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Sodele, da bin ich wieder haben doch einige schon gefragt, ob ich noch
fahre oder nur noch in meiner Buecher-Fundgrube
rum wühle. Keine Sorge, ick bring immer noch Leute um die Ecke
mit meinem Münchner Flughafentransfer. Und mit dieser Seite zeige ich
Ihnen mal , wie man von Nürnberg
nach Frankfurt am Main fahren kann.
Ja, ja, die Autobahn direkt kenn ick ooch! Aber kennen Sie schon Weimar? Oder
Eisenach und Fulda? Dem Namen nach, so so. Na, dann seh'n Sie jetzt mal a bisserl
was davon.
Ende März hatte ich zwei reizende Ehepaare aus Hawaii als Fahrgäste,
die von Budapest bis Nürnberg mit der MS Bolero (det kommt mir spanisch
vor, is aber 'n Schiff) auf der Donau eine Kreuzfahrt gemacht haben. Und da
sie dann noch zwei Tage Zeit bis zum Abflug in Frankfurt hatten, wollten sie
noch ein bisserl was von Deutschland sehen.
Tja, und diesmal waren nicht unsere bayrischen Sehenswürdigkeiten
gefragt, nein, eines der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte wurde gewünscht,
das KZ Buchenwald. Einer meiner Gäste war sehr an historischen Orten interessiert
und so war dann der Fahrplan recht einfach. Buchenwald, Weimar, Eisenach, Fulda
und dann Frankfurt.
Und Sie fahren heute mit auf dieser Tour. Morgens um fünfe bin ich bei
München in schönstem Schneetreiben gestartet, von wegen Klimaänderung,
der Winter schlug noch mal feste zu. Aber bis ich dann um 7 Uhr im Nürnberger
Hafen war Beweis siehe Foto hatten die Franken schon den Schnee
ab- und Nieselregen -bestellt.

Die MS Bolero, das ist das Kreuzfahrtschiff von Budapest bis hoch nach Amsterdam,
hatte schon angelegt, meine Gäste stärkten sich noch beim Frühstück
und um achte gings dann los gen Osten. Bayreuth
und Hof waren schnell errreicht, aber dann kamen die ersten Warnzeichen Eins,
zwei drei, vorm Hermsdorfer Kreuz allgemeine Drängel-Steherei.
Also nix wie ab in Schleiz und dann durch die schon herrlich grüne und
ruhige Gegend Richtung Gera nach Weimar.

So, für die Autoliebhaber hier mein früheres Schiff (heut
hab' ich 'n 8-Sitzer-Franzosen) und für Interessierte dann dahinter ein
sehr schönes einfaches, nicht zu teures gutes Hotel, der Fürstenhof.
Nach dem Einchecken gings dann gleich weiter nach Buchenwald.

(aufgenommen vom Prospekt der Stiftung)
Über Buchenwald von mir nur kurz soviel, es war einst das größte
KZ in Europa, ca 250 000 Gefangene wurden dort eingepfercht und ca 50 000 ließen
ihr Leben dort. Nach der Befreiung durch die Allierten wurden die
Anlagen von den russischen Truppen noch einige Jahre feste weiter genutzt für
alle, die ihnen ein Dorn im Auge waren. Wer sich mehr darüber informieren
will, sollte hier diesen Link benutzen,
http://www.buchenwald.de/.
Die Gedenkstätte hatte auch ein kleines Cafe angeschlossen, hat zwar den
Charme einer Bahnhofshalle, doch die dort den Service bietenden Damen waren
so was von herzlich da müssen Sie in München stundenlang suchen,
bis Sie so nette Servicekräfte finden. Das möchte ich übrigens
gleich mit erwähnen, ganz gleich wo wir in Weimar und Eisenach später
mit Personal zu tun hatten, Service, im Supermarkt, bei uns im Hotel oder im
Museum, jeder echt freundlich und hilfsbereit ein Dankeschön an
die Menschen dort !!!

So, nun sind wir schon von Buchenwald wieder weg und hier am Sommerschloß
Belvedere in Weimar. Von innen ansehen ging noch nicht, im Winter ist es geschlossen,
war ja auch ein Sommerschloß klar doch. Aber die Orangerie hatte
offen und grad eine Blumenschau, war für meine Gäste echt interessant,
denn auch Blumen aus Hawaii wurden geboten.

Und eine Aussicht hatte man von dort oben auf Weimar, ja
ja, die alten Fürschten wußten schon, wo man sich een Häuschen
hinbaut.

Von Weimar selber wollten wir ja auch noch was sehen, also runter zum Hotel
und dann drei Minuten zu Fuß, schon waren wir in der Altstadt. Der dicke
schwarze Mann hier auf dem Bild oben liegt passenderweise am Frauenplatz
so kann man aus Bruchstücken einer Statue auch noch was machen (grins).
Spaß beiseite und ein paar Schritt weiter, da schlug es grad 5 Uhr. Und
für uns war das ein Volltreffer, denn die Weimarer haben auf ihrem Rathaus
ein Glockenspiel, zwar nicht mit beweglichen Figuren wie die Münchner,
aber mit schönen Melodien.

Genau gegenüber vom Rathaus liegt dann das Cranach-Haus, in dem auch ein
Theater untergebracht ist.

Das Plakat für die Aufführung war auch so liebevoll gestaltet, mußt
ich einfach mal fotografieren.

Schon auf dem Rathausplatz sieht man einen düsteren schwarzen Turm zwei
Straßen weiter aufragen, das ist das Stadtschloß von Weimar. Der
Turm gehört noch zum ehemaligen Brückenhaus oder auch Zwinger genannt,
dahinter liegt dann der Prunkbau mit etlichen schönen alten Sammlungen
zum Besichtigen. Natürlich nicht mehr abends um diese Zeit.

Langsam grummelten auch unsere Mägen und so suchten
wir ein Restaurant. Der Sächsische Hof war dann gleich in der Nähe
und das Essen dort sehr gut. Nur eine kleine Warnung: die Spezialität
Thüringer Brätl ist nur was für Leute, die Steaks
oder Durchwachsenes gern haben. Geschmacklich war es zwar Spitze, aber da ich
leider a bisserl eigen bin und kein Sezierbesteck mit hatte, war ich davon
nun eben nicht begeistert. Wie gesagt, man muß Schweinenacken mögen.

Apropos mögen, ob die Schüler in Weimar ihr Gymnasium auch mögen,
bei dem strengen Türhüter? Aber ich muß sagen, viele alte Gebäude
in Weimar sind sehr schön restauriert und so hab ich halt davon auch ein
Bild für Sie gemacht.

Das war nun der erste Kreuzfahrt-Tag und wir gingen schön
müde ins Bett. Das Hotel Fürstenhof liegt übrigens am Historischen
Friedhof von Weimar . Vom Zimmerfenster aus denkt man jedoch man wäre
in Rußland beim Kreml, denn auf dem Friedhof steht eine Kirche, wie die
neben dem Kreml in Moskau. Das ist die Ruhestätte einer russischen Prinzessin.
Ach ja, apropos Russen da hätte ich beinahe noch ein ganz wunderbares
Erlebnis vergessen.
Gehen wir doch gestern abend vom Stadtschloß in Richtung Sächsischer
Hof und kommen an einem kleinen Lädchen vorbei, wo im Schaufenster auch
so ein russisches Kirchlein und ein Samovar stehen. Natürlich waren meine
Gäste interessiert, wir schauen, sehen alles in russischer Sprache und
im Laden guckt uns ein junger Mann zu. Der öffnet dann sogar die Tür,
sagt, daß er gerade beim Einrichten des Geschäftes ist, aber wir
dürften gern reinkommen zum Anschauen. Auf Fragen meiner Gäste antwortet
er in fließendem Englisch und ist auch gerne bereit, ein paar Sachen
zu verkaufen. Nur bei dieser kleinen russischen Kirche, die sich übrigens
als Spieluhr entpuppt, weiß er nicht den Preis und ruft seinen Vater
an in fließendem Russisch. Tja, und dann stellte sich heraus,
der junge Mann war ein echter Russe, fließend Deutsch und Englisch sprechend
und von so einer herzlichen Freundlichkeit das hatte nicht mit Verkaufen
zu tun eher mit der sprichwörtlichen russischen Seele.

So, nun aber weiter mit der Kreuzfahrt. Nächster Halt aufder
Fahrt in Richtung Frankfurt war nun Eisenach mitder gewaltigen Wartburg. Daß
Martin Luther dort in acht Monaten quasi in Schutzhaft war, wußten meine
Gäste auch. Also war eine Besichtigung der Wartburg obligatorisch. Es
ist auch echt lohnenswert, dort eine Führung mitzumachen. Die Wartburg
war ja auch der Wohnsitz der heiligen Elisabeth von Thüringen, und so
sind im Inneren durch sehr gut restaurierte Wandmalerein viele historische
Ereignisse dargestellt.


Unserer Führerin hatte auch schöne Erzählungen über die
frühere Schlitzohrigkeit so mancher hohen Herren parat, so
auch über die Entstehung der Wartburg. Gebaut wurde sie von Ludwig, dem
Springer (so genannt, weil er überall rumhupfte?).

sein Grabstein
Der war anscheinend auch auf diesen Berg "gesprungen",
fand die Aussicht und Lage toll und wollte da seine Burg bauen (wart
Berg, du bekommst eine Burg). War nur ein kleiner Haken an der Sache,
der Berg gehörte ihm nicht. Aber Ludwig wußte sich Rat: ließ
einfach von seinen Ländereien einige Fuhren Erde kommen, oben drauf schütten
und schon ging die Bauerei los. Als dann die Eigentümer des Berges ihn
vor dem Kaiser verklagten, schwor Ludwig treu und brav, daß er nur auf
seinem eigenen Grund baue. Stimmte ja auch, also bekam er Recht (und die anderen
lange Nasen...).

Der Höhepunkt der Besichtigung ist dann natürlich hier das Luther-Zimmerchen,
wo er in acht Monaten unter dem Decknamen Junker Jörg das
Neue Testament ins Deutsche übersetzte und so dem gemeinen volk
eigentlich Deutsch und die Bibel nahe brachte. Der Tintenfleck an der Wand,
von dem die Legende erzählt, Luther hätte mit dem Tintenfass nach
dem ihn versuchenden Teufel geworfen, ist leider nicht mehr zu sehen
der Fleck wurde samt Putz von früheren Touristen mitgenommen Sie
sehen die Stelle hinter dem Ofen.

Wie bitte? Nee, das ist nicht die Hofkapelle der Wartburg, jetzt sind wir schon
in Fulda. Eisenach und Wartburg liegen schon hinter uns, bis abends mußte
ich ja bei Frankfurt sein. Aber den Dom zu Fulda wollte ich meinen Gästen
noch zeigen. Und wenn man vom Teufel spricht, dann ist er auch ganz schnell
los. In Fulda jedenfalls war der Teufel los und das an einem Sonntag. Geschlagene
40 Minuten hab ich gebraucht, bis ich einen Parkplatz in der Nähe vom
Zentrum fand es war Markt-Sonntag in Fulda.

Vom Domplatz, leider durch den späten Nachmittag und gegen die Sonne fotografiert
a bisserl dunkel geworden, kamen wir am Stadtschloß vorbei. Dann rein
in den alten Kern der Bischofsstadt und noch schnell ein Sandwich ergattert.

Und dann gings weiter in Richtung Frankfurt. Da gab es dann nochmal eine neue
Erfahrung für mich, manchmal kann man machen was man will, plötzlich
steht man im Wald. Hoteladresse bei Darmstadt war im Navi eingegeben, führt
auch schön brav hin und urplätzlich endet die Straße in einen
gesperrten Waldweg und das war's: Zum Glück kamen zwei Spaziergänger
vorbei, die mir dann sagten, das Navi hätte zwar recht, aaaber.... der
Weg sei nun nur mal für Jäger sind zwar nur noch 800 m, aaber....
Wir haben dann aber doch noch hingefunden und alle waren glücklich.
Tja, damit war die Kreuzfahrt beendet für meine Gäste. Mein
Frankfurter Kollege, Herr Welzel wenn
Sie mal in Frankfurt einen Kreuzfahrer brauchen mit Van....-
holte meine Gäste dann noch für eine kleine Darmstadtrundfahrt mit
Abendessen ab und ich machte mich auf die Socken gen Bayern zurück.
Ich hoffe, diese Reise beschreibung macht Ihnen auch ein wenig Lust auf Weimar,
Eisenach oder Fulda lohnt sich auf alle Fälle. Wer übrigens
kaum ja mal nach Fulda kommen wird, sich aber für den Dom und die Geschichte
des heiligen Bonifatius interessiert, der kann bei mir in der
Buecher-Fundgrube ein schönes Buch mit Bildern und historischen
Grundlagen finden, ist von Ludwig Pralle und aus dem Jahr 1980.
Bis zum nächsten Mal vielleicht mit mir in Bayern -- oder wolln mir mal
kreuzfahren?
Mit besten Grüßen
Ihr Jörg W. Lohfink
echt preissischer Reiseführer (aus eigenem Vergnügen) und -fahrer
in Bayern.
(alle Bülders sin von mir und bei Anklickern
wern'se jrößer) ©®J.W.Lohfink |