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Das ist nun Seite 10 meiner bayerischen Sagen-Abteilung fuer alle Besucher und Freunde unserer Bayern-Reise, aber natürlich auch für alle Bayern selber.

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Alte deutsche Maerchen

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Eine andere Sage aus der unteren Altmühlgegend wurde uns von M.J. Lehner vor rund 110 Jahren aufgeschrieben, die Illustration dazu stammt von R. Vermont und zeigt eine der Leidenschaften des „Gottseibeiuns“, nämlich die Lust am Spiel (mit dem Menschen) – so heißt die Sage auch:

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Das gespenstige Schachzabelspiel

In altersgrauer Zeit bewohnte das Schloß, das – allerdings hin völlig veränderter Gestalt – heute noch in der oberpfälzischen Ortschaft Wildenstein steht, ein Ritter namens Jobst Jürg von Wildenstein. Dieser, wenn auch rauh in seinem äußeren Gebahren nach, war doch in inninger Liebe seinem jungen Weibe zugethan, um so mehr, als dasselbe nach der Geburt eines Knäbleins kränklich blieb.

Als das Kind nach einigen Jahren einmal die Zugbrücke niedergelassen fand und, um zu schauen, was für eine fremde Welt da draußen liege, zum Thore hinausgetrippelt war, wurde es von einem Schäferhund mit Bissen derart zugerichtet, daß es tot am Platze blieb. Kurz nachher folgte auch die Mutter ihrem Liebling ins Grab, was den Ritter dermaßen erschütterte, daß er sich von aller Welt abschloß und nur mit seinem Knappen das Schachzabel und Brettspiel trieb, wobei er jedesmal dem Weinkrug über die Maßen zusprach. Dabei geschah es, daß er von Tag zu Tag heftiger von Gemütsart wurde, so daß sich bald niemand mehr in seine Nähe wagte.

Einst saß Jobst Jörg wieder seinem Knechte gegenüber beim Schachzabel, und da er des Guten bereits wieder zu viel gethan hatte, warf er mit dem Ende seines lang herabhängenden Ärmels die beinernen Figuren um. Der Knappe setzte sie ruhig wieder an ihren Platz, allein der Wildensteiner behauptete, sie hätten eine andere Stellung gehabt. Da nun ein Partner widersprach, geriet der Ritter darüber so in Harnisch, daß er die schwere, zinnerne Trinkkanne erfaßte und damit dem Jungen den Schädel einschlug.

Als dieser jedoch röchelnd am Boden lag, kam dem Jähzornigen die Unthat zum Bewußtsein, und in heftiger Reue ließ er am nächsten Tag sein Pferd aus dem Stall führen, um im Kloster drunten zu Altmühlmünster seine Schuld zu bekennen. Dort wurde ihm in Aussicht gestellt, daß ein Geistlicher alsbald zu ihm geschickt werden solle, weshalb er sich sofort wieder auf den Heimweg machte. Gegen Abend traf denn auch ein Mönch auf der Feste ein, der den Ritter in tiefer Niedergeschlagenheit in seinem Gemache antraf, ihm tröstend zusprach und erklärte, am anderen Morgen in der Schloßkapelle die heilige Messe lesen und sein Bekenntnis entgegennehmen zu wollen.

Jobst Jörg ließ seinem Gast einen Imbiß reichen, und nicht lange stund es an, so hatte auch er selbst einen gewaltigen Humpen Wein vor sich, den er alle Augenblick leerte. Nachdem der Pater gegessen hatte, wurde das Schachzabel gebracht und merkwürdigerweise wiederholte sich heute dieselbe Scene wie gestern. Der Wildensteiner stieß die Figuren um und schimpfte und wetterte, als der Mönch sie, wie er behauptete, falsch wieder aufstellte.



Endlich ergriff er den Becher und wollte damit seinem Gaste zu Leibe.

Der aber fing gewandt den Schlag auf, wobei ihm das Sammetkäppchen vom Kopfe glitt und anstatt der Tonsur zwei winzige Hörnlein zum Vorschein kamen. Dann faßte er den erschrockenen Schloßherrn beim Wams und fuhr mit ihm durchs Fenster hinaus aufs feld bis zu dem Felsen, der am Rand des Höhenzuges steil zu der sich vom Thale heraufwindenden Straße abfällt. Hier warf er ihn auf das Gestein herab, daß ihm die Rippen krachten und er mit zerbrochenem Genick liegen blieb.

Erst beim Morgengrauen traf der vom Kloster geschickte Geistliche, den der Böse die ganze Nacht hindurch im Gehölz irre geführt hatte, auf Wildenstein ein, eben als man die Leiche des Ritters in das Erbbegräbnis nach Breitenbrunn verbringen wollte, wo heute noch hinter dem Altare der Pfarrkirche wunderbar gearbeitete Epitaphe von Gliedern der Familie Wildenstein zu sehen sind.

Seit dieser Zeit spukt der Wildensteiner, mit Zabelspiel beschäftigt, das er im heftigen Zorne zuweilen durcheinander bringt, auf der Felsplatte. Die um Mitternacht an jener Stelle vorübergehenden Landleute behaupten, er werfe, wenn man fluche, mit den Steinen des Brettspiels nach einem.

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Haben Sie schon mal vom „Windloch“ in der fränkischen Schweiz gehört? Nein, na dann lassen Sie sich die Geschichte, niedergeschrieben 1898 in „Das Bayerland“ von M.J. Lehner erzählen. Das dazu passende Bild ist von A. Eibach.

Die Geschichte wurde nach einem alten, im städtischen Archiv zu Nürnberg verwahrten Malefizbuch nacherzählt.

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Der Höhlengeist

Eine halbe Stunde vom Pfarrdorfe Elbersberg entfernt, oberhalb der als Sommerfrische bekannten Schüttersmühle, liegt das sogenannte Windloch, eine 60 Schuh hoe und 50 Schuh breite Tropfsteinhöhle, die vor etwa 80 Jahren zum erstenmal von einigen jungen Leuten aufgesucht wurde, als sie einen hinabgestürzten Mann herausholten. Zur näheren Untersuchung der Höhle gab aber erst vor ungefähr 30 Jahren das Hineinfallen eines dem damaligen Landrichter gehörigen Hundes die Veranlassung.

In ihrem Innern, das mit allem möglichen Rüstzeug ausgerüstet war, so erzählt die Sage, hauste gegen Ende des 16. Jahrhunderts ein „greulicher Mörder“ mit Namen Christian Guppertinga (Gumbertinger), der in 13 Jahren 964 (!?) Menschen umbrachte. Von seinem Versteck aus konnte er weithin die waldige Landschaft überschauen, um einesteils nach seinen Opfern, andernteils nach seinen Verfolgern auszuspähen.

Auf einem seiner weitausgedehnten Raubzüge fiel einmal eine Jungfrau aus Pegnitz in seine Gewalt, die von so großer Leibesschönheit war, daß er ihr Leben zu schonen beschloß, um sie mit in sein einsames Felsennest zu nehmen. Dort ließ er sie einen fürchterlichen Eid schwören, daß sie ihn niemals verraten wolle, und wenn er ausging, schloß er die Unglückliche an einer eisernen Kette fest.

Die Kinder, die sie ihm schenkte, fünf an der Zahl, hängte er trotz der Bitten und Wehklagen der trostlosen Mutter unmittelbar nach der Geburt an einen Baum und spottete, wenn der Wind die kleinen Leichen schüttelte: „Tanzt, ihr lieben Kinderlein tanzt; euer Vater Guppertinga macht euch diesen Tanz.“



Lange ertrug es die so grausam Gequälte, bis ihr der Schmerz eine List eingab. Einstmals bat sie nämlich den Räuber in die Stadt gehen zu dürfen, um Lebensmittel einzukaufen. Nach langem Widerstreben erfüllte denn auch Guppertinga diese Bitte, nicht aber ohne ihr nochmals einen Eid abzunötigen, daß sie kein Wort zu irgend einem Menschen über ihn oder seinen Aufenthaltsort verlauten lassen wolle.

Da nun das Weib auf den Marktplatz der Stadt kam und die Knaben und Mägdlein der Bürger fröhlich spielen sah, da erwachte der Schmerz über den Verlust ihrer Kinder von neuem in ihrer Brust. Sie kniete vor einem Eckstein nieder und begann mit kläglicher Stimme diesem ihr Leid zu erzählen, was von der zusammengeströmten Menge alsbald dem Richter hinterbracht wurde. Erst als ein Mönch sie ihrer aufgezwungenen Gelöbnisse entbunden hatte, vermochte man sie zu weiteren Enthüllungen zu bewegen.

Der Richter ließ ihr auf den Heimweg ein Säcklein Erbsen mitgeben, die sie auf den Weg streuen sollte, damit die nachfolgenden 30 Gewappneten das unheimliche Versteck fänden. In der That überraschten diese den Räuber, als er sich eben von seinem Weibe die Haare kämmen ließ, wobei er fest eingeschlafen war. In den Kerker gebracht, wurde er neun Tage lang reichlich mit Speise und Trank gepflegt, damit man ihn mit um so ausgesuchteren Qualen vom Leben zum Tod bringen konnte.



Er endete sein verruchtes Leben auf dem Rad am 17. Juni 1581. In seiner Felsenhöhle fand man geraubtes Gut im Werte von nicht weniger denn 7000 Gulden. Der in der Höhle wehende starke Luftzug, von dem sie später den Namen bekam, dürfte zur Bildung obiger Sage, sie sich an einem bestimmten, allerdings in seinen Einzelheiten romantisch ausgeschmückten Fall krystallisierte, mit gewirkt haben.

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Eine Sage aus der Gegend der Grafen von Rieneck handelt von fehlendem Mannesmut, wie A. Von Herrlein 1898 berichtet:

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Die verwünschte Frau

Als die Grafen von Rieneck ausgestorben und auch der Amtmann herab ins Dorf gezogen war, wohnte auf dem Wildensteiner Schloß der Schäfer. Er hatte ein Stück Ackerfeld für sich und einen Weideplatz für seine Schafe. Einmal nun stand der Schafpferch auf dem sogenannten kleinen Höhacker, an welchen oben und unten das Gebüsch des Waldes anstößt, und es war Nacht un der Schafknecht lag in seiner Hütte bei den Schafen und schlief.

Da geschah eine Erschütterung an seiner Hütte und er sah hinaus und erblickte eine weiße Frau. Dieselbe hatte einen schwarzen Schleier um den Kopf und ganz nasse Augen und winkte ihm, er aber erschrak, hielt sich die Augen zu und kroch in die Tiefe seiner Hütte.

Des Morgens sagte er es seinem Herrn. „Wenn sie wiederkommt,“ sagte dieser, „so rede sie an und sprich: Alle guten Geister loben den Herrn! Was ist dein Begehr?“ Denselben Abend kam sie wieder und er that, wie sein Herr geboten.

Die Frau sprach: „Ich bin eine verwünschte Dame aus dem Schlosse und du kannst mich erlösen. Sei morgen zwischen 11 und 12 Uhr an der Schloßbrücke, da komme ich, aber nicht so wie jetzt, sondern als eine Schlange, winde mich an Dir hinauf und gebe Dir die Schlüssel! Du darffst Dich aber nicht fürchten, ich thue Dir nichts und kann Dir nichts thun.“ Der Schafknecht sagte: „Ja, ich komme!“

„Was soll ich mich auch fürchten?“ dachte er, „ich bin (als Schäfer) aus dem Geschlechte Mosis, derselbe hat sich vor der Schlange, die aus dem Hirtenstabe wurde, auch nicht gefürchtet“, faßte guten Mut und einen ordentlichen Stolz in seinem Kopf, daß er Mosis Nachfolger werden solle. Und als nun die bestimmte Zeit da war und die Nacht dunkelte, stellte er sich an den bestimmten Ort.

Auf einmal erhob sich ein großes Krachen in dem Schlosse, daß er meinte, das Schloß wolle zusammenstürzen, und ein schreckliches Rauschen und Rollen, wie das Donnern eines Gewitters – und siehe! Eine große, eisgraue Schlange kroch daher, hatte ein Gebund Schlüssel im Maul und fuhr auf den Schafsknecht los. Der aber, wie er sie sah, schrie auf und lief davon.



Da wurde die Schlange wieder zu einer Frau, jammerte herzzerreißend und sprach: „Wehe, jetzt dauert's wieder hundert Jahre, bis ich erlöst kann werden! Denn es wird ein Kirschbaum wachsen drüben im Walde, und von diesem werden Bretter geschnitten und aus den Brettern eine Wiege gemacht werden, und das Kind erst, das zuerst darin gewiegt wird, kann mich erlösen!“

Am folgenden Tag nahm der Schafknecht seine Schäferschüppe und seinen Hund und wanderte, denn er hätte das Weinen und Jammern der Frau nicht noch einmal hören können.

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Den „Schreifritz“, wie der gute Heinz Erhardt den „Freischütz“ titulierte, kennen ja noch viele. Von einem verderblichen „Freischuß“ ist darin die Handlung und es wirft sich die Frage auf, ob der Librettist Johann Friedrich Kind oder der Komponist Carl Maria von Weber die Idee dieser Oper eventuell von einer uralten Sage aus dem Böhmerwald übernommen haben.

Im Jahr 1898 wurde diese Sage von M.J. Lehner in „Das Bayerland“ der Nachwelt überliefert und die Illustration dazu stammte von W. Roegge junior.

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Der Freischuß

Um die Wende des 15. Jahrhunderts stand an dem Wege, der von Waidhaus über Pleystein nach Vohenstrauß führt, eine Jägerhütte am Saum des Waldes, in der Kunz Friczmann mit seinem Weibe auf Geheiß der Herrschaft sich niedergelassen, der das damals noch feste Schloß in Pleystein gehörte. Mitten aus der Ortschaft steigt der Felsblock, vn kargem Gebüsch bewachsen, empor, der die mauerumgebene Burg trug an der Stelle, wo heute eine an Kreuz-Erfindung und Kreuz-Erhöhung stark besuchte Wallfahrtskirche in die hügelige Landschaft hernieder schaut.

Am Fuß des Felsens breitet sich der Teich aus, von dem die Sage berichtet, daß stumme Frösche ihn bewohnen. Das Städtlein selbst hat nach einem großen Brande auf dem Markte allerdings ein modernes Aussehen erhalten, allein noch steht der Mauergürtel und auch das Thor, das der böhmischen Grenze zugekehrt ist, mit seinen wuchtigen, eisenbeschlagenen Flügeln und auch der das Ganze einschließende Graben ist noch deutlich erkennbar.

Der erwähnte große Brand soll zur Zeit der Einfälle der Hussiten sich ereignet haben, die auf ihren leichten Rossen bis vor die Thore Nürnbergs schwärmten und Angst und Schrecken in der Bevölkerung und lebhafte Bewegung auf den Ritterburgen an den Grenzen des Landes hervorriefen.

Es war eine stürmische Herbstnacht, als sie im Jahre 1428 wieder einmal in starken Horden die Gegend überfluteten, so plötzlich und unvermutet, daß sich der Pfalzgraf von Neumarkt und seine Ministerialen zu Pleystein nicht mehr rüsten konnten. Die kampfeslustigen Böhmen brannten das Försterhaus nieder, stürmten die Mauern der Stadt und äscherten sie und die Feste ein, nach dem die meisten männlichen Bewohner und die Besatzung hatten über die Klinge springen müssen.



Als Friczmann von der Jagd zurückkehrte, stand er vor den Trümmern seines Heims, an dessen Schwelle die Leiche seines gemordeten Weibes und seines unschuldigen Kindes lagen. Kein Wort kam über seine bleichen Lippen; das Auge stierte thränenlos auf die grausige Szene; die Fäuste ballten sich in grimmiger Wut, daß die Nägel ins Fleisch eindrangen. Dann grub er ein Grab und barg, was er auf Erden so sehr geliebt, im stillen Waldgrunde.

An der ruinierten Stadt vorüber, aus der da und dort noch dicke Rauchwolken zum nächtlichen Himmel aufqualmten und einzelne Feuergarben immer wieder von neuem emporzüngelten, eilte er dem Walde entgegen, durch den die entmenschte, raubende, mordende, sengende Schar ihren Weg nach Vohenstrauß genommen hatte. Suchen wollte er ihn, den Zerstörer seines Glückes, und sein breites Jagdmesser ihm und seinen Mordgesellen in das böse Herz stoßen und sich weiden an seiner Todesqual.

Hastig zog er weiter, die Armbrust auf dem Rücken, die er bislang nur auf das scheue Wild gerichtet. Kein Sternlein prangte am wolkenbetürmten Himmel. Die hohen Bäume des dunklen Tannenwaldes rauschten und brausten unter dem ersten Ansturm nahenden Unwetters. Unheimlich ächzten die Zweige, aus denen die Vögel erschreckt aufflatterten und sich in das dichte Unterholz am Wege niederließen. Eben betrat er die Stelle, wo die Straße nach Vohenstrauß von einem schlechten Waldweg gekreuzt wird und ein einsames Kruzifix mit morschem Betschemel davor aus dunklem Geäste ragte.

Erschöpft sank er, einige Augenblicke zu rasten, in das hohe Gras. Da fielen die ersten großen Regentropfen, während sich gleichzeitig der Sturm mit rasender Gewalt erhob, in dem Laubwerk wühlte und Blitz auf Blitz das Dunkel der Nacht durchzuckte, da und dort eine hochwipfliche Tanne in tausend Splitter zerfetzend.

Da horch! Was war das ? Am Himmel zog eine dichte, rötlich geränderte Wolkenmasse herauf, aus der sich allmählich einzelne abenteuerliche Geschalten abhoben, allen voran die Hünengestalt des wilden Jägers mit nach dem Nacken gedrehten Gesichte. Hussa-Jauchzen, Rüdengebell, gellendes Hörnerklingen, Peitschengeknall erfüllte die Luft, ein Heidenlärm, der selbst dem sonst so furchtlosen Jägersmann das Blut in den Adern erstarren machte und das Haar zu Berge sträubte.

Regungslos sah er, in den Graben gedrück, das wilde Heer über den Kreuzweg seine Richtung nach der Gegen nehmen, woher er selbst gekommen. Der letzte des Zuges ließ sich zu dem am ganzen Leibe zitternden Jäger herab, und indem er mit höhnischer Gebärde nach dem Christusbilde deutete, raunte er ihm ins Ohr: „Dorthin ziele, dreimal. Dann wird Dein Pfeil unfehlbar den erreichen, der Dich um Hab und Gut, um Weib und Kind gebracht!“ Und gleich darauf war auch er im Dunkel der Nacht verschwunden.



Stille war es geworden, unheimlich stille, und von neuem erwachte der Schmerz in Friczmanns Seele. Er riß die Armbrust von der Schulter und schoß. Der Pfeil schwirrte neben dem Balken in das dichte Gestrüppe, einige Blätter herabreißend. Auch der zweite Schuß hatte keinen besseren Erfolg. - Der sonst so treffliche Schütze fühlte, wie ihm die Faust in wilder Erregung zittertet, wie der sonst so klare Blick sich umflorte, wenn er das Geschoß zum bleichen Christusbilde emporhob, das die Arme ausgebreitet hielt, als wollte es ihn and die geöffnete Brust ziehen und den Balsam des Trostes in seine wunde Seele träufeln.

Doch da tauchte wieder das Bild, das blutige, seines hingeschlachteten Weibes und Söhnleins vor ihm auf, ein dumpfes Stöhnen entrang sich seiner Brust. Schnell riß er den dritten Pfeil aus der Hülse, legte an und drückte ab. Hart an der blutenden Seitenwunde des Heilands schlägt das scharfe Eisen in das morsche Holz, und im nämlichen Augenblick fühlt er einen stechenden Schmerz in der Brust. Der Pfeil war auf den Schützen zurückgekehrt, der mit dumpfem Auffschrei einige Schritte zurücktaumelnd in die schwarze Lache stürzte, die, einige weite Ringe ziehend, sich über den Unseligen geschlossen hatte. Eben teilte sich das Gewölke und des Mondes Silberschein huschte durch das dichte Gezweige über die Straße zum Kreuze und bestrahlte das herabgeneigte Haupt des Heilandes mit verklärendem Schimmer.

Der einsame Wanderer, den sein Weg in später Stunde hier vorüberführt, beschleunigt seine Schritte, und ein kurzes Stoßgebet murmelnd, eilt er vorüber an der schaurigen Stätte, an der sich noch heute der ruhelose Geist des Jägers, den tödlichen Pfeil in der blutenden Brust, zuweilen zeigen soll.

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