Aus Bayerns Sagenschatz 007

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Das ist nun Seite 8 meiner bayerischen Sagen-Abteilung fuer alle Besucher und Freunde unserer Bayern-Reise, aber natürlich auch für alle Bayern selber.

Alte Märchen, die nicht unbedingt aus Bayern stammen müssen, finden Sie auf folgender Seite:

Alte deutsche Maerchen

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*

Eigentlich waren ja die Pestzeiten im Mittelalter grauenvoll und für viele Menschen die dunkelsten Zeiten des Lebens. Doch dennoch gab es im Grauen noch lustige Begebenheiten, die uns überliefert worden sind. Denken Sie nur an das Lied „ach du lieber Augustin, alles ist hin...“ In Kulmbach gibt es auch eine solche Sage, die trotz des fürchterlichen Hintergrundes ein humorvolles Licht auf Stadt und Leute wirft:


Der leidige Schuster von Kulmbach

Die durchziehende Soldateska des dreißigjährigen Krieges hatte auch nach Kulmbach die Pest mit eingeschleppt. Der Tod wütete furchtbar, die Totengräber kamen nicht mehr nach mit der Arbeit. Sie hatten einfach nicht genügend Zeit, einzelne Gräber zu auszuheben und so warf man die Toten der Nacht am Tag in ein großes Sammelgrab.

Ein ehrsamer Schuster zeigte plötzlich am Tage alle Anzeichen der Seuche und schon nach wenigen Stunden stürzte seine Frau weinend auf die Straße mit der Nachricht, ihr Mann sei gestorben. Gerade fuhr der Leichenkarren mit seiner traurigen Last durch die Straße und so wurde der tote Mann gleich mit aufgeladen und zum Kirchhof gefahren.

Aber der Wagen wurde nicht gleich ausgeladen. Vielleicht war die Grube noch nicht fertig oder die Totengräber machten eine Pause von der anstrengenden Arbeit. Die hereingebrochene Nacht brachte kalten Wind von den Bergen und da erwachte der Schuster wunderbarerweise wieder. Er war nur scheintot gewesen.

Doch als er merkte, wo er sich befand, da hätt' ihn beinahe noch der Schlag getroffen. Die Angst gab ihm sofort solche Kraft wieder, daß er mit einem Sprung vom Leichenwagen herunter und über die Kirchhofmauer war und dann rannte er so rasch er konnte zu seinem Häuschen zurück. Seine Frau war daheim nach dem Kummer und vor lauter Wehklagen so müd gewesen, daß sie schon schlief.

Doch ein Pochen am Fenster weckte sie und als das Fenster von ihr geöffnet wurde, kam ein furchtbarer Schreck auf sie zu. Ihr toter Mann stieg herein.



Ihr Entsetzen war so groß, daß sie mit lauten Schreien aus dem Haus flüchtete und bis zum anderen Ende der Stadt, wo sie bei Verwandten unterkam und sich vor dem in ihrem Haus eingedrungenen Gespenst verbarg. Natürlich ging früh am nächsten Morgen die Nachricht von dem zurückgekommenen Toten wie ein Lauffeuer durch den Ort.

Der Schuster aber hatte sich nach seiner Heimkehr ins gewohnte Bett gelegt und erst mal den Schrecken ausgeschlafen. Er war dann am Morgen auch wieder wohlauf und dabei fiel ihm ein, daß ja im nahen Dorf Markttag sei. Da er das Recht hatte, auf freiem Platz verkaufen zu dürfen, suchte er schnell alle fertigen Waren zusammen und machte sich auf den Weg zum Markt.

Fröhlich ging es die Landstraße entlang, beim Kirchhof schaute er scheu hinüber und wechselte vorsichtshalber auf die Seite gegenüber der Mauer. Dann weiter mit hurtigen Schritten. Unterwegs kamen ihm einige Handwerksgenossen entgegen, doch sowie sie ihn sahen, rannten sie mit großen Schritten und einigen Schreien davon.

Unser Schuster war darüber zwar erstaunt, aber er dachte sich nichts weiter und erreichte bald den Markt und fing an, seine Waren heraus zu legen. Da erblickten ihn seine dortigen schon anwesenden Handwerkskollegen, begannen ein Geschrei, als wenn der Teufel erschienen wäre und obwohl sonst tapfere Gesellen, rannten alle davon
.



Der Schuster schüttelte nur den Kopf, scherte sich aber nicht drum und war so der einzigste Anbieter seines Gewerbes am Markt. So machte er ein noch nie dagewesenes gutes Geschäft und mit voll gefülltem Beutel ging er am Abend wieder heim. Zuhaus war seine Frau wieder in der Stube und als er ihr die Einnahme des Tages auf den Tisch zählte, da glaubte sie nicht mehr an ein Gespenst sondern nahm ihren guten Mann wieder herzlich in die Arme. Auch die Innungsgenossen erfuhren dann von der glücklichen Wendung und waren ziemlich beschämt, daß sie wegen Geisterglauben davon gerannt waren.

Wenn wir schon grad mal bei was Lustigem mit leichtem Anhauch des Gruselns sind, dann noch die Geschichte vom Walfisch in Weißenstadt.

Betitelt im Bayerland von 1979 mit

Die Schildbürger von Weißenstadt

Im Gemeindeweiher von Weißenstadt entdeckte eines Abends ein Bauer ein merkwürdiges Ungetüm, das reglos mitten im Wasser lag.

Der Bauer erinnerte sich mit Grausen an die Erzählungen eines Fremden, der im Wirthaus von großen Meerungeheuern erzählt hatte, die Walfische genannt würden. Einen solchen Walfisch, so meinte der Bauer, beherberge nun auch der Gemeindeweiher von Weißenstadt.

Bald darauf läutete die Rathausglocke Alarm und die Stadtväter beriefen eine Sondersitzung ein. Man beriet, was gegen die Bedrohung der Stadt durch den Walfisch zu geschehen habe.

Alle wehrhaften Männer der Stadt zogen dann mit ihren Gewehren zum Gemeindeweiher. Schilf und Binsen bogen sich unter dem Kugelregen, der über den verträumten Teich dann peitschte. Der Walfisch aber rührte sich nicht. Erst als ein starker Wind aufkam, entschloß sich das Ungetüm, in Richtung auf das Ufer zu schwimmen, wo die Phalanx der todesmutigen Weißenstädter auf ihn wartete.

Da erschallte plötzlich die Stimme eines der Schützen: "Mitbürger, wenn mich mein scharfes Auge nicht täuscht, dann ist dieser Walfisch ein alter Backtrog. Also stellt das Feuern ein !"

Er hatte recht gesehen und die Weißenstädter versuchten dann, über den Vorfall Schweigen zu bewahren, aber.....

Früher war das Leben im Fichtelgebirge hart und die Bauern hatten viel zu tun in Feld und Wald, um die Ihren zu ernähren und die Höfe zu halten. Da war natürlich kaum Zeit um zu lesen oder sich um Neues aus der Welt zu kümmern.

Als dann der Fortschritt der Zeit mit vielen neuen Erfindungen auch das Fichtelgebirge erreichte, konnte man das an folgender Begebenheit amüsiert sehen:

Ein Bett für den Transformator?

Im Jahr 1914, es war das Geburtsjahr der BELG (Bayerische-Elektrizitäts-Lieferungs-Gesellschaft) faßte der Gemeinderat eines Fichtelgebirgsortes bei viel Bier und dichtem Tabaksqualm den Entschluß, das elektrische Licht einzuführen.

Der Auftrag war unterschrieben und es ging nun darum, den Monteuren bei den Bauern eine Unterkunft zu verschaffen. Auch dies war nicht einfach, aber doch dann noch mit vieler Mühe gelungen.

Zu guter letzt fragte der Ingenieur, wo man den Transformator unterbringen könne. Rundherum betroffenes Schweigen. Und da sich keiner der Bauern rührte, raffte sich der Bürgermeister auf und sagte kurz entschlossen: "Wenn ihn keiner mag, dann kann er ja bei mir schlafen!"

(auch gefunden in der Bayerland-Ausgabe von 1979)

So, jetzt aber wieder weit weit zurück - zurück in die Sagenwelt, hier noch eine Sage aus dem Fichtelgebirge in Gedichtform, niedergeschrieben in "Das Bayerland" aus dem Jahre 1893 und von einem Herrn Ludwig Braunfels:

Die Geisterkirche auf dem Ochsenkopf

Am Sankt Johannismorgen steigt

Ein Knab zum Fichtelberge:

Das ist der Tag, der offen zeigt,

Den gold'nen Schacht der Zwerge

Und wer da fühlet kecken Mut,

Mag rauben aus der Geister Hut,

Wes ihm das Herz gelüstet.

*

Der Knab' erklimmt in Sprung und Lauf

Die steilsten Bergeshänge

Und wie er hört vom Dorf herauf

Der Glocken Morgenklänge

Da fällt des Frührots erster Schein

Wohl auf das kalte Felsgestein

mit wunderbarem Glänzen.

*

Und eine Blum* im Goldgewand

Steigt auf am steilsten Orte!

Er pflückt sie und die Felsenwand

Zeigt plötzlich eine Pforte.

Und von der Blume kaum berührt

Springt auf das Eisenthor, es führt

hinein zur Geisterkirche.

*

Auf Silbersäulen dring empor

Gewölbe von Rubinen.

Ein Hochaltar steht dort im Chor,

Vom Himmelslicht beschienen.

Aus jeder Nische goldner Glanz!

Von Säul' zu Säulen schwebt ein Kranz

Aus Perlen reich geflochten.

*

Ein Priester Segensworte spricht

Zum frommen Volksvereine,

Doch sieht der Knab' den Priester nicht

und nicht die Kirchengemeine.

Dann hebt sich an ein heil'ger Sag

Mit Glockengruß und Orgelklang

und wonnig lauscht der Knabe.

*

Doch eine leise Stimme ruft:

"Frisch auf, du kühner Knabe,

Eh' dir die Kirche wird zur Gruft

Nimm von der reichen Habe!

Nimm Gold und Perlen und Gestein

Nimm wes begehrt das Herze dein

Nur eil, und kehre nimmer."

*

Der Knabe hört's, doch geht er nicht,

Was Gold und Steingeflimmer!

Ihm ist so wohl, so klar und licht

Und scheiden möcht er nimmer.

Und wieder ruft's : "Geschwind! Geschwind !

Du bist verloren , mein armes Kind!"

- Er bleibt, er lauscht dem Sange.

*

Mit eins verstummt der Geisterchor

Und bei dem letzten Halle

Da wird es Nacht. Das Eisenthor

Schließt sich mit Donnerschalle.

Da sinkt er hin im gold'nen Schacht,

Da ist er in der Zwerge Macht,

kein Auge sah ihn wieder.

Im schönen Altmühltal gab es eine Sage über ein Burgfräulein, die „schöne Lisbeth“, uns erhalten durch Adolf Häußling im Jahr 1898 und illustriert von R. Vermont – gedruckt in der damaligen Ausgabe „Das Bayerland“.

Der Turm von Altmannstein

Unsere Sagenwanderung führt uns heute in das reizende Altmühltal nach Altmannstein, einen malerisch am Schambach gelegenen Markt im Amtgerichte Riedenburg. Fast in die Zeiten der Römer fliegt die Geschichte der Burgruine zurück. Dann finden wir das Schloß im Besitze der Agilofinger (siehe Freising), später in dem der Grafen und Herren von Abensberg, von den Altmann II. Die Burg neu erbaute und ihr den Namen gab. Im Dreißigjährigen Kriege fiel sie der Zerstörungswut der Schweden zum Opfer. Über den zerfallenen Mauern ragt in gewaltiger Größe trotzig der alte Wartturm empaor. Fast wundersam erscheint es, daß er den zerstörenden Kräften zu widerstehen mochte und der kindliche Sinn des Volkes weiß darüber folgende Sage zu erzählen:

Nicht die Kraft des felsenfesten Mörtels ist es, welche seine Quadern aneinander hält; nein, geheimnisvolle Mächte sind es, die sein Dasein bewahren. Wer in Vollmondnächten gegen die Mitternachtsstunde hin an der Burg vorbeiwandert, kann einen weißen Schatten dort bemerken, der an der Mauer herumhuscht.


Die Leute kennen das gespenstische Wesen, es ist die „schöne Lisbeth“, der nimmer ruhende Geist eines Burgfräuleins. In der Vollmondnacht durchwandert sie die Burg und rüttelt an der Mauer, bis es ihr gelingt, einen der Quadern zu lockern und in die Tiefe hinabzustürzen. Ein schrecklicher Fluch lastet auf ihr, der Fluch - des sterbenden Vaters.

Er erschlug einen Unwürdigen, dem sie ihr Herz geschenkt, und sterbend schleuderte er ihr die Verwünschung entgegen, daß sie niemals Ruhe finden werde, so lange auf der Burg ein Stein auf dem anderen ruhe. Des Vaters Fluch war so mächtig, daß er die Zwerge aus der Tiefe rief. Kaum ist ein Quader lärmend ins Tal hinabgekollert, fassen ihn ihre fleißigen Hände und wälzen ihn den Berg wieder hinauf, und ehe die Morgensonne erstrahlt, ist er wieder an seinen Platz gefügt. In solcher Weise bleibt der Turm von Altmannstein für alle Zeiten gefeit.

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