessels hoher Felsplatte die Probe der Erfüllung aller drei Bedingungen ehrenhaft und vollgenügend, wie sie meinten, abzulegen. Rot und weiß war des Böhmen, schwarz und gelb des Österreichers wehende Helmbuschfeder, blau und weiß die des Bayern.


Die Glocke schlug in den Kirchlein zu Glöckelberg und Waldkirchen müde verhallend die Mitternachtsstunde und die Ritter, alle stumm verharrend, waren an wohlbekannter Stelle zusammengetroffen. Ihr Auge spähte, ihr Ohr lauschte – vergebens.


Da glänzte keine ferne Flamme als ersehntes Zeichen, es schallte kein Hüfthorn, kein Hufschlag, Botschaft, geschweige süße Botschaft heraufzubringen. Sie schnallten ihre Schwerter ab, zündeten dürres Reisig an und lagerten sich um das Feuer bei dem wenig freundlichen Wetter.

Was ihnen mehr und mehr zur Wahrscheinlichkeit wurde, wider ehrgültige Sitte belogen und verhöhnt zu sein, das brachte ein aus der Nähe neugierig herzugekommener redeseliger Klausner zur klaren Einsicht.

Auf mehrfältiges Befragen eines der jungen Ritter sprach er: „Edler Herr, da drüben auf Freudensee, oben auf dem Wolfsteine und auf der Burg Riedl, da kehren viele hohe Gäste, man sagt Grafen und Fürsten, ein, sich Schönes zu erschauen. Wenn ich recht gehört habe, so wurde gesagt, ein Fürst müsse um die Edelfräulein freien. Geringere Brautwerbung, die obendrein nur ungleichen Vorzug der Schönheit mit der Bewerbung brächte, müsse sich's eigenem Irrwahne zu Schuld rechnen, falls ein Scherz in guter Laune höher als das Wesen eines Scherzes angeschlagen und in abenteuerliche Ernsthaftigkeit verzerrt würde. Verzeihet gnädig, doch was mir scheint, so seid ihr zu seltsamer Zeit hier, mit dem Erfolge, anderwärts verlacht zu werden.“


„Verlacht zu werden, verlacht zu werden!“ riefen alle drei miteinander und sprangen rasch vom Boden auf, gleich wie ein Schlafender, der plötzlich erwacht und wahrnimmt, daß er sein Haupt in ein giftiges Nest kaler Nattern gelegt habe. Gleichzeitig rissen sie die goldenen Fingerreiflein von der Hand und warfen sie weit, weit hinweg in die grauen nächtlichen Tiefen des Waldes. Dann legten sie die abgelegten Teile ihrer Rüstung an und so schnell es Nacht und Frost erlaubten, eilten sie den Berg hinab zu ihren Rossen und Gefolgen und ritten von dannen.


So war es mit den drei jungen Rittern. Aber auch kein Fürst und edler Herr, kein Freier führte die drei Burgfräulein zum Traualtar. Sie verblühten trostlos und verkümmerten innerhalb verlassener Mauern freudenleer.

In den heiligen Nächen vom Feste der Geburt des Herrn bis zum Feste der heiligen drei Könige aber, so heißt es, wandern hochbetagte, hexenhafte Jungfrauen alljährlich hinauf und herab über die Waldhöhen des Dreisessels, große Siebe in der Hand, um damit in eitler Mühe die goldenen Ringlein aus den hohen Schneehügeln zurück zu finden.

Eine Sage über einen Ortsnamen - Wie Alzenau zu seinem Namen gekommen sein soll:

Ein Ronneburger Ritter war im 14. Jahrhundert in der am Fuße des Hahnenkammes liegenden Randenburg von seinen Feinden eingeschlossen. Aber seine Frau erhielt die Erlaubnis, frei abzuziehen und mitzunehmen, was sie tragen könne.

Sie lud nun ihren Ehemann auf und schleppte ihn durch das Tal und die Anhöhe hinauf, wo heute die Burg Alzenau steht. Auf die Bitte des Ritters, ihn abzusetzen, keuchte sie mühsam „all zu nah“ - sie meinte beim Feind und schleppte den Mann mühsam weiter.

Nach dem Abzug der Feinde baute der Ritter dort, wo er hatte absteigen wollen, eine Burg und nannte sie Allzunah, das jetzige Alzenau.

Jetzt mal eine wahre Geschichte aus dem Berchtesgadener Land, von einem Arthur Achleitner 1890 berichtet und meiner Ansicht nach auch in die Sagen-Abteilung passend, denn Sagen und Glauben liegen nah beieinander. Dazu kommt dann noch der Aberglaube und der wurde in früheren Zeiten auch weidlich ausgenutzt, so, wie Sie jetzt lesen können „vom Schneckengangerl“:

Der „Schneckengangerl“ war ein Sohn des Berchtesgadner Landes, stämmig und wild wie seine engste Heimat, rings umschlossen von himmelanstrebenden Felskolossen im Schoß der wuchtigen Alpen.

Schon von klein auf
äußerte sich in dem Kaserbuben ein Trotz und Stolz, der ihn mit den Jahren völlig isolierte. Ein mildtätiger Bauer hatte das Büberl aufgenommen an Kindesstatt, als die armen Eltern rasch nacheinander weggestorben waren.

Es waren „Zuag'roaste“ gewesen, der Vater ein Flickschneider, der zu den Bauern in die „Stör“ (auf Tagesarbeit mit Verpflegung) ging, die Mutter eine Hausiererin mit Geschirr, brave, aber schauerlich arme Leute. Im Landl ließ sich ein Geschäft machen und so blieben sie, bis alle Gehöfte abgegangen waren.

Wie sie aus dem Jammerleben schieden, besaß der Woaselbua (Weisenknabe) außer seinem rupfenen Hemdchen und der Leinenhose nur noch ein Paar abgetragene Holzschuhe. Der Rest an Geschirr und die paar Kreuzer vom Vater reichten kaum für die „Leich'“ hin und so mußten die Leuteln auf Gemeindekosten begraben werden.


Die schönsten Tage verlebte der kleine Gangerl (Wolfgang) gerade nicht auf dem Hofe seines Guttäters, die Bäuerin wie die Knechte und Mägde sahen den kleinen Buben für einen überflüssigen „Hoagast“ (Hausgast) an der Suppenschüssel an und ließen ihn deutlich genug fühlen, daß er ein „Ang'nummas“ (angenommenes Kind) war.

Das verhärtete das Gemüt des Buben gar bald und und machte ihn rasch selbständig. Für die häufigen Püffe und Bosheiten des Gesindes wußte sich der Gangerl jederzeit zu rächen, der Kuhmagd legte er heimlich Tannbuschen unters Bettuch, wenn sie ihn jählings beim Milchnaschen erwischte und beim Schopfe nahm. Den Knechten mischte er Nußblätter unter den Tabak und ähnliches mehr, wofür er natürlich Hiebe mehr wie Knödel bekam.


Auf der Alm tat der Bub auch „kein gut““, er lag lieber auf dem Rücken und guckte in das Firmament und ließ die Geißen äsen, wo sie wollten. Die Sennerin konnte sie dann zusammen suchen, wenn sie sich verstiegen hatten.

Dafür interessierte sich der Bub um so mehr für das Fischen im Königssee, für das Vogelstellen und Wildschlingen konnte er besser legen alsdie Raubschützen. So wild der Bursche war, so zutraulich wurde er bei den Holzern (Holzfällern), die ihn zu allen schlechten Streichen abrichteten.

Wenn er für sie Saiblinge und „Oabasseln“ (eine Fischart im Königssee) fangen sollte, da entwickelte er eine staunenswerte Findigkeit im Nichterwischenlassen und eine Schnelligkeit, während er Aufträge der Bauern so langsam ausführte, daß man ihn kurzerhand den „Schneckengangerl“ nannte. Dieser Name blieb ihm von da an, auch bei dem neuen Bauern, als er endlich wegen seiner nichtsnutzigen Streiche davongejagt worden war. Dann verschwand er eines Tages und es hieß, er sei ins Österreichische hinüber.

An zwanzig Jahr mochten vergangen sei, da kam der Schneckengangerl wieder über die Tauern herüber. Er war im Landl, aber kein Mensch wußte, wo er hauste und wovon er lebte.

Im Forstamt spürte man seine Anwesenheit bald, aber es gelang trotz erhöhter Aufmerksamkeit nicht, den Burschen abzufangen. Auch der Bauer am Brandkopf hatte keine Ahnung, wo der Gangerl hauste, obwohl dieser hagere, schier zaundünn gewordene Bursche öfter auf dem Hof auftauchte.

Der Gangerl hausierte nämlich mit geheimnisvollen Mitteln zum Wettervertreiben, Schußsichermachen, Unsichtbarmachen oder zum Finden von Verlorenem, die damals reichen Absatz fanden.

Und mit einem Raffinement sondergleichen wußte der Schneckengangerl zu sondieren, ob bei den Bauern der Aberglaube groß genug war, daß er mit seiner Handelschaft beginnen konnte oder nicht.

Beim Brandhofer gelang es gleich in der ersten Minute durch ein drastisches Mittel. Der Bursche entnahm einem Blechbüchschen etwas Fett und bestrich des Bauern Stirn damit. „So Bauer, hiazt (jetzt) gehst dreimal ums Haus, na' gehst auf mir zua und gibst mir, wennst net unsichtbar bist, a sakrische Watschen“ sagte der Schneckengangerl.

Der Bauer marschiert ums Haus herum und geht dann schnurstracks auf den Gangerl zu, der ihn allerdings kommen sieht, aber thut, als wäre der krummbeinige Bauer leere Luft.
„No, sieaghst mi oder net?“ fragte der Bauer. Der Gangerl versicherte ernsthaft: „Na, nix, wo bist denn? „ und dabei griff der listige Bursche neben dem Bauern in die Luft.

„Jeß', bin i wirkli unsichtbar“, frohlockte der Bauer und versetzte dem Burschen einen Backenstreich. „Ah, da bist ja“, rief der Gangerl und setzte dem gespannt zuhorchenden Brandhofer auseinander, daß die Wirkung der Salbe mit dem Augenblick aufhöre, wie der Bestrichene jemand anderem eine Ohrfeige verabreiche.


An jenem Tag kaufte der Bauer vom Gangerl das „Schmalz der Cappelsberger Glocken“, welches das Gewitter vertreibt, einen Hasenlauf von einem am ersten Freitag im März geschossenen Hasen, der Kraft gibt und die Lenden stärkt, und etwas Samen vom Bilsenkraut zum Regenmachen.

Wie eben der Gangerl die drei Kronenthaler einstreichen will, kommt die Sennerin von der Brandalm heruntergerennt, um dem Bauern zu vermelden, daß das ganze Vieh durch den gestrigen Sturm versprengt sei. Der Bauer flucht, daß die kleinen Fenster scheppern, aber er weiß für den ersten Moment auch keine Hilfe und kratzt sich hinterm Ohr. Ob der Gangerl was wüßt' zum Wiederfinden der versprengten Viecher?


Freilich, mit den Stecken da, den der Gangerl nun in die Höhe hob, mit diesem Hexenstecken könnte er das Almvieh schon wieder zusammenbringen, aber „umensonst“ ist der Tod und der kost' das Leben. Für einen Preußenthaler extra will der Gangerl die Wunderkraft des Stockes zu gunsten des um sein Vieh besorgten Bauern erproben, doch muß der Bauer mit der Sennerin, die das Vieh genau kennt, mit einer großen Almglocke schellende und laut rufend sieben Stund', sieben Minuten und sieben Sekunden, um keinen Schnaufer weniger oder mehr, auf die Suche gehen.


So geschah es und richtig, schon nach wenigen Stunden war das durch die Rufe der Sennerin und das Geläute herbeigelockte Vieh wieder bei einander. Nur eine Kalbin (noch nicht Milch gebende Jungkuh) hatte sich so verstiegen, daß das frierende zitternde Rind auf dem Felsblock einer Gemse gleich die füße unter dem Leibe zusammen gezogen hatte und, den Kopf weit vorstreckend, ängstlich brüllte, indes der Schweif wagerecht vom Leib gerecht war.

Der scharf losende (horchende) Gangerl hatte das Angstgeblök bald vernommen und sich über seinen Stand in den Wänden orientiert. Die Frage war nur, wie das Rind herunterzubringen, denn im Sprung geht es nicht und durch das Latschengestrüpp auch nicht gut.

Aber der Gangerl mit seinem geschmeidigen Körper kroch katzengleich durch das Gestrüpp und brachte auf diesem selbstgeschaffenen Pfad das Tier herab, das willig seinem Retter folgte.

Dem über die Rettung des wertvollen Tieres hocherfreuten Bauern sagte der listige Gangerl, der geheimnisvolle Stock sei Ursache, daß alles Vieh wieder heil bei der Hütten sei und das glaubte der Bauer felsenfest.


Von nun an glaubte der Brandhofer überhaupt alles, was der Gangerl wollte. Er kaufte dem Burschen für sündteures Geld die Unsichtbarkeitssalbe ab, durch die er Geld verdienen will, viel Geld.

Nicht etwa, daß der Brandhofer sich Geld durch Diebstahl verschaffen will, wie der alte Holzer von Arzbach der mit anderen die Rentamtskasse zu Tölz stehlen und sich durch den zweiten Finger eines unschuldigen Knaben „unsichtbar“ machen wollte. Sie hatten einen „Erdspiegel“ bei sich und hielten ihn vor sich, da aber der Teufel vor ihnen gestanden und ihnen aus dem Spiegel zugeschaut hatte, so haben sie die Flucht ergreifen müssen und haben so von dem Gelde aus der Rentamtlichen Kasse nichts erhalten (aus „Volksmedizin und Aberglauben in Oberbayerns Gegenwart und Vergangenheit“ von Dr. M. Höfler, München, Ernst Stahl, 1888).

Nein, stehlen will der Brandhofer nicht, aber „schwirzen“ (schwärzen = paschen), wenn er sich nämlich unsichtbar machen kann, dann können die Grenzer aufpassen, wie sie wollen. Dann braucht er auch nicht mehr den beschwerlichen Weg übers Torrennerjoch auf seinen Paschgängen (Schmuggel) zu machen, sondern kann auf der Landstraße beim Mautamt, beim Drachenloch und bei Schellenberg bequem vorbeigehen.


Der Schneckengangerl hat sich nach dem Handel mit der Unsichtbarkeitssalbe auffallend rasch vom Brandhof entfernt und ist nicht mehr zu dem Bauern gekommen. Das machte den Brandhofer nach einigen Wochen stutzig, und wie neben dem krassesten Aberglauben stets das größte Mißtrauen wächst, so traute der Brandhofer auch der Wundersalbe nicht recht und beschloß, eine Probe zu machen.


Samstag war es just, der Bauer drückte sich nach dem Mittagessen den einsamen Steig durch das Stangenholz hinab zum Dorfwirtshaus. Inmitten der Holzknechte, Bauern und Schiffleute gedachte der Brandhofer die Probe zu machen. Er entnahm der Blechbüchse unterm Tisch etwas Salbe und bestrich sich die Stirn, wobei er that, als wäre ihm fürchterlich heiß. Dann wartete er auf eine günstige Gelegenheit.


Grad hat der Schiffmeister, der neben dem Brandhofer sitzt, ein frisches Glas Bier erhalten. Der Brandhofer denkt sich, als Unsichtbarer kann ich ganz gut dem Schiffmeister jetzt die Halbe Bier austrinken, ohne daß mich jemand sieht. Gedacht, gethan – keiner sagt' was, nur guckt der Schiffmeister seinen durstigen Nachbarn recht spöttisch an, als wollt' er sagen: Du bist mir amal a Notniggel! Aber gesagt hat er nichts.


Durch den Erfolg kühner geworden, ißt der Brandhofer dann dem Sägmüller die besten Brocken Kalbfleisch vom Teller und wieder sagt keiner was am Tisch. Das macht den Brandhofer völlig sicher. Er will jetzt die Generalprobe machen.


Bloß zum Spaß, bei Leibe nicht aus Ernst will er dem Schiffmeister den dicken Geldbeutel 'rausstibitzen aus dem Hosensack und ihm denselben dann in die Tasche der Lodenjoppe stecken. Richtig hat der Brandhofer die Finger in der Hosentasche des Schiffmeisters, aber dieser hat auch den Brandhofer fest beim Kragen gepackt und auf die Lederne des Bauern regnet es Hiebe.


„Wart i wir Dir Geldbeutelstehlen vertreiben“, hieß es, und dann trischackten die Schiffsknechte erst den „Unsichtbaren“, bis ihnen die Arme vom Zuschlagen müde wurden. Mit einem Fußtritt des Dorfwirtes flog der Brandhofer, dem ganzen Dorf sichtbar, auf die Chaussee hinaus.
Der Schneckengangerl ist dann wieder verschollen, am Drischübel will ihn einer gesehen haben, aber man weiß es nicht gewiß.

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