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Horch, was raschelt im Gehölz? - Jo
grüß di Gott, i bin aus Tölz

- also das hat der nette Herr hier auf dem Bild nicht gesagt,
aber er war gern bereit, die stolze Oberländer Tracht ablichten zu lassen.
Und schon wissen Sie ein bisserl, wo Sie heute sind bzw mit mir, Ihrem Münchner
Flughafentransfer, mal hinfahren ins Oberland. Genauer gesagt in die
Stadt Bad Tölz im Isarwinkel.
Doch erst noch kurz zu dem Herrn hier auf dem Bild. Das
ist ein Oberland-Schütze (heute mit Böller) und die waren früher
auch schon recht gefürchtet. Na ja, bei dem Kaliber kein Wunder. Rechts
hat er dann noch einen Hammer am Gürtel hängen entweder um
dem Gegner zu zeigen, wo der Hammer hängt oder den Rest zu geben, falls
die Kugel nicht wirksam genug war. Spaß beiseite, damit wird der Pfropfen
in den Lauf geschlagen, damit's auch richtig böllert beim Schießen.
So, wer nun noch nie hier oder bei mir war, kurze Vorstellung. Mein Name ist
Jörg Lohfink, ich habe einen Mietwagen, d.h. Sie können mich damit
als Ihren persönlichen Fahrer mieten, und bring entweder Leute um
die Ecke (vom Flughafen z.B. nach Bad Tölz) oder mache individuelle
Ausflugsfahrten. Heute mal virtuell, persönlich wär's mir lieber,
muß ja auch 'n paar Brötchen verdienen damit.

Keine Angst, das ist nicht Ihr Wagen, sondern ein Bild aus
einem Tölzer Geschäft, fand ich halt klasse passend.
Vom Flughafen Franz-Josef-Strauss in München bis nach Bad Tölz sind
es knapp 90 Kilometer. Wir nehmen vom Flughafen eine kleine Abkürzung
über Land in Richtung München, dann müssen wir nicht auf die
Autobahn München-Nürnberg. Auf dem Ostring geht es dann in Richtung
Rosenheim, bei Holzkirchen (kennen
viele Österreich Urlauber durch die Staus an der Rastanlage) biegen wir
ab und dann geht's direkt nach Bad Tölz.

Die Stadt ist nicht nur bekannt wegen spezieller Rindviecher, die es sogar
bis ins Fernsehen geschafft haben, sondern auch wegen der heilkräftigen
Jodquellen. Und die Stadt selber ist zweigeteilt durch die Isar, einmal gibt
es den alten Teil auf dem Ried und dem neueren Teil auf der anderen Seite des
Flusse, anfänglich im Volksmund auch Krankenheil genannt.

Wenn ich vom alten Teil rede und in der Überschrift ein Türkei-Reise-Angebot
im Mittelalter erwähne, so gehören beide Sachen zusammen. Bad
Tölz ist nämlich viel älter als München als dort
ein paar Mönche begannen, eine Siedlung zu errichten, brummte in
Tölz schon der Bär.
Ob wörtlich wie fast vor kurzem, weiß ich nicht
genau, aber wie ich die Bayern kenne, hätten'se dem damals auch schon
eins auf den Pelz gebrannt. In Bayern brummt nämlich immer nur einer,
das ist der Chef früher hieß das Fürscht,
heute Schnappzu, wenn man bestimmten Gazetten glauben darf.
Seit kurzem ist auch der "Schnappi" weg, war wohl "eingeschnappt"
wegen der vielen Beschwerden der Teddy-Fans.
Aber sehen wir das mal nicht so eng, schauen wir uns lieber mal den historischen
Marktplatz der Stadt Bad Tölz an.

Huch, da hab ich mich wohl in der Zeit vertan, na, macht nix, dreh'n wir die
Uhr einfach weiter.

Ich glaube, ich muß den Doc von Zurück in die
Zukunft zu Hilfe rufen, erst landen wir im Jahr 1865, das war jetzt eben
1936, ah, da isses ja, das richtige Bild von heute.

Sie sehen, der Marktplatz ist fast unverändert und so muß er in
etwa auch schon um 1280 ausgesehen haben. Nur mit vielen Menschen und Waren
Fotos wie die meinen macht man immer frühmorgens, damit nicht
alle 3 Sekunden einer einem vor die Linse latscht denn Tollenze,
wie Bad Tölz früher hieß, war ein Treffpunkt vieler Händler
und Handwerker damals.
Über den Achenpaß kamen die Kaufleute aus dem
Süden, die Fuhrleute der Rott, wie die Transportgesellschaft
früher genannt wurde, und die Isarflößer aus der Umgebung.
Speziell die Flößer waren weltgewandte Leute, schipperten
sie doch auf der Isar bis zur Donau und auf dieser bis zum Schwarzen Meer.

Isarwinkler waren bekannt bis in die Türkei und sie
konnten sich auch mit allen verständigen da sage noch einer, die
Bayern wären Hinterwäldler, ha !
Apropos Tollenze, hat überhaupt nix mit toll zu
tun, nicht daß hier einer auf dumme Gedanken wegen der Dollerei
eines gewissen Fernsehstars in den Boulevardblättern kommt. Nee, Tollenze
war der Name eines Ritters der im 8. Jahrhundert schon dort eine Burg gebaut
hatte. 1265 ist der letzte dieses Geschlechts gestorben.
Von der Burg ist auch nichts mehr übrig geblieben, die Bürger der
Stadt hatten des öfteren Helfer beim sogenannten heißen Sanieren.
Mal kamen ungarische Horden und zündelten ein weng, dann machte man mal
Dummheiten im Presselhaus, das letzte Haus unten an der Isarbrücke.

auf der Brücke
Da gab es laut Urkunden am 4. Mai 1453 einen Brand, der
die ganze Marktstraße bis hinauf zum Rathaus einschließlich der
Burg abfackelte und dann später der 30jährige Krieg, der war auch
recht heiß. Aber es wurde immer wieder in altem Stil neu
aufgebaut, nur nahm man dann nach dem verheerendsten Brand Steine statt Holz.

Khanturm
Sogar ein Schloß gab es später, das aber um
1770 nach einem Wolkenbruch einstürzte. War aber nicht bewohnt, wurde
auch nicht gepflegt und der Untergrund war auch nicht der beste, wurde nämlich
damals halbwegs weggespült.

Heute ist das natürlich ganz anders, da wird restauriert, wo es nur geht.
Deshalb konnte ich auch nicht in die Pfarrkirche, obwohl ich die gern gesehen
und Ihnen gezeigt hätte. Darin befinden sich etliche alte Sehenswürdigkeiten,
von denen jedes einzelne eine Geschichte wert wäre.

Vielleicht als kleiner Hinweis der Denkstein für Kaspar
Winzerer. War um 1540 ein wohlbekannter Krieger und starb bei einem Turnier
mit Jörg Frundsberg dem Jüngeren (Mindelheim, Geschichte der Landsknechte).
Aber nicht nur Stein oder Malerei, wie an und in vielen Tölzer Bauwerken,
haben der Stadt einen Namen gegeben, sehr bekannt und begehrt waren und sind
noch heute die Werke der Tölzer Kunstschreiner und Bildschnitzer, auch
unter dem Namen Tölzer Kistlerhandwerk berühmt. Tölzer
Möbel und Bauernschränke erzielen heute noch immense Preise bei guter
Erhaltung, damals waren sie so begehrt, daß die Münchner Handwerker
anfingen, gegen die Konkurrenz Eingaben beim Herrscher zu machen.
In Tölz gab es um 1500 auch schon die ersten Zünfte mit strengen
Regeln für die Berufsausübung. Das Schusterhandwerk zum Beispiel
durfte nur der ausüben, der eine eigene Werkstatt und eine Ehefrau hatte.
Bei den Tölzer Flößern gab es auch festgeschriebene Bestimmungen,
denn gerade ihr nicht ungefährlicher Beruf bedingte akkurate Arbeiten.
Die Flöße hatten teilweise sogar beheizte Holzhäuser für
die langen Fahrten bis nach Wien hinunter.

Apropos hinunter, bis zur Kirche auf dem Kalvarienberg möchte ich heute
nicht laufen, ich geh lieber wieder den Markt runter und genieße den
Ausblick auf die Isar. Heute führt sie natürlich nicht mehr so viel
Wasser wie früher, mit Flößern wäre also nix. Aber bei
Wasser fällt mir ein, hätte ich doch beinahe vergessen die
Jodquellen.

Komisch, bei Jod muß ich immer an diese knallrote Flüssigkeit denken,
die man als Kind auf aufgeschürfte Knie gestrichen bekam und die dann
saumassig brannte. Also keine Sorge, ich hab extra geschaut beim Alpamare -
so nennens det Schwimmbad da - und bei einigen Kurhotels, liefen keine "Indianers"
rum.
Der einzige mit 'nem roten Gesicht war ein Herr mit Boxer
Hund an Leine der dem Tier anscheinend nicht schnell genug war.
Aber ansonsten sahen die Badegäste recht entspannt aus, und wie es sich
gehört, hat Bad Tölz natürlich auch einen Kurpark und ein Kurhaus.
Der Kurpark heißt übrigens Herder-Park und ehrt damit den Freiburger
Verlagsbuchhänderl Karl Raphael Herder, der das Jodquellenbad gegründet
hat.
Ach ja, es gäbe noch viel viel mehr über Bad Tölz zu erzählen,
wer sich für die bayerische Geschichte interessiert, sollte mal über
den Jägerwirt nachlesen, einer der Anführer der Oberland-Bauern
im Kampf gegen die österreichischen Besatzer von München, gemeuchelt
in der Sendlinger Mordweihnacht. Doch da bietet Ihnen sicherlich die
Stadt Bad Tölz in der gut ausgebauten Tourismusinformation viel mehr Informationen,
schauen Sie einfach mal auf die Webseite der Stadt selber.
Für die Tölzer und Musikfreunde überall im
Land hab ich noch ein Schmankerl - den Originaltext des Tölzer Schützen-Marsches,
falls den "oaner sucha duat":
*
Im schönen Isartal
tönt muntrer Büchsenknall
In Tölz, da is a Schiaßat heut,
Dös g'freut uns allemal
Drum packt's an Stutzen o,
Wer ziel'n und treffa ko,
mit frischem Muat,
An Strauß am Huat,
so liabt's das Schützenbluat!
*
Zerst geht auf Post ma 'nein
und feucht' sie Gurgel ein,
Du glaubst es nit, wie schneidi macht
A so a Glaserl Wein.
Na richt ma si halt z'samm'
Nimmt all's, was ma muaß ham
Und ferti is, als wia im Flug,
Da schönste Schützenzug
*
Frisch werd und stramm im Takt
Dö Gschicht na glei opackt
Die Musikanten fest voro,
Da blast a jeder, was a ko.
Alles na Juhe schreit
vor lauter Lustbarkeit:
Diridi e juhe, dulhe juche!
Dös is a wahre Freud'!
*
Secht's dort an Krinnerbäck,
Der nahm gern 's Erste weg,
Der Holzersepp von Tegernsee
Is rüba kemma a, o weh!
Dort steigt der Kolberbräu
Da Karl is a dabei
Die Zieler mit'n rotem G'wand
Die schrei'n, das is a Schand.
*
Isartal du bist mei' Freud'
Da geht mir's Herz auf mächti weit,
Wenn i in die Berg nei schau
Die all mi grüaßen freundli blau.
O du mei liabes, schönes Tölz,
Mit deine Berg, dein grena G'hölz,
Ja, i moan, es kunnt nix Schönres geb'n
Als da herob'n zu leb'n
Im Isartal !
*
Froh is das Tölzer Gmüat,
Hat gern a lustig's Liad,
Schneidi san Buama all
Im schönen Isartal.
Diandln wia Milch und Bluat,
San a die Buama guat,
's kann g'wiß nix Schönres geb'n
Als 's Tölzer Leb'n.
*
Frisch is da Tölzer Schütz
Und trifft hin wai da Blitz,
Mitten ins Schwarze nei',
Dös werd wohl lusti sei'!
Oder er is so frei,
Schiaßt an der Scheib'n vorbei,
Dös kummt von gar nix her
als von sein'm Gewehr.
*
Jetzt is das Schiaßat aus,
Da Zug geht lusti z'Haus,
Denn auf der Post, da gibts heut no
An sakrisch guat'n Schmaus.
D'Preisträger mit da Fahn'n,
Dö steig'n ganz stolz voran,
Schaugt's Madln o, was i all ko,
War i net der recht Mo?
*
Ja so a Schiaßat is
A rare Sach ganz g'wiß,
D'rum san ma lusti und fidel,
Macha allherhand Grebell,
Trinkt's, Buama, trinkt's mit G'walt,
Vasamt is ebbas bald,
So lusti, Schützen, als wia heut,
Is 'n net glei alle Zeit!
*
Ich würde mich freuen, Sie mal persönlich nach Bad Tölz fahren
zu dürfen, ist a schönes Städterl !
Übrigens, mehr Informationen über Tölz und
drumherum finden Sie hier.
(alle Bülders sin von mir und bei Anklickern
wern'se jrößer, mit Ausnahme der janz alten, die sind aus'm Bayernland)
©®J.W.Lohfink |