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Herzlich willkommen, liebe Besucher und Freunde sowohl des Bayernlandes als
auch meines kleinen Reiseführers.
Wer zum ersten Mal bei mir reinschaut, der muß wissen,
Sie sind bei einem gar schröcklichen Kerl gelandet
ich bring nämlich Leute um die Ecke.
Aber keine Angst, nur mit dem Auto, zum Beispiel vom Flughafen Franz-Josef-Strauss
bei München nach Passau.
Natürlich fahre ich Sie gern überall hin und am
liebsten mache ich dann Abstecher zu Sehenswürdigkeiten im schönen
Bayern, die gern links liegen gelassen werden, weil's entweder
so pressiert oder manche Orte einfach zu sehr durch ihren Namen
locken.
Und wir werden heute ein städtisches Juwel besuchen, an dem viele vorbeifahren,
ich übrigens früher auch besuchen Sie mit mir jetzt mal die
Stadt Straubing in Niederbayern.
Wer im Urlaub Richtung Linz oder Wien via Deggendorf fährt
oder in Passau eine Donaukreuzfahrt
gebucht hat, der kommt nämlich ganz nahe an Straubing vorbei und sollte
sich Zeit für einen Besuch nehmen. Es lohnt sich wirklich, liebe Leit'.
Ich hatte kürzlich wieder liebe Gäste aus Passau zu holen und da
wir nicht in Eile waren, der Flieger ging erst am Abend, sollte ich ihnen ein
bisserl was von Bayern zeigen. Und nachdem ich selber Straubing nur per Hinweisschild
an der Autobahn bisher gesehen hatte, dachte ich schaun mer mol
getreu des bajuwarischen Kaiserspruches.
Wir fuhren also von Passau nach Deggendorf, dann in Richtung
München und nahmen die Abfahrt in Richtung Straubing. Na und dann war
ich erstmal ein bisserl enttäuscht, nix wie Felder links und rechts, ab
und zu mal ein Dörferl, hübsch, aber keine Menschenseele auf der
Straße. Meine Gäste vermuteten, es war Sonntagvormittag, entweder
sind alle in der Kirche oder die Männer sitzen schon mit Messer und Gabel
in der Hand am Tisch und warten auf Mutters Sonntagsbraten.
Knapp 35 Kilometer ging es so dahin, bis endlich im strahlenden
Sonnenschein sich in dieser weiten Ebene ein Türmlein zeigte, das sich
kurze Zeit später als ein wunderbares Bauwerk entpuppte.

Das Wahrzeichen von Straubing, der Stadtturm. Groß, wuchtig und doch
von einer Eleganz, wie ich bisher selten Stadttürme gesehen habe. Doch
zuerst war mal die Frage, wo parken. Anhand der guten Beschilderung zur historischen
Altstadt war es kein großes Problem, wir fanden dann schnell beim Rentamt
einen schönen Platz. Und dann gings zu Fuß ins Zentrum.

Schon auf dem Weg in den Stadtkern sieht man an den schönen alten Fassaden,
daß hier einst nicht nur reine Bürger oder Händler lebten,
sondern auch verschiedene Herrscher der Stadt Straubing den Baustil prägten.

Die Stadt im Gäuboden, wie man die Kornkammer
Bayerns, also diese weite Ebene nannte und nennt, hat eine über 6000 Jahre
alte Geschichte. Von den Jungsteinzeitbauern gibt's natürlich keine Häuser
mehr, aber man hat bei Ausgrabungen schon etliche Beweise von ihrer Sesshaftigkeit
dort gefunden. Dann gab's natürlich auch in Straubing Kelten, die den
Ort Sorviodurum nannten. Die bekamen dann Besuch von den Römern, der sich
soweit ausartete, daß die Herren aus dem Süden einfach ein Kastell
bauten und so die Kelten a bisserl besser in den Griff bekamen. So um 200 n.Chr
hieß es dann plötzlich alle Mann weg, denn die Alemannen
kamen. Die hatten wohl nicht nur Schwerter und Sturmböcke dabei, sondern
auch Abrißbirnen, denn vom Kastell und der Siedlung blieben nur noch
Reste nach deren Besuch. Dann war's ziemlich ruhig in und um Straubing.

Ruhig war es auch bei unserem Weg zum eigentlichen Stadtkern und die nächsten
Hinweise auf die Geschichte der Stadt hingen direkt über unseren Köpfen.
Ein Narr, der die Zeit des Mittelalters andeutet und gleich danach ein badendes
Pärchen, ich sage nur Agnes..... - na, fällt Ihnen da
was bei ein?

Bis wir das Zentrum erreicht haben, noch a bisserl mehr von Straubings Historie.
Also so um 900 nach Chr soll sich dort ein Bajuware namens Strupo niedergelassen
haben, vielleicht schon ein erster Hippie mit langen Haaren? Und so wurde dann
der Ort Strupinga genannt.
Muß übrigens auch den janz hohen Tieren
gefallen haben, Ort und Gegend, denn um 1000 n Chr ist dokumentiert, daß
Straubing ein Königsgut war und vom Kaiser Heinrich II an Bischof Bruno
von Augsburg verschenkt wurde. Nach dessen Tod ging Straubing dann in den Besitz
des Augsburger Domkapitals über und die geistlichen Herren begannen, den
Ort weiter auszubauen und auch die Pfarrkirche St. Peter zu errichten.
Doch dann kam Herzog Ludwig der Kelheimer aus Kelheim,
deswegen hieß er ja so. Dieser Kerl baute doch einfach auf
Augsburger Grund gleich um die Ecke eine kleine Burg und nahm den
kirchlichen Herren die Zoll- und Markteinnahmen ab. Und um 1280 wurde aus dem
Markt die Stadt Straubing und der Handel, besonders mit den landwirtschaftlichen
Erzeugnissen blühte und brachte den Bürgern Reichtum.

So bauten die Straubinger 1316 mit dem noch heute stehenden
Stadtturm ein steinernes Denkmal für den wirtschaftlichen Erfolg. Nur
das Jahr 1338 war ein schlimmes, da brachen Wanderheuschrecken über Straubing
und Umgebung ein. Aufzeichnungen berichten, daß fünf Jahre vorher
schon einmal Heuschrecken fast bis Straubing kamen, in Landshut
sollen die Schwärme so dicht gewesen sein, daß die Sonne verfinstert
wurde.

Hier einige Blicke auf die Häuser und Bauformen, an denen man sehen kann,
daß Wohlstand hier zu Hause war und auch heut wieder ist. Vom Baustil
her ist noch viel Gotik vorhanden und wenn Sie sich das ganz hohe Gebäude
ansehen, kommt Ihnen der Anblick nicht irgendwie holländisch vor?

So wie Gebäude in den Häfen? Nun, obwohl die Donau
nicht weit entfernt ist, hat zwar Straubing nie einen Hafen besessen, aber
dafür einen holländischen Besitzer. Denn Herzog Albrecht
I war damals gleichzeitig Statthalter von Holland und schickte dann 1387 seinen
Sohn, Albrecht II nach Straubing. Der brachte dann viele Anregungen von janz
oben mit nach Niederbayern.

Durch das bayerische Erbrecht gab's dann 1433 wieder einen Albrecht als Herrscher
in Straubing, den Sohn von Herzog Ernst in München. Und das war ein ganz
Schlimmer, denn der ging einfach nach Augsburg zum Baden, verliebte sich dort
in die Tochter des Bademeisters und heiratete die einfach. Na ja, so ganz einfach
nicht, sondern heimlich, denn Vatern in München hatte begreiflicherweise
was dagegen. Ein Blaublüter und eine Bürgerliche, ja wo samma denn?

Doch Sohnemann pfiff auf Vaters Willen und hielt fest an
Liebe und Frau, die er auch in Straubing an seinem Hof jedermann stolz zeigte.
Tja, spätestens jetzt sollte den Theaterfans und Geschichtsbegeisterten
unter Ihnen ein zehn-Cent-Stück klimpern früher
hamma g'sagt, der Groschen fallen. Besagte Frau vom Albrecht war
Agnes.... - ja, die Agnes Bernauer.
Wer sich nur noch vage erinnern kann, hier ganz kurz die schaurige Geschichte.
Vater Ernst in München war stinkesauer und versuchte alles, die beiden
Liebenden zu trennen. Klappte aber nicht. Also, und damals war man noch a bisserl
deftiger, wartete Vatern ab, bis Sohnemann auf Dienstreise war. Dann gings
auf nach Straubing, im Schlepptau ein paar ihm hörige Geistliche und dann
wurde Sohnemanns Frau verhaftet.
Kurzes Verhör, Feststellung durch die kirchlichen
Schurken sie ist eine Hexe und dann kurzerhand ab mit ihr ins Freibad
an der Donau zur Hexenprobe. Ging damals so: ist die Frau eine Hexe, schwimmt
sie gefesselt oben dank Teufels Hilfe, ist sie keine, ersäuft sie. Da
sie keine war, war's Resultat ganz einfach und für Vatern befriedigend.
Agnes Bernauer tot, Sohn wieder frei für anständige Heirat. Gab damals
viel Stunk in der Familie.

Natürlich gingen die Religionsstreitigkeiten vor und nach dem 30jährigen
Krieg auch nicht an Straubing vorbei. Auch hier gab es dann Protestanten, die
aber von den Herzögen ausgewiesen wurden. Man war und blieb katholisch
damals, schon aus politischen Gründen. In diesem Zusammenhang spielt auch
die Sage des Eckherr von Egg, finden Sie auf der Seite von Furth
im Wald.

Dieses goldene Prunkstück der Stadt Straubing ist kein Zeichen des Reichtums
der Stadt, sondern eines der Dankbarkeit. Als nämlich um 1705 die Österreicher
Straubing belagerten, gaben die Bürger der Stadt ein Gelübde ab,
daß sie bei Nichteroberung diese Dreifaltigkeitssäule errichten
wollten. Die Ösis müssen damals wohl nicht so gut janz
oben angesehen gewesen sein, denn sie mußten erfolglos abziehen
und das Gelübde wurde brav von den Straubingern erfüllt.
Aber nicht immer war man in Straubing brav, manchmal auch a bisserl zu leichtsinnig.
Speziell wenn es um die Bauerei ging. Man baute und baute, aber wenn es halt
bloß Häuser für die da obensind wie zwischen 1700
und 1759 die St. Veitskirche, die Karmelitenkirche und die Ursulinenkirche,
dann wird's bald klamm in der Kasse.
Denn von oben gibt's halt keine Miete und so
war Straubing im Jahre 1770 wie so manche Städte heutzutage, nämlich
gelinde gesagt pleite. Es kam ein Regierungskommissär und übernahm
Kasse und Stadt. Und kaum war das Gröbste wieder bereinigt, da gab's schon
wieder deftige Ausgaben, denn ein ganzes Stadtviertel brannte ab.
Doch abgebrannt waren die Straubinger Bürger nicht ganz, denn
die guten Erträge der Landwirtschaft halfen immer wieder weiter. Einfallsreich
war man dazu auch noch, denn als 1812 der bayerische König Max I. Joseph
Neuerungen aus der Landwirtschaft auf einem Landwirtschaftsfest in Straubing
vorführen lassen wollte, da machten die Straubinger aus der langweiligen
Ausstellung ein derartiges Fest, daß weit aus dem Umland alle zum Feiern
kamen. Und das bis heute noch, das Gäubodenfest ist zum zweitgrößten
Volksfest in Bayern geworden. Hier treffen sich Städter und Landbevölkerung
und feiern und stehen zusammen, wie es überall sein sollte. Für das
Zusammenstehen gibt es übrigens in Straubing noch ein sehr schönes
Beispiel.

Dieses Haus hier ist die Synagoge der jüdischen Gemeinde in Straubing.
Als die dunkle Zeit der braunen Horden über Deutschland hereinbrach, da
waren es Straubinger Bürger, die eine komplette Zerstörung des Hauses
verhinderten. Und so hat die heute in Straubing wieder entstandene jüdische
Gemeinde ihr Gotteshaus noch im alten Stil. Ein schönes Zeichen für
eine schöne Stadt mit reizenden Bürgern, denn wen und was ich fragte,
die Straubinger waren (und sind) sehr freundlich und hilfsbereit.

Ich kann jedem nur empfehlen, fahren Sie mal nach Straubing, vielleicht mit
mir, wenn's paßt, Sie haben auf jeden Fall einen herrlichen Ausflug.
Die Stadt Straubing bietet
übrigens eine wunderbare Webseite, sollten Sie sich auf jeden Fall mal
anschauen. Viele Informationen, schöne Bilder und natürlich jede
Menge Möglichkeiten, auch längere Besuche zu buchen.
*
Da könn' Se mal sehen, was mein Reiseführer ausmacht.
aHaben sich sogar unsere Bundeskanzlerin und der französische Präsident
in diesem schönen Städtlein am 9. Juni 2008 in Bayern getroffen.
Bleibt nur zu hoffen, das dem Herrn Sarkozy Bayern nicht
genauso gut gefallen hat wie damals Napoleon - das Resultat kennen wir ja noch
aus dem Geschichtsunterricht...
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Hat's wieder mal Spaß gemacht, ein Stück Bayern kennen zu lernen?
Wenn ja, links im Wegweiser gibt's noch vui mehra und ich bin schon
dabei no mehra für Sie zu entdecken und zu beschreiben.
Bis zum nächsten Mal mit herzlichen Grüßen
Ihr Jörg W. Lohfink
echt preissischer Reiseführer (aus eigenem Vergnügen) und -fahrer
in Bayern.
(alle Bülders sin von mir und bei Anklickern
wern'se jrößer) ©®J.W.Lohfink |