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Das ist nun Seite 9 meiner bayerischen Sagen-Abteilung fuer alle Besucher und Freunde unserer Bayern-Reise, aber natürlich auch für alle Bayern selber.

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Alte Märchen, die nicht unbedingt aus Bayern stammen müssen, finden Sie auf folgender Seite:

Alte deutsche Maerchen

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Eine Sage aus der weiteren Umgebung von Regensburg, gefunden im Buch „Das Wunderschiff“, eine Märchen- und Sagensammlung aus Süddeutschland, gesammelt und erzählt von Franz Georg Brustgi. Sie können eine komplette Inhaltsangabe hier finden.

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Der goldene Fuchs

Vor dem Dörflein Fuchsenbühl stand vor vielen vielen Jahren ein halb verfallenes Steinkreuz unter einer alten Eiche. In der Nähe hatte ein kleiner Bauer sein ärmliches Häuschen. Er und sein braves Weib hatten nur ein paar Ziegen und Hühner, aber eine dagegen größere Kinderschar, die zu ernähren den beiden Leutchen viel Mühe bereitete. Aber sie waren trotz der harten täglichen Arbeit zufrieden, klagten nicht, glaubten an Gott und lebten so demütig in ihrer Armut

Eines Nachts erschien dem Bauern im Traum ein altes kleines Männlein voller Runzeln und mit einem langen Bart. Dieses sagte zu dem Mann „auf, gehe nach Regensburg und durchs Tor auf die große Brücke, damit wirst du dort dein Glück machen“. Am Morgen nach dem Erwachen erzählte der Bauer seiner lieben Frau den seltsamen Traum und beide lächelten darüber.

Kaum nach der anstrengenden Tagesarbeit am nächsten Abend eingeschlafen, erschien dem Bauern das alte Männlein mit dem langen weißen Bart erneut im Traum. Und wieder bekam er die gleichen Worte wie von der vorher gegangenen Nacht zu hören. Am nächsten Morgen begann der arme Mann darüber zu grübeln, denn dieser Traum schien doch ein Fingerzeig zu sein.

Aber, brav wie er war, fragte er seine Frau um Rat und ob er dem Traum folgen solle. Diese war zwar auch sehr erstaunt über die Wiederholung, aber sie meinte, es wäre doch vermessen, so eine weite Reise nur wegen eines Traumes zu machen.

Doch groß war das Erstaunen des Mannes, als in der darauf folgenden Nacht ihm wieder das alte Männlein im Traum erschien. Doch dieses Mal sprach das Männlein sehr dringlich, warnte davor, daß er sein Glück versäumen könnte und gab sogar einen festen Tag an, an dem das Bäuerlein auf der Brücke sein sollte.

Nun waren Überlegungen nicht mehr angebracht, der arme Mann wollte schon der Kinder wegen, sehen, was sein Glück sein sollte. „Frau, das muß ein dreimaliger Wink vom Himmel gewesen sein, pack mein Ränzlein, ich reise!“ Auch seine Frau glaubte nun, daß der Traum wichtiges bedeutete und sie packte ihrem Mann den Ranzen und er zog los.

Es war eine lange Wanderung, aber er kam glücklich am Vorabend des Tages, den ihm das Männlein im Traum genannt hatte, in Regensburg an. Sowie die Sonne aufging, stand der Bauer schon auf der Donaubrücke, sah vor und hinter sich und wartete auf das Glück, das ihm hier begegnen sollte. Viele Reiter, Wagen und Fußgänger zogen jede Stunde an ihm vorbei. Er schaute jeden Reisenden aufmerksam an, da er dachte, von einem werde ihm das Glück angeboten, doch keiner kümmerte sich um ihn.

Es wurde immer heißer, denn die Sonne stieg zum Mittagsfirmament und auf der Brücke gab es keinen Schatten. Das Bäuerlein wagte jedoch nicht, von der Brücke zu gehen, denn sonst könnte er vielleicht das Glück versäumen, daß ihm das Männlein im Traum prophezeit hatte.

Als es vom Turm Mittag schlug, holte der arme Mann sein einfaches Mahl, das ihm die Frau eingepackt hatte, aus dem Ränzlein und stillte seinen Hunger. Das einfache Schwarzbrot und der Ziegenkäse von daheim schmeckten ihm wie ein köstliches Mahl und so mancher schaute zu ihm, was er denn zu Mittag hatte. Dann meinte der Bauer, das könne derjenige sein, der ihm das Glück bringen solle, aber alle gingen ohne Worte vorbei.

Auch am Nachmittag und dem beginnenden Abend sprach ihn niemand an und er wurde immer trauriger. Die große Stadt machte ihm Angst, er sorgte sich um die Seinen daheim und die erträumte Hoffnung auf ein besseres Leben durch ein bisserl Glück schien sich auch nicht zu erfüllen. Er dachte dann bei sich „ich will ja gerne arm bleiben und mit dem zufrieden sein, was Gott uns jeden Tag gibt. Ich will glücklich sein, wenn ich wieder gesund nach Hause komme zu den Meinen.“ Und da wurde es ihm ums Herz wieder leichter und er erhob sich von seinem Platz auf der Brücke und wollte sich noch eine Unterkunft zur Nacht suchen.

Da kam gerade ein Regensburger Bürger vorbei, blieb bei ihm stehen und sagte ganz verwundert: „Guter Mann, dreimal bin ich heut über die Brücke gegangen und jedesmal hab ich dich hier stehen sehen. Auf was oder wen wartest du denn?“ Da erzählte ihm der arme Bauer seinen Traum und auch seine Enttäuschung, daß nichts geschehen sei.

Der Städter lachte und antwortete ihm: „mein Lieber, wer hört denn auf einen Traum? Träume sind Schäume! Wenn jeder auf seine Träume achten und deswegen weite Reisen machen würde, da wäre mancher arg beschäftigt. Mir persönlich hat gestern geträumt, bei dem Dörflein Fuchsenbühl gäbe es unter einer alten Eiche ein halb verfallenes Steinkreuz und darunter wäre ein goldener Fuchs vergraben. Was meinst du, wenn ich diesem Traum folgen wolle und losfahren würde, den Schatz zu heben?
Zum Einen weiß ich gar nicht, ob es nur ein einziges Fuchsenbühl gibt und zum Zweiten, wie oder wo sollte da ein goldener Fuchs hinkommen? Weißt was, guter Mann, anstatt hier auf der Brücke auf einen Schatz zu warten, gehst du morgen heim und suchst unter der alten Eiche und dem Steinkreuz nach dem goldenen Fuchs, der mir im Traum erschien. Du kannst ihn gern von mir haben.“

„Ja, lieber Herr, so werde ich es machen. Habt Dank für Euren guten Rat“ antwortete das Bäuerlein, verabschiedete sich höflich und suchte seine Unterkunft für die Nacht auf. Doch beim ersten Sonnenstrahl am Morgen sah man ihn schon seines Weges zurück zu den Seinen in Fuchsenbühl ziehen.

Die Freude daheim war groß, als der Vater wieder ankam. Seine Frau und Kinder wollten natürlich hören, wie es ihm in der großen Stadt gegangen sei und was er erlebt hatte. Doch er nahm sich nicht die Zeit zum Erzählen, sondern sofort Hacke und Schaufel, eilte zur Eiche mit dem Steinkreuz und begann zu graben. Und tatsächlich, nach einiger Zeit stieß er auf etwas Hartes und es glänzte zwischen den Erdschollen. Vorsichtig grub er weiter und fand einen unterarmlangen Fuchs aus purem Gold, wundervoll gearbeitet.

Diesen brachte der brave und ehrliche Mann seinem Landesherren, denn er fand, daß es diesem zustand. Auch sein Landesherr war ein braver Mann und lohnte es ihm mit einem Beutel voller Dukaten. Mit diesen kaufte das vormals arme Bäuerlein viele Wiesen und Felder, Schweine und Kühe und baute für sich und die Seinen ein stattliches Bauernhaus. Darin lebten sie dann alle glücklich und zufrieden weiter.

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Ja, ja, Geographie war schon damals in der Schule nicht immer meine Stärke, daher bekommen Sie jetzt noch eine schwäbische Sage, die ich irrtümlich für eine bayerische gehalten habe.

Na ja, 'ne Burg Falkenstein gab's auch in den Allgäuer Bergen, irgendwo im Fränkischen, aber beim genauen Lesen dann stellte ich fest, d i e hier ist im Schwarzwald.

Nu, warum soll'n mer die Nachbarn nicht auch "mitnehmen"?

Auch eine Leseprobe aus "Das Wunderschiff"

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Der weiße Falke

Kuno von Stein, ein Ritter aus dem Kinzigtal, war in ferne Lande in den Krieg gezogen. Er hatte von seiner Frau Abschied genommen mit den Worten: "Wenn ich nach Jahresfrist nicht wieder bei dir bin, so bin ich tot und du brauchst nicht länger auf mit zu warten".

In mancher Schlacht hatte er sich tapfer geschlagen und mancher Feind war unter seinen Schwertstreichen in den Sand gesunken. Doch einmal, auf einem Streifzug, gericht er in einen Hinterhalt und war der Übermacht der Feinde unterlegen.

Aus vielen Wunden blutend sank er zu Boden und als er aus seiner Ohnmacht erwachte, fand er sich an Händen und Füßen gefesselt und in Gefangenschaft. Kaum war er wieder gesundet, wurde er als Sklave verkauft und mußte harte Dienste verrichten. So war schon ein Jahr vergangen, seitdem er von daheim fort war.

Eines Nachts, er konnte vor trübsinnigen Gedanken nicht einschlafen und mußte immer wieder an seine Frau daheim und seine eigenen Abschiedsworte denken, bekam er urplötzlich Besuch an seinem Lager. Ein kleines, noch nie gesehenes Männlein stand vor ihm und fragte: "Warum so traurig, Herr Ritter? Wenn Ihr wollt, sollt Ihr morgen früh in Eurer Burg und bei Eurer Gemahlin sein! Ich will Euch hinbringen, - allerdings unter einer Bedingung!"

"Sage sie mir, nichts soll mir zuviel sein und ewig werde ich dir dankbar sein" antwortete der Ritter. "Gut," sagte das Männlein, "meine Bedingung ist nur eine ganz geringe. Hör gut zu: wenn Du während der Reise einschläfst, so bist du mein mit Leib und Seele. Vermagst du aber wach zu bleiben, so habe ich dir völlig umsonst geholfen. Doch du mußt mir erst auf diesem Pergament das schriftlich bestätigen."

Der Ritter willigte ein, unterschrieb und das Männlein verwandelte sich in einen Löwen, auf dessen Rücken der Ritter der Heimat entgegen flog.

Da er nun schon drei Nächte zuvor wegen des Kummers nicht hatte schlagen können und so sanft dahin flog, überfiel ihn eine unwiderstehliche Müdigkeit. Seine Lider fielen ihm zu und sein Kopf sank nach vorn gegen die Mähne des Löwen. Beinahe wäre er eingeschlafen, da bekam er einen Schlag gegen die Stirn, als wenn ihn ein weicher Flügel getroffen hätte. Er fuhr erschrocken auf und sah über sich einen großen weißen Falken schweben.

Eine gute Stunde hielt sich der Ritter wach, aber dann begann ihn der Schlaf wieder nieder zu kämpfen. Sein Haupt neigte sich langsam nach vorn, die Augen fielen wieder zu, doch plötzlich erhielt einen Flügelschlag gegen die Schläfen. Dadurch konnte er sich noch mal aufrappeln und erneut gegen die Müdigkeit kämpfen. Der weiße Falke schwebte dicht über ihm.

Eine weitere Stunde verging, in der unter ihm Länder und Meere, Berge und Täler in der Geschwindigkeit eines abgeschossenen Pfeiles dahin glitten. Und da der Flug auch so sanft weiter hin war, versuchten Müdigkeit und Schlaf ihn erneut zu besiegen.

Doch ein drittes Mal griff der Falke ein und versetzte ihm einen heftigen Schlag mit der Schwinge über Stirn und Schläfen. Erschrocken ruckte Kuno von Stein aus dem beginnenden Schlaf empor. Der Morgen dämmert jedoch schon und in den ersten Sonnenstrahlen sah er die Zinnen seiner Burg in der Ferne aufleuchten. Der Flug des Löwen senkte sich zum Boden und der Ritter stand vor dem Tor seiner Burg.

Im gleichen Moment fiel auch der von ihm unterschriebene Pergamentstreifen, der ihn dem Männlein verkauft hätte, zerrissen zu Boden und ein gewaltiges Toben umbrauste die Burg, bis die Sonne voll aufgegangen war. Kuno von Stein schaute empor und sah auf der höchsten Spitze des Turmes den weißen Falken sitzen. Dankbar winkte er seinem Warner und Retter zu und eilte dann in die Arme der geliebten Frau.

Zum Gedenken an die wunderbare Rettung nahm Kuno von Stein den weißen Falken in sein Wappen auf und nannte seine Burg ihm zu Ehren fortan Burg Falkenstein.

(schee., nich ?)

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So, nun noch eine gar schröckliche Sage aus der Bayreuther Gegend, hab ich wieder in "Das Bayerland" aus dem Jahre 1904 gefunden - brrr, was waren in Oberfranken grausliche Leit' damals.....

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Die Kuckuckshöhle bei Bayreuth

In der Umgebung dieser Höhle gab es früher viele Raubüberfälle und Morde, auch die Einwohner des in der Nähe liegenden Dorfes Friedrichsthal bekamen ständig Besuch von Dieben des Nachts. Die Verbrecher konnten nicht gefunden werden und die ganze Gegend bekam solch einen Ruf, daß Fremde gar nicht kamen oder wenn doch, dann nur mit hinreichender Bedeckung (Leibwache).

Aber dann eines Tages kam endlich Licht in die Sache.

Die Höhle wurde von einem Schäferehepaar bewohnt und diese beiden waren die Übeltäter. Aber nach außen hin bewahrten sie den trügerischen Schein eines ehrbaren Wesens. Er blies lieblich safte Lieder auf seiner Hirtenflöte und seine Frau sang dazu die Begleitung. So hatten sie jeglichen Verdacht von sich abgelenkt.

Niemand dachte daran, daß die beiden harmlos aussehenden Leute große Verbrecher wären. Dabei kannten sie die Kunst, sich bei ihren Schlichen und Übeltaten unsichtbar zu machen.

Laut der Sage hatten sie ein grauenhaftes Rezept dafür. Sie mordeten kleine Kinder, schnitten ihnen die Finger ab und kochten sie im Wachs geweihter Kerzen.

Gingen sie nun auf Raub und Mord aus, brannten sie ein solches Fingerchen an, das ihnen wie eine helle Fackel leuchtete, während sie selbst den Leuten unsichtbar blieben.

Dennoch wurden sie eines Tages gefaßt und dem Gericht übergeben. Von diesem wurden sie verurteilt, auf's Rad geflochten zu werden, um so ihre Untaten zu sühnen.

In der Johannis- und Bartholomäusnacht sollen sie jedoch noch umgehen und dann kann man auch sehen, wer ihnen zum Verräter wurde. Man soll nämlich das Pärchen von der Kuckuckshöhle bis zur Henkerau wandeln sehen, begleitet von ihrem Hund. Dieser wurde damals vom Zauberlicht nicht unsichtbar gemacht und wurde dadurch zu ihrem Verräter.

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Und nun noch nach Mittelfranken, genauer gesagt nach Morsbach, von dort stammt die nachfolgende Sage.

Nicht nur Verbrecher, sondern auch allzu strenge und hartherzige Beamte müssen zur Strafe später "umgehen" (sollten sich einige dieser Spezies ganz genau durchlesen !!!)

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Der Geist am Rotenbückel

Vor einigen Jahrhunderten war in dem mittelfränkischen Juradörfchen Morsbach ein berühmtes und reiches Adelsgeschlecht daheim, die Grafen Morspek. Zu ihren besten Zeiten waren sie wohlbekannt in politischen und kirchlichen Kreisen, doch heute sind es nur noch wenige Zeichen, die an dieses Geschlecht erinnern.

Vom Schloß ist nur noch ein Teil vorhanden, der jetzt als Pfarrhaus genutzt wird und von der Erinnerung an die einstige Geschichte die Sage vom Geist am Rotenbückel in der Erinnerung der Alteingesessenen.

Früher, zu Zeiten des Adelsgeschlechtes, waren hier im Morsbachtal, das sich dem heutigen Wanderer mit vielen Getreidefeldern und Wiesen präsentiert, noch herrliche Wälder. Reich an "stämmigen Eichen und schlanken Fichten, belebt von jagdbarem Getier und schleichendem Gewürm". Diese Wälder boten den Grafen von Morspek willkommende Gelegenheit, dem edlen Weidwerk zu huldigen und Hörnerklang und Hundegebell ließen die Bevölkerung schon am frühen Morgen wissen, was die Dorfherren grade unternahmen.

Außerdem lieferte der ausgedehnte Forst eine reiche Ausbeute an Brenn- und Nutzholz, und die Armen des Dorfes und der Nachbarorte holten sich mit und ohne Erlaubnis aus den gräflichen Waldungen ihren Bedarf an Heizmaterial wür den strengen Winter.

Da gab es nun freilich manchen unlieben Zusammenstoß mit den herrschaftlichen Forstleuten und Jagdaufsehern. Und manches unbefugte Eingreifen in die gräflichen Rechte fand gar strenge Ahndung.

Einst stand im Dienste der Grafen ein Forstgehilfe, der mit peinlichster Gewissenhaftigkeit seiner Pflicht nachkam und namentlich den Holz- und Jagdfrevlern mit aller Strenge das Handwerk legen wollte. Aber nicht nur die gewerbsmäßigen Wild- und Waldfrevler verfolgte er mit keckem Mute und unverwüstlicher Ausdauer. Auch den Armen gönnte er nicht die paar Stecklein Dürrholz, die sie sich als Wintervorrat sammelten, ohne am Waldbestande Schaden zu verursachen.

Dadurch verscherzte er sich aber die Liebe der Guten und zog sich den grimmigsten Haß der Bösen zu.

Eines schönen Tages nun streifte er wieder durch den Wald um jagdbares Wild für die herrschaftliche Tafel zu erlegen und die Spuren gewissenloser Wild- und Waldfrevler zu verfolgen. Da hörte er in der Richtung vom Rotenbückel her Axthiebe und Sägegeräusch.

In der Hoffnung, einen Missetäter auf frischer Tat zu ertappen und der gerechten Strafe überantworten zu können, ging er der Waldstelle zu, aus welcher die verdächtigen Töne an sein Ohr drangen. Ein übel berüchtigter Morsbacher Insasse war eben emsig an der Arbeit, mit kundiger Hand eine mächtige Tanne zu fällen.

Kaum hatte der Frevler den Forstgehilfen wahrgenommen, so ging er auch schon mit hochgehobener Axt auf denselben los und spaltete ihm mit wuchtigem Hiebe den Schädel, so daß er tot in das blutgetränkte Moos fiel. Der Mörder entfernte sich und ließ den Leichnam in seinem Blute liegen. Eine Jagdgesellschaft, die ein paar Tage später an die Mordstelle kam, fand den Toten, der von wilden Tieren schon teilweise aufgezehrt war. Man trug ihn dann auf einer aus Ästen und Zweigen schnell gezimmerten Trage, verfolgt von krächzenden Raben und kreischenden Geiern, in die Ortschaft, wo ihm ein ehrliches Begräbnis zu teil wurde.

Die Seele des Gemordeten aber fand wegen ihrer Härte und Erbarmungslosigkeit gegen die Armen im Jenseits keine Ruhe, sondern muß am Schauplatz ihrer irdischen Tätigkeit umgehen bis auf den heutigen Tag. Als abschreckendes Beispiel für alle jene, die kein Erbarmen haben mit der notleidenden Menschheit.

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