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Die Geisterkirche auf dem Ochsenkopf
Am Sankt Johannismorgen steigt
Ein Knab zum Fichtelberge:
Das ist der Tag, der offen zeigt,
Den gold'nen Schacht der Zwerge
Und wer da fühlet kecken Mut,
Mag rauben aus der Geister Hut,
Wes ihm das Herz gelüstet.
*
Der Knab' erklimmt in Sprung und Lauf
Die steilsten Bergeshänge
Und wie er hört vom Dorf herauf
Der Glocken Morgenklänge
Da fällt des Frührots erster Schein
Wohl auf das kalte Felsgestein
mit wunderbarem Glänzen.
*
Und eine Blum* im Goldgewand
Steigt auf am steilsten Orte!
Er pflückt sie und die Felsenwand
Zeigt plötzlich eine Pforte.
Und von der Blume kaum berührt
Springt auf das Eisenthor, es führt
hinein zur Geisterkirche.
*
Auf Silbersäulen dring empor
Gewölbe von Rubinen.
Ein Hochaltar steht dort im Chor,
Vom Himmelslicht beschienen.
Aus jeder Nische goldner Glanz!
Von Säul' zu Säulen schwebt ein Kranz
Aus Perlen reich geflochten.
*
Ein Priester Segensworte spricht
Zum frommen Volksvereine,
Doch sieht der Knab' den Priester nicht
und nicht die Kirchengemeine.
Dann hebt sich an ein heil'ger Sag
Mit Glockengruß und Orgelklang
und wonnig lauscht der Knabe.
*
Doch eine leise Stimme ruft:
"Frisch auf, du kühner Knabe,
Eh' dir die Kirche wird zur Gruft
Nimm von der reichen Habe!
Nimm Gold und Perlen und Gestein
Nimm wes begehrt das Herze dein
Nur eil, und kehre nimmer."
*
Der Knabe hört's, doch geht er nicht,
Was Gold und Steingeflimmer!
Ihm ist so wohl, so klar und licht
Und scheiden möcht er nimmer.
Und wieder ruft's : "Geschwind! Geschwind !
Du bist verloren , mein armes Kind!"
- Er bleibt, er lauscht dem Sange.
*
Mit eins verstummt der Geisterchor
Und bei dem letzten Halle
Da wird es Nacht. Das Eisenthor
Schließt sich mit Donnerschalle.
Da sinkt er hin im gold'nen Schacht,
Da ist er in der Zwerge Macht,
kein Auge sah ihn wieder.
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